Vivian Suter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Vivian Suter (* 26. August 1949 in Buenos Aires) ist eine argentinisch-schweizerische Malerin.[1] Ihr Werk umfasst konzeptuelle Arbeiten, Zeichnungen, Aquarelle, Collagen, Papierreliefs sowie Malereien, die als Installationen einzelne Werkgruppen bilden.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vivian Suter kam 1949 in Buenos Aires als Tochter von Elisabeth und August Wild auf die Welt. 1962 zog sie mit ihrer Familie von Buenos Aires nach Basel. Sie besuchte 1972 die Kunstgewerbeschule Basel und liess sich anschliessend kurz in Wien, Afrika, Bern und Rom nieder. Seit 1982 lebt sie auf einer ehemaligen Kaffeeplantage in Panajachel, Guatemala. Ihre Fotoarbeiten, Aquarelle und Ölmalereien auf Papier und Leinwand, die dort entstehen, handeln vom Lago de Atitlán, vom Wind, vom Regen, von den Vulkanen, von der Weite und einer waldreichen Umgebung. Sie lebt inmitten von Palmen und üppiger Vegetation, wo sie ihre Arbeiten entwirft. Dort lebte auch ihre Mutter Elisabeth Wild. In erster Ehe war sie mit dem Schriftsteller Martin Suter verheiratet.[2]

Bevor Vivian Suter zu einer freien Bildsprache findet, arbeitet sie konzeptuell. In der Ausstellung Vivian Suter. Hirsche in der Galerie Stampa stellt die Künstlerin 1972 verschiedene Objekte aus, die alle auf das symbolgeladene Tier verweisen. In 158 Leute, die ich zwischen dem 26.6.73 und dem 14.4.74 auf meiner Reise kennen gelernt habe fotografiert sie auf ihren Reisen nach Asien und Afrika Zufallsbekanntschaften mit einer Schiefertafel ab, auf der Datum, Name der Porträtierten sowie Ort der Begegnung notiert sind.

In den frühen 1980er-Jahren entstehen grossformatige Malereien, die Vivian Suter "Unförmige" nennt. Die Werke sind polygonal, aus mehreren Papierelementen zusammengesetzt und werden anschliessend von der Künstlerin zugeschnitten. Sie zeigen dynamische, organisch-fliessend gemalte Motive und Linien, die von der vieleckigen Form der Bilder beeinflusst sind. Um 1983 wendet sich die Künstlerin vom Papier ab und beginnt die dicken, pastosen Malschichten auf Leinwände aufzutragen. Mit dem neuen Bildträger verändern sich die Motive, die Striche werden geometrischer und wirken kontrollierter.

Richtungsweisende Momente für Vivian Suters Arbeit sind die beiden Tropenstürme Stan im Jahr 2005 und Agatha 2010.[3] Sie verunstalten beziehungsweise zerstören zahlreiche von Vivian Suters Leinwänden und bewirken damit ein Umdenken in ihrer künstlerischen Praxis: Sie akzeptiert das Eingreifen der Natur in ihre Arbeit. Die Leinwände tragen fortan die Spuren der Umwelt, sind mit Schlamm oder Laub besetzt und geben damit der Natur eine aktive Stimme im künstlerischen Gestaltungsprozess. Ein Grossteil von den Werken Vivian Suters sind undatiert und ohne Titel.

Vivian Suter ist international auf zahlreichen Ausstellungen vertreten. 2014 war sie Teilnehmerin der 31. Biennale von São Paulo und 2017 Teilnehmerin der documenta 14.[4] 2021 wurde ihr der Prix Meret Oppenheim des Bundesamtes für Kultur verliehen.[5] Im gleichen Jahr zeigt das Kunstmuseum Luzern ihre erste eigentliche Retrospektive.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2016: Golden Pineapple, La Gran Bien Tropical 2, San Juan, Portugal
  • 1981: Eidgenössisches Kunststipendium

Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke von Vivian Suter befinden sich in folgenden Sammlungen:

Art Institute of Chicago; Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean, Luxemburg; Guggenheim Museum, New York; Helvetia Kunstsammlung; Jewish Museum, New York; Kunstmuseum Luzern; MCA Chicago, Chicago; MFA Boston; Sammlung Ricola; Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur; Tate Collection, London; Kanton Basel-Stadt

