Yona Friedman

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Balkis Island (Yona Friedman und Jean-Baptiste Decavèle 2008)

Yona Friedman (* am 5. Juni 1923 in Budapest als Janos Antal Friedman; † 21. Februar 2020 in Paris) war ein französischer Architekt und Stadtplaner. Er war bekannt für seine Theorie der mobilen Architektur und sein räumliches Stadtprojekt. In den späten 1950er und frühen 1960er Jahren war er eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Architektur.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedman, in einer jüdischen Familie in Budapest geboren, überlebte den Zweiten Weltkrieg, die jüdische Verfolgung und die Flucht nach Palästina und Israel. Er studierte zunächst an der Palatin-Josef-Universität für Technik und Wirtschaftswissenschaften, beendete dann sein Architekturstudium bei Konrad Wachsmann am Technion – Israel Institute of Technology in Haifa. Er lebte, lernte und arbeitete zwischen 1945 und 1957 im Kibbutz Kfar Glikson in Palästina, dann in Haifa. 1957 zog er auf Einladung von Jean Prouvé nach Paris und wurde 1966 französischer Staatsbürger. Er lehrte in den 1960er Jahren unter anderem am Massachusetts Institute of Technology, an der Columbia University, an der Harvard University sowie an der Princeton University und war Berater der United Nations und UNESCO.[1]

Seine Arbeiten umfassen städteplanerische Modelle, theoretische Texte, Film, Animationsfilm. Bedeutende Ausstellungen umfassen mehrere Kunstbiennalen (u. a. Shanghai, Venedig) und die documenta 11 2002 in Kassel, wo Zeichnungen und Modelle zu sehen waren. Er publizierte über 500 Artikel und mehrere Bücher.[2]

1956 veröffentlichte er auf dem X. Congrès Internationaux d'Architecture Moderne (CIAM) in Dubrovnik erstmals sein „Manifeste de l'architecture mobile“, dass das aktuelle architektonische Design und Städtebau definitiv in Frage stellte. 1958 veröffentlichte er das Manifest „L'Architecture Mobile“, das zugleich als Gründungsdokument der „Groupe d'étude d'architecture mobile (GEAM)“ anzusehen ist, und entwickelte Raumstadtkonzepte wie „La Ville Spatiale“. Die Ideen dieser Manifeste waren visionär und seiner Zeit weit voraus; die Megastrukturen über bestehende Städte, in denen die Bewohner der Zukunft ihre Lebensumwelt flexibel gestalten sollten, beschäftigten Generationen von Architekten und Stadtplanern. Zusammen mit Ionel Schein, Walter Jonas und anderen gründete er 1965 die „Groupe International d’Architecture Prospective (GIAP)“.

Friedman starb am 21. Februar 2020 im Alter von 96 Jahren in Paris.[3] Er war in erster Ehe bis 1953 verheiratet mit Erella Schneerson, aus der Ehe stammte eine Tochter. 1967 heiratete er die Filmeditorin Denise Charvein, die 2007 verstarb; aus der Ehe stammte ebenfalls eine Tochter.[2]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1953 „Cylindrical Shelters“, Vorschlag für Bauten für Immigranten
  • 1957/58 "Span-Over Blocks", Projekt für eine aufgeständerte Stadtstruktur (Teil des Manifestes "L'Architecture Mobile")
  • 1958 „Cabins for the Sahara“, Vorschlag für ein Wohnprojekt in Nordafrika
  • 1959 "Paris Spatial", Projekt für eine Raumstruktur über Paris
  • 1963 "Seven Bridge Towns to link Four Continents", Projekt für Brückenstädte, u. a. in Gibraltar, über den Suezkanal und den Ärmelkanal
  • 1963 "Bridge Town over the English Channel", detaillierteres Projekt (mit Eckhard Schulze-Fielitz) im Kontext der damaligen Kanaltunneldiskussion
  • 1980 „Manilla Squatter Settlement“, Vorschlag zum Eigenbau von Wohnungen in städtischen Elendsvierteln
  • 1989 La Villette Science Museum, Paris, Pavilion of Simple Hydrotechnology zusammen mit Eda Schaur
  • 1992 Wohnprojekt für Obdachlose in Paris
  • 1994 Projekt Haram es Sharif, Jerusalem: „Dachstruktur“

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mobile architecture, 1958
  • Toward a Scientific Architecture. MIT Press 1975, ISBN 0-262-56019-4
  • Meine Fibel. Vieweg 1982, ISBN 3-528-08856-7
  • Machbare Utopien. Absage an geläufige Zukunftsmodelle. Fischer 1983, ISBN 3-596-24018-2
  • Yona Friedman. Structures serving the unpredictable, 1999
  • Yona Friedman. Pro Domo. ACTAR D (Barcelona) 2006, ISBN 84-96540-51-0
  • Yona Friedman Drawings and models, 2010
  • Yona Friedman. The Dilution of Architecture, 2015

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reyner Banham: Megastructure. Urban Futures of the Recent Past. Thames and Hudson, UK 1976, Harper & Row Publishers 1977
  • Sabine Lebesque, Helene Fentener Van Vlissingen: Yona Friedman: Structures Serving the Unpredictable. Netherlands Architecture Institute 1999, ISBN 90-5662-108-4
  • Yona Friedman. Hans Ulrich Obrist (The Conversation Series Band 7). Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2007, ISBN 978-3-86560-171-1
  • Polly Hunter and Ann Harrison: Yona Friedman papers 1956-2006, The Getty Research Institute 2008[8]
  • Yona Friedman: Drawings & Models 1945-2010. Presses du Réel, Dijon 2010, ISBN 978-2-84066-406-2
  • Yona Friedman, Manuel Orazi: "The Dilution of Architecture", Park Books, Zurich 2015, ISBN 978-3-906027-68-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Yona Friedman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „YONA FRIEDMAN (1923–2020)“, Artforum vom 21. Februar 2020, abgerufen am 22. Februar 2020 (en.)
  2. a b Biographie Yona Friedman auf yonafriedman.nl, abgerufen am 22. Februar 2020 (en.)
  3. Wojciech Czaja: „Architekt Yona Friedman gestorben“ Der Standard, 21. Februar 2020, abgerufen am selben Tage.
  4. Animated cartoons auf yonafriedman.nl, abgerufen am 22. Februar 2020 (en.)
  5. Yona Friedman. Serie Films d´animation auf loop-barcelona.com, abgerufen am 22. Februar 2020 (en.)
  6. Architekt Yona Friedman erhält österreichischen Kiesler-Preis, Der Standard vom 23. Februar 2018, abgerufen am 24. Februar 2018
  7. Realisierbare Utopien Yona Friedman gestorben, Baunetz vom 21. Februar 2020, abgerufen am 22. Februar 2020
  8. Yona Friedman papers, 1956-2006, The Getty Research Institute, abgerufen am 22. Februar 2020 (en.)