Westfalia Mobil

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Westfalia Mobil GmbH
Logo der Westfalia Mobil GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1. Oktober 1844
Sitz Rheda-Wiedenbrück, Deutschland
Leitung Pierre Rousseau, Mike Reuer, Geschäftsführer
Mitarbeiter 220 (August 2012)[1]
Branche Fahrzeugbau
Website www.westfalia-mobil.de
Anhänger „Wolfsburg“ 1949
Campingbox 1950
Ausstellungswagen
James Cook

Westfalia Mobil GmbH ist ein Unternehmen des Fahrzeugbaus in der ostwestfälischen Stadt Rheda-Wiedenbrück und gehört seit November 2010 zur französischen Rapido-Gruppe, einem strategischen Investor.[2] Zuvor hat es lange unter dem Namen Westfalia Van Conversion GmbH firmiert. Westfalia stellt vor allem Reisemobile her und hatte im 20. Jahrhundert mit Produkten wie dem Joker und James Cook sehr viel Erfolg.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 1844 eröffnete Johann Bernhard Knöbel eine Schmiede, in der Pferdewagen gebaut wurden. Der Bau des Bahnhofs der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft und die Fertigstellung der Bahnstrecke wenige Jahre später ließen ihn auf einen erhöhten Bedarf an solchen Fahrzeugen hoffen. Daneben wurden in der Schmiede – wie üblich – auch Pferde beschlagen. Später wurden in dem Betrieb auch Kutschen gebaut und Autos importiert. Im Jahr 1887 wurde der Betrieb durch Wilhelm Knöbel als ältesten Sohn übernommen. Sein Bruder Franz erhielt die Lackiererei und die Polsterei. Diese Partnerschaft bestand bis 1917, dann trennten sich die Brüder. Wilhelm nannte seinen neuen Betrieb WEKA-Fahrzeugbau und Franz gründete die Firma Westfalia.

Im Jahr 1927 bot die Firma Westfalia erstmals einen offenen Kastenanhänger für PKW an und eröffnete damit eine Produktlinie, die für den Aufstieg des Unternehmens große Bedeutung erhielt. Zur Weiterentwicklung dieser Linie gehört auch die 1932 entwickelte und weltweit eingeführte Kugelkopf-Anhängerkupplung.

Bis 1950 wurden in den Fertigungshallen auch Feldküchen, Lastwagenkarosserien, Anhänger und Wohnmobile hergestellt. In dieses Jahr fällt der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit mit Volkswagen. Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit war die „Camping-Box“, eine Box für den VW T1, die diesen ferientauglich machte. Ab 1952 gab es auch ein Vorzelt dazu. In den Jahren bis 1958 wird die Box stetig im Komfort verbessert, bis sie schließlich durch komplett zu Wohnmobilen umgerüstete VW-Busse abgelöst wurde. 1959 konnte bereits der 1.000. VW-Umbau gefeiert werden. Die Produktionszahlen nahmen von nun an am stetigen Wachstum des deutschen Wohlstands teil:

Jahr Anzahl Fahrzeuge (gesamt)
1961 30.000
1969 50.000
1975 150.000
1977 175.000
1978 200.000

Bekannte Modelle dieser Zeit waren der James Cook und der Sven Hedin. In einer weiteren Produktionslinie wurden von 1952 bis 1979 auch Fahrerkabinen des Mercedes-Benz Unimog bei Westfalia hergestellt.

Joker
Nugget
Westfalia Marco Polo (2013)

Mit dem Jahr 1978 begann die Erfolgsgeschichte des Joker. Von ihm wurden bis 1987 70.000 Fahrzeuge verkauft. Für viele Camper wurde er zum „Multifahrzeug“, mit dem sie auch zum Einkaufen oder zur Arbeit fuhren. Auf diese Art konnte auf ein zusätzliches Auto verzichtet werden und die Anschaffung wurde für viele Haushalte überhaupt erst finanziell vertretbar. Spätere Modelle waren der Nugget, der VW-California, der Vito Marco Polo der Vito F und das teilintegrierte Reisemobil auf Ford Transit-Basis, der Westvan.

