Walter Riezler

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Walter Riezler (* 2. Oktober 1878 in München; † 22. Januar 1965 ebenda) war ein deutscher Klassischer Archäologe und späterer Musikwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Riezler stammte aus einer bürgerlichen Familie, die zuvor und nach ihm bedeutende Personen hervorgebracht hat. Er studierte Philosophie, Klassische Philologie, Kunstgeschichte und Archäologie in München. Riezler promovierte mit der Arbeit Der Parthenon und die Vasenmalerei. Studien zur attischen Vasengeschichte. Von 1904 bis 1906 erhielt er bei Felix Mottl und Max Reger eine musikalische Ausbildung. Riezler war Mitglied des Deutschen Werkbundes und leitete die Redaktion der Zeitschrift Die Form (1922, 1927–1933).

Von 1910 bis zu seiner Absetzung 1933/1934 war er Direktor des Städtischen Museums Stettin.[1] In dieser Funktion ließ er unter anderem mehrere griechische Bronzestatuen nachbilden, die häufig als Abbildungen wiedergegeben wurden. Weiterhin beschäftigte er sich mit der Attischen Vasenmalerei, zu der er das monumentale Werk Weißgrundige attische Lekythen publizierte. Riezler war einer der kulturellen Mittelpunkte Stettins.[2] Als Befürworter der Modernen Kunst wurde er von den konservativen, völkisch-nationalen Kreisen Stettins bekämpft. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde er im April 1933 suspendiert und Wolfgang Lotz übernahm die Redaktion der Form. 1934 wurde Riezler in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, die Nationalsozialisten stellten die Zeitschrift ein Jahr später endgültig ein.[3] Riezlers Versuch zu emigrieren war erfolglos.[4]

Später wandte sich Riezler der Musikwissenschaft zu. Hier forschte er unter anderem zu Ludwig van Beethoven. Seine Biografie des Komponisten erlebte allein in Deutschland eine zweistellige Auflagenzahl, zudem wurde sie in mehrere andere Sprachen übersetzt. Das Vorwort steuerte der Sohn seines akademischen Lehrers, Wilhelm Furtwängler, bei. 1946 erhielt Riezler eine Honorarprofessur für Neuere Musikgeschichte und Allgemeine Kunstlehre an der Universität München. Er war Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Weissgrundige attische Lekythen. Nach Adolf Furtwänglers Auswahl, Bruckmann, München 1914
  • Die Kulturarbeit des Deutschen Werkbundes, Bruckmann, München 1916
  • Hans Pfitzner und die deutsche Bühne, Piper, München 1917
  • Beethoven, Atlantis, Berlin 1936
  • Einheit der Künste. Universitas artium, Drei Fichten, München 1947 (Geistiges München, H. 9)
  • Schuberts Instrumentalmusik. Werkanalysen, Atlantis, Zürich und Freiburg 1967 (Atlantismusikbücherei)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe Webseite des BKGE: Archivführer Stettin / 0305 Städtisches Museum Stettin (Muzeum Miasta Szczecina). (abgerufen am 6. November 2011)
  2. Hans Vogel: Walter Riezler und die geistige Kultur Stettins vor 1933. In: Baltische Studien. Band 53 N.F. (1967). S. 83–92.
  3. Deutscher Werkbund NW - Zur Geschichtsschreibung (abgerufen am 7. November 2011)
  4. Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil, S. 551