Wiener akademische Burschenschaft Bruna Sudetia

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Wiener akademische Burschenschaft Bruna Sudetia

Wappen Zirkel
Bruna Sudetia Wappen.jpg Bruna Sudetia Zirkel.jpg
Basisdaten
Gründung: 29. Oktober 1871
Gründungsort: Wien
Stiftungsdatum: 22. Oktober 1871
Korporationsverband: Deutsche Burschenschaft
Farben: Violett, Rot, Gold mit gold-roter Perkussion
Stellung zur Mensur: pflichtschlagend
Wahlspruch: Freiheit, Ehre, Vaterland!
Website: www.bruna-sudetia.at

Die Wiener akademische Burschenschaft Bruna Sudetia ist eine am 22. Oktober 1871 gestiftete pflichtschlagende Studentenverbindung, deren Mitglieder sich aus Studenten und Absolventen der Wiener Universitäten und Hochschulen zusammensetzen. Ihre Mitglieder bezeichnen sich als „Brunen“.

Couleur und Comment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Band der Bruna Sudetia

Die Farben der Burschenschaft Bruna Sudetia bestehen aus dem violett-rot-goldenen Burschenband mit gold-roter Gegenperkussion. Als Kopfbedeckung tragen die Mitglieder eine kirschrote Mütze im sogenannten Wiener Format, Alte Herren tragen zu internen Veranstaltungen das Tönnchen.

Die Bruna Sudetia schlägt als pflichtschlagende Burschenschaft ihre Mensuren nach dem Schlägerbrauch des Wiener Delegiertenconvents.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Oktober 1871 gründeten Brünner Abiturienten, die in Wien ihr Universitätsstudium aufnahmen, die Deutsch-akademische Verbindung Bruna mit dunkelroten Kappen und einem schwarz-rot-goldenen Band, auf dem in Silber ein „B“ aufgestickt war. Diese Verbindung war zunächst progressistisch eingestellt. Sie erklärte sich am 27. Jänner 1872 zur Landsmannschaft Bruna, unter Beibehaltung der bisherigen Farben, jedoch Abschaffung des silbernen „B“.

Am 6. Juni 1874 nahm die Landsmannschaft Bruna das konservative Prinzip an und erklärte sich am 19. Juni 1874 zur Akademischen Landsmannschaft Bruna. Des Weiteren nahm sie den Standpunkt der Unbedingten Genugtuung an; ein regelmäßiger Paukbetrieb wurde verpflichtend. Im folgenden Wintersemester, am 14. November 1874, schlug die Bruna ihre erste Schlägermensur mit der Landsmannschaft Markomannia (heute Burschenschaft Markomannia Wien zu Deggendorf).

Am 22. Jänner 1876 wurde die Bruna Mitglied der Deutschen Landsmannschaft, heute Coburger Convent. Nach zwei Semestern verließ die Bruna am 22. Oktober 1876 das landsmannschaftliche Lager und erklärte sich zur Akademischen Burschenschaft Bruna. Diese behielt die Mützenfarbe bei, änderte jedoch ihre Farben auf violett-rot-gold.

Am 13. Dezember 1873 gründeten sudetendeutsche Hochschüler in Wien den Verein deutscher Hochschüler aus den Sudetenländern. Am 3. Mai 1882 wurde der Name des Vereins auf Sudetia, Verein Deutscher Studenten aus den Sudetenländern geändert. Die Sudetia trug keine Mützen, jedoch ein schwarz-gold-weißes Burschenband. Ebenfalls vorerst progressistisch eingestellt, wurde die Sudetia 1882 konservativ und schlug ihre erste Schlägermensur auf die Waffen der Burschenschaft Silesia gegen die oben bereits erwähnte Landsmannschaft Markomannia.

Das beiderseitige Bedürfnis nach Stärkung ihrer Positionen am Wiener Couleurboden führte dazu, dass sich die beiden Korporationen am 12. Dezember 1882 zur Wiener akademischen Burschenschaft Bruna Sudetia fusionierten. Die Fusionsburschenschaft nahm den heute noch gültigen Zirkel, sowie das heutige Wappen an und trägt seither die Farben violett-rot-gold und dunkelrote Mützen.

