Werner Streletz

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Werner Streletz

Werner Streletz (* 6. März 1949 in Bottrop) ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller, der in Bochum lebt und arbeitet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch der Realschule in Bottrop sowie einer Lehre und Arbeit als Bauzeichner machte Streletz von 1971 bis 1973 ein publizistisches Volontariat. Von 1979 bis 1986 war er Kulturredakteur in der Marler Lokalredaktion der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) und, zusammen mit Norbert Kühne, Mitglied einer Autorengruppe, die Lesungen und literarische Events in der Region veranstaltete. Von 1985 bis 2013 war er Kulturredakteur bei der WAZ in Bochum. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und der Kogge. Literarische Arbeitsgebiete sind Lyrik, Prosa, Theater, Hörspiel und Film. Besonders thematisierte er das Ruhrgebiet. Dennoch sagte er von sich: „Ich lebe hier und ich arbeite hier. Aber das Ruhrgebiet ist nur die Folie, vor der meine Geschichten spielen. Ich bin kein Ruhrpott-Poet, kein Herold des Reviers. Schriftsteller des Ruhrgebiets, das ist eine Bezeichnung, die nicht passt. (…) Ich habe auch keinerlei Lust, die Vergangenheit meiner Heimat zu verklären oder euphorisch neue Zeiten auszurufen. Wir sind eine Ansammlung ziemlich verstörter Leute – das will ich zeigen.“[1]

Am 21. November 2008 wurde Streletz mit dem Literaturpreis Ruhr des Regionalverbands Ruhr ausgezeichnet. „Der Preis“, so sagte Streletz „war überfällig.“[2]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Streletz stellt in seinen Gedichten, Hörspielen und Büchern schräge und kaputte Typen dar, die an Figuren Samuel Becketts erinnern oder an die „Helden antiker Tragödien“.[3] In seinem letzten Roman Kiosk kaputt[4] wird das vor allem deutlich. Dass diese Menschen im Ruhrgebiet leben, sei – so Streletz – Zufall. Die innere Tragik, die vielen seiner Gestalten anhaftet, ist wiederum bitter und auf eine penetrante Art bieder, manchmal sogar kleinkriminell. Über die Sprache des Romans schreibt die Marler Zeitung:[5] „Angenehm sparsam verwaltet Werner Streletz den großen Schatz der Ruhrgebietsidiome; seine Sprache ist präzise, auf die Essenz reduziert, kühl, fast dokumentarisch.“ Die Kritik sieht ihn als „Ruhrpott-Poet“ und somit offensichtlich anders als der Autor sich selbst. Auch die WAZ,[6] bei der er Jahrzehnte arbeitete, nannte Streletz anlässlich der Verleihung des Literaturpreises Ruhr 2008 – trotz seines Selbstverständnisses – die „Stimme der Region“.

