ʿAlī ibn Mūsā ar-Ridā

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ʿAlī ibn Mūsā ar-Ridā (arabisch ‏علي بن موسى الرضا‎; persische Aussprache Reẓā; in schiitischen Quellen auch Abuʿl-Ḥasan al-Ṯānī; * 765, 768 oder 770 in Medina; † 818 in Tūs) war nach dem Glauben der Zwölferschiiten (Imamiten) der achte von Gott ernannte Imam und somit ein direkter Nachfahre des Propheten Mohammed. Obwohl schiitische Quellen behaupten, der Beiname ar-Riḍā sei ihm von seinem Vater gegeben worden, ist es wahrscheinlicher, dass er ihn als Ehrentitel vom Kalifen al-Ma'mun erhielt.

Er wurde in Medina als Sohn des Imams Musa al-Kazim geboren. Sein genaues Geburtsjahr und Sterbedatum sind unterschiedlich überliefert. Seine Mutter war eine nubische Sklavin, deren Name ebenfalls unterschiedlich überliefert ist. Nach dem Tod des Vaters 799 wurde er dessen Nachfolger als Imam. Obwohl keiner seiner Brüder nach Quellenlage Anspruch auf das Imamat erhob, lehnten viele Anhänger seines Vaters Ali ibn Musa ab und propagierten die Rückkehr Musa al-Kazims als Mahdi (die kurzlebige schiitische Sekte der Waqifiten). Die längste Zeit seines Lebens wirkte Ali ibn Musa al-Rida in Medina, ohne dabei wahrnehmbar in Erscheinung zu treten. Lediglich die Überlieferung von Hadithen und die Ausgabe von Fatwas sind aus seiner medinensischen Zeit bekannt.

Politisch wirksam wurde der Imam, als der abbasidische Kalif al-Ma'mun ihn 815/816 zu einem Nachfolger bestimmte. Ma'mun wollte durch diesen Schritt den historischen Bruch zwischen Abbasiden und Aliden (bzw. zwischen Sunniten und Schiiten) heilen. Ob der Kalif selbst oder sein Wesir al-Faḍl ibn Sahl die treibende Kraft hinter diesem Schritt war, ist umstritten. Auf Einladung des Kalifen, der in Marv residierte, begab sich der Imam via Basra und Nischapur dorthin. Dem Plan, ihn zum Nachfolger des Kalifen zu designieren, stand der Imam skeptisch gegenüber, da er wohl die Opposition der Abbasiden im heutigen Irak richtig einschätzte. Bayhaqi berichtet in seinem Werk Tarih-e Bayhaqi, dass der Imam wusste, dass der Plan nicht aufgehen würde, er sich aber dem Befehl des Kalifen nicht zu widersetzen wagte.

Das Verhältnis des Imams Ali ibn Musa zum Kalifen al-Ma'mun scheint sehr gut gewesen zu sein. Zur wechselseitigen Bekräftigung der Bindung wurden 817 Ali ibn Musa mit al-Ma'muns Tochter Umm Habib und ibn Musas Sohn Mohammed mit al-Ma'muns Tochter Umm al-Faḍl verheiratet. Al-Ma'mun verlieh dem Imam den Ehrentitel ar-Ridā, den aufständische Schiiten bereits früher als Bezeichnung für denjenigen Abkömmling Mohammeds, den die gesamte muslimische Gemeinschaft als Kalif akzeptieren würde, gebrauchten. Er lebte in Marv in einem Haus direkt neben der Residenz des Kalifen.

Als die Nachfolgeregelung offiziell bekannt gemacht wurde, verhielten sich die meisten abbasidischen Gouverneure loyal und schwuren dem designierten Kalifen die Treue. Lediglich der abbasidische Regent in Basra verweigerte die Gefolgschaft und die abbasidischen Prinzen in Bagdad schlossen sich einem in der Region des Irak ausgebrochenen Aufstand an. Der Wesir al-Faḍl hatte dem Kalifen wohl vorenthalten, wie groß der Widerstand im Irak gewesen war. Die dortige Bevölkerung hatte bereits die Verlegung der Residenz von Bagdad nach Marv irritiert aufgenommen, auch hatte al-Faḍl selbst dort einen schlechten Ruf. Die Ernennung des Imams ar-Riḍā zum Nachfolger des Kalifen war das Ereignis, welches das Fass zum Überlaufen brachte.

Es scheint Imam ar-Riḍā selbst gewesen zu sein, der dem Kalifen die tatsächlichen Hintergründe des irakischen Aufstands vermittelte und ihn dazu bewog, mit seinem Hof nach Bagdad aufzubrechen, um die Revolte niederzuschlagen und durch seine bloße Präsenz wieder Ruhe herzustellen. Auf dem Weg dorthin starben der Wesir al-Faḍl und der Imam ar-Riḍā kurz nacheinander. al-Faḍl wurde von einigen Offizieren ermordet, ar-Riḍā starb in Tus nach kurzer Krankheit. Der kurze Abstand zwischen den beiden Todesfällen ließ Spekulationen aufkommen, dass auch ar-Riḍā eines nicht-natürlichen Todes gestorben sei. Schiitische Quellen behaupten, der Kalif selbst habe den Imam vergiftet bzw. vergiften lassen. Obwohl al-Ma'mun wie schon angerissen ar-Riḍā persönlich wohl sehr schätzte, ist es möglich, dass er ihn aus politischem Kalkül ermorden ließ. Sowohl an der Person al-Faḍl als auch der ar-Riḍās hatten sich die irakischen Aufstände entzündet und die Präsenz beider oder eines von ihnen in Bagdad hätte eine Einigung mindestens sehr erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht.

Das Grab ar-Riḍās befindet sich in Maschhad im Iran. Der Ort wurde nach dem Tod des Imams zu einer wichtigen Wallfahrtsstätte. Ein Schrein zu Ehren des Imams wurde errichtet, der heute eine der reichhaltigsten Sammlungen von Kunst- und Kulturgütern des Iran beherbergt. Verschiedene theologische Schulen des schiitischen Islam nahmen von hier ihren Ausgang.

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Literatur[Bearbeiten]