Wiener Konzerthaus

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Wiener Konzerthaus (2006)

Das Wiener Konzerthaus wurde 1913 eröffnet. Es liegt im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße am Rand der Inneren Stadt zwischen Schwarzenbergplatz und Stadtpark.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Ludwig Baumanns geplantes Olympion
Kunstschau 1908, Hauptgebäude
Konzerthaus, Detail

Ein 1890 geplantes Haus für Musikfeste sollte als Mehrzweckbau breitere Bevölkerungsschichten ansprechen als der nur 200 Meter entfernte traditionsreiche Wiener Musikverein. Der Entwurf des Architekten Ludwig Baumann für ein Olympion enthielt außer mehreren Konzertsälen einen Eislaufplatz und einen Bicycleclub. Daneben sollte eine Freiluft-Arena 40.000 Besuchern Platz bieten. Der Eislaufplatz und seine Randbebauung wurden 1899 nach Baumanns Plänen verwirklicht, das Jugendstilensemble fiel jedoch 1960 einem Bau der InterContinental Hotels Group zum Opfer. Der Wiener Eislaufverein ist auf dem damals um etwa ein Drittel verkleinerten Platz bis heute beheimatet. Auch das beliebte Freistilringen Am Heumarkt fand hier statt.

Die von Gustav Klimt und seinen Freunden organisierte Kunstschau Wien 1908 fand in einem provisorischen Ausstellungsgebäude auf dem noch unbebauten Gelände des späteren Konzertgebäudes statt. Das Wiener Konzerthaus wurde schließlich von 1911 bis 1913 von den europaweit tätigen Wiener Theaterarchitekten Ferdinand Fellner d. J. und Hermann Helmer (Büro Fellner & Helmer) in Zusammenarbeit mit Ludwig Baumann errichtet.

Das Motto des Konzerthauses lautete:

Eine Stätte für die Pflege edler Musik, ein Sammelpunkt künstlerischer Bestrebungen, ein Haus für die Musik und ein Haus für Wien.

In den Mittagsstunden des 19. Oktober 1913 wurde das Konzerthaus in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet, am Abend gefolgt von einem Festkonzert des von Ferdinand Löwe geführten Orchesters des Wiener Konzertvereins (den heutigen Wiener Symphonikern).[1] Richard Strauss komponierte hierfür sein Festliches Präludium op. 61. Kombiniert wurde dieses moderne Werk mit Beethovens 9. Sinfonie – das Nebeneinander von Tradition und Moderne sollte so schon im ersten Konzert des Hauses deutlich werden.

Der Zerfall Österreich-Ungarns brachte enorme gesellschaftliche Umbrüche und finanzielle Krisen - und so wurde Flexibilität und Vielseitigkeit auch aus Geldmangel notwendig. Neben klassischem Repertoire gab es in den 1920er und 1930er Jahren wichtige Uraufführungen (u. a. von Arnold Schönberg und Erich Wolfgang Korngold), Konzerte mit Jazz und Schlagern, Vorträge von Wissenschaft bis Spiritismus und Dichterlesungen (u. a. von Karl Kraus). Tanz- und Ballveranstaltungen, einige große Kongresse und Weltmeisterschaften für Boxen und Fechten rundeten das Programm ab.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 verarmte das Programm zum „nicht-entarteten Unterhaltungsbetrieb“; vielen Künstlern blieb nur die Emigration.

Nach 1945 hatte das Konzerthaus auch die Nebenaufgabe, das geknickte österreichische Selbstbewusstsein auf musikalische Weise „aufzupäppeln“. Neben dem Standardrepertoire der Klassik und Romantik und dem Wiener Walzer gab es weiterhin Uraufführungen (z. B. Schönbergs Oratorium Die Jakobsleiter 1961) sowie internationalen Jazz und Popkonzerte. Ab Mai 1946 wurden Räume für Tonstudios und Verwaltung an den deutschen und in Wien lebenden Musikproduzenten Gerhard Mendelson vermietet, der als einer der wichtigsten Schlagerproduzenten Österreichs in der Nachkriegszeit gilt.

Nach mehreren Umbauten, die die originale Jugendstildekoration geringfügig veränderten, wurde das Haus von 1972 bis 1975 nach nur leicht veränderten Originalplänen wiederhergestellt. Von 1998 bis 2001 wurde das Haus unter Architekt Hans Puchhammer generalsaniert und um einen neuen Konzertsaal (Neuer Saal) erweitert.

Von 1989 bis 2002 fand im Konzerthaus außerdem der Wiener Kathreintanz statt.

Gebäude[Bearbeiten]

Das Konzerthaus an der Lothringerstraße, vom Schwarzenbergplatz aus gesehen

Das im Grundriss etwa 70 mal 40 Meter große Konzerthaus mit dem Haupteingang an der Lothringerstraße und weiteren Eingängen in der Lisztstraße und Am Heumarkt umfasst seit der Eröffnung drei Konzertsäle:

  • Großer Saal mit 1865 Plätzen
  • Mozart-Saal mit 704 Plätzen
  • Schubert-Saal mit 366 Plätzen
  • Der Neue Saal (mit ca. 400 Plätzen) wurde erst im Zuge der Generalsanierung von 1998 bis 2002 errichtet. Der Neue Saal wurde mit Beginn der Saison 2009 / 2010 in Berio-Saal umbenannt.
Konzerthaus, Weiheinschrift, Teil 1
Konzerthaus, Weiheinschrift, Teil 2

An der Hausfront, zur Rechten und Linken des Einganges, befindet sich die Inschrift

Ehrt eure deutschen Meister, dann bannt ihr gute Geister.

