Aliso

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Aliso war ein römisches Kastell in Magna Germania in der Zeit der Varusschlacht (ca. 9 n. Chr.). Seine Lage ist bislang immer noch unbekannt.

Römische Geschichtsschreibung[Bearbeiten]

Für die Zeit der Varusschlacht, bei der die Germanen die Römer vernichtend geschlagen hatten, erwähnen die römischen Geschichtsschreiber nur ein Militärlager namentlich. Aliso müsste östlich des Rheins und nördlich des Mains im noch nicht von den Römern vollends beherrschten germanischen Gebiet gelegen haben.

Mangels eindeutiger archäologischer Beweise wird unter den Experten eine Diskussion über den wahren Standort des Kastells geführt. In den meisten Fällen werden die aus der Literatur bekannten Ortsnamen mit lokal vorhandenen in Beziehung gesetzt und daraus der Anspruch abgeleitet, dass an dieser Stelle Aliso gelegen habe.

Es gibt eine Reihe von Textstellen bei den römischen Historikern Tacitus, Cassius Dio, Velleius Paterculus und Frontinus, die den Namen Aliso bzw. Elison erwähnen. Im Zusammenhang mit dem Elison fällt bei Cassius Dio als dem genauesten Schilderer der Varusschlacht der Name Lupias als die Bezeichnung für einen Fluss, in den ein weiterer Fluss eben mit dem Namen Elison mündet. Ptolemäus nennt zudem in seiner Geographie ein Alisum mit seinen geografischen Koordinaten.

Einzelne Textstellen[Bearbeiten]

In folgenden Textstellen wird Aliso direkt erwähnt:

  • Cassius Dio 54, 33, 4
  • Velleius Paterculus 2, 120, 4
  • Tacitus, annales 2, 7

Cassius Dio berichtet über die Gründung einer Festung (φρύριόν τί σφισιν) im Jahr 11 v. Chr. nach der Schlacht von Arbalo (auf dem Rückweg von der Weser):

So wurden sie besiegt und waren dann nicht mehr so kühn, belästigten aber weiterhin geringfügig seine Truppen aus der Entfernung, ohne näher zu kommen. Drusus fühlte sich nun seinerseits überlegen und legte dort, wo der Lupias (Λουπίας) und der Elison (᾿Ελίσων) sich vermischen, eine Festung an und eine weitere im Land der Chatten beim Rheine selbst.

Velleius Paterculus berichtete über das Lager (castra) Aliso nach der Varusschlacht:

„Anerkennung verdient auch die Tüchtigkeit des Lagerkommandanten L. Caedicius und derer, die, mit ihm zusammen in Aliso eingeschlossen, durch riesige Massen von Germanen belagert wurden: unter Überwindung aller Schwierigkeiten, die der Mangel an Lebensmitteln unerträglich und der Ansturm der Feinde unüberwindlich machte, fassten sie weder übereilte Entschlüsse noch begnügten sie sich mit tatenloser Vorsicht: sie warteten den geeigneten Moment ab, dann bahnten sie sich mit dem Schwerte die Rückkehr zu den ihrigen.“

Tacitus schrieb im Hinblick auf das Jahr 16 über ein Lippe-Kastell und das Kastell Aliso (Tacitus II 7):

„Während nun die Schiffe zusammengezogen wurden, ließ der Caesar den Legaten Silius mit einer leichtbewaffneten Truppe einen Einfall in das Chattenland machen; er selbst führte auf die Nachricht, ein an der Lippe angelegtes Kastell werde belagert, sechs Legionen dorthin. Doch konnte weder Silius wegen plötzlicher Regengüsse etwas anderes ausrichten, als ein wenig Beute zu machen und des Chattenfürsten Arpus Frau und Tochter zu entführen, noch gaben dem Caesar die Belagerer Gelegenheit zum Kampf, da sie auf die Kunde von seinem Anrücken auseinandergelaufen waren. Sie hatten jedoch den kürzlich für die Legionen des Varus errichteten Grabhügel und einen alten, für Drusus erbauten Altar zerstört. Germanicus stellte den Altar wieder her und führte zu Ehren des Vaters persönlich an der Spitze der Legionen eine feierliche Parade an; den Grabhügel zu erneuern schien nicht zweckmäßig. Schließlich wurde das ganze Gebiet zwischen dem Kastell Aliso und dem Rhein durch neue Heerstraßen und Dammwege erschlossen und gesichert.“

