Zdzisław Krasnodębski

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Zdzisław Krasnodębski

Zdzisław Krasnodębski (* 11. April 1953 in Choszczno) ist ein an der Universität Bremen lehrender Professor für Soziologie sowie Politiker der konservativen polnischen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), die er seit 2014 im Europäischen Parlament vertritt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur in der Kreisstadt Grójec (1972)[1] studierte Krasnodębski in Warschau Philosophie und Soziologie. Nach dem Examen fand er eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Warschauer Universität.[2] 1979 bis 1981 konnte er dank eines Stipendiums an der Ruhr-Universität in Bochum studieren. 1984 wurde er in Warschau promoviert. Doch erst nach der politischen Wende von 1989/90 wurde seine Habilitationsschrift mit dem Titel „Der Niedergang der Fortschrittsidee“ angenommen.[3]

1991/92 war er Gastprofessor an der Universität Kassel. Seitdem hat er in seinen Hauptwohnsitz in Deutschland. 1995 wurde er ordentlicher Professor an der Universität Bremen. Von 2001 bis 2011 war er überdies außerordentlicher Professor an der katholischen Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität in Warschau.

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 trat Krasnodębski dem Komitee zur Unterstützung der Kandidatur Lech Kaczyńskis bei den Präsidentenwahlen bei.[4] Von 2005 bis 2007 gehörte er zum Beraterstab von dessen Zwillingsbruder Jarosław Kaczyński, der in dieser Zeit die Regierung führte. Er trat besonders als Kritiker der polnischen Liberalen und Linksliberalen in Erscheinung, denen er vorwarf, nationale Traditionen und das kollektive Gedächtnis der Polen zu ignorieren, [5] sowie der Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, der CDU-Abgeordneten Erika Steinbach.[6] Den deutschen Polen-Korrespondenten warf er vor, „antipolnisch“ eingestellt zu sein.[7]

2014 trat er dem Programmbeirat der von Jarosław Kaczyński geführten Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) bei.[8] Im selben Jahr wurde er für die PiS als Vertreter Warschaus ins Europa-Parlament gewählt. Dort ist er Mitglied im Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten und in der Delegation für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten.[9]

Nach polnischen Presseberichten hatte der PiS-Vorsitzende erwogen, Krasnodębski als Kandidaten für die Präsidentenwahlen 2015 aufzubauen. Doch habe Kaczyński davon wieder Abstand genommen, da sich nach seiner Einschätzung Krasnodębski in der polnischen Öffentlichkeit zu wenig engagiere.[10]

Am 1. März 2018 wurde Professor Krasnodębski zum Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments gewählt.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. W przeddzień 100-lecia Liceum Ogólnokształcącego w Grójcu. Red. Z. Szeląg. Grójec 2009, S. 222.
  2. Angaben zur wissenschaftlichen Laufbahn laut Universität Bremen
  3. Zdzisław Krasnodębski: Upadek idei postępu. Warszawa 1991.
  4. Honorowy komitet kandydata PiS na prezydenta, gazeta.pl, 2. September 2005.
  5. Vergangenheit als Spielmünze, Internationale Politik 10, Oktober 2006, S. 98‑105.
  6. Odgrzewany kotlet a la Steinbach, gpcodziennie, 26. August 2013.
  7. "Die Kaczynski-Brüder sind opportunistisch", taz.de, 12. August 2006.
  8. Rada Polityczna Prawa i Sprawiedliwości powołała Radę Programową (Memento vom 13. April 2015 im Internet Archive) pis.org.pl, 15. Februar 2014.
  9. Europäisches Parlament Abgeordnete.
  10. Michał Krzymowski, Profesorowie prezesa, in: Newsweek Polska, 2. März 2015, S. 20.
  11. Info auf tvn24.pl.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]