Werner Wolffheim

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Werner Joachim Wolffheim (* 1. August 1877 in Berlin; † 26. Oktober 1930 ebenda) war ein deutscher Musikwissenschaftler und Sammler, der sich insbesondere um die Bach-Forschung verdient machte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch des Wilhelmsgymnasiums in Berlin studierte er von 1895 bis 1898 Rechtswissenschaften in München und Berlin, daneben Musikwissenschaft bei Adolf Sandberger und Oskar Fleischer. Ab 1899 war er als Referendar, 1903 als Gerichtsassessor, anschließend als Jurist an der Berliner Handelskammer tätig.

1906 wurde er in Leipzig zum Dr. jur. promoviert. Von 1906 bis 1909 setzte er seine Musikstudien als Schüler bei Hermann Kretzschmar, Johannes Wolf und Wilhelm Klatte fort. Er schrieb Beiträge für die Zeitschrift der Internationalen Musik-Gesellschaft, die Allgemeine Musikzeitung und die Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft. 1913 organisierte er die Musikabteilung des 1. Kongresses für Musikästhetik in Berlin. Er war 2. Vorsitzender des Verbandes Deutscher Musikkritiker und 1. Schriftführer der Gesellschaft für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft.

Wolffheim besaß ab 1911 eine große Villa in Grunewald, Jagowstraße 12 (heute Richard-Strauss-Straße 12, Ecke Lassenstraße), die er von dem Architekten Oskar Kaufmann erbauen ließ.[1] Bereits 1920 musste er das Haus jedoch verkaufen und wohnte später in Halensee, Johann-Georg-Straße 20,[2] unweit des Kurfürstendamms – im selben Haus wie der Philosoph Salomo Friedlaender.

Martin Breslauer, Leo Liepmannssohn: Versteigerungskatalog, Berlin 1928–1929

Außerdem besaß er eine der weltweit bedeutendsten Musikbibliotheken, die er 1928/29 ebenfalls auflösen und versteigern musste. Etwa 15.000 Werke seiner Sammlung erwarb Paul Hirsch.

Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war mit Betty Manheimer geb. Jacoby (* 3. Januar 1859; † 1942 in Berlin) verheiratet, der Witwe des Kaufmanns Ferdinand Manheimer (1851–1905).

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zum Kauf auf Abruf, Leipzig 1906 (Diss.)
  • Die Möllersche Handschrift, in: Bach-Jahrbuch, Band 9 (1912), S. 42–60
  • Miscellanea Musica Bio-biliographica: Mg. Quellennachweise als Nachträge und Verbesserungen zu Eitners Quellenlexikon, Leipzig 1912–1916 (mit H. Springer u. M. Schreiber)
  • Kurzes Verzeichnis der Tabulatur-Drucke in der Bibliothek Dr. W. Wolffheim, Berlin 1921
  • Das Autograph der J. S. Bachschen Hochzeitskantate „Vergnügte Pleißen-Stadt“, in: Festschrift Hermann Kretzschmar, Leipzig 1918, S. 180–184
  • Ein unbekannter Canon J. S. Bachs, in: Festschrift Johannes Wolf, Berlin 1929, S. 217–221 (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Frank, Wilhelm Altmann: Kurzgefasstes Tonkünstlerlexikon. 12. Auflage. Leipzig 1926, ISBN 3-7959-0083-2, S. 498.
  • Hermann Abert: Illustriertes Musiklexikon. Stuttgart 1927, S. 354.
  • Alfred Einstein: Die Musikbibliothek Dr. Werner Wolffheim. In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung. Jg. 57, Nr. 242 vom 24. Mai 1928, 4. Beiblatt, S. [1] (Digitalisat).
  • Martin Breslauer, Leo Liepmannssohn: Versteigerung der Musikbibliothek des Herrn Dr. Werner Wolffheim. 2 Teile und 2 Tafel-Bände. Berlin 1928/1929.
  • Erich Hermann Müller: Deutsches Musiker-Lexikon. Dresden 1929, S. 538.
  • Johannes Wolf, Alfred Einstein, Max Dessoir, Werner Wolffheim zum Gedächtnis. In: Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft. Jg. 25, 1931, S. 94–96 (Digitalisat).
  • Theo Stengel: Lexikon der Juden in der Musik. Berlin 1940, S. 485.
  • Hugo Riemann: Musik-Lexikon. 12. Auflage. Band 2, Mainz 1961, S. 945.
  • Michael Heinemann: Das Bach-Lexikon. 2. Auflage. Laaber 2000, S. 557.
  • Albi Rosenthal: Werner Wolffheim. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Band 17, Kassel u. a. 2007, Sp. 1122.
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 10. München 2008, S. 741.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Peter-Alexander Bösel, Berlin-Grunewald in historischen Ansichten, Erfurt 2005, S. 94 (Digitalisat)
  2. Jahrbuch der Gesellschaft der Bibliophilen, Band 18 (1927), S. 52 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]