Accademia di San Luca

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Wappen der Accademia di San Luca in Rom
Der Evangelist Lucas mit dem Bild der Jungfrau Maria; Gemälde von Guercino

Die Accademia di San Luca zu Rom war eine 1577 gegründete Vereinigung von Künstlern, die von Papst Gregor XIII. initiiert und 1593 von dem erfolgreichen Maler Federico Zuccari zusammen mit Kardinal Federico Borromeo gegründet wurde. Zuccari war auch deren erster Präsident[1] und entwickelte in dieser Funktion erste Ansätze einer Reform des Kunstunterrichts. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte unter anderem Girolamo Muziano. Namensgeber der Akademie ist der Evangelist Lucas, der nach der Legende ein Gemälde der Jungfrau Maria schuf und aufgrund dessen als Schutzpatron der Maler gilt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Akademie, die sich in Italien um die Ausbildung von Künstlern bemühte, war die Accademia del Disegno, die im Jahre 1563 in Florenz von dem Großherzog Cosimo I. de’ Medici auf Betreiben des Malers und Kunsthistorikers Giorgio Vasari gegründet wurde. Die beiden herausragenden Köpfe dieser Institution waren Cosimo selbst und Michelangelo. Im Gegensatz zu den Gilden nahm die Accademia del Disegno nur bereits anerkannte unabhängige Künstler auf. Nachdem Vasaris Akademie anfing, sich aufzulösen, griff Zuccari seine Ideen auf und etablierte in der Accademia di San Luca wieder ein vergleichbares pädagogisches Programm. Die kunsttheoretische Basis legte er später in der 1607 erschienenen geistvollen Schrift „Idea de’pittori scultori ed architetti“[2] dar.

Mit der Betonung von Lehre und öffentlichen Ausstellungen wurde die Accademia di San Luca zum Vorbild für moderne Akademien. Zu den Regularien, die von vielen neueren Institutionen übernommen wurden, gehörte das Sponsoring der Kollegs von Mitgliedern der Akademie einschließlich der späteren Veröffentlichung. Die Verbreitung dieser Diskurse wurde zu einem Mittel, das der Förderung der Institute und der öffentlichen Akzeptanz von bestimmten ästhetischen Theorien zugutekam. 1635 hatte sich die Accademia di San Luca mit Unterstützung des mächtigen Papstes Urban VIII. endgültig etabliert. Zu ihren Mitgliedern gehörten die meisten bedeutenden italienischen sowie viele ausländische Künstler.

Als sekundäre Ziele verfolgte die Akademie die Vergrößerung ihres Einflusses und des Ansehens ihrer Mitglieder sowie die Abschottung gegen Einflussnahme von außen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der Streit zwischen Andrea Sacchi und dem Akademiemitglied Pietro da Cortona, dessen Schule ersterer nicht sehr zugetan war. Er war vielmehr der Auffassung, historische Malerei müsse wenige Figuren aufweisen, um die Einfachheit und Klarheit klassischer Kunst bewahren zu können. Cortonas Schule hingegen bestehe aus „bloß noch dekorierender Schnellmalerei“, wie Jacob Burckhardt 1855 in seinem Cicerone schreibt. Cortona widersprach diesem Vorwurf vehement und unterstrich seine Überzeugung, Malereien von hoher Komplexität und einer Vielzahl von Details seien überlegen.

Die Accademia di San Luca wurde im Jahr 1872 „Königliche Akademie“ und trägt seit 1948 den Namen Accademia Nazionale di San Luca. Ihr heutiges Domizil befindet sich an der Piazza dell’Accademia di San Luca im Palazzo Carpegna aus dem 16. Jahrhundert. Die zugehörige Galerie besitzt eine einzigartige Sammlung von Gemälden und Skulpturen, darunter etwa 500 Portraits, aber auch eine hervorragende Sammlung von Zeichnungen.

Präsidenten der Akademie (Auswahl)[Bearbeiten]

Zu den Nachfolgern von Federico Zuccari als Präsident der Accademia di San Luca gehörten neben vielen anderen:

Literatur[Bearbeiten]

  • Melchiorre Missirini: Memorie per servire alla storia della Romana Accademia di S. Luca fino alla morte di Antonio Canova, Rom 1823.
  • Carlo Pietrangeli (Hrsg.): L’Accademia Nazionale di San Luca, Rom 1974.

Eine umfangreiche Bibliographie ist zu finden unter:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meyers Kleines Konversationslexikon. Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien, 7. Auflage, 1908–1910, Band 6, S. 950.
  2. Meyers Enzyklopädisches Lexikon; Bibliographisches Institut, Lexikonverlag, Mannheim/Wien/Zürich 1975, Band 25, S. 776.

Weblinks[Bearbeiten]

41.90166666666712.483611111111Koordinaten: 41° 54′ 6″ N, 12° 29′ 1″ O