Im Wintersemester 1886 wurde der perpetuelle Gemeinheitsverruf durch den Wiener DC über Bruna Sudetia verhängt, wonach Mitglieder der Bruna Sudetia von anderen Mitgliedern des Wiener DC perpetuell, also ununterbrochen zu meiden waren. Grund war die Weigerung der Bruna Sudetia, ihre jüdischen Mitglieder aus der Burschenschaft zu verweisen. Eine geschlossene Front der Ablehnung stand dem Bund auf Wiener Boden gegenüber. Am 3. Mai 1888 verließen die letzten jüdischen Mitglieder den Bund. Im selben Jahr erfolgte die Aufnahme des Waidhofner Prinzips, wonach Juden pauschal jede Ehre und damit auch die Satisfaktionsfähigkeit abgesprochen wurde. Erst daraufhin wurde der Verruf seitens des Wiener DC gegen die Bruna Sudetia aufgehoben.

Im Jahr 1889 wurde die Zwangsmitgliedschaft im Altherrenverband für Universitätsabsolventen der Bruna Sudetia eingeführt. Im selben Jahr entstand eine bis heute aufrecht gebliebene Tradition: der Greifensteinausflug.

Da Bruna Sudetia in waffenstudentischen und burschenschaftlichen überregionalen Zusammenschlüssen stets federführende Positionen einnahm, leitete der Brunensprecher Moritz Edler von Statzer, Obmann des Lese- und Redevereins Germania, 1897 den ersten Alldeutschen Burschentag.

Die Eröffnung des ersten Bruna Sudetia-Hauses (gleichzeitig auch das erste Couleurhaus in Österreich) in der Strozzigasse 11[1] erfolgte am 19. November 1899.

Der Erste Weltkrieg machte Ende des Sommersemesters 1914 bis zum Wintersemester 1918 eine aktive Betätigung der Burschenschaft unmöglich. Etwa hundert Mitglieder waren zum Kriegsdienst eingezogen.

Zwischenkriegszeit und Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1919 reaktivierte die Bruna Sudetia mit 26, zum Großteil kriegsgeprägten, Fuchsen. Ziviles akademisches Leben gestaltete sich anfänglich schwierig. Noch im selben Jahr wurde die Bruna Sudetia Mitglied in der Deutschen Burschenschaft.

Im Oktober 1932 beschloss der Generalconvent, seinen Mitgliedern die Betätigung in bestimmten, den burschenschaftlichen Grundsätzen zuwiderhandelnden Parteien zu verbieten. Seit dem Juni 1933 wurde die Umerziehung und Unterwanderung der Deutschen Burschenschaft durch die Nationalsozialisten vom Deutschen Reich aus deutlich spürbar. Zur Anpassung an das reichsdeutsche Führerprinzip wurde anstelle eines Sprechers ein „Führer“ dem Bund vorangestellt. Im Dachverband Burschenschaft der Ostmark (BdO) übernahm der Brune Erich Führer diese Position. Nach der Gleichschaltung der Deutschen Burschenschaft mit dem NS-Regime 1933 gründeten die österreichischen Burschenschaften die BdO wieder, die zuvor schon von 1907 bis 1919 bestanden hatte.

Infolge der Radikalisierung der politischen Verhältnisse im austrofaschistischen Österreich, aber spätestens seit dem Wintersemester 1936, stand Wehrsport gleichbedeutend mit dem Pauken auf dem Tagesprogramm.

Am 8. Juni 1938 erfolgte nach dem „Anschluss“ die zwangsweise Überführung der Burschenschaft Bruna Sudetia zur Kameradschaft Otto Planetta; die Burschenschaft wurde am selben Tag durch das NS-Regime aufgelöst – ein Umstand, der die anfängliche Hochstimmung ob der politischen und ideologischen Umgestaltung merklich dämpfte. Auf Grund der Tatsache, dass Bruna Sudetia über ein eigenes Haus verfügte und zudem die Mitgliederstärke aufwies, eine eigene Kameradschaft zu gründen, blieb der Bund von äußeren Einflüssen verschont. Er musste weder eines der Kameradschaftshäuser beziehen noch bundfremde Mitglieder des NSDStB in seine Reihen aufnehmen.

Der Zweite Weltkrieg rief zwar wieder mit 101 Brunen weite Teile der Burschenschaft in den Wehrdienst, jedoch konnte der Betrieb eingeschränkt weitergeführt werden. Das 70. Stiftungsfest im Oktober 1941, das von knapp 70 Brunen besucht werden konnte, stand zwar im Zeichen des totalen Kriegs, es konnten jedoch bisweilen noch Mensuren geschlagen werden. Im Winter 1942 musste der aktive Betrieb zur Gänze eingestellt werden. Die äußere Beobachtung des Bundes wurde intensiver und das „letzte Aufgebot“ wurde an die Fronten entsandt.

Am 5. November 1944 wurde das Bruna Sudetia-Haus bei einem Luftangriff der US-Air Force durch Brandbomben zerstört.

Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Krieg wurde die Tätigkeit des Bundes durch eine am 6. Juni 1951 gegründete Akademische Vereinigung Greifenstein, kurz darauf Akademische Verbindung Hohenheim, aufgenommen. Diese führte ab 7. August 1952 den Titel Wiener Akademische Vereinigung Bruna Sudetia. Erst 1953 durfte wieder der alte Name Wiener akademische Burschenschaft Bruna Sudetia geführt werden. Am 7. Mai 1955 konnte das neu errichtete Couleurhaus bezogen werden.

1959 verfasste der Brune Josef Oskar von Wladar die Grundsatzerklärung der Deutschen Burschenschaft in Österreich mit dem Titel Manifest der Deutschen Burschenschaft in Österreich anlässlich des 100-jährigen Bestehens. Ein Jahr später veröffentlichte der Brune Hermann Kränzl-Hollan sein über 900-seitiges Werk über die Geschichte der Bruna Sudetia.

Seit 1976 ist die Burschenschaft Bruna Sudetia wieder Mitglied der Deutschen Burschenschaft.

Das Bruna Sudetia-Haus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Couleurkarte mit Frontalansicht des alten Bruna Sudetia-Hauses

Am 20. November 1898 wurde von Alten Herren der Bruna Sudetia ein rechtlich selbstständiger Verein, die Wohnungsgenossenschaft Bruna Sudetia, mit dem Ziel gegründet, in Wien ein Haus zu errichten und in diesem den Aktiven ein Heim zur Verfügung zu stellen. Am 9. April 1899 erfolgte feierlich die Grundsteinlegung dieses Hauses in Wien, Josefstadt, Strozzigasse 11. Bereits am 18. November 1899 fand die festliche Einweihung des Hauses im Beisein des Rektors der Wiener Universität statt.

Da das alte Bruna Sudetia-Haus 1944 einem Luftangriff zum Opfer fiel, wurde am 9. Februar 1947 die seinerzeitige Wohnungsgenossenschaft Bruna Sudetia in der Absicht wieder errichtet, das Bruna Sudetia-Haus neu aufzubauen. Architekt war der Brune Josef Oskar von Wladar. Am 10. Mai 1954 erfolgte die Grundsteinlegung und am 7. Mai 1955 die feierliche Eröffnung des neues Bruna Sudetia-Hauses, welches sich bis heute in der Strozzigasse 11 befindet. Die historistische Fassade des alten Brunenhauses wurde dabei nicht wiederhergestellt, sondern eine für die Wiederaufbauzeit der 1950er Jahre typische glatte Fassade im Sinne des Funktionalismus gewählt. Das Haus verfügt heute über Veranstaltungsräume, Studentenzimmer und über den größten Fechtboden der Wiener schlagenden Korporationen.