In seinem Roman "Rückkehr eines Lokalreporters" (2016) greift Streletz auf Inhalte seiner früheren beruflichen Tätigkeit zurück. Er arbeitete lange Zeit in der Lokalredaktion der WAZ in Marl. "Streletz schildert in bewusst unterkühlter Sprache, wie sein Protagonist so lange in seinen Erinnerungen wühlt, bis sie für ihn unerträglich werden. Zu lesen ist hier die Chronik eines langsamen Zerfalls, von Werten, auch von alten Freundschaften."[7]. "Der „Lokalreporter“ durchstreift seine alte Stadt mit verändertem Blick, nicht als atemloser rasender Reporter, sondern als grübelnder Zweifler und Zauderer."[8][9] In seinem Interview mit dem WDR (05. September 2016) werden die Probleme des Reporters einer Lokalredaktion sehr markant und klar geschildert.[10]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ausgeträumt. Mit Zeichnungen von Hans-Peter Ibrom, Bottrop 1977
  • Der ewige Säufer. Texte aus einem kaputten Kohlenpott. Bottrop 1977
  • Das erste Erwachen eines Elvis-Fans. Erzählung. Bottrop 1979
  • Das Pittermesser. Poetische Texte in der Alltagssprache des Reviers. Dortmund 1982 (Zahlreiche Neuauflagen)
  • Als Schnittwunden noch modern waren. Texte aus 10 Jahren über verspielte Nichtsnutze, streitsüchtige Schwächlinge und verträumte Thekenturner. Fixpunkt-Verlag, Marl 1984
  • Wenn ich dat vorher gewusst hätt'. Geschichten und Gedichte in der Alltagssprache des Reviers. Bochum 1987
  • Übber einen ausser Neemstraße. Poetische Text in der Alltagssprache des Reviers. Edition Wort und Bild, Bochum 1990
  • Muffe. Poetischer Text in der Alltagssprache des Reviers. Edition Wort und Bild, Bochum 1994
  • Eisenmann. Geschichten. Bochum 1996
  • Blues ausser Neemstraße. Poetische Texte in der Alltagssprache des Ruhrgebiets. Pomp Verlag, Bottrop 1999
  • Ruhestörende Stille. Poetische Texte mit Holzschnitten von Horst Dieter Gölzenleuchter, Edition Wort und Bild, Bochum 2002
  • Kiosk kaputt. Geschichte eines Irrtums, Roman. Verlag Henselowsky Boschmann Bottrop 2008, ISBN 9783922750819
  • Pokalkampf. Roman. Verlag Henselowsky Boschmann Bottrop 2009, ISBN 9783922750895
  • Der Streletz-Block. Limitierte Sonderausgabe im Schuber zum 60. Geburtstag von Werner Streletz mit „Kiosk kaputt“, „Vermessen“ und „Pokalkampf“ Verlag Henselowsky Boschmann Bottrop 2008, ISBN 9783922750901
  • Der Beifahrer. Ein Selbstgespräch. Mit einem Hörbuch, gelesen von Joachim Hermann Luger, und illustriert von Zarko Radic. Verlag Henselowsky Boschmann Bottrop 2010, ISBN 9783942094061
  • Volkers Lied der Nibelungen. Eine Annäherung, Mit einem Nachwort von Ralph Köhnen. Projektverlag, Bochum 2011, ISBN 9783897332461
  • Rohbau. Roman. Projektverlag, Bochum 2012, ISBN 978-3-89733-270-6
  • Lesebuch Werner Streletz. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8498-1019-1
  • Gewaltig endet so das Jahr. Meine Tage mit Georg Trakl (mit CD). Projektverlag, Bochum 2014, ISBN 978-3-89733-350-5
  • Rückkehr eines Lokalreporters. Roman. Projektverlag, Bochum 2016, ISBN 978-3-89733-395-6; Interview zum Roman in WDR3[11]

CDs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin, sein Vater und die vertraute Stimme – mit Helge Schneider. Roof Music, Bochum, 1996
  • Mankurt oder Die späte Rache eines Schülers – Sprecher: Ralf Richter, Hans Caninenberg. Roof Music, Bochum, 2001
  • Todesfälle unsortiert – eine Art Requiem Musik: Ludwig Kaiser. Roof Music, Bochum, 2004

Hörspiele (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alles, was du bist, ist LiebeWDR 1977
  • Der ist immer so stillBR 1982
  • Pinne im KoppWDR 1986
  • Martin, sein Vater und die vertraute StimmeMitteldeutscher Rundfunk 2007

Theater (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kohlenpott-Klümpkes – kurzes Sprechtheaterstück, Theater Oberhausen 1984
  • Lisa, ihr Schreiner und eine Mutter – erweiterte Theaterfassung des gleichnamigen Hörspiels, uraufgeführt im Prinz Regent Theater Bochum, 1992
  • 5 nach 12 – szenische Lesung, Prinz Regent Theater Bochum, 2007
  • Volkers Lied, Rottstr.5-Theater Bochum, 2011

Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kleine Lyrik-ReiheWDR 1994

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Dichter in der Familie – Eine Hommage für Tana Schanzara, uraufgeführt im Schauspielhaus Bochum 2005, Kinostart Anfang 2006; Pranke-Filmverleih Gelsenkirchen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marler Zeitung (Medienhaus Bauer), Ausgabe vom 14. November 2008, Interview mit Elke Jansen
  2. Ebd.
  3. Medienhaus Bauer, 20. November 2008; S. 11
  4. Essen, 2008: „eine spannende Geschichte um Rache und Vergeltung“, 20. November 2008
  5. Medienhaus Bauer, 20. November 2008; S. 11
  6. WAZ (Bochum) vom 13. November 2008
  7. Rezension: Chronik eines langsamen Zerfalls, in den sechs Zeitungen des Medienhauses Bauer, Marl, 03. August 2016
  8. Werner Streletz stellt neuen Roman vor | WAZ Bochum, 16. April 2016
  9. http://www.derwesten.de/staedte/bochum/werner-streletz-stellt-neuen-roman-vor-aimp-id11739702.html#plx44835460
  10. http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr3/wdr3-mosaik/audio-rueckkehr-des-lokalreporters-100.html
  11. http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr3/wdr3-mosaik/audio-rueckkehr-des-lokalreporters-100.html

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]