Staatliche Antikensammlungen

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Staatliche Antikensammlungen
Colección Estatal de Antigüedades, Múnich, Alemania, 2013-02-03, DD 01.JPG
Daten
Ort Königsplatz, München
Art
Antike Kunstsammlung
Architekt Georg Friedrich Ziebland
Eröffnung 1848
Betreiber
Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek
Leitung
Website
ISIL DE-MUS-098913

Die Staatlichen Antikensammlungen in München sind eine der größten Antikensammlungen in Deutschland insbesondere für griechische, etruskische und römische Kunst. Sie befinden sich im ehemaligen Kunstausstellungsgebäude auf der Südseite des Königsplatzes. Das Pendant zu den Staatliche Antikensammlungen ist die Glyptothek. Sie liegt auf der Nordseite des Königsplatzes gegenüber den Staatlichen Antikensammlungen und beherbergt antike Skulpturen.

Das Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude, in dem sich die Antikensammlungen heute befinden, wurde 1838 bis 1848 im Auftrag von König Ludwig I. durch Georg Friedrich Ziebland in der Art eines korinthischen Tempels am Königsplatz errichtet. Im Zentrum des Giebelfelds steht die Bavaria, als Mittelakroter des Giebeldaches ziert hingegen Phönix den Bau, der sich mit hoher Freitreppe unter dem Portikus über den Platz erhebt. Das Gebäude ergänzte das durch Architekt Leo von Klenze ab 1815 am Königsplatz geschaffene klassizistische Forum und diente zunächst unter dem Namen Kgl. Kunstausstellungsgebäude am Königsplatz[1] als Kunst- und Industrie-Ausstellungsgebäude. An der Südseite des Gebäudes wurde im gleichen Zug das Kloster St. Bonifaz errichtet.

Bereits von 1869 bis 1872 beherbergte der Bau das königliche Antiquarium, von 1898 bis 1912 zog dann die Münchener Sezession ein. Ab 1919 war die Neue Staatsgalerie im Gebäude untergebracht. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erfolgte 1967 die Wiedereröffnung des zuvor entkernten Gebäudes als Staatliche Antikensammlungen (früher Museum antiker Kleinkunst).

Augenschale des Exekias (Dionysos-Schale): Dionysos (ca. 530 v. Chr.)
Diatretglas-Becher aus Köln (um 400 n. Chr.)
Goldkranz aus Armento

Die Sammlungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sammlung geht auf die Antikensammlung der Wittelsbacher zurück, insbesondere auf die Sammlungen König Ludwigs I. 1831 erwarb sein Agent Johann Martin von Wagner antike Vasen aus der Ausgrabung in Vulci in Etrurien, sein Agent Friedrich von Thiersch ersteigerte antike Kunst aus dem Nachlass von Lucien Bonaparte. Der König erwarb Goldschmuck aus dem Besitz von Caroline Murat, etruskische Bronzekunst von den Ausgrabungen in Perugia, etruskischen Goldschmuck von den Brüdern Candelori sowie griechische Terrakotten aus Unteritalien. Ludwig ging dabei juristisch pedantisch vor, es gab immer gültige Ausfuhrpapiere.[2] Von 1853 bis 1854 wurde die Vasensammlung von Otto Jahn katalogisiert. Nach dem Tode des Königs 1868 wurde seine Sammlung mit der auf Herzog Albrecht V. zurückgehenden Wittelsbachischen Antikensammlung vereint. Ausgestellt waren die Exponate zunächst bis 1872 im Antiquarium der Residenz und in den Hofgartengalerien, danach im Untergeschoss der Neuen Pinakothek.

Dem 1905 von Kronprinz Rupprecht von Bayern mitbegründeten Bayerischen Verein der Kunstfreunde gelangen zahlreiche Erwerbungen für die Sammlung. Bereichert wurden die Bestände später durch private Stiftungen und Vermächtnisse, insbesondere den Sammlungen von Paul Arndt (1908), von James Loeb (1933) und von Hans von Schoen (1964)[3]. Diese bedeutenden Sammlungen enthielten neben antiker Keramik insbesondere kleinformatige antike Objekte, Glas- und Bronzekunst sowie Terrakotta und Goldschmuck. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde am schwersten der Bestand an etruskischer Keramik getroffen, der im Depot der durch Bomben zerstörten Neuen Pinakothek untergebracht war.

Die Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgestellt werden Exponate aus der Sammlung griechischer Vasen und Keramik sowie aus weiteren Sammlungen auch etruskischer und römischer Kunst insbesondere zahlreiche Terrakotten, Bronzen, Goldschmuck, Gläser, Porträts, Gemmen und Münzen sowie Reliefs. Weiter wird bereits auch kykladische Kunst ausgestellt.

Keramik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sammlung enthält Töpferkunst aus allen Epochen der griechisch-römischen Zeit, vom mykenischen Krug aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. über die Vasen aus geometrischer Zeit (ca. 900–700 v. Chr.), archaischer Zeit (ca. 700–480) und klassischer Zeit (ca. 500/480–323 v. Chr.) bis zur Keramik des Hellenismus (323–146 v. Chr.), der Etrusker und des alten Roms.

