William Calley

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

William Laws Calley, Jr. (* 8. Juni 1943 in Miami, Florida) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Offizier. Er war verantwortlich für das Massaker von Mỹ Lai, einem Kriegsverbrechen während des Vietnamkriegs.

Verbrechen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. März 1968 nahm eine Gruppe von Soldaten, u. a. aus dem 1. Platoon der C-Kompanie der Task Force Barker unter dem Kommando von Leutnant Calley, die Ortschaft My Lai und andere umliegende Dörfer der Gegend in der südvietnamesischen Provinz Quảng Ngãi ein und tötete dabei zwischen 347 und 504 Zivilisten. Die amerikanische Presse berichtete am 16. November 1969 erstmals über das „Massaker von My Lai“.

Gerichtsverhandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kriegsgerichtsverhandlungen gegen William Calley waren für den 17. November 1969 in Fort Benning angesetzt, begannen aufgrund mehrfacher Verschiebungen jedoch erst am 16. November 1970.

Am 29. März 1971 wurde Calley, der auf Befehlsnotstand beharrte, der vorsätzlichen Tötung von 22 Zivilisten schuldig gesprochen und am 31. März 1971 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Schon am darauffolgenden Tag, dem 1. April 1971, verfügte Präsident Richard Nixon seine Haftentlassung. Calley bekam lediglich Hausarrest. Am 20. August 1971 wurde seine nominelle Strafe durch die Army auf 20 Jahre verkürzt, danach vom Heeresstaatssekretär der Vereinigten Staaten Howard H. Callaway nochmals halbiert. 1974 wurde Calley durch Richard Nixon endgültig begnadigt.

Zuspruch und Ablehnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verurteilung von Calley führte zu Empörung in den USA. Einige Bundesstaaten – Indiana, Utah, Mississippi – setzten die Flaggen aus Solidarität mit dem Angeklagten auf halbmast und die Gouverneure riefen zu Sympathiekundgebungen für Calley auf. Einer dieser Gouverneure war der spätere US-Präsident Jimmy Carter. Carter, zu dieser Zeit Gouverneur Georgias, führte den American Fighting Man's Day ein und bat die Bürger Georgias aus Solidarität mit Calley eine Woche mit eingeschalteten Lichtern zu fahren.[1] Die Parlamente Arkansas', Kansas', Texas', New Jerseys und South Carolinas forderten die Begnadigung Calleys.[1] Alabamas Gouverneur George Wallace besuchte Calley. Das Weiße Haus erhielt 5.000 Telegramme mit einem Verhältnis von 100 zu 1 zugunsten einer Begnadigung.[2] In einer Telefonumfrage sprachen sich 79 % für Calley und gegen das Urteil aus. 81 % hielten das Urteil für zu hart und 69 % waren der Meinung, Calley sei nur ein Sündenbock.[2]

Andere wiederum unterstützten das Urteil empörten sich jedoch darüber, dass nur Calley verurteilt worden war. Die Winter Soldier Investigation in Detroit, organisiert von den Vietnam Veterans Against the War, protestierte Ende Januar 1971 gegen die nicht stattfindende Strafverfolgung.[3]

Die Zeit danach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1972 veröffentlichte William Calley seine Biographie, die auf Deutsch unter dem Titel „Ich war gern in Vietnam“ im Fischer Verlag erschien. Aus der Arbeit als Manager im Juweliergeschäft seines Schwiegervaters zog er sich 2005 zurück. Calley lebt bei seinem Sohn, nachdem er sich von seiner Ehefrau getrennt hat. Er hat außerdem eine Tochter. Im August 2009 entschuldigte sich Calley vor Mitgliedern des Kiwanis Club von Columbus in Georgia für seine Taten.[4]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • William Calley, John Sack: Lieutenant Calley: His Own Story. Viking Adult, September 1971, ISBN 0-670-42821-3.
  • William Calley: Ich war gern in Vietnam. Fischer Verlag, 1972.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wayne Greenhaw: The Making of a Hero: The Story of Lieutenant William Calley Jr. Louisville. Touchstone, 1971.
  • Richard Hammer: The Court-martial of Lt. Calley. Coward-McCann, New York 1971.
  • Tom Tiede: Calley: Soldier or Killer? Pinnacle, New York 1971.
  • Michal R. Belknap: The Vietnam War on Trial: The My Lai Massacre and the Court-Martial of Lieutenant Calley. University Press of Kansas, Lawrence 2002.
  • Bernd Greiner: Krieg ohne Fronten – Die USA in Vietnam. Hamburger Edition, Hamburg 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b David Frum: How We Got Here: The 1970s. Basic Books, New York, New York 2000, ISBN 0-465-04195-7, S. 84–85.
  2. a b Cookman, Claude., Journal of American History; Juni 2007, Vol. 94, Issue 1, S. 154-162
  3. Winter Soldier Investigation: Opening Statement of William Crandell. In: The 1960s Project. Institute for Advanced Technology in the Humanities an der University of Virginia. 31. Januar 1971.
  4. tagesanzeiger.ch: Vietnam-Kriegsverbrecher: „Ich fühle Reue“ (aktualisiert am 23. August 2009)