Tätowierer

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Tätowiererin bei der Arbeit

Ein Tätowierer ist eine Person, die dauerhaft Tätowierungen mittels eines entsprechenden Instrumentes, meist einer elektrischen Tätowiermaschine, mittels Tätowierfarbe, Tinte oder anderen Farbmitteln in die Haut einbringt.

Ausbildung und Berufsrechtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschsprachiger Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DeutschlandDeutschland Deutschland

Eine gesetzliche geregelte Ausbildung ist in Deutschland bisher nicht vorgesehen.[1] In der Regel erlernen Tätowierer die nötigen Fertigkeiten bei erfahrenen Kollegen oder autodidaktisch. Über eine Berufszugangsregelung wird jedoch seit 2016 ernsthaft diskutiert.[2]

Die Tätigkeit des Tätowierers ist grundsätzlich ein gewerbliches Kunsthandwerk bzw. eine gewerbliche Tätigkeit.[3] Im Jahr 2007 hat Heiko Gantenberg aus Marl vor dem Sozialgericht Gelsenkirchen[4] den Status eines bildenden Künstlers als Freiberuflers anerkannt bekommen, um in die Künstlersozialkasse aufgenommen zu werden.[5] Aufgrund der Stellungnahmen eines Kunsthistorikers und der Universität München hat erstmals ein deutsches Gericht einen Tätowierer als Künstler anerkannt; das Gericht stellte jedoch ausdrücklich fest, dass es sich um eine Einzelfallentscheidung handele.[6]

Steuerliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Anfertigung einer Tätowierung handelt es sich steuerlich um eine sonstige Leistung, da nach dem wirtschaftlichen Gehalt der Leistungen nicht – wie etwa bei einer Lieferung – die Verfügungsmacht an einem Gegenstand übertragen worden ist. Bei einer Tätowierung werden Ornamente oder Abbildungen durch Einstechen in die menschlichen Haut angebracht. Die Übertragung der Farbstoffe ist umsatzsteuerrechtlich nicht als Lieferung eines Gegenstands zu sehen, da der Farbstoff nur Hilfsmittel zu der vereinbarungsgemäß erbrachten Tätowierung ist. Sie ist somit steuerpflichtig und wird mit dem Regelsteuersatz (§ 12 Abs. 1 UStG) besteuert. Auch unterliegt die Leistung nicht nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 UStG i. V. m. Nr. 53 Buchstabe a der Anlage zum UStG dem ermäßigten Steuersatz (§ 12 Abs. 2 UStG). Diese Steuerermäßigung ist nur für Lieferungen von Kunstgegenständen vorgesehen.[7]

SchweizSchweiz Schweiz

In der Schweiz ist ebenfalls keine geregelte Ausbildung vorhanden. Am vom 23. November 2005 erließ das Eidgenössische Departement des Innern (EDI), gestützt auf die Artikel 31 Absatz 5, 38–40, 41 Absatz 2, 42 Absätze 2 und 3, 43 Absatz 3 und 80 Absatz 9 der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung vom 23. November 20052 (LGV), die Verordnung über Gegenstände für den Humankontakt, in der auch „Tätowierfarben und Farben für Permanent-Make-up sowie deren Kennzeichnung sowie Apparate und Instrumente für Piercing, Tätowierung und Permanent-Make-up“ geregelt sind.[8]

OsterreichÖsterreich Österreich

In Österreich verhält es sich ähnlich wie in der Schweiz, die Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über Ausübungsregeln für das Piercen und Tätowieren durch Kosmetik-(Schönheitspflege)-Gewerbetreibende,[9] enthält die erforderlichen Regularien.

Asien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Japan führt der Artikel 17 des japanischen Ärztegesetzes i. d. F. von 2001 an: „Nur Ärzte dürfen medizinische Tätigkeiten ausüben“. Gemäß Stellungnahme des japanischen Gesundheitsministeriums fällt darunter u. a. das Stechen von Farbe in die Haut. Diese Gesetzesnovellierung hatte ursprünglich zum Ziel, gegen Permanent Make-up-Kosmetikstudios mit geringen Hygienestandards vorzugehen. Seit 2015 wird diese Vorschrift dazu genutzt, willkürlich Tattoo-Studios zu schließen; bereits geschehen in den Städten Osaka und Nagoya.[10]

Das Tätowierstudio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tattoo-Studio

Der Tätowierer arbeitet zumeist in einem als „Tattoo Shop“ oder „Tattoo-Studio“ bezeichneten Ladengeschäft. Ordnungsgemäß ausgestattete Tattoo-Studios verwenden Container für Objekte, die in Kontakt mit Blut oder Körperflüssigkeiten gekommen sind, sowie einen Autoklav zum Sterilisieren der Geräte, sofern sie nicht mit Einmalartikeln arbeiten. Korrekte Hygiene erfordert vom Tätowierer bei allen Arbeitsgängen die Benutzung von Einmalhandschuhen, besondere Achtsamkeit ist speziell dort angebracht wo Kreuzkontaminationen auftreten können. Die verwendeten Farben müssen den Vorgaben der Tätowiermittel-Verordnung entsprechen. In Holland, der Schweiz und Österreich unterliegen Tätowierstudios strengen Auflagen und Kontrollen, um die allgemeine gesundheitliche Sicherheit in diesem Bereich zu verbessern. Inzwischen werden dort die Eingriffe, Sterilisationsvorgänge, Reinigungen und Desinfektionsmaßnahmen schriftlich dokumentiert.
In Österreich ist seit dem Jahr 2003 die jährliche Erbringung eines Unbedenklichkeitsnachweises durch ein akkreditiertes Institut gesetzlich vorgeschrieben.[11] Die Ausstattung der Betriebsstätte und die Arbeitsvorgänge werden geregelt in Anlage 1, BGBl 262/II/2008.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutschland: ca. 7.000 Tätowierstudios (Stand 2018)[12][13]
  • Österreich: ca. 75 Tätowierstudios (Stand 2018)[14]
  • Schweiz:

Berufsorganisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DeutschlandDeutschland Deutschland

Im Jahr 1977 gründete Manfred Kohrs die erste deutsche Tätowierervereinigung[15], den National Tattoo Club.[16][17][18] Zu den Gründungsmitgliedern gehörten u. a. Horst Heinrich Streckenbach, Herbert Hoffmann und Theodor Vetter.[19][20][21] Im September 1995 gründete sich der Deutsche Organisierte Tätowierer e.V. (D.O.T) als deutscher Tätowierer Verband[22] und am 1. November 2013 der erste Dachverband für deutsche Tätowierer und Tattoofans, Bundesverband Tattoo e.V.[23]

SchweizSchweiz Schweiz

In der Schweiz ist der Verband Schweizerischer Berufstätowierer (VST) als „Zusammenschluss der im Tätowieren tätigen natürlichen Personen“ aktiv.[24]

OsterreichÖsterreich Österreich

In Österreich ist die Österreichische Tätowierer und Piercer Vereinigung (ÖTPV) tätig. Sie besteht aus dem Dachverband und aus den Tochtervereinen in den jeweiligen Bundesländern.[25]

Bekannte Tätowierer (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

August Bernard Coleman (1884–1973), lebte und arbeitete in Norfolk[26] und war ein Schüler von Charlie Barrs[27], Kat Von D, Amund Dietzel, Karl Finke, Edward Funk, Bert Grimm, Thomas Grundmann, Donald Ed Hardy, Herbert Hoffmann, Horiyoshi III, Greg Irons, Manfred Kohrs, Cliff Raven (1932–2001) Schüler von Phil Sparrow, arbeitete in Chicago und in Hollywood.[28], Samuel O’Reilly, Joseph O’Sullivan, Paul Rogers († 1990) Schüler von August Bernard Coleman[29], Sailor Jerry, Henk Schiffmacher[30] Les Skuse, Janet Skuse (1943–2007) [31], Samuel M. Steward, Horst Heinrich Streckenbach, Lyle Tuttle, Christian Warlich, Theodor Vetter, David Yurkew. Der erste bekannte Tätowierer in der Schweiz war Dietmar „Dischy“ Gehrer, er eröffnete sein Studio 1974 im Hinterzimmer einer Gaststätte.[32][33]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dr.Dietz Archiv Manfred Kohrs.jpg

Heinrich Dietz (Pseudonym Henry Dixon) (* um 1911[34]; † 22. September 1979) war ein deutscher Mediziner und Tätowierer, der als erster und soweit bekannt, einziger approbierter Arzt ein Tattoo-Studio betrieb.[35] Dietz studierte Medizin und schloss das Studium mit der Promotion zum Dr. med. ab. Im Jahr 1969 beendete Dietz aufgrund eines Rückenleidens seine Laufbahn als Arzt. In der Folgezeit versuchte er sich in den USA als Schriftsteller, blieb jedoch erfolglos und kehrte nach Hamburg zurück. Dort ließ er sich von Herbert Hoffmann tätowieren und fand gefallen an dem Beruf des Tätowierers. Er eröffnete in der Talstraße 24 im Hamburger Stadtteil St. Pauli eine Tätowierstube und tätowierte bis zu seinem Ableben ca. 2.000 Kunden. Sein bekanntester Kunde war Rocky, der Irokese.[36] Dietz verstarb an einem Herzversagen in seiner Hamburger Wohnung.[37]

Tätowierer in verschiedener Kulturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Body Modification – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Body Modification

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tätowierer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arbeitsagentur
  2. Urban Slamal: Berufszugangsregelung für Tätowierer? Ein längst über­fäl­liges Vor­haben. In: Legal Tribune Online. 1. Juli 2016, abgerufen am 18. September 2018.
  3. Tattoo-Studio–gewerberechtliche Voraussetzungen. In: Eine Information der IHK/HWK-Starterzentren Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 21. August 2016.
  4. Urteil des Sozialgerichts Gelsenkirchen vom 28. Februar 2007
  5. sueddeutsche.de: "Natürlich sind Tattoos Kunst" Abgerufen am 22. Juni 2012
  6. DER SPIEGEL vom Februar 2008: Tätowierer als Künstler anerkannt Abgerufen am 22. Juni 2012
  7. BFH-Urteil vom 23. Juli 1998 (V R 87/97) BStBl. 1998 II S. 641.
  8. Verordnung über Gegenstände für den Humankontakt, abgerufen am 16. August 2016
  9. BGBl. II Nr. 141/2003
  10. Manuel Chillagano: Japans Tätowierer: Kampf um die Körperkunst. In: SPIEGEL Online vom 11. Mai 2016. Abgerufen am 19. August 2016.
  11. Unbedenklichkeitsnachweis für die Republik Österreich (PDF; 411 kB)
  12. tattoo-bewertung.de
  13. Friederike Milbradt: Deutschlandkarte Tattoo-Studios. In: ZEITmagazin Nr. 46/2015. 30. November 2015, abgerufen am 23. September 2018.
  14. Susanne Klement: Wie finde ich das passende Tattoo Studio in Wien? In: stadt-wien.at. 23. September 2018, abgerufen am 23. September 2018.
  15. Stadtkind Hannovermagazin, Ausgabe Juli 2016, S. 47.
  16. NaNa – Hannoversche Wochenschau, Nr. 36 vom 23. Dezember 1982.
  17. Offenbach-Post, Nr. 180, 1984, Jugendseite
  18. tattoo-bewertungen (abgerufen am 5. März 2011)
  19. NaNa – Hannoversche Wochenschau, Nr. 36 vom 23. Dezember 1982.
  20. Offenbach-Post, Nr. 180, 1984, Jugendseite
  21. tattoo-bewertungen (abgerufen am 5. März 2011)
  22. dot-ev.de, abgerufen am 16. August 2016
  23. bundesverband-tattoo.de, abgerufen am 16. August 2016
  24. swiss.tattoo, abgerufen am 16. August 2016
  25. ÖTPV Offizieller Internetauftritt
  26. Albert L. Morse, The Tattoists, 1st Edition 1977, ISBN 0-918320-01-1, S. 16/17
  27. Albert L. Morse, The Tattoists, 1st Edition 1977, ISBN 0-918320-01-1, S. 20
  28. Albert L. Morse, The Tattoists, 1st Edition 1977, ISBN 0-918320-01-1, S. 44
  29. Albert L. Morse, The Tattoists, 1st Edition 1977, ISBN 0-918320-01-1, S. 20
  30. Die Welt vom 20. Januar 2013: "Hanky Panky" – Der Tattookünstler der Superstars
  31. ‘Tattooed Army Girl Gets Show Offers’, Daily Mail, March 14, 1964
  32. SRF: «Karussell» vom 4. September 1978
  33. Tagblatt vom 8. Oktober 2014: Mit zwölf einen Kollegen tätowiert
  34. Die Hamburger Morgenpost vom 21. April 1979 schreibt „...schilderte der 67jährige.“
  35. Christian Stiebling und Michael Pentzien in Hamburger Morgenpost: „Kunstwerke auf blanker Haut - von einem echten Dr. med...“, 16. September 1978, S. 5.
  36. Hamburger Abendblatt: Der Irokese war sein Meisterwerk Nr. 94 vom 23. April 1979.
  37. BILD: Dr. Dietz, der Tätowierer von St. Pauli, starb im Bett 21. April 1979, Hamburger Ausgabe Nr. 93/16.
  38. TÄTOWIERER Schlange auf der Stirn. DER SPIEGEL 10/1951, abgerufen im 5. September 2012.
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