Die Sammlung griechischer Vasen gehört zu den bedeutendsten der Welt, sie umfasst Keramik vieler der wichtigsten griechischen Töpfer und Maler wie dem Amasis-Maler, Exekias, Archikles, Glaukytes, dem Penthesilea-Maler, dem Andokides-Maler, Oltos, Kleophon, Phintias, Euphronios, Euthymides, Epiktetos, dem Pan-Maler, dem Berliner Maler, Hieron, Makron, Duris, dem Brygos-Maler, dem Acheloos-Maler und Lydos. Die bedeutendsten Töpfer und Vasenmaler hatten ihre Gefäße wie Kunstwerke signiert. Zahlreiche Meisterwerke wie die Bauchamphora des Andokides-Malers und die Dionysos-Schale des Exekias sind in den Antikensammlungen ausgestellt.

Zu den beispielhaften Statuetten aus Terrakotta in der Sammlung zählen der sogenannte Angelehnte Eros, der Sitzende Knabe , die Stehende Frau und der Stehende Jüngling. Eine der weltweit am besten erhaltenen antiken Terrakottafiguren ist Die Schöne. Sie wurde im frühen 3. Jahrhundert v. Chr. geschaffen und bei Athen gefunden.

Zu den Meisterwerken etruskischer Kunst gehört ein Kopfgefäß mit Darstellung des etruskischen Todesdämons Charun (400–350 v. Chr.).

Bronzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bronzestatuette Göttin der Schönheit und der Liebe ist ein Meisterwerk der hellenistischen Bronzekunst und stammt aus der Zeit um 100 v. Chr. Sie wurde in Beröa in der nordgriechischen Landschaft Makedonien gefunden. Das Bronzepferdchen aus der Zeit um 720. v. Chr. war vermutlich das Geschenk eines Spartaners an eine Gottheit.

Schmuck und Gemmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutende Exponate antiken Schmuckes sind insbesondere der griechisch-italische Goldkranz aus Armento aus dem 4. Jahrhundert vor Christus sowie griechische Ohrringe, Goldketten und Schenkelbänder aus derselben Epoche. Das Golddiadem vom Schwarzen Meer stammt von der Krim (ca. 150 v. Chr.).

Zu den Staatlichen Antikensammlungen gehört auch die in eine Stiftung eingebrachte Sammlung Helmut Hansmann (1924–1996) mit etwa 700 antiken und neuzeitlichen Gemmen.

Gläser und weitere Materialgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der berühmte Diatretglasbecher aus Köln (etwa um 400), den die Stadt König Ludwig I. als Dank für seinen Einsatz bei der Vollendung des Kölner Doms geschenkt hat, zeigt noch immer seine lateinische Inschrift: BIBE MULTIS ANNIS (Trinke noch viele Jahre). Eine Schale aus seltenem transparenten Klarglas (500–450 v. Chr.) und eine silberne Trinkschale aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. repräsentieren das Persien der Achämeniden. Die bemalte Holztafel eines Mumienporträts, das 1892 bei Grabungen in Hawara in der Oase Fayum gefunden wurde, zählt zu den schönsten und qualitativ besten antiken Mumienporträts. Entstanden in den Jahren um 140, zeigt es einen jungen Mann aus der Oberschicht des kaiserzeitlichen Ägypten. Der Korinthische Helm aus dem Grab des Dendas stammt aus griechischer Werkstatt in Unteritalien, 500–490 v. Chr.

Antike im Kunstareal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bestand der Antikensammlungen wird durch die antiken Skulpturen in der Glyptothek ergänzt, beide gehören zum Kunstareal München. Griechisch-römische Kunst, die seit der hellenistischen Eroberung in Ägypten entstanden ist, befindet sich auch im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst. Hier befinden sich auch die assyrischen Reliefs, die einst in der Glyptothek ausgestellt waren. Römische Kunst aus dem süddeutschen Raum befindet sich dagegen nicht im Kunstareal, sondern in der Archäologischen Staatssammlung im Lehel. Die Staatliche Antikensammlung ist im Münchner Zentrum für Antike Welten eng mit universitären und außeruniversitären altertumswissenschaftlichen Forschungseinrichtung verbunden.[4]

Direktion und Außenstelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Direktion der Antikensammlungen und der Glyptothek befindet sich im Haus der Kulturinstitute. Der Direktor der Glyptothek ist gleichzeitig auch Direktor der Antikensammlung. Direktor ist seit 1. Mai 2011 Florian Knauß, stellvertretender Direktor Christian Gliwitzky.

Eine Außenstelle der Staatlichen Antikensammlungen befindet sich im Pompejanum in Aschaffenburg. Exponate aus der Sammlung werden auch im Internationalen Keramik-Museum Weiden ausgestellt.

Sonderausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1984: Gold der Skythen aus der Leningrader Eremitage
  • 1990: Kunst der Schale – Kultur des Trinkens
  • 19. Juli 2006 – 31. Januar 2008: Mythos Troja
  • 4. Juni 2008 – 2. August 2009: Starke Frauen
  • 20. Juli 2012 – 7. Juli 2013: Die Unsterblichen – Götter Griechenlands
  • 16. November 2021 – 13. März 2022: Salamis 480
  • 11. Mai – 25. September 2022: Samnium und die Samniten

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Staatliche Antikensammlungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe Deckblatt des Ausstellungskatalogs X. Ausstellung der Münchener Sezession. Der Deutsche Künstlerbund, München 1904.
  2. Der Reiz von Sport und Gelagen (SZ-Interview mit Florian Knauß). Abgerufen am 30. Juni 2022.
  3. Katalog: Reinhard Lullies: Eine Sammlung griechischer Kleinkunst. Hirmer 1955.
  4. Beteiligte Institute im Münchner Zentrum für Antike Welten. Abgerufen am 12. November 2018.

Koordinaten: 48° 8′ 42″ N, 11° 33′ 53″ O