Berliner Burschenschaft Gothia

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Berliner Burschenschaft Gothia

Wappen Zirkel
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Basisdaten
Hochschulort: Berlin
Gründung: 24. Januar 1877
Korporationsverband: Deutsche Burschenschaft
Farbenstatus: farbentragend
Farben: orange-weiß-schwarz
Farben:
Fuchsenfarben: orange-weiß-orange
Fuchsenfarben:
Mütze: orange
Art des Bundes: Männerbund
Stellung zur Mensur: pflichtschlagend
Wahlspruch: Furchtlos und beharrlich!
Website: www.gothia.de

Die Berliner Burschenschaft Gothia ist eine pflichtschlagende Studentenverbindung in Berlin. Sie ist Mitglied des Korporationsverbandes Deutsche Burschenschaft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. März 1890 wurde die Gothia-Charlottenburg gegründet[1], zunächst als freies Corps. Schon am 5. Juni 1891 wandelte sie sich in eine freie Burschenschaft um und wurde im folgenden Wintersemester 1891/92 in den Niederwalder-Deputierten-Convent als Dachverband der technischen Burschenschaften aufgenommen. Später gelangte sie mit einem seiner Nachfolgeverbände in die Deutsche Burschenschaft[2]. Bereits am 24. Januar 1877 entstand die Gothia-Berlin[3] als nicht farbentragender "Akademischer Stenographen-Verein Gabelsberger" zur wissenschaftlichen Behandlung stenographischer Fragen. 1904 wurde öffentlich Couleur angelegt (dunkelrot-gold-blau, dunkelrote Samtmütze) und 1912 der Name in "Akademische Verbindung Gothia" geändert. 1921 trat Gothia Berlin dem Allgemeinen Deutschen Burschenbund bei und wandelte sich damit zur Burschenschaft um[4]. Beide Burschenschaften fusionierten am 10. Oktober 1951 zur Berliner Burschenschaft Gothia mit den Farben der Gothia Charlottenburg und dem Gründungsdatum der Gothia Berlin.

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Veranstaltungen und Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gothia bietet ihren Mitgliedern bei „Burschenschaftlichen Abenden“ Veranstaltungen verschiedenster Inhalte an. Dabei traten mehrfach Vertreter der konservativen bis extremen Rechten wie Alfred Mechtersheimer[5], Erik Lehnert[6], Horst Mahler[7], Michael Paulwitz[8] Jost Bauch[9] und Hans-Thomas Tillschneider[10] auf. Auch der ehemalige Berliner Bürgermeister Eberhard Diepgen sprach als Alter Herr der Berliner Burschenschaft Saravia bei der Gothia. In seiner Funktion als Antisemitismusbeauftragter sprach Daniel Alter am 12. Februar 2014 im Haus der Berliner Burschenschaft Gothia bei einem Burschenschaftlichen Abend der „Vereinigung Alter Burschenschafter zu Berlin (VAB)“, veranstaltet von der Burschenschaft Gothia in Kooperation mit der Sängerschaft Borussia Berlin, zum Thema: „Gemeinsam über Aufklärung gegen latenten und offenen Antisemitismus“.[11][12] Auch Peter Brandt, Sohn des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt, war Referent.[13] Im Jahr 2005 hielt der frühere Kanzleramtsminister Egon Bahr (SPD) bei der Gothia einen Vortrag, was innerparteiliche Diskussionen in der SPD auslöste und zu einem Beschluss des Bundesparteitages führte, dass die Mitgliedschaft in einer Burschenschaft mit der in der SPD unvereinbar sei.[14] Dieser Beschluss wurde später dahingehend entschärft, dass nur eine Mitgliedschaft in einer Burschenschaft der Burschenschaftlichen Gemeinschaft unvereinbar mit einer SPD-Mitgliedschaft ist, und 2014 erneut auf alle Mitgliedsbünde der Deutschen Burschenschaft ausgeweitet.

Bei einem Grillfest der Gothia nahmen Mitglieder der Berliner AfD und der Identitären Bewegung teil.[15]

1981 wurde aus dem Umfeld der Gothia die Berliner Schülerverbindung Iuvenis Gothia gegründet.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burschenschaft Gothia ist Mitglied im Korporationsverband Deutsche Burschenschaft, wo sie 2016 den Vorsitz hatte. Gothia gehörte von 1920 bis 1999 dem Rheinischen Ring ursprünglich technischer Burschenschaften an. Die Aktivitas war bis November 2012 Mitglied der Burschenschaftlichen Gemeinschaft.

Verbindungshaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gothenhaus ist das Verbindungshaus der Gothia in Berlin-Zehlendorf. Das Haus wird auch „braune Wolfsschanze in Zehlendorf“ genannt.[16]

2006 wurde im Verbindungshaus eine „Kleine deutsche Kunstausstellung“ mit Werken von Georg Sluyterman von Langeweyde, Ernst von Dombrowski und Rudolf Warnecke durchgeführt, die zuvor bei der Burschenschaft Danubia München gezeigt worden war. Nach Ansicht des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz müsse sich der Veranstalter solcher Ausstellungen „fragen lassen, ob er nicht nur in künstlerischer, sondern auch in politischer Hinsicht den Nationalsozialismus für vorbildhaft“ halte. Der Titel der Ausstellung habe unverhohlen auf die Große Deutsche Kunstausstellung Bezug genommen, die zwischen 1937 und 1944 im Münchner Haus der Deutschen Kunst die Kunst im Nationalsozialismus präsentierte.[17] Das Gothenhaus wird seit dem 7. April 2015, der Wiederaufnahme der von Erik Lehnert organisierten Veranstaltungen mit dem Titel "Staatspolitischer Salon" des neurechten Instituts für Staatspolitik für ebendiese regelmäßig genutzt.[10]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Öffentlichkeit wurde Gothia 2013 unter anderem durch die Mitgliedschaft des früheren Staatssekretärs Michael Büge bekannt, der deswegen zum 30. Juni 2013 aus dem Amt entlassen wurde.[18][19]

Weitere Mitglieder:

Mitgliederverzeichnis:

  • Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934. S. 1005.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Hübener und Paul-Günter Weber: Berliner Gothen. Die Geschichte der Berliner Burschenschaft Gothia von 1877 bis 1987. Festschrift zum 110. Stiftungsfest, Germa Press, Hamburg 1987, ISBN 3-924865-04-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 120.
  2. M. Doeberl (Hrsg.): Das akademische Deutschland Band II, Berlin 1931, S. 624
  3. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 14.
  4. M. Doeberl (Hrsg.): Das akademische Deutschland Band II, Berlin 1931, S. 637
  5. Alice Brauner-Orthen: Die Neue Rechte in Deutschland: Antidemokratische und rassistische Tendenzen, Leske+Budrich, Opladen 2001, ISBN 3-8100-3078-3, S. 183.
  6. Antonie Rietzschel: Berliner Sozial-Staatssekretär Büge: Gefeuert wegen Mitgliedschaft in Burschenschaft. In: Süddeutsche Zeitung. 13. Mai 2013, abgerufen am 9. Juni 2016.
  7. Burschenschaften: „Manchen ist die Gangart zu scharf“ Tagesspiegel vom 21. November 2012
  8. Felix Krebs: Wo Schüler sich mit Säbeln schlagen, Publikative.org vom 1. Juli 2014
  9. http://www.vab-berlin.de/termine/termine_2007.html (Memento vom 30. Oktober 2014 im Internet Archive)
  10. a b AfD-Vorstände suchen Nähe zu rechter Denkfabrik, Handelsblatt vom 1. Juni 2015
  11. Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde 3/2014 (Seite 19)
  12. René Hamann: Links ist alles, was links von der CDU ist TAZ.de 14. Februar 2014
  13. Archivlink (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gothia.de
  14. Jochen Leffers: SPD: Burschenschafter sollen draußen bleiben. Spiegel Online, 16. November 2005, abgerufen am 13. Juni 2016.
  15. http://www.taz.de/Identitaere-Bewegung-und-die-AfD/!5416603/
  16. Sebastian Höhn: Burschenschaft Gothia Staatssekretär Büge schweigt, Berliner Zeitung vom 06. April 2013; Berliner Senator entlässt Staatssekretär, SpiegelOnline vom 13. Mai 2013; jeweils abgerufen am 4. März 2018
  17. Sebastian Höhn: Ausstellung Mit Nazi-Kunst auf Tournee. In: Berliner Zeitung. 4. Mai 2013, abgerufen am 9. Juni 2016.
  18. Sabine Beikler: Wegen Mitgliedschaft in Burschenschaft Gothia - Czaja entlässt Staatssekretär Büge, auf tagesspiegel.de vom 13. Mai 2013, abgerufen am 9. Juni 2016
  19. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Lieber Burschenschafter als Ministerialer: Berliner Senator entlässt Staatssekretär. In: SPIEGEL ONLINE. 13. Mai 2013, abgerufen am 8. Juni 2016.
  20. Frank-Rutger Hausmann: Ernst-Wilhelm Bohle, Gauleiter im Dienst von Partei und Staat, Duncker & Humblot, Berlin 2009, ISBN 978-3-428-12862-4, S. 43
  21. Mo Asumang: Mo und die Arier. Allein unter Rassisten und Neonazis. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2016, ISBN 978-3-596-03443-7 (in Kapitel 13).
  22. Austrittsmeldungen. In: Nachrichtenblatt 295 der Deutschen Burschenschaft vom 30. Januar 2006, S. 7 (abgerufen am 9. Juni 2016).