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2022: Secession, Wien
  • 2021: Vivian Suter. Retrospektive, Kunstmuseum Luzern
    • Vivian Suter, Museo Reina Sofía, Madrid
    • Vivian Suter. Bonzo's Dream, Brücke-Museum, Berlin
    • Vivian Suter. Tintin's Sofa, Camden Arts Centre, London
    • Storefront Gallery, Karma International, Zürich
  • 2019: Vivian Suter, Tate Liverpool
  • 2018: Vivian Suter. La Canícula, The Power Plant, Toronto
  • 2017: Using Walls, Floors, and Ceilings. Vivian Suter, Jewish Museum, New York
    • Brotan Claveles las Solapas, Museo Experimental el Eco, Mexiko-Stadt
    • Vivian Suter and Elisabeth Wild, Karma International, Los Angeles
  • 2015: Vivian Suter. Panajachel, The Mistake Room, Los Angeles
    • Vivian Suter, Karma International, Zürich
    • Lejos, Hous of Gaga, Mexiko-Stadt
  • 2014: Vivian Suter. intrépida featuring Elisabeth Wild Fantasías 2, Kunsthalle Basel
  • 2008: La Terraza, Panjachel
  • 2004: Alrededor de mi cuarto, Kunstmuseum Olten
  • 1993: Vivian Suter. Unlängst gemalte Bilder, Galerie Stampa, Basel
  • 1990: Galerie Susan Wyss, Zürich
  • 1989: Vivian Suter. Bilder 1988/89, Galerie Stampa, Basel
  • 1985: Fundaciòn Humboldt y Consulado Suizo, Guatemala-Stadt
  • 1984: Galerie Regenbogen, Luzern
  • 1983: Vivian Suter. Bilder 1981–1983, Kunstmuseum des Kantons Thurgau, Kartause Ittingen, Warth
    • Vivian Suter. Arbeiten 1982,83, Galerie Stampa, Basel
  • 1982: Galleria Dossi, Bergamo
    • Galleria Fabjbasaglia, Bologna
  • 1981: Galleria Diagramma, Mailand
    • Severine Teucher, Zürich
  • 1980: Vivian Suter, Galerie Stampa, Basel
  • 1978: Galerie ABF, Hamburg
  • 1977: Galerie Handschin, Basel
  • 1976: Galerie Elisabeth Kaufmann, Olten
  • 1975: Galerie Rolf Preisig, Basel
  • 1972: Vivian Suter. Hirsche, Galerie Stampa, Basel
  • 2014: 31. Biennale von São Paulo
  • 1972: Neue Arbeiten von Vivian Suter, Galerie Stampa, Basel

Gruppenausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2021: Earth Beats, Kunsthaus Zürich
  • 2019: En Plein Air, High Line Art, New York
  • 2018: Taipei Biennial – Post Nature: A Museum as an Ecosystem, Taipeh
    • Art Basel Cities: Buenos Aires, Ex Cervecería Munich, Buenos Aires
  • 2017: documenta 14, Kassel/Athen
    • GT from 33,000 km: Conteporary Art, 1960–Present, Museum of Contemporary Art Santa Barbara
  • 2016: X Bienal de Nicaragua, Managua
  • 2014: 31. Biennale von São Paulo
  • 2013: Concepción 41, Fundacion de arte contemporaneo, La Antigua
  • 2012: Onlinka, or Where Movement Is Created, Museo Tamayo Arte Contemporanéno, Mexiko-Stadt
  • 2011: 6 Künstler aus Basel x 2, Kunsthalle Basel
  • 1983: Swiss Center Gallery, New York
    • Arte e Critica, Pisa
  • 1981: 6 Künstler aus Basel, Kunsthalle Basel
  • 1980: 22 Swiss Artists, Galeria Nacional de Arte Moderna, Lissabon
  • 1979: Europa 79, Stuttgart
  • 1978: Sechs Basler Künstler, Kunstmuseum Thun

