Ajanta

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Ajanta-Tal von oben
Höhle 1 (ca. 40 Meter lang), Vihara oder (Felsen-)Kloster
Höhle 26, eine Chaitya-Halle

Die Ajanta-Höhlen liegen in der Nähe der Stadt Ajanta (Marathi अजिंठा, Ajiṇṭhā), im Nordosten des indischen Bundesstaates Maharashtra, ca. 100 km nördlich der Stadt Aurangabad.

In einem steil durch den Fluss Waghora in den Fels eingeschnittenen, U-förmigen Tal findet man zahlreiche in den Fels getriebene, große Höhlentempel. In einer Höhle kann man sehr gut erhaltene Wandmalereien mit Szenen aus dem Leben Buddhas besichtigen. Die gesamte Anlage ist im Dezember 1983 zum Weltkulturerbe erklärt worden.

Geschichte[Bearbeiten]

Vom 2. Jahrhundert vor bis zum Ende des 5. Jahrhunderts nach der Zeitenwende war das Tal von Buddhisten bewohnt. Während der Vakataka-Dynastie im 5. Jahrhundert wurden die meisten Höhlen gebaut, wenngleich die Vertreter des Vakataka als Anhänger des Brahmanismus selbst nicht Hand anlegten. Die Baumeister trieben in den Fels nach offizieller Zählung des Archaeological Survey of India 29 große Höhlen, die bis zu 30 Meter breit, 15 Meter tief und vier Meter hoch sind. Die Bauphasen und Meißelzeiten sollen etwa 30 Jahre pro Höhle ausgemacht haben. Im 5. Jahrhundert erreichte eine Welle der Feindlichkeiten gegen Buddhisten in ganz Indien dieses abgeschiedene Tal. Die Buddhisten wurden vertrieben. Die Höhlen gerieten in Vergessenheit und wurden im Laufe der Zeit vom Verwitterungsschutt der darüberliegenden Felswände verdeckt.

Im April 1819 passierten Angehörige der britischen Madras-Armee das Ajanta-Ghat. Während einer Tigerjagd ergründete der britische Kavallerieoffizier John Smith die kaum zugängliche Schlucht und entdeckte die seit Jahrhunderten verwaisten Höhlentempel (in Höhle 10 hinterließ er eine kurze Inschrift). Weitere Höhlen wurden nach und nach freigelegt.[1]

Kulturgeschichtliche Bedeutung[Bearbeiten]

Liegender Buddha
Ajanta-Höhlen: Detail

Neben der erstaunlichen Leistung der Aushöhlung der Felsen ist auch die künstlerische Ausstattung einzelner Höhlen einzigartig. Der Zutritt zur Höhle besteht in der Regel aus nur einem schmalen Spalt oder einer Tür. Die Räume sind meist breiter als tief. Bei Betreten der Höhlen erblickt man eine gegenüberliegenden Nische mit einer aus dem Fels gehauenen Buddhafigur.

Die bedeutendste Höhle wurde mit Wandputz versehen, auf dem sehr prächtig Szenen aus dem Leben Buddhas dargestellt sind. Dabei beherrschte man schon die Trompe-l'oeil-Malerei in früher Zeit so gut, dass dem Beschauer ein gemalter Balkon ständig entgegenzuragen scheint. Die Szenen sind mit einer erstaunlichen Detailtiefe dargestellt. Diese Wandmalereien sind heute teilweise durch Plexiglasabdeckungen geschützt, da die Bildnisse frühzeitig durch Kritzeleien beschädigt wurden.

In einer anderen Höhle huldigen zwei Krieger dem Buddha, der eine in chinesischer und der andere in römischer Soldatenkleidung. Es muss also kultureller Austausch zwischen Mittelindien und dem Mittelmeerraum um die Zeitenwende bestanden haben. Da das römische Reich in seiner Maximalausdehnung auch das Gebiet des heutigen Irak (Mesopotamien) umfasste, reichte möglicherweise eine Verbindung dorthin für die Kenntnis römischer Uniformen. Eine weitere Ajanta-Höhle enthält einen Stupa.

Die Wände der Zugänge zu allen Höhlen sind wiederholt mit dem gleichen Motiv geschmückt, da ein Bestreben der buddhistischen Kunst darin besteht, eine möglichst perfekte Kopie einer Vorlage zu erstellen. Je höher die Kopierqualität, umso höherwertig das neue Kunstwerk.

Tourismus[Bearbeiten]

Das Tal bei Monsun

Trotz der Abgeschiedenheit der Anlage bedroht der Tourismus die teilweise etwa 2100 Jahre alten Malereien zunehmend; in einigen Höhlen wurden daher feste Barrieren installiert, um die Malereien vor häufig auftretender, mutwilliger Zerstörung zu schützen. Zeitweise erhöhte Werte der Luftfeuchtigkeit, verursacht durch große Mengen von Besuchern in den Tempeln haben die Deckenmalereien in einigen Höhlen bereits irreversibel beschädigt. Das Fotografieren mit Blitzlicht ist in den wenig beleuchteten Höhlen mittlerweile Untersagt, um die Malereien vor weiterem Verfall zu schützen. Das Fotografieren mit Stativ ist ebenfalls untersagt.

Die nächste Stadt mit einer Bahnstation, Jalgaon, ist rund 57 Kilometer entfernt. Von dort verkehren Busse und Taxis. Häufig werden die Höhlen von Ajanta und Ellora auf einer Rundfahrt besucht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Simon P. M. Mackenzie: Adschanta: die geheiligten Höhlen Buddhas. Die Welt der Religionen. Herder, Freiburg i.Br./Basel/Wien 1983
  • Amina Okada, Jean-Louis Nou: Ajanta. Frühbuddhistische Höhlentempel. Metamorphosis, München 1993
  • Herbert und Ingeborg Plaeschke: Indische Felsentempel und Höhlenklöster. Köhler & Amelang, Leipzig 1982
  • Bernd Rosenheim: Die Welt des Buddha. Frühe Stätten buddhistischer Kunst in Indien. Philipp von Zabern, Mainz 2006
  • Benjamin Rowland: Malereien aus indischen Felsentempeln (Ajanta). Piper, München 1963 (Unesco Taschenbücher der Kunst).
  • Dietrich Seckel: Kunst des Buddhismus. Werden, Wanderung und Wandlung. Holle, Baden-Baden 1962
  • Walter M. Spink: Ajanta: History and Development. Reihe: Bertold Spuler (Hrsg.): Handbook of Oriental Studies. Section 2: South Asia. Volume 18/1–5. Brill, Leiden 2005–2008

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herbert und Ingeborg Plaeschke: Indische Felsentempel und Höhlenklöster. Ajanta und Ellura. Wien, Köln, Graz: Böhlau 1983. S.11 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ajanta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

20.53361111111175.749722222222Koordinaten: 20° 32′ 1″ N, 75° 44′ 59″ O