Adolf Mussafia

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Adolf Mussafia, Fotografie von Rudolf Krziwanek

Adolf Mussafia (* 15. Februar 1835 in Split; † 7. Juni 1905 in Florenz) war ein österreichischer Romanist italienischer Herkunft, der die Romanistik an der Universität Wien begründete.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Adolfo Mussafia entstammte einer sephardischen Rabbinerfamilie aus Dalmatien. Sein Vater war der Rabbiner Jacob Amadeo Mussafia († 1854)[1], Autor mehrerer Studien über jüdische Theologie und dessen Ehefrau Rachele Levi, genannt Nina aus Sarajevo.

Er kam als Siebzehnjähriger zum Medizinstudium nach Wien. Hier studierte er dieses Fach von 1852 bis 1854. Mussafia war dann aber bald als Italienischlehrer und Repetitor der Lehramtskandidaten tätig und ab dem Jahre 1857 (bis 1876) an der Hofbibliothek angestellt. Zu dieser Zeit, am 28. September 1855 konvertierte er auch zum katholischen Glauben. Dank seiner großen Begabung und rastlosen Forschertätigkeit in der romanischen Philologie – ohne jedes reguläre sprachwissenschaftliche Studium – wurde er im Jahre 1860 gleichsam per Erlass vom k. u. k. Unterrichtsministerium, die seine Fähigkeiten erkannte, zum außerordentlichen Professor der romanischen Sprachen und Literaturen ernannt – übrigens dem ersten seiner Art in Wien – dann 1867 zum ordentlichen Professor und 1869 – zur Verbrämung seiner offiziellen Ungeprüftheit – zum Ehrendoktor der Universität Wien. In Bonn hatte der vierunddreißig jährige die Gelegenheit zu einer Begegnung mit dem vierzig Jahre älteren Friedrich Diez, der seine Schriften sehr schätzte: Er soll bass erstaunt über die Jugendlichkeit seines wissenschaftlichen Gegenübers gewesen sein.

Adolf Mussafia, Büste, geschaffen 1910–1912 von Caspar von Zumbusch, im Arkadenhof des Hauptgebäudes der Universität Wien

Mussafia war ab 1865 im Vorstand der Deutschen Dante-Gesellschaft, ab 1866 war er korrespondierendes, ab 1871 Vollmitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften, ab 1901 Mitglied des Herrenhauses. Rufe nach Straßburg im Jahre 1872 und Florenz lehnte er ab. Der später von ihm vorgeschlagene Tausch mit Hugo Schuchardt in Graz kam nicht zustande. Mussafia gründete 1870 das Wiener Seminar für Französisch und Englisch (1891 getrennt) und holte sich 1890 Wilhelm Meyer-Lübke als Kollegen.

„Mussafias wissenschaftliche Interessen galten der Textedition, der Quellenforschung und der Motivgeschichte, jeweils im Bereich des Mittelalters. Er bewegte sich dabei auf den Gebieten des Altitalienischen, des Altfranzösischen, des Altprovenzalischen und des Altspanischen, mit einer eindeutigen Vorliebe für altitalienische, speziell altoberitalienische Texte, die dialektale Elemente enthalten oder franko-italienischen Charakter haben. „Hans Helmut Christmann““

Italienische Studien Jahresschrift-Wien (1978-2000); (1982) 5, S. 154

Bei Mussafia habilitierten sich: Wendelin Foerster, Wolfram Zingerle, Antonio Ive, Matthias Friedwagner und Jan Urban Jarník.[2]

Im Arkadenhof der Universität Wien befindet sich seine Büste gefertigt von Caspar von Zumbusch. Sein Grab befindet sich in Florenz auf dem Cimitero degli Ingles.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Italienische Sprachlehre in Regeln und Beispielen, Wien 1860, 32. Auflage 1925, dann u. d. T. Der neue Mussafia, Wien 1935, 11. Auflage 1962, dann u. d. T. Der neueste Mussafia, Wien 1981, 15. Auflage 1999
  • Scritti di filologia e linguistica, hrsg. von Antonio Daniele e Lorenzo Renzi, Padua 1983
  • Beiträge zur Kunde der Nord-Italischen Mundarten im 15. Jahrhundert. 1873
  • Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. Band Dalmatien, 1892
  • Italien. Sprachlehre in Regeln und Beispielen. 1925
  • Bausteine zur Romanischen Philologie. Festgabe, 1905.
  • Monumenti antichi di dialetti italiani. Viena 1864
  • Sul testo della Divina Commedia. Viena 1865
  • Ueber die quelle der Altspanischen "Vida de S. Maria Egiziaca". Wien 1863

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Adolf Mussafia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carlo Cetteo Cipriani: Un documento della famiglia Mussafia.
  2. Austria-Forum. Mussafia, Adolf.