Adolf Mussafia

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Adolf Mussafia, Büste, geschaffen 1910–1912 von Caspar von Zumbusch, im Arkadenhof des Hauptgebäudes der Universität Wien
Adolf Mussafia, Fotografie von Rudolf Krziwanek

Adolf Mussafia (* 15. Februar 1835 in Split; † 7. Juni 1905 in Florenz) war ein österreichischer Romanist italienischer Herkunft, der die Romanistik an der Universität Wien begründete.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Adolfo Mussafia entstammte einer dalmatinischen Rabbinerfamilie. Er kam als Siebzehnjähriger zum Medizinstudium nach Wien, wurde aber schnell zum Italienischlehrer und Repetitor der Lehramtskandidaten, war ab 1857 (bis 1876) an der Hofbibliothek angestellt und wurde dank seiner überragenden Begabung und rastlosen Forschertätigkeit in der romanischen Philologie – ohne jedes reguläre Studium – 1860 gleichsam per Ukas von einer weitblickenden und mächtigen Behörde, die seine Fähigkeiten erkannte, zum außerordentlichen Professor der romanischen Sprachen und Literaturen ernannt (dem ersten in Wien), 1867 zum ordentlichen Professor und 1869 – zur Verbrämung seiner offiziellen Ungeprüftheit – zum Ehrendoktor der Universität. Bei Gelegenheit einer Begegnung des 34-Jährigen in Bonn mit dem 40 Jahre älteren Friedrich Diez, der seine Schriften sehr schätzte, war dieser bass erstaunt über die Jugendlichkeit seines wissenschaftlichen Gegenübers.

Mussafia war ab 1865 im Vorstand der Deutschen Dante-Gesellschaft, ab 1866 korrespondierendes, ab 1871 Vollmitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften, ab 1901 Mitglied des Herrenhauses. Rufe nach Straßburg (1872) und Florenz lehnte er ab. Der später von ihm vorgeschlagene Tausch mit Hugo Schuchardt in Graz kam nicht zustande. Mussafia gründete 1870 das Wiener Seminar für Französisch und Englisch (1891 getrennt) und holte sich 1890 Wilhelm Meyer-Lübke als Kollegen.

„Mussafias wissenschaftliche Interessen galten der Textedition, der Quellenforschung und der Motivgeschichte, jeweils im Bereich des Mittelalters. Er bewegte sich dabei auf den Gebieten des Altitalienischen, des Altfranzösischen, des Altprovenzalischen und des Altspanischen, mit einer eindeutigen Vorliebe für altitalienische, speziell altoberitalienische Texte, die dialektale Elemente enthalten oder franko-italienischen Charakter haben“ (Hans Helmut Christmann in: Italienische Studien 5, 1982, S. 154). Bei Mussafia habilitierten sich: Wendelin Foerster, Wolfram Zingerle, Antonio Ive, Matthias Friedwagner und Jan Urban Jarník.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Italienische Sprachlehre in Regeln und Beispielen, Wien 1860, 32. Auflage 1925, dann u. d. T. Der neue Mussafia, Wien 1935, 11. Auflage 1962, dann u. d. T. Der neueste Mussafia, Wien 1981, 15. Auflage 1999
  • Scritti di filologia e linguistica, hrsg. von Antonio Daniele e Lorenzo Renzi, Padua 1983

Literatur[Bearbeiten]

  • Constantin von Wurzbach: Mussafia, Adolph. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 19, Verlag L. C. Zamarski, Wien 1868, S. 475–477.
  • Bausteine zur romanischen Philologie. Festschrift für Adolf Mussafia Wien 1905
  • Kurt Weihs, Geschichte der Lehrkanzeln und des Seminars für romanische Philologie der Universität Wien, Wien 1950 (Dissertation Wien 1950, maschinenschriftlich)
  • Lorenzo Renzi: Adolfo Mussafia a sessant’anni dalla morte, in: Atti dell’stituto Veneto di scienze, lettere ed arti. Classe di scienze morali e lettere 123, 1964/65, S. 369–403
  • Elise Richter: Adolf Mussafia. Zur 25. Wiederkehr seines Todestages, in: Elise Richter, Kleinere Schriften zur allgemeinen und romanischen Sprachwissenschaft, hrsg. von Yakov Malkiel, Innsbruck 1977, S. 447–471
  • Erika KanduthMussafia Adolf, Romanist. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 7. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1978, ISBN 3-7001-0187-2, S. 3 f. (Direktlinks auf S. 3, S. 4).
  • Adolfo Mussafia, Scritti di filologia e linguistica, hrsg. von Antonio Daniele e Lorenzo Renzi, Padua 1983 (mit Würdigung, Bild und Bibliographien durch die Herausgeber)
  • Walter N. Mair: Romanistik in Österreich, in: Karl Acham (Hrsg.): Geschichte der österreichischen Humanwissenschaften, Wien 2003, S. 257–292

Weblinks[Bearbeiten]