Weißbierbrauerei Willner

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Gebäude der Willner Brauerei (Juli 2012)

Die Weißbierbrauerei Willner war von 1882 bis 1990 eine Berliner Weißbier-Brauerei im Ortsteil Berlin-Pankow, die heute noch erhaltenen Brauereigebäude im Blockbereich zwischen der Berliner Straße 80/82 und der Straße Eschengraben stehen unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1882 von Emil Willner gegründet, wurde die Brauerei 1935 nach einer Insolvenz eine Aktiengesellschaft, weshalb der Brauereiname in Willner-Brauerei AG geändert wurde. Neben dem Sudhaus wurde eine Mälzerei errichtet, die sowohl für den Eigenbedarf als auch für den Verkauf Gersten- und Weizenmalze bis 1944 herstellte. 1949 erfolgte die Enteignung und die Eingliederung in die Berliner Brauereien GmbH als Treuhandbetrieb Willner Brauerei. Im selben Jahr jedoch konnte die Einrichtung wieder als eigener Betrieb arbeiten, der allerdings mit der Gründung der DDR Volkseigentum wurde. Bald schlossen sich mehrere Brauereien zu einer Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) zusammen. 1959 wurde die Willner-Brauerei dem VEB Schultheiß Brauerei Schönhauser Allee als Abteilung Willner unterstellt. Ab 1969 wurde die Brauerei dem VEB der Berliner Brauereien unter dem Betrieb  VI Schultheiß Schönhauser Allee als Abteilung Weißbier geführt. Im selben Jahr gründete sich der VEB Getränkekombinat Berlin, dem sich die Brauerei erst 1990 anschloss.

Das Getränkekombinat wurde im Ergebnis der deutschen Wiedervereinigung 1990 aufgelöst, die Weißbierbrauerei gliederte sich nun in die Brau- und Erfrischungsgetränke AG Berlin (BEAG) ein. Die BEAG war ein Gemeinschaftsunternehmen der zur Oetker-Gruppe gehörenden Brau und Brunnen-Gruppe (BBAG). Aber noch zum Ende des Jahres 1990 wurde die Brauerei geschlossen.[2]

Neue Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2012 begann auf dem unter Denkmalschutz stehenden Teil des ehemaligen Brauerei- und Mälzereigeländes eine kulturelle Zwischennutzung aus Kunst, Event und Gastronomie, die unter dem Label WBB (Willner-Brauerei-Berlin) firmierte. Die Initiatoren des WBB hatten das Gelände für 10 Jahre gepachtet.[3][4] Der Garten des Zollhauses an der Berliner Straße wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts als Biergarten genutzt. Der Biergarten wurde zunächst bis 1993 betrieben und 2013 als „Emils Biergarten“ durch die Betreiber der Zwischennutzung wieder eröffnet. 2014 zog die Bogk-Brauerei aus Berlin-Kreuzberg auf das Gelände der Willner-Brauerei.[5] Am 19. März 2016 fand der 3. Berliner-Weiße-Gipfel auf dem Gelände mit Beteiligung von 17 Brauereien statt. [6] Im November 2016 fand die 9. GAT – Grüße Aus Tätowierungen, eine jährlich stattfindende Bilder-Ausstellung der tätowierbaren Künste, in der Willner Brauerei statt.[7]

Nachdem die Immobilie von Nicolas Berggruen an die Jenn Grundbesitz GmbH & Co. KG verkauft wurde, endet die Zwischennutzung vorzeitig zum 31. Dezember 2017. Am letzten Öffnungstag, dem 16. Dezember 2017 findet ein Abschlussfestival mit dem Titel Lost statt. Hier werden alle Räume des Gebäudeensembles geöffnet, so auch der dreistöckige Speicher. In diesem wird den Besuchern eine von 10 Künstlern gestaltete Gruppenausstellung als The Dark Rooms geboten – Wechselnde punktuelle Beleuchtungen sollen die Wahrnehmung von Details schärfen. In der ehemaligen Kantine stellen Künstler aus und verkaufen ihre Werke, die bisher von der Enter Art Organisation gefördert wurden. Unter dem Motto 48 Stunden Kino werden Filme gezeigt, die bisher nur auf Filmfestivals zu sehen waren. Schließlich finden im Keller und in den beiden Clubs Discos statt, zu denen 80 Discjockeys auflegen werden.[8]

2018 wird es keine kulturellen Veranstaltungen im alten Brauhaus mehr geben; dann sollen dort Büros, Ateliers und Handelsflächen entstehen.[9]

Anekdote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Anekdote zum Grundstück wird berichtet, dass dort eine Kaufmannsvilla stand, deren Inventar während einer Italienreise des Besitzers gestohlen wurde. Anschließend soll das Gebäude unberechtigt bis auf das Fundament abgetragen worden sein, sodass der Besitzer bei seiner Rückkehr ein leeres Grundstück vorfand.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weißbierbrauerei Willner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  2. Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland der Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen ab ca. 1900 des IBV Internationaler Brauereikultur-Verband e.V., 1995, IBV-Eigenverlag, Stuttgart.
  3. Stefan Strauss: Willner-Brauerei – Die neue Kulturbrauerei. In: berliner-zeitung.de. Abgerufen am 2. November 2016.
  4. wbb-pankow.de
  5. Erik Wenk: Berliner Weiße - Das erste deutsche Bier mit regionalem Kulturerbe. In: tagesspiegel.de. Abgerufen am 2. November 2016.
  6. Nicht nur Himbeere: 42 Sorten Berliner Weiße. In: morgenpost.de. Abgerufen am 2. November 2016.
  7. Romy Campe: GAT 2016 – Grüße Aus Tätowierungen in der Willner Brauere. In: KUNSTLEBEN BERLIN. Abgerufen am 29. Oktober 2016.
  8. Lisa Steiner: Verloren in der Dunkelheit, in: Berliner Zeitung, 15. Dezember 2017.
  9. Zwischennutzung Willner-Brauerei endet zum 31. 12. 2017.
  10. Legende vom gestohlenen Haus auf pankowerchronik.de

Koordinaten: 52° 33′ 21″ N, 13° 24′ 56,3″ O