Dabei handelt es sich um ein Zitat aus dem Schlußchor zur Oper Die Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner.

In allen Sälen können gleichzeitig unterschiedliche Konzerte stattfinden, da sie sich akustisch gegenseitig nicht beeinflussen.

Im Inneren steht im Foyer das Originalmodell des 1878 von Kaspar von Zumbusch geschaffenen Beethoven-Denkmals, das gegenüber dem Konzerthaus am Beethovenplatz aufgestellt ist. Beim Treppenaufgang befindet sich ein Relief Huldigung an Kaiser Franz Joseph (1913) von Edmund Hellmer. Weiters ist eine Büste Franz Liszts von Max Klinger um 1904 zu erwähnen.

Zum Komplex des Konzerthauses gehört auch das Gebäude der K. k. Akademie für Musik und darstellende Kunst (heute Universität für Musik und darstellende Kunst). Neben Räumen für den universitären Lehrbetrieb enthält dieser Gebäudeteil auch das Akademietheater mit 521 Plätzen, das als Nebenbühne des Burgtheaters unter anderem für Uraufführungen moderner Schauspiele genutzt wird.

Großer Saal

Großer Saal und Orgel[Bearbeiten]

Der Große Saal hat eine Kapazität von 1116 Besucher (Parterre) und zusätzlichen 361 auf Balkon und Logen, sowie 388 in der Galerie. Das Auditorium ist 750 m² groß, das Podium 170 m². In den 1960er Jahren wurde der Saal durch Heinrich Keilholz optimiert.

Die Orgel im Großen Saal wurde 1913 von der Firma Rieger Orgelbau (Jägerndorf, Schlesien) erbaut. Das Instrument befindet sich an der Stirnwand des großen Saales, hat jedoch keinen sichtbaren Prospekt. Das Orgelwerk befindet sich hinter einem Gitter und ist damit für die Besucher verborgen. Das Kegelladen-Instrument hat 116 Register auf fünf Manualwerken und Pedal und ist damit die größte Orgel Österreichs. Zu den Besonderheiten der Orgel zählt zum einen, dass vier der Manualwerke schwellbar sind. Außerdem umfasst die Orgel ein (schwellbares) Fernwerk mit eigenem Pedalwerk. Stilistisch ist die Orgel an dem Ideal der sog. «Elsässischen Orgelreform» ausgerichtet, wobei nach dem Vorbild von Großinstrumenten von Aristide Cavaillé-Coll die starken Stimmen auf zwei Manuale aufgeteilt sind. Die Trakturen sind elektropneumatisch. Zur Einweihung des Instruments hatte Richard Strauss das "Festliche Präludium" für Orgel und Orchester komponiert. 1982 wurde das Instrument umfassend restauriert.[2]

I Hauptwerk C–
Principal 16′
Bordun 16′
Principal 8′
Gedackt 8′
Hohlflöte 8′
Flûte harmonique 8′
Fugara 8′
Gemshorn 8′
Dulciana 8′
Nasatquinte 51/3
Octave 4′
Rohrflöte 4′
Viola 4′
Superoctave 2′
Rauschquinte II 22/3
Kornett III–V 8′
Mixtur V 22/3
Cymbel III 2′
Trompete 16′
Trompete 8′
Clarino 4′
II. Manual (schwellbar) C–
Viola 16′
Quintatön 16′
Principal 8′
Bordun 8′
Flauto traverso 8′
Clarabella 8′
Viola da Gamba 8′
Salicional 8′
Unda maris 8′
Octave 4′
Flûte octaviante 4′
Gemshorn 4′
Quintatön 4′
Waldflöte 2′
Sesquialtera II 22/3
Progress. harm. III–V 22/3
Mixtur IV 22/3
Clarinette 8′
Krummhorn 8′
Glockenspiel
Tremulant
III. Manual (schwellbar) C–
Lieblich-Gedackt 16′
Geigen-Principal 8′
Rohrflöte 8′
Still-Gedeckt 8′
Wiener Flöte 8′
Quintatön 8′
Echo Gamba 8′
Aeoline 8′
Vox coelestis 8′
Octave 4′
Flûte octaviante 4′
Zartflöte 4′
Aeolsharfe 4′
Gemsquinte 22/3
Flautino 2′
Terz 13/5
Larigotquinte 11/3
Septime 11/7
Piccolo 1′
Harmonia aetherea IV 22/3
Basson 16′
Trompette harmonique 8′
Oboe 8′
Vox humana 8′
Clairon harmonique 4′
Tremulant
IV Solowerk C–
Bordun 16′
Clarinophon 8′
Doppel-Gedackt 8′
Concertflöte 8′
Solo Gamba 8′
Rohrquinte 51/3
Octave 4′
Soloflöte 4′
Quinte 22/3
Superoctave 2′
Groß-Cornett III–V 22/3
Tuba mirabilis 8′
Ophicleide 8′
Clairon harmonique 4′