Niedergang, Neuanfang und Insolvenz[Bearbeiten]

Ehemaliges Markenzeichen

Querelen in der Eigentümer-Familie Knöbel trieben das Unternehmen 1994 fast in den Ruin. Der von der Firmenleitung angekündigte Konkurs führte in der Belegschaft zu heftigen Protesten. Auf Transparenten an der Autobahn A2 forderte sie die „Entlassung“ der Familiengesellschafter. Zu diesem Zeitpunkt war die Firma Westfalia in Deutschland Marktführer für Anhängerkupplungen und die Belegschaft war von der Zukunft dieses Produkts und der damit verbundenen Arbeitsplätze überzeugt. Es fanden sich drei Manager aus der Region Ostwestfalen (Gunther Berg, Werner Gehring und Mark Wössner), die das Unternehmen mit ihren Privatgeldern aufkauften. Die ehemaligen Familieneigentümer wurden durch Pensionszahlungen abgefunden. Die drei Geschäftsbereiche des Unternehmens wurden in jeweils eigenständige rechtliche Einheiten umgewandelt:

1999 war die wirtschaftliche Situation soweit stabilisiert, dass ein Weiterverkauf der neu gebildeten Firmen in Betracht gezogen werden konnte. Die Westfalia Van Conversion GmbH ging zunächst zu 49 % in den Besitz von DaimlerChrysler über. Die 100 %ige Übernahme durch DaimlerChrysler erfolgte im Jahr 2001. Eine geplante Produktionsverlagerung nach Düsseldorf, die ursprünglich einen Totalverlust der ca. 250 Arbeitsplätze in Rheda-Wiedenbrück bedeutet hätte, konnte durch einen Anfang 2006 geschlossenen Standortsicherungsvertrag zwischen Betriebsrat und Betriebsleitung verhindert werden. In den Standort sollen sechs Millionen Euro investiert werden. Im Oktober 2007 wurde Westfalia Van Conversion von Daimler an die Aurelius AG, eine Münchner Industrieholding, verkauft. Es soll weiterhin für Daimler produziert werden. Seit 2009 hat Westfalia das alleinige Vertriebsrecht für den Sprinter James Cook. Bis auf den Mercedes-Benz Viano Marco Polo werden die produzierten Reisemobile nun durch ein eigenes Händlernetz vermarktet. [1]

In das traditionell ertragsstarke Geschäft der Westfalia Automotive mit Anhängerkupplungen trat mit 85 % Anteil die amerikanisch-britische Beteiligungsgesellschaft Granville Baird Capital Partners ein. Die restlichen 15 % Kapitalanteile übernahm das neue fünfköpfige Management (2 Geschäftsführer und 3 Prokuristen) mit Unterstützung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Dieser Finanzierung lag das Leveraged-Buy-Out-Schema (40 % Eigenkapital und 60 % Fremdkapital) zu Grunde. Das Investitionsvolumen von Granville Baird betrug im Jahr 2000 allein 11,7 Mio. Euro. Mit 385 Mitarbeitern wurden 110 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet. Die Ausrichtung der Investitionen hatte einen verstärkten Export zum Ziel, um den bis dahin geringen Exportanteil von 10 % der Produktion zu erhöhen.

Nachdem das Unternehmen im Januar 2010 in CVC-Camping Van Conversion umbenannt wurde [3], stellte es am 27. Januar 2010 einen Insolvenzantrag.[4]. Im November 2010 kaufte die französische Rapido-Gruppe die CVC Camping Van Conversion GmbH.[5] Nach der Übernahme wurde das Unternehmen in Westfalia Mobil GmbH umbenannt und arbeitet seither wieder erfolgreich.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Westfalia Fahrzeuge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundesanzeiger: Unternehmensregister, hinterlgete Bilanz abgerufen am 15. Februar 2013
  2. unternehmenshistorische Seite der Website der Westfalia Mobil GmbH abgerufen Januar 2012
  3. http://www.die-glocke.de/gl/cgi/news/shownews.php?id=18636
  4. Heise Autos: Wohnmobilhersteller Westfalia ist pleite, 27. Januar 2010
  5. Artikel über den Verkauf an die Rapido-Gruppe
  6. http://www.westfalia-van.de/de/footer/impressum.html

51.8450418.307948Koordinaten: 51° 50′ 42″ N, 8° 18′ 29″ O