Zentralinstitut für Seelische Gesundheit

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Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
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Trägerschaft Land Baden-Württemberg
Ort Mannheim
Koordinaten 49° 29′ 32″ N, 8° 27′ 56″ OKoordinaten: 49° 29′ 32″ N, 8° 27′ 56″ O
Vorstand Andreas Meyer-Lindenberg (Vorstandsvorsitzender), Andreas-W. Möller (Kaufmännischer Vorstand)
Betten 349 (inkl. 78 teilstationäre Plätze)
Mitarbeiter ca. 1.300 (Stand 2018)
Fachgebiete Psychiatrie und Psychotherapie (inkl. Gerontopsychiatrie), Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik, Suchtmedizin
Gründung 8. April 1975
Website www.zi-mannheim.de
Vorlage:Infobox_Krankenhaus/Ärzte_fehlt
Lageplan des ZI mit seinen Außenstellen in der Mannheimer Innenstadt
Seitenansicht des ZI-Therapiegebäudes mit dem Garten der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) ist ein psychiatrisches Forschungsinstitut mit angeschlossenem Klinikum in Mannheim. Es wurde am 8. April 1975 als Landesstiftung des öffentlichen Rechts mit Mitteln des Bundes, des Landes Baden-Württemberg und der Stiftung Volkswagenwerk errichtet, um Krankenversorgung, Forschung und Lehre im Bereich psychischer Störungen zu verknüpfen.

Seine vier Kliniken mit stationären Betten und tagesklinischen Plätzen gewährleisten die psychiatrische Versorgung der Mannheimer Bevölkerung. Über 3600 Patienten werden im Jahr stationär und über 1100 teilstationär versorgt (Stand 2017). Gleichzeitig ist das ZI ein international anerkanntes Zentrum moderner Psychiatrieforschung in Kooperation mit nationalen und internationalen Einrichtungen.

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zentralinstitut wurde unter Heinz Häfner (Direktor von 1975 bis 1994) mit einem Fokus auf sozialer und epidemiologischer Psychiatrie gegründet. Fritz Henn (Direktor von 1994 bis 2006) entwickelte das ZI dann zu einer hochmodernen translationalen, der biologischen Psychiatrie gewidmeten Einrichtung weiter. Translational bedeutet, dass die aus der Forschung gewonnenen Erkenntnisse möglichst schnell in konkreten Anwendungen und Therapien umgesetzt werden. Diese Ausrichtung wird seitdem vom Vorstand des ZI beibehalten. Dies waren bzw. sind Andreas Meyer-Lindenberg (seit 2007), Katrin Erk (2006-2019) und Andreas-W. Möller (seit 2019). Ein neuer Akzent liegt auf genetisch-translationalen Herangehensweisen, mit dem Ziel der Entwicklung und Evaluation neuer Behandlungsansätze.

Krankenversorgung und Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Suchtklinik mit der historischen Fassade
Außenansicht des Erweiterungsbaus in K 3
Begrünter Innenhof des Erweiterungsbaus in K 3

Zu den Aufgaben des Zentralinstitut gehört die stationäre, teilstationäre und ambulante Versorgung psychisch erkrankter Menschen aller Altersstufen. Dies wird in den vier Kliniken des Hauses umgesetzt, die in ihrem jeweiligen Fachgebiet eine fortschrittliche, auf dem internationalen Wissensstand basierende Behandlung anbieten.

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klinik bietet ein differenziertes Therapieangebot, das sich an Beschwerdebild, Alter und Alltagsmöglichkeiten der Patienten orientiert. Es werden alle notwendigen diagnostischen Verfahren angeboten, um gezielte Diagnostik hinsichtlich psychiatrischer und internistischer Krankheitsbilder zu gewährleisten. Großen Wert wird auf Krankheitsaufklärung, Übung sozialer Fertigkeiten und rehabilitative Maßnahmen, die auf die Wiedereingliederung in den Alltag abzielen, gelegt. Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie verfügt über drei allgemein-psychiatrische Stationen, eine psychiatrische Intensivstation, eine Aufnahmestation sowie zwei gerontopsychiatrische Stationen. In der Gerontopsychiatrie wird das gesamte Spektrum psychischer Erkrankungen im Alter behandelt; angegliedert ist eine Altentagesklinik. Eine teilstationäre Behandlung erfolgt in der Tagesklinik (im Quadrat L 10,1). Zur Diagnostik und Therapie spezifischer Probleme bietet die Psychiatrisch-Psychotherapeutische Ambulanz mit Spezialambulanzen gesonderte Sprechstunden an. Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie ist Andreas Meyer-Lindenberg.

Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dieser Klinik werden Patienten mit Alkoholabhängigkeit, Drogenabhängigkeit (Cannabis, Amphetamine, Kokain, Heroin etc.), Medikamentenabhängigkeit (Benzodiazepine, opiathaltige Schmerzmittel etc.), Internetabhängigkeit und Spielsucht behandelt. Die Klinik verfügt über zwei Stationen, eine Tagesklinik, eine Substitutionsambulanz (Methadonambulanz) in K 3, 11-14 sowie eine allgemeine Ambulanz für Suchterkrankungen. Auf den Stationen und in der Suchttagesklinik wird ein qualifiziertes Entzugsprogramm durchgeführt. Die Behandlung besteht meist aus einer Kombination von psychotherapeutischen Maßnahmen und Medikamenten, ggf. ergänzt durch sozialarbeiterische Beratung und Ergotherapie. Zusätzlich bestehende psychiatrische Erkrankungen (z. B. Depression) können kompetent mitbehandelt werden. Ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin ist Falk Kiefer.

Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klinik verfügt über stationäre Behandlungsplätze auf einer Station mit zwei Behandlungsteams. Hier werden störungsspezifische, evidenzbasierte Behandlungsprogramme angewandt für Menschen mit den Krankheitsbildern Borderline-Persönlichkeitsstörungen, akute sowie chronische Posttraumatische Belastungsstörungen und andere psychosomatische Erkrankungen wie Affektive Störungen, Angsterkrankungen und Somatoforme Störungen. Als psychotherapeutische Verfahren kommen, in Abhängigkeit von der Diagnose, die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) sowie die Kognitiv-Behaviorale Therapie (KBT) bzw. Kombinationen aus beiden Verfahren zum Einsatz. Die Behandlungen erfolgen im multimodalen Ansatz. Einzeltherapien werden dabei mit spezifischen Indikationsgruppen (z. B. Skills- und Achtsamkeitsgruppen, Musik-, Gestaltungs-, Bewegungs- und Körpertherapien, Entspannungsverfahren) kombiniert. Zum ganzheitlichen Konzept der Klinik gehört auch die ärztliche Behandlung somatischer Erkrankungen. Zudem wird bei Bedarf eine differenzierte, auf die Psychotherapie abgestimmte psychopharmakologische Behandlung durchgeführt. In der Ambulanz wird neben der Diagnostik und Differenzialdiagnostik psychischer Störungen sowie psychischer Folgen somatischer Erkrankungen die Feststellung der Indikation für eine ambulante oder stationäre Behandlung durchgeführt. Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin ist Christian Schmahl.

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klinik bietet die ambulante und stationäre Versorgung kinder- und jugendpsychiatrischer Patienten an. Behandlung und Diagnostik betreffen das gesamte Spektrum kinder- und jugendpsychiatrischer Krankheitsbilder. Die therapeutische Konzeption der Klinik orientiert sich in erster Linie an verhaltenstherapeutischen und systemisch-familientherapeutischen Prinzipien – daneben kommen heilpädagogische, physiotherapeutische und ergotherapeutische Angebote zum Einsatz. Zusätzlich werden speziell auf einzelne Krankheitsbilder ausgerichtete therapeutische Maßnahmen und Therapiegruppen angeboten. Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters ist Tobias Banaschewski.

Adoleszentenzentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Adoleszentenzentrum ist mit seinem Konzept einmalig in Deutschland. Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 24 Jahren mit schweren Störungen der Emotionsregulation (wie etwa Borderline-Persönlichkeitsstörungen) werden hier behandelt. Die psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung liegt in der Hand eines konstanten Behandlungsteam und die Patienten werden beim Schul- und Ausbildungsabschluss, bei Partnerschaft und selbständigem Wohnen begleitet und unterstützt. Die abgestimmten Behandlungsmodule (stationäre, teilstationäre und ambulante Therapie) werden an die jeweilige Patientensituation angepasst.[1] Das Adoleszentenzentrum überwindet mit diesem Konzept die bisherigen Barrieren zwischen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Erwachsenenpsychiatrie sowie die Trennung zwischen stationärer und ambulanter Behandlung.[2] Das Adoleszentenzentrum steht unter interdisziplinärer Leitung von Tobias Banaschewski, Martin Bohus und Christian Schmahl.

Das Track-Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um den Herausforderungen in der Behandlung psychisch erkrankter Personen gerecht zu werden, wurden mehrere Stationen zu sogenannten Tracks umgebaut. Mit dem Track-Konzept soll eine bessere Verzahnung der Behandlungssettings in allen Stadien einer psychischen Erkrankung erreicht werden, um somit den Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen eine bessere Orientierung zu bieten. Beim Track-Konzept wird der Patient von Beginn seiner Behandlung an von einem Team aus Arzt, Therapeut und Pflegekraft ganzheitlich begleitet – unabhängig davon, ob er stationär, teilstationär oder ambulant betreut wird. Diese Begleitung endet nicht zwangsläufig nach der ambulanten Versorgung. Der Kontakt zu Patienten wird bei Bedarf auch im häuslichen Umfeld aufrechterhalten. So kann das feste Arzt-Therapeut-Pflege-Team vorbeugend agieren, wenn beispielsweise Änderungen im Leben des Patienten bevorstehen, die zu Krisen führen könnten.

Die zentralen Ziele des Track-Konzepts sind:

  • Förderung der Patientenautonomie
  • Setting-übergreifende Behandlungskontinuität
  • Verbesserung der Therapieadhärenz
  • Reduktion stationärer Behandlungszeiten durch flexiblere Interventionen[3]

Aufgaben und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Landesstiftung des öffentlichen Rechts sind die Aufgaben und Ziele des ZI in der Stiftungssatzung definiert. Diese beinhalten die Forschung, Behandlung und Rehabilitation, Ausbildung von Studierenden, Fortbildung und Förderung sowie die Beratung von Institutionen[4]:

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Forschungs- und Verwaltungsgebäude (links) mit angeschlossener Suchttagesklinik (rechts)

Ein wichtiges Tätigkeitsfeld des ZI ist die Forschung in der Psychiatrie, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie, der Suchtmedizin, der Neuropsychologie und der Klinischen Psychologie, der Neurowissenschaften, der Epidemiologie und der Versorgungsforschung.

