Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin

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Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
Max-Delbrück-Haus am MDC
Kategorie: Forschungseinrichtung
Mitgliedschaft: Helmholtz-Gemeinschaft
Standort der Einrichtung: Berlin-Buch
Grundfinanzierung: Bund (90 %), Land Berlin (10 %)
Leitung: Walter Rosenthal
Homepage: www.mdc-berlin.de

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (kurz: MDC) in Berlin-Buch, im Nordosten Berlins gelegen, ist eine von 18 Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, die molekularbiologische Grundlagenforschung mit klinischer Forschung verbindet.

Das Max-Delbrück-Centrum wurde im Januar 1992 als Nachfolgeeinrichtung von drei bis 1990 zur Akademie der Wissenschaften der DDR gehörenden Institutionen gegründet, und zwar des Zentralinstituts für Molekularbiologie, des Zentralinstituts für Krebsforschung und des Zentralinstituts für Herz-Kreislaufforschung, die aus dem ab 1947 in Berlin-Buch bestehenden Institut für Medizin und Biologie entstanden waren.

Benannt ist das Centrum nach dem in Berlin geborenen Biophysiker und Nobelpreisträger Max Delbrück.

Finanzierung, Eigentümerstruktur und Aktivitäten[Bearbeiten]

Das MDC wird zu 90 Prozent vom Bund und zu zehn Prozent vom Land Berlin und über zusätzlich eingeworbene Drittmittel (2009: 24 Millionen Euro) finanziert. 57 unabhängige Forschergruppen arbeiten in den drei Forschungsschwerpunkten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Funktionsstörungen des Nervensystems. Insgesamt sind am MDC rund 1400 Mitarbeiter und Gastwissenschaftler, darunter 300 Doktoranden, beschäftigt (Stand: August 2012). Der Etat des MDC beläuft sich im Jahr 2012 auf rund 68 Millionen Euro.

Das MDC betreibt zusammen mit der Berliner Charité Universitätsmedizin auf dem Campus Berlin-Buch das Experimental and Clinical Research Center (ECRC). Das ECRC bietet Labore und Kliniken, Ausbildungsprogramme und spezielle Projektförderung für die enge Zusammenarbeit zwischen den Forschern am MDC und der klinischen Forschung der Charité-Universitätsmedizin an.

Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit des MDC ist die Systembiologie. Auf dem Gebiet der posttranskriptionalen Genregulation kooperiert das MDC hat mit dem Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB).

Weitere Kooperationen bestehen mit dem Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP), der Humboldt-Universität zu Berlin und anderen Universitäten und Forschungsinstituten.[1]

Das MDC beabsichtigt laut einer Presseerklärung vom 23. April 2012, die "Basler Deklaration zur tierexperimentellen Forschung" zu unterstützen. In der Deklaration wird die Notwendigkeit von Tierversuchen für die medizinische Grundlagenforschung unterstrichen und das Festhalten an Tierversuchen mit Primaten gefordert.[2][3]

Kritik an geplantem Tierversuchslabor[Bearbeiten]

Anfang 2012 wurden Pläne des Berliner Senats bekannt, den ab 2013 geplanten Neubau für ein neues In-Vivo-Pathophysiologie-Labor am Max-Delbrück-Centrum in Berlin-Buch mit 24 Millionen Euro zu unterstützen, wodurch etwa die Maushaltungskapazitäten des Instituts um 14 % auf etwa 64.800 Tiere steigen sollen.[4] Laut Medienberichten hat das MDC sich bereits Versuche mit über 450.000 Tieren in den nächsten vier Jahren genehmigen lassen. Die Tiere werden nach den Versuchen getötet.[5][6] Tierschutzorganisationen und die Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling kritisieren die Pläne und werfen der Berliner Koalition aus SPD und CDU Wortbruch vor, da diese im Koalitionsvertrag eine Einschränkung der Tierversuche vereinbart hatte. Der tierschutzpolitische Sprecher der Berliner SPD, Daniel Buchholz, verteidigt das Vorhaben mit Hinweis auf die Bedeutung für den Forschungsstandort Berlin.[7][8] Mehrere Tierschutzorganisationen haben daher zum Protest an den regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) aufgerufen, die Unterstützung des Vorhabens durch Steuermittel zu unterbinden.

Max-Delbrück-Medaille[Bearbeiten]

Das MDC verleiht jährlich die Max-Delbrück-Medaille im Rahmen der Berlin Lectures on Molecular Medicine.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eigendarstellung auf der Homepage des MDC, abgerufen am 18. August 2012
  2. Presseerklärung des MDC vom 23. April 2012, abgerufen am 18. August 2012
  3. Streit um die Baseler Deklaration - Beitrag von Folkert Lenz vom 3. Januar 2011 auf Deutschlandfunk.de
  4. Tierhaltung am MDC: „Künftige Entwicklung, Informationsseiten des Max-Delbrück-Centrums.
  5. Artikel von Jost Maurin aus der TAZ vom 8. Februar 2012 Sterben für die Krebsforschung - Die Tierversuch-Branche boomt
  6. Artikel aus dem Berliner Tagesspiegel, veröffentlicht auf Qiez.de: Mehr Labormäuse in Pankow?
  7. Artikel von Lars von Tönne im Berliner Tagesspiegel vom 6. August 2012 Demo für die Maus
  8. Artikel von Claudia Fuchs in der Berliner Zeitung vom 17. Juni 2012 Täglich werden 1000 Tiere verbraucht

52.62483333333313.502611111111Koordinaten: 52° 37′ 29″ N, 13° 30′ 9″ O