Brandanschlag vom 27. Januar 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zusammenhang mit den Protesten gegen den Ball des Wiener Korporationsrings 2012 wurde ein „Brandanschlag“ auf die Räume der Burschenschaft verübt. Nach Angaben der Burschenschaft hätten Mitglieder des „linken Blocks“ versucht, die Türe einzubrechen und diese dann in Brand gesteckt.[2] Die Wiener Polizei bestätigte die versuchte Brandstiftung.[3]

Jüngere Aktivitäten der Burschenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2016 hatte die Wiener akademische Burschenschaft Bruna Sudetia, als Co-Vorsitzende gemeinsam mit der Berliner Burschenschaft Gothia, den Vorsitz in der Deutschen Burschenschaft (DB) inne. Im Jahr 2017 übernahm die Bruna Sudetia nach längerer Zeit wieder den Vorsitz im Wiener Korporationsring (WKR).

Staatsverständnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bruna Sudetia bekennt sich zur „Deutschen Volks- und Kulturgemeinschaft“ und verneint die Existenz einer von Deutschland unabhängigen Österreichischen Nation.[4] Damit steht sie, so wie die meisten anderen schlagenden Verbindungen in Österreich, im Widerspruch zum modernen österreichischen Staatsverständnis.

Überkorporative Zusammenschlüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der im Ostdeutschen Bund zusammengeschlossenen Burschenschaften

Dachverbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mitglied der Deutschen Burschenschaft (DB)
  • Gründungsmitglied der Burschenschaftlichen Gemeinschaft in DB und DBÖ (BG)
  • Gründungs- und Traditionsmitglied des Wiener Korporationsrings (WKR)
  • Gründungsmitglied des Wiener Delegiertenconvents (WDC)

Verhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ostdeutscher Bund (aktuell):

  • Akademische Burschenschaft Allemannia Graz
  • Brünner Burschenschaft Libertas zu Aachen
  • Burschenschaft Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken
  • Wiener akademische Burschenschaft Bruna Sudetia
  • ehemals: Innsbrucker Burschenschaft Pappenheim, nach dem 2. WK überwiegend in Burschenschaft Suevia Innsbruck aufgegangen
  • ehemals: Prager Burschenschaft Arminia zu Bochum, am 5. Mai 2005 ausgeschlossen

Verhältnisse (historisch):

  • Süddeutsches Kartell, 1921 bis 1962
  • Burschenschaft Alemannia Stuttgart, 1924 bis ca. 1935
  • Burschenschaft Cheruskia Dresden, 1925 bis ca. 1935
  • Verbindung Deutscher Kunstakademiker Athenaia, bis zu deren Auflösung 1938

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Freiherr von Brzesowsky (1875–1945), Polizeipräsident von Wien (1907–1914)
  • Ferdinand Falkensammer (1878–1953), österreichischer Politiker und Industrieller
  • Rupert Franz (1882–1960), Gynäkologe
  • Franz Heinl (1880–1950), Maschinenbautechniker und Erfinder
  • Franz Peschka (1856–1908), Böhmischer Landtagsabgeordneter, Reichsratsabgeordneter, Deutscher Landsmannminister im Kabinett Beck, Gründer und Vorsitzender der Deutschen Agrarpartei
  • Anton Piëch (1894–1952), österreichischer Rechtsanwalt und Unternehmer, Leiter des Volkswagen-Stammwerks
  • Ferdinand Porsche (1875–1951), Konstrukteur (Ehrenmitglied seit 1938)
  • Julius Roller (1862–1946), österreichischer Jurist und Politiker, Abgeordneter zum Böhmischen Landtag, Abgeordneter zum Österreichischen Abgeordnetenhaus, österreichischer Staatssekretär für Justiz und Präsident des Obersten Gerichtshofes
  • Robert Schwinner (1878–1953), Geophysiker und Geologe
  • Lutz Weinzinger (* 1943), österreichischer Politiker (FPÖ)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 393–394
  • Deutsche Burschenschaft: Handbuch der Deutschen Burschenschaft, diverse Jahrgänge
  • Wiener akademische Burschenschaft Bruna Sudetia: Festschrift zum 125. Stiftungsfest, Wien 1996

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 175.
  2. heute.at, 28. Januar 2012
  3. WKR-Demo: Was wirklich passiert ist auf derstandard.at, abgerufen am 5. Februar 2012
  4. 100 Jahre Wiener Akademische Burschenschaft Bruna Sudetia. In: Akademisches Leben, Juli/August 1971, S. 22.