Die Forschungsaktivitäten des Instituts erstrecken sich gegenwärtig auf folgende Schwerpunkte:

  • Entwicklung von Indikatoren und Risikomodellen für Entstehung und Verlauf psychischer Störungen, vorrangig in den Bereichen Schizophrenie, Depression und Demenz
  • Einsatz der Methoden der Bildgebung (Kernspintomographie) im gesamten Spektrum psychiatrischer Erkrankungen
  • Suchtforschung zu Fragen der Entstehung, Aufrechterhaltung und Therapie von Suchterkrankungen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Zusammenarbeit mit der Verhaltenspharmakologie auf der Suche nach besseren pharmakologischen und psychotherapeutischen Möglichkeiten zur Beeinflussung des Verhaltens von Alkoholabhängigen und von Rauchern
  • Neuropsychologie mit den Schwerpunkten psychophysiologischer Untersuchungen zur kortikalen Plastizität, Schmerzforschung und die Bedeutung von Lernprozessen für die Entwicklung psychischer Störungen
  • Genetische Epidemiologie in der Psychiatrie
  • Psychogeriatrie, insbesondere Epidemiologie der Ursachen- und Therapieforschung bei Demenzerkrankungen
  • Biologisch-psychiatrische Forschung, insbesondere Psychopharmakologie, Biochemie, Zellbiologie und Molekularbiologie
  • Klinische Forschung
  • Klinisch-psychologische (experimentelle und Verhaltens-)Forschung
  • Versorgungsforschung mit dem Schwerpunkt der Gesundheitssystemforschung im Bereich der Versorgung psychisch Kranker
  • Biostatistik

Die Grundfinanzierung der Forschung am ZI erfolgt über den Landeszuschuss des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg. Zusätzlich zum Zuschuss des Landes werden Drittmittel als Forschungsgelder projektbezogen bei externen Geldgebern wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bundesforschungsministerium oder der Europäischen Union eingeworben. Diese Zuschüsse unterliegen einem Begutachtungsverfahren, um die Vergabe der Mittel an qualitativ hochwertige Projekte sicherzustellen. Die Drittmitteleinnahmen stiegen von 1,8 Mio € im Jahr 2000 auf über 13 Mio € im Jahr 2017.

Vorbeugung, Behandlung und Rehabilitation seelischer Erkrankungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut hat in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Mannheim (Dezernat III) und den freigemeinnützigen Trägern (Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Gemeindediakonie, Sozialdienst katholischer Frauen, Mannheimer Gesellschaft für Seelische Gesundheit e. V.) am Aufbau eines umfassenden Systems gemeindenaher psychiatrischer Versorgung in der Stadt Mannheim (etwa 300.000 Einwohner) planend und koordinierend mitgewirkt. Die stationäre und ambulante Versorgung durch die vier Kliniken wird von den zentralen diagnostischen Einrichtungen der Abteilung Klinische Psychologie und einen 24-stündigen Notfalldienst ergänzt. Im Bereich der Gemeindepsychiatrie werden der Betrieb und Ausbau gemeindenaher Dienste durch die Tagesklinik und die Altentagesklinik des Instituts unterstützt. Die Abteilung Gemeindepsychiatrie wirkt bei der Planung neuer ambulanter Einrichtungen mit und übernimmt selbst den Aufbau von Wohngemeinschaften und Patientenclubs, um sie nach erfolgter Stabilisierung in die Trägerschaft gemeinnütziger Organisationen zu übergeben. Darüber hinaus berät sie kontinuierlich die bestehenden gemeindenahen psychiatrischen Einrichtungen der Stadt Mannheim.

Ausbildung von Studierenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ZI nimmt an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg die Aufgaben der Universitätskliniken seiner Fachgebiete wahr. Es vertritt Lehre und Forschung in den Fächern Psychiatrie, Suchtforschung, Psychosomatische Medizin sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die vier Klinikdirektoren sind zugleich Professoren ihres Fachs an der Universität Heidelberg. An der Fakultät für Philosophie, Psychologie und Erziehungswissenschaft der Universität Mannheim werden die Fächer Klinische Psychologie und Psychopathologie gelehrt. Das Fach Forensische Psychiatrie wird für die Studierenden der Juristischen Fakultät der Universität Mannheim gelehrt.

Fortbildung und Förderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres wichtiges Anliegen des ZI ist die Fortbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses; Weiterbildung von Ärzten und Psychologen; Ausbildung und Weiterbildung zu nichtärztlichen medizinischen Berufen und Sozialberufen. Das Institut bietet Weiterbildung für Ärzte in den Fächern Psychiatrie, Psychotherapie und Klinische Psychologie. Das Institut ist ferner eine staatlich anerkannte Weiterbildungsstätte und bildet psychiatrische Fachschwestern/Fachpfleger aus und gewährleistet eine praxisbezogene Ausbildung für Sozialarbeiter, Altenpfleger, Beschäftigungs- und Arbeitstherapeuten.

Beratung von Institutionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiterhin wichtig ist die Beratung bei der Planung und der Vorbereitung von Einrichtungen und Diensten der öffentlichen Gesundheitspflege auf dem Gebiet der seelischen Gesundheit. National wie international berät das Institut Planer, Verantwortungsträger und Betreiber von Einrichtungen zur psychiatrischen Versorgung der Bevölkerung. Von 1980 bis 2014 war das Institut „Collaborating Centre for Research and Training in Mental Health“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Forschungsverbünde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SFB 636: Lernen, Gedächtnis und Plastizität des Gehirns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der seit 2004 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Sonderforschungsbereich 636: Lernen, Gedächtnis und Plastizität des Gehirns: Implikationen für die Psychopathologie konzentriert sich in seinem Forschungsprofil auf Lern- und Gedächtnismechanismen, die hieraus resultierenden plastischen Veränderungen des Gehirns und deren Einfluss auf die Psychopathologie besonders bei Erkrankungen der Emotion und der Motivation, z. B. Angststörungen, Sucht, Störungen der Affektivität und der Affektregulation. Der SFB 636 hat 17 Teilprojekte in 4 verschiedenen Themenbereichen:

  • Themenbereich A – Molekulare und zelluläre Mechanismen von Lernen und Hirnplastizität
  • Themenbereich B – Verhaltensbiologische und physiologische Mechanismen von Lernen und Hirnplastizität
  • Themenbereich C – Experimentelle Psychopathologie
  • Themenbereich D – Interventionsbezogene Hirnplastizität.

