Zentralstadion (Leipzig)

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Zentralstadion
Stadion der 100.000
Stadion der Hunderttausend
Zentralstadion
Zentralstadion (1987)
Daten
Ort Leipzig
Koordinaten 51° 20′ 45″ N, 12° 20′ 53″ OKoordinaten: 51° 20′ 45″ N, 12° 20′ 53″ O
Baubeginn 1954
Eröffnung 4. August 1956
Erstes Spiel 4. August 1956
SC Wismut Karl-Marx-StadtHonvéd Budapest 1:3
Abriss 2000
Oberfläche Naturrasen
Architekt Karl Souradny
Kapazität 100.000 Plätze
Verein(e)
Veranstaltungen

Das Zentralstadion war ein Stadion in der sächsischen Stadt Leipzig. Das 1956 eröffnete Bauwerk diente hauptsächlich zur Austragung von Fußballspielen auf nationalem und internationalem Niveau. Es war aber auch Austragungsort von verschiedenen anderen Veranstaltungen. Mit einer Kapazität von insgesamt 100.000 Zuschauern war es das größte Stadion der DDR und von Deutschland. Die Kapazität brachte dem Stadion den Spitznamen Stadion der 100.000 bzw. Stadion der Hunderttausend ein. Zwischen 2000 und 2004 wurde das Stadion komplett erneuert und heißt seit 2010 offiziell Red Bull Arena.

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Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1920er Jahren gab es Pläne, nahe der Innenstadt in den Elsterniederungen auf den so genannten Frankfurter Wiesen eine Großkampfbahn zu errichten. Dieses Vorhaben wurde nicht realisiert. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Gelände Adolf-Hitler-Feld genannt und als Aufmarschplatz genutzt. Werner March, der Architekt des Berliner Olympiastadions, schlug 1939 vor, in Leipzig ein komplexes Sportfeld mit Großstadion zu errichten, dessen Name ebenfalls Adolf-Hitler-Stadion sein sollte. Der Zweite Weltkrieg verhinderte jedoch die Verwirklichung.

1948 legte ein Stadtbebauungsplan fest, dass der im Bombenkrieg entstandene Trümmerschutt zum Aufbau eines Sportforums verwendet werden sollte. 1952 wurde das Schwimmstadion fertiggestellt. 1954 fand auf der Festwiese das 1. Turn- und Sportfest der DDR mit 70.000 Zuschauern statt. Dieses wurde in den nächsten Jahren als eine Art Vorbereitung auf die Olympischen Spiele fortgeführt.

Das Zentralstadion am Elsterbecken entstand zwischen 1954 und 1956 unter der Leitung von Karl Souradny. Der 23 Meter hohe Wall wurde aus 1,5 Millionen Kubikmetern Kriegstrümmern geformt. Einweihung des „Stadions der Hunderttausend“ war am 4. August 1956 während des II. Deutschen Turn- und Sportfestes (2. bis 5. August 1956). Es wurde mit einer Kapazität von 100.000 Sitzplätzen eröffnet und war bis zu seinem Umbau 2000 (Fertigstellung 2004) das zweitgrößte Stadion Europas nach dem Strahov-Stadion, noch vor dem Camp Nou in Barcelona. Hier fanden die Turn- und Sportfeste der DDR, alle wichtigen DDR-Fußballländerspiele und Leichtathletikwettkämpfe statt.

Der bis heute gültige Zuschauerrekord für Fußball-Punktspiele in Deutschland wurde am 9. September 1956 erreicht, als 100.000 Zuschauer das Ortsderby zwischen SC Rotation Leipzig und SC Lokomotive Leipzig (1:2) besuchten.

Im Verwaltungs- und Empfangsgebäude befand sich das Restaurant Sportforum Leipzig.

Von 1992 bis 1995 bestritt der VfB Leipzig wegen Baufälligkeit des Bruno-Plache-Stadions seine Heimspiele im Zentralstadion, wobei zu dieser Zeit die Zuschauerkapazität durch Sperrung ebenfalls baufälliger Blöcke bereits auf 37.000 Besucher begrenzt war. Dennoch kamen am 6. Juni 1993 etwa 38.000 Zuschauer ins Stadion, um den Aufstieg des ersten deutschen Fußballmeisters VfB Leipzig mit einem 2:0-Sieg gegen den 1. FSV Mainz 05 zu sehen.

Zuschauerrekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund seiner Größe war das ursprüngliche Zentralstadion Schauplatz der bestbesuchten Fußballspiele in der DDR, deren Zuschauerzahlen auch im gesamtdeutschen Vergleich bis heute unübertroffen sind. Nimmt man die offiziellen Zahlen zum Vergleich, wurden die meisten Besucher mit je 110.000 Menschen gleich in zwei Begegnungen registriert. In der Literatur ist jedoch vereinzelt von 120.000 Zuschauern die Rede, auch in anderen Fällen existieren abweichende Zahlen zu den offiziellen Angaben. Eine Ursache für diese Unterschiede liegt in der Tatsache begründet, dass bei ausverkauften Spielen oftmals auch Besucher ohne gültige Eintrittskarte anwesend waren, die von der Statistik nicht erfasst wurden.