V Fernwerk (schwellbar) C–
Zart-Gedackt 16′
Horn-Principal 8′
Lieblich-Gedackt 8′
Rohrflöte 8′
Viola d’amore 8′
Vox angelica 8′
Gemshorn 4′
Traversflöte 4′
Piccolo 2′
Mixtur IV 22/3
Schalmei 8′
Vox humana 8′
Tremulant
Pedal C–
Principalbaß 32′
Principalbaß 16′
Violon 16′
Subbaß 16′
Echobaß 16′
Salicetbaß 16′
Quintbaß 102/3
Octavbaß 8′
Gedacktbaß 8′
Baßflöte 8′
Cello 8′
Dulcianbaß 8′
Octave 4′
Flauto 4′
Campana III 102/3
Mixtur IV 51/3
Bombarde 32′
Posaune 16′
Fagott 16′
Trompete 8′
Bassetthorn 8′
Clarino 4′


Fernpedal C–
Subbaß 16′
Octavbaß 8′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, V/I, P/I, III/II, IV/II, V/II, I/II, IV/III, V/P, I/P, II/P, III/P, IV/P
    • Superoktavkoppeln: II/I, III/I, IV/I, V/I, III/I, IV/I, III/II, IV/II, IV, V, I/P, IV/P.
    • Suboktavkoppeln: III/II.
  • Spielhilfen: Freie Kombinationen (5 Banken mal 1000 = 5000 Generalsetzer), Absteller (Walze ab, Koppeln aus Walze, Koppeln zu IV aus Walze, Manual 16′ ab, Zungen ab (als Druckknöpfe), Hauptpedal ab, Fernpedal ab (als Kipptasten), Einzelzungenabsteller), Tutti (Druckknopf), Hauptpedal ab, Fernwerk Pedal ab, Schweller V an Schwelltritt II koppelbar (Kipptaste), Tritte in Wechselwirkung mit Kipptasten (Koppel I–IV an P, Normalkoppeln II–IV an I, Walze ab), Registercrescendo (Walze für den Organisten, gekoppelt mit zweiter Walze für den Registranten).

Programm[Bearbeiten]

Das Konzerthaus ist die Hauptspielstätte der Wiener Symphoniker, des Wiener Kammerorchesters und des Klangforum Wien. Seit 1913 hat die Wiener Singakademie im Konzerthaus ihre permanente Heimstätte. In Eigenveranstaltungen der Wiener Konzerthausgesellschaft sind neben den Wiener Philharmonikern auch andere internationale Orchester, Solisten und Kammermusikensembles regelmäßig zu Gast. Darüber hinaus gibt es auch zahlreiche Veranstaltungen anderer Veranstalter im Konzerthaus. So z.B. den Bonbon-Ball, aber auch Konzerte aus den Bereichen Jazz und World Music.

Das Programm der Wiener Konzerthausgesellschaft umfasst auch einige Festivals, beispielsweise

  • das Festival für Alte Musik Resonanzen im Jänner
  • das Wiener Frühlingsfestival
  • das Internationale Musikfest
  • Wien Modern im Herbst

Zwischen 2003 bis 2006 gab es die Reihe mit neuester Musik Generator.

Ab 2008 wird jährlich zu Saisonbeginn ein Festival mit Schwerpunkt „auf eine bestimmte Region oder kulturelle Community[3] stattfinden. Den Auftakt macht im September 2008 das zweitägige Festival Spot On: Jiddischkeit, bei dem ein Querschnitt durch die Vielfalt jüdischen Musikschaffens dargeboten wird.

Generalsekretäre/Intendanten[Bearbeiten]

Im Jahr 2007 wurde der Generalsekretär in Intendant umbenannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erwin Barta: Das Wiener Konzerthaus zwischen 1945 und 1961. Eine vereinsgeschichtliche und musikwirtschaftliche Studie. Schneider, Tutzing 2001 ISBN 3-7952-1037-2
  •  Günter Lade: Orgeln in Wien. Edition Lade, 1990, ISBN 3-9500017-0-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wiener Konzerthaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. K.: Die feierliche Einweihung des neuen Konzerthauses. In Anwesenheit des Kaisers. In: Neue Freie Presse, Nachmittagblatt, Nr. 17658, 20. Oktober 1913, S. 5 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  2. Informationen zur Orgel auf der Website des Konzerthauses; vgl. auch die Informationen (PDF; 566 kB) der GDO
  3. konzerthaus.atSpot on Jiddischkeit (abgerufen am 6. September 2008)
  4. [1]Matthias Naske als Intendant des Wiener Konzerthauses ab Juli 2013 bestellt (abgerufen am 2. Januar 2013)

48.20055555555616.376944444444Koordinaten: 48° 12′ 2″ N, 16° 22′ 37″ O