In der ersten Antragsperiode lag der Forschungsschwerpunkt auf der Erfassung fehlangepasster Reaktionen und der Erforschung der Rolle des hypothalamisch-hypophyseren-adrenergen Systems sowie glutamaterger Mechanismen. Seit 2008 hat sich der Forschungsschwerpunkt um die Bereiche der Extinktionsprozesse und des appetenten Lernens erweitert. Außerdem sollen die Erforschung glutamaterger Mechanismen weiter vertieft und verschiedene verhaltenstherapeutische und pharmakologische Interventionsmöglichkeiten der Veränderung fehlangepasster Reaktionsmuster und der Plastizität getestet werden. Dem SFB 636 gehören Forscher folgender Bereiche an: Zell- und Molekularbiologie, Psychopharmakologie, Neuroimaging, Neurologie, Neurophysiologie, Experimentelle Psychologie, Psychiatrie und Genetik. Das oberste Ziel der gemeinsamen Forschung ist vor der krankheitsbezogenen die grundlagen- und mechanismusorientierte Analyse pathophysiologischer Prozesse und die Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse für die Entwicklung neuer verhaltenstherapeutischer und pharmakologischer Behandlungsansätze psychischer Erkrankungen. Als Neuerungen in der zweiten Antragsperiode sind zum einen das neu eingerichtete Graduiertenprogramm zu nennen. Zum anderen sind zwei neue Zentralprojekte eingerichtet worden, die ihren Fokus auf der Entwicklung neuer Methoden im fMRT sowie in der molekularen Genetik richten, und die zur Durchführung von Untersuchungen in den übrigen Projekten unerlässlich sind (Themenbereich Z).

Bernstein-Zentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 wurde am ZI ein Bernstein-Zentrum (benannt nach dem Physiologen Julius Bernstein) für Computational Neuroscience eingerichtet, das von Daniel Durstewitz koordiniert wurde. Der Forschungsverband wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für fünf Jahre mit 9,6 Millionen Euro geförderte. Untersucht wurden die neuronalen Grundlagen höherer kognitiver Funktionen und ihre Störung bei psychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Depression oder altersbedingten degenerativen Erscheinungen. Auf der Basis experimenteller Daten wurden Computermodelle von neuronalen Netzwerken bestimmter Hirnregionen erstellt, um die Wirkung bestimmter Medikamente auf verschiedene Gehirnareale besser zu verstehen und Wirkungsweisen vorhersagen zu können. Am Zentrum beteiligt waren die zellphysiologischen und molekularbiologischen Forschungsabteilungen der beiden Heidelberger medizinischen Fakultäten sowie dasInterdisziplinäre Zentrum für Neurowissenschaften (IZN) und das Interdisziplinäre Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg.

KFO 256: Pathomechanismen der Emotionsdysregulation bei Borderline[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Klinische Forschergruppe Pathomechanismen der Emotionsdysregulation bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung erforscht die neurobiologischen und psychologischen Pathomechanismen von Störungen der Emotionsregulation bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS). In der Forschergruppe haben sich international ausgewiesene Experten auf dem Gebiet der BPS im Jugend- und Erwachsenenbereich sowie der Emotionsregulationsforschung aus den zwei medizinischen Fakultäten der Universität Heidelberg zusammengeschlossen, um Strukturen zu schaffen, die einen multidisziplinären und translationalen Ansatz zur Erforschung und Therapie der BPS dauerhaft ermöglichen. Ziel ist es, durch die Untersuchung sozial wirksamer Emotionen Erkenntnisse zu gewinnen, die über das Störungsbild hinausgehen und somit zur Aufklärung neuraler Mechanismen sozialer Interaktion („social neuroscience“) beitragen werden.

MHG-Studie: Sexueller Missbrauch an Minderjährigen in der deutschen katholischen Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Bischofskonferenz hat das Forschungskonsortium im März 2014 mit der MHG-Studie beauftragt. Das Forschungskonsortium bestand aus dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, dem Kriminologischen Institut der Universität Heidelberg, dem Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg und dem Lehrstuhl für Kriminologie der Universität Gießen und wurde von Harald Dreßing vom ZI als Verbundskoordinator geleitet.[5] Ziel des Forschungsverbundes war es, den sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche sowohl für die Betroffenen als auch für die Öffentlichkeit so transparent wie möglich aufzuarbeiten. Es wurden unterschiedliche qualitative und quantitative Forschungsansätze genutzt, um belastbare Aussagen über den Umfang des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, die Strukturen und Dynamiken, die entsprechende Tatvorgänge begünstigen sowie die Sichtweisen und Erfahrungen der Betroffenen machen zu können. Das Projekt sollte ursprünglich vom 1. Juli 2014 bis 31. Dezember 2017 laufen, wurde aber aufgrund des Umfangs und der Komplexität um neun Monate (also bis September 2018) verlängert.[6] Am 25. September 2018 wurden die Forschungsergebnisse bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda vorgestellt.[7]

ESPRIT und ESCA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Forschungsverbünde ESPRIT und ESCA sind Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten „Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen“ und werden vom ZI aus koordiniert. Das übergeordnete Ziel, das dem Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen und den einzelnen Projekten zugrunde liegt, ist die Entwicklung von Konzepten zur Diagnostik, Therapie und Prävention psychischer Erkrankungen unter Einbezug neuester, wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse. Der Forschungsverbund ESPRIT (Enhancing Schizophrenia Prevention and Recovery through Innovative Treatments = Verbesserung der Prävention und Genesung von Schizophrenie durch innovative Behandlungen) wird von Andreas Meyer-Lindenberg geleitet. Mit insgesamt acht universitären Partnern (RWTH Aachen, Charité Berlin, Bonn, Düsseldorf, Köln, ZI / Heidelberg, LMU München, Tübingen) wird die Verbesserung der Prävention und Genesung bei Schizophrenie erforscht. Im Rahmen des ESPRIT Forschungsprojektes werden präventive Maßnahmen erforscht, deren Wirksamkeit an Personen mit erhöhtem Risiko an Schizophrenie zu erkranken erprobt wird. Zudem werden Maßnahmen zur Verbesserung des Genesungsprozesses nach der Behandlung ebenso wie die Möglichkeit zum Einsatz erfolgreicher Behandlungsansätze in tatsächlichen Versorgungsstrukturen erforscht.

