Ahl al-bait

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Ahl al-bait (arabisch ‏أهل البيت‎ ‚Leute des Hauses‘) ist ein Begriff, mit dem in vor- und frühislamischer Zeit die herrschende Familie eines arabischen Stammes oder Gemeinwesens bezeichnet wurde. In frühislamischer Zeit wurde dieser Begriff zum Beispiel für die Familie der Umaiyaden verwendet.[1] In späterer Zeit bezogen auch die Abbasiden den Begriff auf sich.[2] Heute wird er fast ausschließlich für die Familie bzw. die Nachkommen des Propheten Mohammed verwendet, wobei die Grenze dieses Personenkreises je nach Lehrrichtung und Konfession unterschiedlich weit gezogen wird.

Verwendung des Begriffs im Koran[Bearbeiten]

Der Begriff Ahl al-bait kommt im Koran zweimal vor. An der einen Stelle (Sure 9:73) bezeichnet er die Angehörigen der Familie Abrahams. Grundlage für die Auffassung, dass mit den Ahl al-bait die Familie des Propheten gemeint ist, ist Sure 33:33, wo es heißt. "Gott möchte ja die Unreinheit von euch nehmen, ihr 'Leute des Hauses' und euch ganz und gar reinigen" (Übersetzung Hartmut Bobzin). Wer genau genau zu diesem Personenkreis gezählt wird, wurde sehr unterschiedlich beurteilt.

Sunnitische Interpretationen[Bearbeiten]

Für die Sunniten zählen heute zumindest sämtliche Gattinnen des Propheten, seine Tochter Fatima, deren Mann Ali ibn Abi Talib sowie die Söhne aus dieser Verbindung, Hasan und Husain, zu den Ahl al-bait, doch wurde die Zugehörigkeitsgrenze auch schon wesentlich großzügiger gezogen.

Schiitische und Alevitische Interpretationen[Bearbeiten]

Bei den Schiiten und Aleviten, für die die Prophetenfamilie (vor allem wegen des Imamats) eine herausragende Rolle spielt, ist der Personenkreis hingegen eher eingeschränkt. Die Zwölfer-Schiiten rechnen neben Mohammed nur Fatima, Ali, Hasan und Husain – also die Ahl al-Kisa (nach einer bekannten Überlieferung, dem Hadith al-Kisa) – sowie deren direkte Nachkommenschaft zu den Ahl al-bait. Nach ihrem Glauben handelt es sich hierbei im Kern um die „Vierzehn Unfehlbaren“. Die „Liebe zu den Ahl al-bait“ (mawaddat-i ahl-i bait) ist nach Auffassung von Ayatollah ʿAbd al-Husain Dastghaib (gest. 1981) eine der wichtigsten von Gott auferlegten Pflichten (farāʾiż-i ilāhīya).[3]

Die zaiditischen Schiiten verwenden den Begriff Ahl al-bait für ihre Imame aus der Nachkommenschaft Mohammeds.[4] Sowohl bei ihnen als auch bei den Muʿtaziliten gilt der Konsensus der Ahl al-bait als rechtskräftiges Argument.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • I. Goldziher, C. van Arendonk, A.S. Tritton: Art. „Ahl al-Bayt“, in: The Encyclopaedia of Islam. New Edition, Bd. I, S. 257b-258b.
  • Moshe Sharon: „Ahl al-bayt - People of the House“, in: Jerusalem Studies in Arabic and Islam 8 (1986) 169-184.
  • Moshe Sharon: „The Umayyads as ahl al-bayt“, in: Jerusalem Studies in Arabic and Islam 14 (1991) 115-152.
  • Mary Elaine Hegland: Art. „Ahl al-Bayt“, in: John L. Esposito (ed.): The Oxford Encyclopedia of the Islamic World. 6 Bde. Oxford 2009. Bd. I, S. 74a-76b.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Sharon: "The Umayyads as ahl al-bayt". 1991.
  2. Vgl. Goldziher, van Arendonk, Tritton: Art. "Ahl al-Bayt". S. 258a.
  3. Vgl. ʿAbd al-Ḥusain Dastġaib: Zindagānī Fāṭima Zahrā. Kānūn-i tarbijat, Šīrāz, 1982. S. 39.
  4. Vgl. Bernard Weiss: Studies in Islamic Legal Theory. Leiden 2002. S. 344.
  5. Vgl. Devin Stewart: Islamic Legal Orthodoxy. Twelver Shiite Responses to the Sunni Legal System. Salt Lake City 1998.