Folgende Textstellen werden außerdem mit „Aliso“ wenigstens in Verbindung gebracht:

  • Cassius Dio 56, 22, 2a–3
  • Frontinus 2, 9, 4; 3, 15, 4; 4, 7, 8
  • Ptolemaios 2, 11, 14

Cassius Dio berichtete über die Zeit unmittelbar nach der Varusschlacht:

„Und die Barbaren erstürmten sämtliche Kastelle außer einem; dieses aber hielt sie so lange auf, dass sie weder den Rhein überschritten noch nach Gallien einfielen. Vielmehr konnten sie nicht einmal dieses in ihre Gewalt bringen, da sie sich nicht auf die Belagerung verstanden und zudem die Römer zahlreiche Bogenschützen hatten, von denen sie unter sehr starken Verlusten zurückgedrängt wurden. Als sie dann die Nachricht erhielten, dass die Römer am Rhein Wache hielten und dass Tiberius mit einem starken Heer im Anmarsch sei, ließen die meisten vom Kastell ab; die Zurückgebliebenen entfernten sich etwas von ihm, um nicht durch plötzliche Ausfälle der Besatzung Schaden zu erleiden, und behielten die Anmarschwege scharf im Auge, in der Hoffnung, durch Lebensmittelknappheit die Übergabe zu erzwingen. Die römische Besatzung aber harrte aus, solange sie genügend Proviant hatte, und hoffte auf Entsatz. Als ihnen aber niemand zu Hilfe kam und der Hunger sie quälte, warteten sie eine stürmische Nacht ab und zogen ab. Es waren wenige Soldaten, viele ohne Waffen. Und...... sie kamen auch an deren erstem und zweiten Wachtposten vorbei; als sie sich aber dem dritten näherten, wurden sie bemerkt, da die Frauen und Kinder aus Erschöpfung und Angst und wegen der Dunkelheit und Kälte andauernd die Männer zurückriefen. Und sie wären alle zugrunde gegangen oder auch in Gefangenschaft geraten, wenn sich die Barbaren nicht zu sehr mit dem Erraffen der Beute aufgehalten hätten. Denn so gewannen die Stärksten einen großen Vorsprung, und indem die Trompeter, die bei ihnen waren, das bei schnellem Marsch übliche Signal bliesen, erweckten sie beim Feinde den Glauben, dass sie von Asprenas geschickt seien. Daher ließen diese von der Verfolgung ab, und als Asprenas von dem Vorfall hörte, kam er ihnen tatsächlich zu Hilfe.“

Sextus Iulius Frontinus schrieb:

„Der Germanenherzog Arminius ließ in ähnlicher Weise (wie Lucius Sulla) die Köpfe derer, die er getötet hatte, aufspießen und an den Wall des feindlichen Lagers herantragen.
Als die Überlebenden nach der Niederlage des Varus belagert wurden, weil es schien, sie hätten Mangel an Getreide, führten sie einige Gefangene eine ganze Nacht hindurch in den Magazinen umher, hieben ihnen dann die Hände ab und entließen sie. Diese brachten die Belagerer dazu, ihre Hoffnung auf eine schnelle Eroberung nicht auf eine Hungersnot der Römer zu bauen, da jenen ein gewaltiger Vorrat an Nahrungsmitteln zur Verfügung stände.
Als der Primipilar Caedicus, der in Germanien nach der Niederlage des Varus die Führung der eingeschlossenen Römer übernommen hatte, befürchtete, die Barbaren würden das Holz, das sie gesammelt hatten, an den Wall schaffen und sein Lager anzünden, tat er, als hätte er Mangel an Holz, und sandte überallhin Leute aus, um es heimlich zu entwenden, und erreichte dadurch, dass die Germanen sämtliche Baumstämme wegschafften.“

Wenn auch die Glaubwürdigkeit einiger Details umstritten sein mag, ist Aliso von den Römern offenbar erfolgreich verteidigt worden. Die Berichte der antiken Historiker haben bis in die heutige Zeit eine Suche nach diesem Kastell in Gang gesetzt, die bislang trotz aller geschichtswissenschaftlichen und archäologischen Bemühungen zu keinem Ergebnis geführt hat.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Wikisource-logo.svg Aliso in Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft.