Werner Hunstein

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Werner Hunstein (* 8. August 1928 in Kassel; † 16. Februar 2012 in Heidelberg) war ein deutscher Mediziner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Hunstein legte 1947 die Abiturprüfung ab. Er studierte Medizin in Freiburg im Breisgau und schloss es mit einer Dissertation über Lymphogranulomatose bei Ludwig Heilmeyer ab.

Hunstein wurde 1972 an die Medizinische Poliklinik in Heidelberg berufen.[1] Er baute die Abteilung Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie auf und leitete sie. An der Abteilung wurde 1985 die erste autologe Transplantation von Blutstammzellen von M. Körbling erfolgreich durchgeführt.[2] Er emeritierte 1996.

Erkrankung an Amyloidose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hunstein erkrankte 2001 schwer. Er ging zu verschiedenen Ärzten in Behandlung. Im Dezember 2004 wurde Amyloidose diagnostiziert, genauer eine Systemische Leichtketten-(AL)-Amyloidose als eine von 20 bekannten Formen der Amyloidose.[3] Im Frühling 2005 wurde er mit einer Chemotherapie behandelt, um eine weitere Verdickung der Herzscheidewand zu verhindern.[4] Die Krankheit galt als unheilbar, Hunstein war ab August 2006 austherapiert.

Therapie mit Grünem Tee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei ehemalige Oberärzte Hunsteins, Antonio Pezzutto und Bernd Dörken, berichteten Hunstein, dass der Molekularmediziner Erich Wanker am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin, herausgefunden habe, dass ein Inhaltsstoff des Grünen Tees, Epigallocatechingallat (EGCG), Ablagerungen von Amyloiden verhindere und sogar auflösen könne, und empfahlen ihm den Konsum grünen Tees.[5][2] Hunstein trank daraufhin zwei Liter Grünen Tee pro Tag. Seine gesundheitliche Situation verbesserte sich spürbar und trotz der Bedenken, von seinen Kollegen nicht ernst genommen zu werden, entschied er sich 2007 zu einer Veröffentlichung in der medizinischen Fachzeitschrift Blood.[6] Sein im September 2007 veröffentlichter Bericht fand ein großes Echo in der Presse.[7][3][4] An der Medizinischen Klinik der Universität Heidelberg wird seit April 2008 eine Studie für die Behandlung von Transthyretin-Amyloidose durchgeführt, für die es bislang keine Chemotherapie gibt.[8]

Über die neue Therapieoption hat Werner Hunstein zusammen mit anderen Wissenschaftlern weiter publiziert.[9] Im November 2009 musste Hunstein die Einnahme von Tee-Extrakten wegen einer Peritonitis und einer Prostata-Operation vorübergehend aussetzen. Zusätzlich hatte die Dialyse den EGCG-Spiegel gesenkt. Die Amyloidose-Beschwerden traten daraufhin vermehrt auf. Es gelang, das Rezidiv wieder zu beherrschen.[10]

Inzwischen ist die Wirksamkeit des Therapieansatzes bewiesen.[11] Derliz Mereles und weitere Wissenschaftler forschen weiter.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Who's who in Germany: a biographical encyclopedia containing some 23,000 biographies of prominent personalities in Germany and a listing of 2,400 organizations. Ausgabe 6, 1976.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biografisches. hunstein-egcg.de
  2. a b Johannes Gruber: Das Geheimnis des Grünen Tees. (drhuber.at (Memento des Originals vom 29. Juni 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.drhuber.at)
  3. a b Ingeborg Bördlein: Selbstversuch an der Schwelle zum Tod. In: Hamburger Morgenpost, 10. Juni 2008
  4. a b Frank Grossmann: Vernachlässigte Krankheiten: Interview mit Professor Werner Hunstein – «Grüntee für mein Herz» In: Winterthurer Stadtanzeiger. 7. Juni 2010
  5. Marion Rollin: Die wundersame Rettung des Professors Hunstein. In: Spiegel Online. 22. Februar 2009
  6. Werner Hunstein: Epigallocathechin-3-gallate in AL amyloidosis: a new therapeutic option? In: Blood. 15. September 2007, Vol. 110, No. 6, S. 2216
  7. Hilft gruener Tee gegen krankhafte Eiweissablagerungen? In: Neue Zürcher Zeitung. 19. September 2007
  8. Effekte des Konsums von grünem Tee auf den klinischen Verlauf der Transthyretin-Amyloidose. (PDF; 14 kB) Studie an der Medizinischen Klinik der Universität Heidelberg.
  9. D. Mereles, S.J. Buss, S.E. Hardt, W. Hunstein, H.A. Katus: Effects of the main green tea polyphenol epigallocatechin-3-gallate on cardiac involvement in patients with AL amyloidosis. In: Clinical Research in Cardiology 2010 Mar 10 PMID 20221615
  10. Werner Hunstein: Recurrence of AL-Amyloidosis: Peritoneal Dialysis Reduces EGCG Plasma Level.@1@2Vorlage:Toter Link/www.hunstein-egcg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF) Juni 2010
  11. J. Bieschke, J. Russ, R.P. Friedrich u. a.: EGCG remodels mature alpha-synuclein and amyloid-beta fibrils and reduces cellular toxicity. In: Proc Natl Acad Sci USA. 2010, 107(17), S. 7710–7715.
  12. Derliz Mereles, Werner Hunstein: Epigallocatechin-3-gallate (EGCG) for Clinical Trials: More Pitfalls than Promises? In: Int. J. Mol. Sci. 2011, 12(9), S. 5592–5603; doi:10.3390/ijms12095592