Der Forschungsverbund ESCAlife (Evidence-based, Stepped Care of ADHD along the life span) beschäftigt sich mit der evidenzbasierten, stufenweisen Versorgung der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) über die Lebensspanne. Der Verbund besteht aus neun universitären Partnern (Bochum, Köln, Freiburg, Mannheim, Marburg, Rostock, Saarland, Tübingen und Würzburg) und wird von Tobias Banaschewski geleitet. ADHS, als eine der am häufigsten im Kindes- und Jugendalter auftretenden psychischen Erkrankungen, kann auch für betroffene Erwachsene zu Beeinträchtigungen führen. Aus diesem Grund besteht Bedarf an auf das Individuum zugeschnittenen therapeutischen Strategien. ESCAlife hat sich sowohl deren Verbesserung als auch der Erforschung von Prädiktoren für Behandlungsergebnisse verschrieben. Behandlung ebenso wie Prävention von ADHS stehen im Mittelpunkt des Forschungsprojektes.[8]

Feuerlein Centrum für Translationale Suchtmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Feuerlein Centrum für Translationale Suchtmedizin wurde 2017 gegründet und basiert auf einer gemeinsamen Initiative der Suchtkliniken des ZI und des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden (PZN). Falk Kiefer (ZI) und Barbara Richter (PZN) leiten das Feuerlein Centrum. Ziele sind die Abstimmung von therapiegeleiteten Forschungsfragen und deren Übertragung in die Praxis. Forschung und Behandlung mit modernsten Therapieansätzen sollen auf eine Weise kombiniert werden, dass sie der Entstigmatisierung der Behandlung und der verstärkten Inanspruchnahme von Therapieangeboten dienen. Namensgeber des Zentrums ist der 2015 verstorbene Wilhelm Feuerlein, der auf dem Gebiet der Alkoholismus- und Suchtforschung in Deutschland sehr bedeutende Forschung leistete.[9]

Systems Biology of Alcohol Addiction (SyBil-AA) – Horizon 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Systems Biology of Alcohol Addiction (SyBil-AA) Forschungsverbund ist ein multidisziplinäres, EU-gefördertes Projekt, bei dem Funktionsstörungen in Hirnnetzwerken (Pathophysiologie) bei Alkoholerkrankungen untersucht werden, um neue Therapieansätze mit Fundierung durch neurobiologische Erkenntnisse entwickeln zu können. Notwendig ist dies, da Alkoholabhängigkeit eine der weltweit führenden Ursachen für vermeidbare Folgeerkrankungen und (frühzeitigen) Tod darstellt und gleichzeitig Therapiemöglichkeiten bisher begrenzt sind. Es wird angenommen, dass sich diejenigen Gehirnregionen, die am pathologischen Verlangen nach Alkohol beteiligt sind, bei Patienten mit Alkoholabhängigkeit deutlich von den Gehirnen Nicht-Betroffener unterscheiden. Daher bedient man sich in diesem Forschungsprojekt systemmedizinischer Ansätze, mithilfe derer Hirnregionen und funktionale Netzwerke identifiziert werden, welche man auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse zielgerichtet und spezifisch therapeutisch wirksam behandeln können wird. Ein synergetischer Wissenstransfer zwischen führenden europäischen Laboren und Kliniken einerseits und Experten im Bereich mathematischer Modellierung veränderter neuronaler Verbindungen andererseits soll durch SyBil-AA gefördert werden. Speziell die Rückfallprävention ist ein Schlüsselprozess bei der Behandlung von Alkoholabhängigkeit, sodass die an Rückfällen beteiligten neuronalen Strukturen im Projekt besondere Beachtung erfahren.[10]

PEZ: Psychoepidemiologisches Zentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das psychoepidemiologische Zentrum (PEZ) wird am ZI aufgebaut. In einer Längsschnittstudie, also der Untersuchung einer Person über mehrere Erhebungszeitpunkte, werden die Auswirkungen von Stress bei verschiedenen Voraussetzungen der Umgebungsfaktoren auf die Epigenetik erforscht. Thematisch geht es um kurz- und langfristige Interaktionen zwischen Persönlichkeit, genetischen und epigenetischen Faktoren, Umgebungsbedingungen und der psychischen Gesundheit sowie des Wohlbefindens bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Entsprechend dem aktuellen Forschungsstand gibt es einen langfristigen Effekt aktueller Umgebungsbedingungen auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden. Auch Erbinformationen scheinen sich dadurch nachhaltig zu verändern (Epigenetik), so aktuelle Untersuchungen. Da insbesondere das Kindes- und Jugendalter als sensible Phase für die Entwicklung psychischer Erkrankungen im weiteren Lebensverlauf verstanden werden kann, werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der Studie untersucht. Besonders in den sensiblen Phasen der Kindheit und Jugend können das komplexe Zusammenwirken der genetischen Prädisposition, erlebte Stressoren aus dem individuellen Alltag und Umgebungsbedingungen die Vulnerabilität, also die Auftretenswahrscheinlichkeit für eine psychische Krankheit erhöhen.

Tochtergesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

MVZ Mannheim Mitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das MVZ Mannheim Mitte ist ein medizinisches Versorgungszentrum für Internistisch-hausärztliche Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Es ist eine besondere Form der ambulanten Gemeinschaftspraxis unter ärztlicher Leitung: Ärzte verschiedener Fachrichtungen behandeln gesetzlich oder privat versicherte Patienten unter einem Dach. Seit Januar 2016 befindet sich das MVZ am Marktplatz in R 1, 1.

ZI Service GmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ZI Service GmbH übernimmt für das ZI die Bereiche Empfang/Security, Gastronomie und Gebäudereinigung. Die Tochtergesellschaft ist also zuständig für das Thema Sicherheit, versorgt die Stationen und Mitarbeiter mit Essen, stellt das gastronomische Angebot bei Konferenzen sowie internen und externen Veranstaltungen zur Verfügung und ist verantwortlich für die Reinigung und Instandhaltung der ZI-Gebäude, inklusive der Außenstellen.

Hector-Institut für Translationale Hirnforschung (HITBR)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hector-Institut für Translationale Hirnforschung wurde 2015 als gemeinschaftliches Projekt des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit, des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Hector Stiftung II gegründet und wird von Philipp Koch geleitet. Die Forschungseinrichtungen ZI und DKFZ bringen ihre Expertise in Form einer Kooperation als gemeinnützige GmbH ein. Geschäftsführer sind Andreas Meyer-Lindenberg und Philipp Koch. Um schwere psychiatrische Erkrankungen und Gehirntumore besser behandeln zu können, zielt das HITBR auf die Identifikation neuer molekularer und funktioneller Ansatzpunkte für die Therapie. Dazu bedient man sich der Stammzelltechnologie und der Neurowissenschaften: Mithilfe von Stammzellen lassen sich krankheitsverursachende Mechanismen, d. h. die zellulären und synaptischen Veränderungen bei psychischen Störungen, und mögliche Therapien direkt an betroffenen Zellpopulationen aus dem Patientengehirn untersuchen. Ein Ansatz für die Entwicklung neuer Medikamente durch Partnerinstitutionen soll auf diese Weise geschaffen werden. Zudem solle die Aus- und Weiterbildung einer neuen Generation von Neurowissenschaftlern unterstützt werden. Im Vordergrund der Untersuchung stehen im HITBR vorerst die psychischen Erkrankungen Schizophrenie, Bipolare Störungen, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung und Autismus.[11]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Schritte zur Planung eines Modellinstituts (1960–1970)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in den 1960er Jahren wurde mit der vorbereitenden Planung eines Modellinstituts für sozialpsychiatrische Forschung und Therapie begonnen, das sich später zum Zentralinstitut entwickeln sollte. Der Psychiater Heinz Häfner stellte hierzu am 12. Dezember 1963 einen Antrag auf Errichtung einer Abteilung für Sozialpsychiatrie und Rehabilitation an der Psychiatrischen Klinik der Universität Heidelberg. Als Häfner, gemeinsam mit den beiden Heidelberger Psychiatern Walter Ritter von Baeyer und Karl Peter Kisker, am 16. Juli 1964 im Bonner Gesundheitsministerium der Bundesministerin Elisabeth Schwarzhaupt erstmals die Pläne für eine Psychiatriereform in Deutschland vorstellte, kam auch der Vorschlag eines Modellinstituts zur Sprache, den Häfner bereits seit den 1950er Jahren verfolgt hatte.

Die Institutsplanung nahm konkrete Formen an, als am 1. Juli 1965 der Verein zur Errichtung und Förderung eines Modellinstituts für sozialpsychiatrische Therapie und Forschung in Heidelberg gegründet wurde. Im gleichen Jahr genehmigte das Kultusministerium Baden-Württemberg die Errichtung der von Häfner im Jahr 1963 beantragten Abteilung für Sozialpsychiatrie und Rehabilitation in Heidelberg. Ein Jahr später, im Jahr 1966, einigte man sich auf den Standort Mannheim zur Errichtung des Instituts. Im gleichen Jahr gewährte die Stiftung Volkswagenwerk dem Verein für die Planung des Instituts Mittel in Höhe von 120.000 DM; darüber hinaus beschloss der Baden-Württembergische Landtag am 27. Oktober das Projekt zu fördern.

Um Anregungen für die weitere Bau- und Organisationsplanung des Instituts zu gewinnen und Beratungskontakte aufzubauen, unternahmen Häfner und von Baeyer in den Jahren 1966 und 1967 mehrere Besichtigungsreisen nach Großbritannien und Kanada sowie in die USA. Vom 10. bis 24. April 1967 besuchte zudem eine Kommission bestehend aus Häfner, Mannheims Oberbürgermeister Hans Reschke, dem Mannheimer Bürgermeister für Sozial- und Gesundheitswesen Hans Martini und einem Architektenteam das Psychiatric Department der Yale University und das Yale Connecticut County Mental Health Center in New Haven. Die amerikanische Institution mit ihrer Kombination aus anspruchsvoller Forschung und moderner Krankenversorgung in zentraler städtischer Lage diente als Vorbild für das Mannheimer Institut.

Am 1. Juni 1967 legte Häfner dem Wissenschaftsrat einen neuen Entwurf für das zukünftige Institut im Namen des Vereins vor. Am 9. April 1968 erfolgte der Antrag des Landes Baden-Württemberg auf Begutachtung der Pläne zur Errichtung des Deutschen Instituts für Seelische Gesundheit.[12]

Im Jahr 1968 wurde die sozialpsychiatrische Klinik der Universität Heidelberg, die Vorläufereinrichtung des ZI, dem Lehrstuhl für Psychiatrie am Klinikum Mannheim der Universität Heidelberg zugeordnet. Im gleichen Jahr konnte in Mannheim eine Ambulanz und ein psychiatrischer Konsultationsdienst im Universitätsklinikum eröffnet werden. Ein Jahr später sprach der Wissenschaftsrat am 10. Mai 1969 in einer Stellungnahme eine „dringende Empfehlung“ zur Errichtung des Modellinstituts aus. Noch im selben Jahr konnte die Finanzierung der Institutsplanung sichergestellt werden, als am 7. November in der Kuratoriumssitzung der Stiftung Volkswagenwerk einstimmig beschlossen wurde, einen Betrag in Höhe von 7,55 Millionen DM als „Starthilfe zur Vorbereitung und Errichtung eines Modellinstituts für seelische Gesundheit“ zur Verfügung zu stellen. Der Bund übernahm schließlich zwei Drittel der restlichen Baukosten (21 Millionen DM), das Land Baden-Württemberg übernahm das verbleibende Drittel (10,5 Millionen DM).