Zahlreiche Umbaumaßnahmen führten im Laufe der Zeit zu einer Reduzierung der Gesamtkapazität, die schließlich gegen Ende der 1980er Jahre knapp 80.000 Sitzplätze betragen haben dürfte. Die folgende Tabelle zeigt einen Überblick über die bestbesuchten Fußballspiele im Leipziger Zentralstadion:

Datum Ansetzung Ergebnis Wettbewerb offizielle Zuschauerzahl Anmerkungen

Besondere Vorkommnisse

4. Aug. 1956 SC Wismut Karl-Marx-StadtHonvéd Budapest 1:3 Freundschaftsspiel 100.000 Einweihungsspiel (inkl. Flutlichtpremiere)
5. Aug. 1956 Stadtauswahl Leipzig – Dinamo Orașul Stalin 1:1 Freundschaftsspiel 100.000
8. Sep. 1956 SC Rotation LeipzigSC Lokomotive Leipzig 1:2 Oberliga-Meisterschaft 100.000 Gesamtdeutscher Zuschauerrekord für nationale Fußballspiele
6. Okt. 1956 SC Wismut Karl-Marx-Stadt1. FC Kaiserslautern 3:5 Freundschaftsspiel 100.000 Andere Quellen sprechen von 110.000 Zuschauern, insgesamt sollen 350.000 Kartenvorbestellungen vorgelegen haben

„Jahrhunderttor“ von Fritz Walter mit der Hacke.

25. Nov. 1956 SC Lokomotive LeipzigFC Schalke 04 1:3 Freundschaftsspiel 100.000 Ernst Kuzorra vollzog den Anstoß.
19. Mai 1957 DDRWales 2:1 WM-Qualifikation 100.000 Andere Quellen sprechen von 105.000 bzw. 108.000 Zuschauern
27. Okt. 1957 DDRCSR 1:4 WM-Qualifikation 110.000 Gesamtdeutscher absoluter Zuschauerrekord für Fußballspiele (Andere Quellen sprechen von 120.000 Zuschauern, insgesamt sollen 640.000 Kartenvorbestellungen vorgelegen haben)
24. Nov. 1957 UdSSRPolen 2:0 WM-Qualifikation 110.000 Entscheidungsspiel der WM-Qualifikation auf neutralem Boden
12. Aug. 1959 DDRCSR 2:1 Freundschaftsspiel 90.000
2. Juni 1963 DDREngland 1:2 Freundschaftsspiel 90.000
31. Mai 1964 DDRUdSSR 1:1 Olympia-Qualifikation 80.000
23. Mai 1965 DDRUngarn 1:1 WM-Qualifikation 105.000
31. Okt. 1965 DDRÖsterreich 1:0 WM-Qualifikation 95.000
21. Dez. 1966 1. FC Lokomotive LeipzigBenfica Lissabon 3:1 Messestädte-Pokal (Achtelfinale) 75.000
25. Juli 1969 DDRUdSSR 2:2 Freundschaftsspiel 90.000
9. Mai 1971 DDRJugoslawien 1:2 EM-Qualifikation 100.000
26. Sep. 1973 DDRRumänien 2:0 WM-Qualifikation 95.000
12. Dez. 1973 1. FC Lokomotive LeipzigFortuna Düsseldorf 3:0 UEFA-Pokal (Achtelfinale) 80.000
10. Apr. 1974 1. FC Lokomotive LeipzigTottenham Hotspur 1:2 UEFA-Pokal (Halbfinale) 74.000
29. Mai 1974 DDREngland 1:1 Freundschaftsspiel 100.000
28. Juli 1977 DDRUdSSR 2:1 Freundschaftsspiel 95.000
12. Okt. 1977 DDRÖsterreich 1:1 WM-Qualifikation 95.000
21. Nov. 1979 DDRNiederlande 2:3 EM-Qualifikation 92.000
10. Okt. 1981 DDRPolen 2:3 WM-Qualifikation 85.000
30. Mär. 1983 DDRBelgien 1:2 EM-Qualifikation 75.000
11. Sep. 1985 DDRFrankreich 2:0 WM-Qualifikation 78.000
22. Apr. 1987 1. FC Lokomotive LeipzigGirondins Bordeaux 6:5 i. E. (0:1 n. V.) Europapokal der Pokalsieger (Halbfinale) 73.000 Andere Quellen sprechen von 93.000 bzw. 100.000 Zuschauern.
26. Okt. 1988 1. FC Lokomotive LeipzigSSC Neapel 1:1 UEFA-Pokal (2. Runde) 80.100

Neben den Fußballspielen gab es im Leipziger Zentralstadion weitere Sportveranstaltungen, denen bis zu 100.000 Menschen beiwohnten. Dazu gehörten in erster Linie die Massenveranstaltungen im Rahmen des Deutschen Turn- und Sportfestes. Am 8. Mai 1957 war Leipzig zudem Zielort der 6. Etappe der 10. Internationalen Friedensfahrt, dessen Fahrer von insgesamt 90.000 Zuschauern begrüßt wurden. Nur wenige Wochen später fand an gleicher Stätte ein Feldhandball-Länderspiel zwischen den Auswahlmannschaften der DDR und der Bundesrepublik Deutschland (19:14) statt, das von 80.000 Zuschauern verfolgt wurde.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]