Alpen-Leinkraut

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alpen-Leinkraut
Alpen-Leinkraut (Linaria alpina)

Alpen-Leinkraut (Linaria alpina)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Gattung: Leinkräuter (Linaria)
Art: Alpen-Leinkraut
Wissenschaftlicher Name
Linaria alpina
(L.) Mill.

Das Alpen-Leinkraut (Linaria alpina) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Leinkräuter (Linaria). In Kärnten wird diese Art auch Stanklitter (Steinkletterer) genannt, in Tirol und Salzburg wird sie auch als Grießspeik (Grieß = Geröll, Speik = duftende Pflanze) bezeichnet.

Der Name "Leinkraut" weist auf die Ähnlichkeit der Blätter mit denen des Gemeinen Lein (Linum usitatissimum) hin.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Alpen-Leinkraut wächst als kahle, ein-, zweijährige oder ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 3 bis 15 Zentimetern. Die zahlreichen Stängel sind niederliegend oder aufsteigend und beblättert. Die zu dritt oder zu viert quirlständig angeordneten Laubblätter sind fleischig, blaugrün bereift, schmal lanzettlich und 5 bis 15 Millimeter lang.

In einer endständigen, kurzen Traube stehen drei bis zehn Blüten zusammen, mitunter finden sich dort bis zu 15 Blüten.[1] Die Blütenstiele sind 2 bis 5 Millimeter lang. Die oft intensiv violett gefärbte Krone wird bis zu 25 Millimeter lang. Sie hat meist einen orangegelben Unterlippenwulst. Bei der Form concolor ist der Unterlippenwulst statt orangegelb blauviolett bzw. weißlich gefärbt.[2] Diese „Abart“ ohne orangefarbenen Gaumenfleck kommt in Tirol, Vorarlberg und in Liechtenstein häufig vor. Bei der Form rosea ist der sonst blauviolett gefärbte Teil der Blüte rosa gefärbt.[2] Die Krone hat einen zylindrischen bis abgeflachten Sporn, der zwischen 8 und 10 Millimeter lang wird und somit fast so lang wie die übrige Blüte ist.

Die Blütezeit reicht von Juni bis September.

Vorkommen[Bearbeiten]

Alpen-Leinkraut am Standort in den Schweizer Nordalpen

Das Alpen-Leinkraut ist in den Gebirgen Süd- und Mitteleuropas verbreitet. Im Einzelnen ist es von Gebirgen der Iberischen Halbinsel über die Alpen und des Jura bis in den Apennin, in westliche Berggebiete der Balkanhalbinsel und die Hohe Tatra verbreitet. Teils wird es auch in Tallagen geschwemmt und siedelt sich dann an Kiesbänken an. So dringt es als Alpenschwemmling zum Beispiel im Rheingeschiebe bis an den Bodensee vor.

Als Standort werden Schotter, Schutt und Geröll, vorzugsweise auf Kalk, gelegentlich aber auch auf sauren Böden bevorzugt. Es handelt sich bei dieser Pflanzenart um eine typische Schuttpflanze der Steinschutt- und Geröllfluren (Klassen-Charakterart der Thlaspietea rotundifolii), die nirgends in Rasenbestände eindringt. Es kommt von Tallagen bis in Lagen von 4200 m Höhe über dem Meeresspiegel vor.

Ökologie[Bearbeiten]

Wuchsform[Bearbeiten]

Mit den zahlreichen unbewurzelten, niederliegenden oder aufsteigenden, beblätterten Stängeln "überkriecht" die mit einem unterirdischen Rhizom tief verankerte Pflanze feinen Gesteinsschutt,[1] sie wird daher zu den "Schutt-Überkriechern" gerechnet.

Blütenökologie[Bearbeiten]

Die Bestäubung kann nur durch schwere Insekten erfolgen, welche die nötige Kraft haben, die maskierten Blüten zu öffnen. Der orangegelbe Unterlippenwulst, der einen starken Farbkontrast bildet, kann als Saftmal gedeutet werden. Da sich der Nektar im langen Sporn befindet, brauchen diese auch noch einen langen Rüssel, so dass nur langrüsselige Hummeln, insbesondere Erdhummeln, als Bestäuber in Frage kommen.

Systematik[Bearbeiten]

Alpen-Leinkraut mit Früchten, Pyrenäen, Spanien.

Das Alpen-Leinkraut wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum unter dem Basionym Antirrhinum alpinum L. erstveröffentlicht.[3] Philip Miller stellte sie 1768 in die Gattung Linaria.[4]

Von Linaria alpina (L.) Mill. werden zwei Unterarten unterschieden:[5]

  • Gewöhnliches Alpen-Leinkraut (Linaria alpina (L.) Mill. subsp. alpina): Die niederliegende Pflanze wird 3 bis 10 Zentimeter hoch. Ihre Kronzipfel sind verkehrt-eilanzettlich, die Kronoberlippe ist ein- bis zweimal solange wie breit und der Sporn unterseits abgeflacht.
  • Aufrechtes Alpen-Leinkraut (Linaria alpina subsp. petraea (Jord.) Rouy): Die bogig aufsteigende Pflanze wird 10 bis 20 Zentimeter hoch. Ihre Kronzipfel sind halblanzettlich, die Zipfel der Kronoberlippe zwei bis dreimal so lang wie breit und der Sporn zylindrisch.

Trivialnamen[Bearbeiten]

Für das Alpen-Leinkraut sind oder waren, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen Unser Frauen Haar (Hundstein in Saalfelden), Blau Johannesblüh (Fusch im Pinzgau), Kalbernase (Graubünden) und Goldenes Verschreikraut (Werfen, Pongau, Lungau) gebräuchlich.[6]

Verwendung[Bearbeiten]

Die Art wird mitunter in Steingärten verwendet.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  •  Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer, Manfred A. Fischer (Hrsg.): Exkursionsflora von Österreich. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
  •  Karlheinz Senghas, Siegmund Seybold: Flora von Deutschland und angrenzender Länder. Ein Buch zum Bestimmen der wildwachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen. Begründet von Otto Schmeil, Jost Fitschen. 92. durchgesehene Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2003, ISBN 3-494-01328-4.
  •  Elfrune Wendelberger: Alpenpflanzen – Blumen, Gräser, Zwergsträucher (= Spektrum der Natur). Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main/Olten/Wien 1984, ISBN 3-7632-2975-2.
  •  Manuel Werner: Welche Alpenblume ist das?. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12576-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Manuel Werner: Welche Alpenblume ist das? Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12576-2, S. 84.
  2. a b Edith R. Saunders: On the relation of Linaria alpina type to its varieties concolor and rosea. In: New Phytologist. Band 11, Nr. 5-6, 1912, S. 167–169, DOI:10.1111/j.1469-8137.1912.tb05633.x.
  3. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 615 (Digitalisat).
  4. Philip Miller: The Gardeners Dictionary. 8. Auflage. John & Francis Rivington, London 1768 (online).
  5. Karol Marhold: Scrophulariaceae. Linaria alpina. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011.
  6. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 34 (online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alpen-Leinkraut (Linaria alpina) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien