Werner Abel

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Werner Abel (* 6. April 1902 in Kiel; † 15. Oktober 1935 im KZ Dachau) war ein deutscher Journalist.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühes Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abel war ein Sohn des Kaufmanns Wilhelm Abel. Er ging in Berlin zur Schule.

Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er als Freiwilliger teilnahm, betätigte Abel sich als Journalist und Nachrichtenmann.

Am 30. Juni 1920 wurde Abel von der Berufungsinstanz der Strafkammer des Landgerichts Tilsit wegen Betruges und einer Übertretung nach § 360 StGB zu sechs Monaten Gefängnis und zwei Wochen Haft verurteilt, wobei die Haft sowie die Gefängnisstrafe durch die Untersuchungshaft als verbüßt galten.

Nach seiner Freilassung ging Abel nach Süddeutschland, wo er in Kontakt mit Kreisen der extremen politischen Rechten kam. So gehörte er in den frühen 1920er Jahren nach eigener Aussage dem terroristischen Geheimbund Organisation Consul an. Um 1922/1923 war er zudem vorübergehend in der NSDAP aktiv. In München war er zu dieser Zeit unter dem Decknamen Prinz Ysenburg bekannt. Der pazifistische Publizist Kurt Hiller, der Abel persönlich kannte, bestritt in einem Porträt über Abel in seinem 1950 erschienenen Buch Köpfe und Tröpfe unter Berufung auf Abels Mutter energisch, dass der „Prinz Ysenburg“ und Abel identisch seien.[1]

Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im späteren Verlauf der 1920er Jahre rückte Abel politisch immer weiter nach Links, so dass er schließlich im sozialdemokratischen bis kommunistischen Lager stand. Am 20. Mai 1928 schlug er anlässlich der Reichstagswahlen dieses Jahres ein Plakat an, in dem er sich gegen die Südtirol-Politik und die Geldquellen der NSDAP wandte. Unter anderem behauptete Abel, dass er im Herbst 1923 als Verbindungsmann des „Ostpreußischen Vaterländischen Kartells“ und Münchener Rechtskreise zwischen einem italienischen Agenten namens Giuseppe Migliorati und Adolf Hitler vermittelt habe. Hitler habe damals wie die Führer anderer rechtsstehender Wehrverbände über Migliorati italienische Gelder erhalten, um sich nicht an der Südtirolpropaganda der Nationalisten zu beteiligen. Nachdem Abel diesen Vorwurf als Zeuge bei einem Prozess, den Hitler im Februar 1930 vor dem Landgericht in München gegen Albrecht von Graefe, Ludwig Zerfass und einige andere führte, wiederholte, erstattete Hitler Anzeige gegen ihn wegen Meineides.

Das Meineids-Verfahren gegen Abel, in dem auch der Berliner Psychiater Arthur Kronfeld als sachverständiger Zeuge aussagen musste, der bei dieser Gelegenheit Hitler persönlich kennenlernte, zog sich schließlich bis 1932 durch mehrere Instanzen. Im Juni 1932 wurde Abel schließlich in letzter Instanz vom Landgericht München I schuldig befunden und zu einer dreijährigen Zuchthausstrafe verurteilt.

Auf Seiten der Nationalsozialisten machte man die Anschuldigungen Abels, die in dem Verfahren von 1932 den Höhepunkt ihrer Publizität erreichten, mit dafür verantwortlich, dass Hitler bei der Reichspräsidentenwahl 1932 gegen Hindenburg unterlag. Der starke Eindruck, den die Angelegenheit Abel auf Hitler gemacht hatte, zeigt sich unter anderem darin, dass sich Hitler noch 1940 in einem Gespräch mit Joseph Goebbels, das dieser in seinem Tagebuch festhielt, zum Fall Abel äußerte.[2]

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde Abel ins Konzentrationslager Dachau überstellt. Dort starb er im Jahr 1935; offiziell durch Suizid. In der Literatur wird jedoch vielfach davon ausgegangen, dass Abel tatsächlich ermordet und seine Tötung offiziell zu einer Selbsttötung deklariert wurde. Der Dachau-Häftling Adolf Lemke behauptete in einem nach dem Zweiten Weltkrieg für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes angefertigten Bericht, dass Abel von den SS-Männern Johann Kantschuster und Plank ermordet worden sei.[3]

Archivalische Überlieferung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bundesarchiv hat sich eine Akte aus dem ehemaligen Hauptarchiv der NSDAP über den Fall Werner Abel erhalten (Bundesarchiv Berlin: NS 26/1200). Hinzu kommt eine Akte des Reichsanwalts beim Reichsgericht zur juristischen Verfolgung Abels wegen eines Vergehens in den 1920er Jahren (R 3003/12, 12 J 928/24).

Ein in der Nachkriegszeit angefertigter Bericht von Adolf Lemke befindet sich im Bestand der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, der im Bundesarchiv aufbewahrt wird (DY 55/V 278/6/1).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günther Kimmel: Das Konzentrationslager Dachau. Eine Studie zu den nationalsozialistischen Gewaltverbrechen. In: Martin Broszat (Hrsg.): Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt. (= Bayern in der NS-Zeit Bd. II), Oldenbourg, München – Wien 1979 S. 368.
  • Othmar Plöckinger: Geschichte eines Buches: Adolf Hitlers 'Mein Kampf' 1922–1945. Oldenbourg, München 2006, S. 207.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurt Hiller: Köpfe und Tröpfe. Profile aus einem Vierteljahrhundert. Rowohlt, Hamburg – Stuttgart 1950, S. 376.
  2. Elke Fröhlich (Hrsg.): Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Sämtliche Fragmente. Teil I, Band 4, München 1987, ISBN 3-598-21919-9, S. 246 (Eintrag vom 20. Juli 1940).
  3. Beschreibung der Akte DY 55/V 278/6/1 auf der Website des Bundesarchivs.