Wolfram Alpha

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Wolfram Alpha
Wolfram Alpha logo.svg
www.wolframalpha.com
Motto Rechnende Wissensmaschine
Beschreibung Online-Dienst
Registrierung optional
Eigentümer Wolfram Research
Erschienen 15. Mai 2009

Wolfram Alpha (eigene Schreibweise: Wolfram|Alpha) ist ein auf der Software Mathematica basierender Online-Dienst zum Auffinden und Darstellen von Informationen, der von Wolfram Research entwickelt wird.

Anders als bei einer gewöhnlichen Suchmaschine ist das Hauptziel nicht das Auffinden von im Internet verfügbaren Fakten allein durch Suchstrategien, sondern die Verarbeitung von Fakten durch spezifische Algorithmen zu Ergebnissen. Wolfram Alpha ist demnach eine semantische Suchmaschine. Die Ergebnisse sind synthetische Antworten, von einer simplen Summenbildung bis zu Eigenwerten, von Differenzialgleichungen oder Umlaufbahnen von Planeten. Wolfram Alpha will eine Funktionslücke von Suchmaschinen bei der Beantwortung von Fragen füllen.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt wird von Stephen Wolfram und einem Team aus hundert Mitarbeitern seit dem Jahr 2005 entwickelt.[1] Als Erfinder wird häufig auch Stephens Bruder Conrad Wolfram genannt.[2] Seit Mai 2009 arbeiten weltweit zusätzlich so genannte Data Curators, welche Daten aus der jeweiligen Region liefern. Ein Data Curator, meist ein Wissenschaftler oder Fachmann auf einem bestimmten Gebiet, liefert Daten zu einem jeweiligen Thema und prüft die Daten, zusätzlich zur automatischen und manuellen Überprüfung durch Wolfram Research, auf ihre Qualität[3]. Ebenso gibt es weltweit sogenannte Preview Site Testers.

Wie schon bei Veröffentlichung erwähnt,[1] bietet das Projekt (seit Januar 2012) neben der kostenlosen Version eine Pro-Version an. Studenten und Schülern wird dabei ein von 5,49 Dollar auf 4,75 Dollar pro Monat reduziertes Angebot gemacht. Als neue Funktion können über 60 verschiedene Dateiformate hochgeladen und analysiert werden. Zudem wird durch ein Plugin die Interaktivität mit der Website erhöht.

Wolfram Alpha steht außerdem als App für iOS und Android zur Verfügung.

Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu den derzeit marktbeherrschenden Suchmaschinen, deren Aufgabenfeld das Finden von zur Suchanfrage adäquaten Webseiten ist, versucht Wolfram Alpha eine inhaltliche Antwort auf die Suchanfrage zu finden. Dazu berechnet Wolfram Alpha die Ergebnisse der Anfragen auf Basis einer umfangreichen Datenbank und dem Funktionsprinzip zellulärer Automaten; es arbeitet also nicht nach dem Prinzip des Crawlers herkömmlicher Suchmaschinen. Weil die Suchmaschine versucht, eine einzige, konkrete semantische Antwort auf die Anfrage zu liefern, wird dem Nutzer auch keine Liste von themenrelevanten Webseiten präsentiert, sondern ein Ergebnis in der Form von Daten, Grafiken oder Bildern. Der Schwerpunkt der Suchmaschine liegt demgemäß auch auf den exakten Wissenschaften; andere Anfragen werden in der Regel nur unzureichend verarbeitet.[4]

Für Schüler und Studierende interessant sind die "Step by Step Solutions", die alle Schritte bei der Lösung einer mathematischen Aufgabenstellung anzeigen.

Die Semantik der auf Englisch formulierten Suchanfragen muss einer gewissen Regelhaftigkeit folgen, damit die Suchmaschine sie verarbeiten kann. Trotz seiner Fähigkeit, natürliche Sprache zu interpretieren, liefert Wolfram Alpha auf viele Suchanfragen noch keine sinnvollen Antworten.[5]

Seit einiger Zeit besitzt Wolfram Alpha auch die Möglichkeit, soziale Netzwerke auszuwerten. Dazu wurde im August 2012 zunächst eine Funktion freigeschaltet, mit der das persönliche Facebook-Profil des Nutzers durch die Suchmaschine ausgewertet werden kann. Dabei ist eine umfassende Erlaubnis zum Zugriff auf persönlichen Daten des Nutzers notwendig; dritte Profile lassen sich derzeit nicht analysieren.[6]

Technologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfram Alpha basiert zum einen auf der Software Mathematica, andererseits bezieht es die verwendeten Daten von externen Quellen, z.B. von akademischen und kommerziellen Webseiten wie CrunchBase,[7] von US-Behörden wie der CIA, der United States Geological Survey, der Federal Aviation Administration,[8] und optional sogar vom Facebook-Account des jeweiligen Nutzers.[9]

Wolfram Alpha besteht aus 15 Millionen Codezeilen der Wolfram Language.[10]

Wolfram Alpha wird von der Suchmaschine Microsoft Bing,[11] von Apples Siri,[12] Samsungs S Voice und der Sprachsteuerungssoftware auf dem BlackBerry 10[13] verwendet.

Vergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vergleich zu Suchmaschinen findet man mit Wolfram Alpha direkt Antworten. Quelleninformationen sind auf jeder Antwortseite im unteren Bereich zu finden. So wird z. B. bei der Frage „How old is Barack Obama?“ direkt die Antwort in Tagen genau gegeben; bei einem Klick auf „Show details“ findet man als Randinformation das Geburtsdatum von Barack Obama.

Aufgrund der Komplexität der Berechnungen sind Anfragen normalerweise langsamer als bei einer Suchmaschine, allerdings findet sich das Ergebnis direkt auf der Antwortseite und nicht, wie bei einigen Suchmaschinen, hinter einem Hyperlink. Zudem ist die Datenbasis bei Wolfram Alpha im Allgemeinen nicht so groß wie bei Suchmaschinen. Andererseits erzeugt Wolfram Alpha durch Berechnungen Daten, die nicht auf indexierten Internetseiten zu finden sind, wie zum Beispiel einige Integrale zusammengesetzter Funktionen neben „menschlichem“ Rechenweg oder Nährwerttabellen aus beliebigen Kombinationen verschiedener Nahrungsmittel.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Start frei für Wissensmaschine Wolfram Alpha. In: Handelsblatt. 15. Mai 2009, abgerufen am 17. Mai 2009.
  2. Kai Biermann: Suchmaschinen: Ausgerechnet Wolfram Alpha. 'In: Zeit Online, 1. März 2010, abgerufen am 4. März 2016
  3. Wolfram|Alpha Frequently Asked Questions: Data in Wolfram|Alpha, abgerufen am 4. Januar 2017
  4. Die Antwortmaschine. In: Der Spiegel. Nr. 20, 2009 (online).
  5. Stephen Wolfram: Overcoming Artificial Stupidity. In: Wolfram Alpha Blog. 17. April 2012, abgerufen am 4. August 2012.
  6. Marcel Seer: Facebook Profilanalyse: Wolfram Alpha zeigt, was Facebook über uns weiß. In: t3n Magazin. 31. August 2012, abgerufen am 2. September 2012.
  7. Romain Dillet: Wolfram Alpha Makes CrunchBase Data Computable Just In Time For Disrupt SF. In: TechCrunch. 7. September 2012, abgerufen am 4. Januar 2017
  8. Chris Barylick: Wolfram Alpha search engine now tracks flight paths, trajectory information. In: engadget.com, 19. November 2011. Abgerufen am 4. Januar 2017
  9. Katharina Nocun: WolframAlpha: Facebook-Nutzerdaten unter der Statistiklupe. In: Netzwerk. 3. Mai 2013, abgerufen am 4. Januar 2017
  10. Stephen Wolfram: Stephen Wolfram: The Background and Vision of Mathematica. 10. Oktober 2011, abgerufen am 4. Januar 2017
  11. Tom Krazit: Bing strikes licensing deal with Wolfram Alpha. In: CNET.com. 21. August 2009, abgerufen am 4. Januar 2017
  12. Markus Franz: Wolfram Alpha: Die Suchmaschine hinter Apple Siri. In: Netzwerk. 9. November 2011, abgerufen am 4. Januar 2017
  13. Ronen Halevy: BlackBerry Teams Up with Wolfram Alpha For BlackBerry 10 Voice Control. In: BerryReview. 21. Oktober 2013, abgerufen am 4. Januar 2017