Die Entstehung des Instituts in Mannheim (1970–1980)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1971 wurde der Verein zur Errichtung und Förderung eines Modellinstituts für sozialpsychiatrische Therapie und Forschung von Heidelberg nach Mannheim verlegt. Gleichzeitig erfolgte eine Umbenennung in Verein – Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. Bereits zum 1. Januar des Jahres war dem Verein der Besitz für das ZI-Baugrundstück in den Quadraten J 4 und J 5 von der Stadt Mannheim eingeräumt worden. Mit einem Kabinettsbeschluss vom 8. Februar 1972 wurde dann die Finanzierung der laufenden Kosten des Instituts durch das Land Baden-Württemberg sichergestellt. Nachdem das Kultusministerium am 30. März die Baufreigabe für das Institut erteilt hatte, konnte noch im gleichen Jahr inmitten der Mannheimer Quadrate mit dem Bau des ZI begonnen werden. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt bewilligte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) dem ZI am 21. Juni einen ersten Sonderforschungsbereich. Die Förderung des SFB 116 Psychiatrische Epidemiologie begann am 1. Januar 1973 und lief bis Ende 1985.

Ab Anfang Januar 1974 zog Häfner mit der Sozialpsychiatrischen Klinik schließlich von Heidelberg nach Mannheim um. In den Städtischen Krankenhausanstalten wurden hierfür zunächst psychiatrische Stationen eingerichtet, die dann im September 1975 in den ZI-Neubau im Quadrat J 5 verlegt wurden.

Nach über zehnjähriger Vorbereitungszeit konnte letztendlich das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit als Stiftung des öffentlichen Rechts gegründet werden. Grundlage war der Beschluss der Landesregierung Baden-Württemberg vom 8. April 1975. Die Satzung wurde am 23. Mai im Gesetzesblatt des Landes veröffentlicht und trat am Folgetag in Kraft. Die Bauaufgabe für das ZI ging damit vom Verein auf die Stiftung über, zu deren Beauftragten Hans Martini am 4. Juni ernannt worden war. Aufgrund des Verwaltungsratsbeschlusses vom 26. Juni wurde Heinz Häfner zum Direktor des ZI bestellt. Am 25. September 1975 konnte schließlich die Psychiatrische Klinik offiziell eröffnet werden. Ab dem Wintersemester 1975/76 wurde somit auch der Psychiatrieunterricht für Medizinstudenten vollständig vom Klinikum in das ZI verlagert.

Im Januar und Februar 1976 eröffneten die psychosomatische Klinik sowie die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Für letztere wurde ab dem Schuljahr 1976/77 eine Klinikschule als Sonderschule in Schulträgerschaft der Stadt errichtet. Mit einem Festakt am 17. September 1976 wurde das ZI schließlich offiziell eingeweiht. Die weitere schrittweise Inbetriebnahme des Instituts konnte am 1. April 1977 abgeschlossen werden.

Das Institut gewinnt an Bedeutung (1980–2000)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1980 wurde das ZI von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum WHO-Collaborating Centre for Training and Research ernannt. Entsprechend seiner zunehmenden Bedeutung als Forschungsinstitution wurde dem ZI zum 1. Januar 1987 ein zweiter Sonderforschungsbereich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligt. Der SFB 258 Indikatoren und Risikomodelle für Entstehung und Verlauf psychiatrischer Störungen wurde bis Ende 1998 gefördert.

Fritz Henn wurde am 1. Oktober 1994 vom Verwaltungsrat des ZI zum Nachfolger des ersten Direktors Heinz Häfner bestellt. Als neuer Direktor des ZI übernahm Henn gleichzeitig den Lehrstuhl für das Fach Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und wurde damit Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am ZI. Ein Jahr später begann die zweite Bauphase des Instituts mit dem Bau des Forschungs- und Verwaltungsgebäudes im Nordbereich des Quadrats J 4, das 1997 bezogen werden konnte. Das siebte Obergeschoss des Therapiegebäudes wurde durch den Umzug der Forschung und Verwaltung frei und bot neuen Platz für Klinikstationen. Schon in den ersten Jahren des ZI lag die Bettenauslastung bei fast 100 Prozent, weshalb neue Stationsräume schon lange benötigt wurden.

Neue Stiftungssatzung: zwei Personen Vorstand (2000–2010)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Laborgebäude in J 5

Am 1. Juli 2005 trat die Stiftungssatzung in Kraft, die heute die Rechtsgrundlage der Landesstiftung Zentralinstitut für Seelische Gesundheit bildet. Unter anderem wurde eine neue Leitungsstruktur für das ZI etabliert, in der ein aus zwei Personen bestehender Vorstand die Stiftung gemeinschaftlich leiten und die laufenden Geschäfte führt. Im Jahr 2006 wurde Katrin Erk zum Kaufmännischen Vorstand, im Jahr 2007 Andreas Meyer-Lindenberg vom Aufsichtsrat der Stiftung bestellt. Er ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und Vorstandsvorsitzender des ZI.

Auch baulich hat sich das ZI in diesem Zeitraum verändert. Das Laborgebäude als Neubau im Nordbereich des Quadrats J 5 wurde 2005 fertiggestellt. Hierdurch konnte die Basis der Forschung am Institut qualitativ und räumlich erweitert werden. Im selben Jahr wurde das Suchtzentrum mit Suchttagesklinik im Nordostbereich des Quadrats J 4 eröffnet.