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vivian Suter: Bonzo, Tintin & Nina, mit Texten von Fanni Fetzer, César García-Alvarez, Roman Kurzmeyer, Anne Pontégnie und Adam Szymczyk, e/d, hrsg. von Kunstmuseum Luzern, Hatje Cantz, 2021, N° 94 im Programm der Binding Sélection d’Artistes, ISBN 978-3-7757-5193-3.
  • Prix Meret Oppenheim 2021: Georges Descombes, Esther Eppstein, Vivian Suter, Schweizer Grand Prix Kunst, hrsg. von Bundesamt für Kultur, 2021.
  • Vivian Suter, mit Texten von Adam Szymczyk, R. H. Quaytman, Moyra Davey und Hendrik Folkerts, e, hrsg. von Gladstone Gallery, Hatje Cantz, 2019, ISBN 978-3-7757-4551-2.
  • Im Streiflicht oder: die Lust an der Malerei : Heinz Egger, Christoph Gugger, Lisa Hoever, Bruno Jakob, Viktor Korol, Renée Levi, Christian Lindow, Anne Loch, Kotscha Reist, Albrecht Schnider, Dominik Stauch, Christine Streuli, Vivian Suter, Christian Vetter, Uwe Wittwer, mit Texten von Massimiliano Madonna, Konrad Tobler, hrsg. von Kunsthalle Palazzo, 2018.
  • Vivian Suter Intrépida : featuring Elisabeth Wild - fantasías 2, hrsg. von Kunsthalle Basel, 2014.
  • Vivian Suter: Alrededor de mi cuarto, hrsg. von Kunstmuseum Olten, 2004.
  • Das subjektive Museum : Matthias Aeberli, Silvia Bächli, Peter Brunner, Erich Busslinger, Eric Hattan, Arno Hassler, Jacques Herzog, Rut Himmelsbach, Guido Nussbaum, Clara Saner, Alex Silber, Aldo Solari, Anselm Stalder, Jürg Stäuble, Vivian Suter, Anna Winteler, mit Texten von Eric Hattan, Filiale, 1984.
  • Vivian Suter: Bilder 1981–1983, hrsg. von Kunstmuseum des Kantons Thurgau, Kartause Ittingen, 1983.
  • Zitronenblau : Balanceakte ästhetischen Begreifens : Elvira Bach, Hannelore Baron, Rita Bischof, Gisela Dischner, Jutta Heinrich, Marta Hoepffner, Heidi Knetsch, Elisabeth Lenk, Friederike Mayröcker, Monika Neuser, Ulrike Ottinger, Ginka Steinwachs, Vivian Suter, Katja Tiel, Liesl Ujvary, Die Weibsbilder, Mona Winter, Kerstin Zöllna, hrsg. von Mona Winter, Frauenoffensive, 1983.
  • Künstler aus Basel : Miriam Cahn, Rut Himmelsbach, Alex Silber, Anselm Stalder, Vivian Suter, Hannah Villiger, Christine Brodbeck, Anna Winteler, Welcome, The Wondergirls, mit Texten von Jean-Christophe Ammann und Margrit Suter, hrsg. von Kunsthalle Basel, 1981.
  • Vivian Suter, hrsg. von Galerie Krinzinger, 1981.
  • Vivian Suter, hrsg. von Galerie Stampa, 1980.
  • 22 artistas Suiços na Galeria Nacional de Arte Moderna Belém (Lisboa), de 10 de Outubro a 9 de Novembro 1980 : John Armleder, Michael Biberstein, Heinz Brand, Chérif Défraoui, Silvie Défraoui, Christoph Gossweiler, Reinhard Manz, Rudolf Mattes, Jean Mauboulés, Dieter Meier, Gérald Minkoff, Olivier Mosset, Muriel Olesen, Jean Otth, Patricia Plattner, Vaclav Pozarek, Jörg Renz, Tamas Staub, Jürg Stäuble, Vivian Suter, Janos Urban, René Zäch, hrsg. von Luc Boissonas et al., 1980.
  • Basler Künstler : Vivian Suter, Ludwig Stocker, Pierre Raetz, Carlo Aloe, Corsin Fontana, Stephan Zwahlen, hrsg. von Kunstsammlung der Stadt Thun, 1978.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vivian Suter, abgerufen am 24. Juli 2019.
  2. Tageswoche Der Schlamm ist Teil des Werks, abgerufen am 24. Juli 2019
  3. Monika Kästli: Suter, Vivian. In: SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz. 2016, abgerufen am 8. November 2021.
  4. documenta 14, daybook Vivian Suter, abgerufen am 24. Juli 2019
  5. Prix Meret Oppenheim 2021. Bundesamt für Kultur BAK, 8. April 2021, abgerufen am 20. April 2021 (deutsch).
  6. Lux Vivian’s Garden, abgerufen am 24. Juli 2019
  7. intépida /fearless