ZI 2020 – die Erweiterung des ZI (ab 2010)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neubau auf J 4 und begrünter Quartiersplatz (Entwurf)
Innenansicht des Neubaus auf J 4 (Entwurf): Lichtdurchflutete Räume

Im Rahmen des Masterplans ZI 2020 wird das ZI strukturell und baulich neu ausgerichtet, um die psychiatrische Vollversorgung für Mannheim übernehmen zu können und die optimalen Forschungsbedingungen weiterzuentwickeln. Teil des Masterplans ist der Umbau des Therapiegebäudes. Ein Teil der Stationen wurde renoviert und zu sogenannten Tracks umgebaut. Im Zuge des Masterplans sollen alle Stationen nach und nach erneuert werden, um den Anforderungen der modernen Behandlungsmethoden auch baulich gerecht zu werden. Im Unter- und im Erdgeschoss des Therapiegebäudes wurde Platz geschaffen für kliniknahe Forschung am sogenannten Zentrum für Innovative Psychiatrie- und Psychotherapieforschung (ZIPP). Durch eine sehr enge Verzahnung zwischen Forschung und Behandlung, sollen im ZIPP auf den jeweiligen Patienten und dessen individuellen Krankheitsverlauf maßgeschneiderte Therapien entwickelt werden. Auf Empfehlung des Wissenschaftsrates zur Förderung von Forschungsbauten vom 25. Mai 2012 wurde in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) am 29. Juni entschieden, das ZIPP als Erweiterung des ZI in die Förderung aufzunehmen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren hat das ZI 30,7 Millionen Euro erhalten, die zur Hälfte vom Bund und vom Land Baden-Württemberg getragen wurden. Das ZIPP soll 2019 eröffnet werden. Im Quadrat K 3 wurde ein Neubau errichtet, der am 29. Januar 2016 eingeweiht wurde und ausreichend Raum für innovative Therapieangebote bietet. Unter anderem ist dort das Adoleszentenzentrum – ein spezielles Angebot für Jugendliche mit psychiatrischen Erkrankungen – eröffnet worden. Durch frühzeitige Intervention sollen chronische Verläufe reduziert werden. Darüber hinaus wurde Platz geschaffen für zusätzliche stationäre Betten und tagesklinische Plätze. Außerdem befindet sich in Kooperation mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Universität Heidelberg auch ein Rekrutierungsstandort der NAKO Gesundheitsstudie, einer bundesweiten Langzeit-Bevölkerungsstudie, im Gebäude in K 3.

Ein weiterer Meilenstein des Erweiterungsprojekts ist der Neubau auf dem Gelände des ursprünglichen Wirtschaftsgebäudes auf J 4. Dort werden neue Patientenzimmer, Therapieräume, Büroräume, zwei Hörsäle und eine neue Cafeteria entstehen. Die Architekten haben das Gebäude so konzipiert, dass es sich gut in die städtebauliche Ordnung einfügen wird. Grünflächen und Freibereiche werden Beschäftigten, Patienten, Besuchern und Anwohnern Aufenthaltsmöglichkeiten bieten. Der Bau wird durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert und soll 2020 fertiggestellt sein.

Emeriti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Häfner, Hans Martini: Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. Gründungsgeschichte und Gegenwart. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62968-6.
  • Heinz Häfner: The Mannheim Project. In: Mental health service evaluation, 1996, S. 82–95.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Warlich-Zink, H.: Adoleszentenzentrum des ZI ist bundesweit einzigartig, in: Rhein-Neckar-Zeitung (2. Februar 2016), online abrufbar unter: https://www.rnz.de/nachrichten/mannheim_artikel,-Mannheim-Adoleszentenzentrum-des-ZI-ist-bundesweit-einzigartig-_arid,166353.html
  2. Stadt Mannheim: Erster Meilenstein erreicht: ZI feiert Neubau-Eröffnung in K3, URL: https://www.mannheim.de/de/nachrichten/erster-meilenstein-erreicht-zi-feiert-neubau-eroeffnung-in-k3 (Stand 12. Juni 2018)
  3. Dusan et al.: Das ZI-Track-Konzept in der modernen Psychiatrie: Eine syndromspezifische sektorübergreifende Behandlung. In: Fortschr Neurol Psychiatr, Stuttgart, Thieme 2018
  4. Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg: Gesetzblatt für Baden-Württemberg (27. Juni 2005), online abrufbar unter: https://www.zi-mannheim.de/fileadmin/user_upload/downloads/institut/informationsmaterial/ZI-Satzung.pdf
  5. Deutsche Bischofskonferenz: Forschungsprojekt zum sexuellen Missbrauch im Bereich der katholischen Kirche wird verlängert (Stand: 12. Juni 2018)
  6. Deutsche Bischofskonferenz: Forschungsprojekt MHG-Studie (Stand: 12. Juni 2018)
  7. Deutsche Bischofskonferenz: [1] (Stand: 10. Januar 2019)
  8. ESCAlife: Was ist ESCAlife ? (Stand: 12. Juni 2018)
  9. Feuerlein Centrum für Translationale Suchtmedizin: Das Feuerlein Centrum, URL: https://feuerlein.center/ (Stand: 12. Juni 2018)
  10. SyBil-AA: Welcome to SyBil-AA, (Stand: 12. Juni 2018)
  11. Hector Stiftungen: Hector Institute for Translational Brain Research (HITBR), URL: https://www.hector-stiftung.de/medizinische-forschung/hector-institute-for-translational-brain-research-ggmbh/
  12. Siehe: Häfner, Martini: Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, 2011. S. 63ff und Kap. 7.3.