Alpen-Leinkraut

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Alpen-Leinkraut
Alpen-Leinkraut (Linaria alpina)

Alpen-Leinkraut (Linaria alpina)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Gattung: Leinkräuter (Linaria)
Art: Alpen-Leinkraut
Wissenschaftlicher Name
Linaria alpina
(L.) Mill.

Das Alpen-Leinkraut (Linaria alpina) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Leinkräuter (Linaria). In Kärnten wird diese Art auch Stanklitter (Steinkletterer) genannt, in Tirol und Salzburg wird sie auch als Grießspeik (Grieß = Geröll, Speik = duftende Pflanze) bezeichnet. Der Name "Leinkraut" weist auf die Ähnlichkeit der Blätter mit denen des Gemeinen Lein (Linum usitatissimum) hin.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Alpen-Leinkraut wächst als kahle, ein-, zweijährige oder ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 3 bis 15 Zentimetern. Mit den zahlreichen niederliegenden oder aufsteigenden, beblätterten Stängeln "überkriecht" die tief verankerte Pflanze feinen Gesteinsschutt[1], sie wird daher zu den "Schutt-Überkriechern" gerechnet.

Die zu dritt oder zu viert quirlständig angeordneten Laubblätter sind fleischig, blaugrün bereift, schmal lanzettlich und 5 bis 15 Millimeter lang.

In einem endständigen, kurzen traubigen Blütenstand stehen drei bis zehn Blüten zusammen, mitunter finden sich dort bis zu 15 Blüten.[1] Die Blütenstiele sind 2 bis 5 Millimeter lang. Die oft intensiv violett gefärbte Krone wird bis zu 25 Millimeter lang. Sie hat meist einen orangegelben Unterlippenwulst, der einen starken Farbkontrast bildet. Dies kann als Saftmal gedeutet werden. Bei der Form concolor ist der Unterlippenwulst statt orangegelb blauviolett bzw. weißlich gefärbt.[2] Diese „Abart“ ohne orangen Gaumenfleck kommt in Tirol, Vorarlberg und in Liechtenstein häufig vor. Bei der Form rosea ist der sonst blauviolett gefärbte Teil der Blüte rosa gefärbt.[3] Die Krone hat einen mit Nektar gefüllten, zylindrischen bis abgeflachten Sporn, der zwischen acht und zehn Millimeter lang wird und somit fast so lang wie die übrige Blüte ist.

Die Blütezeit reicht von Juni bis September.

Systematik[Bearbeiten]

Alpen-Leinkraut mit Früchten, Pyrenäen, Spanien.

Als Synonym findet sich der wissenschaftliche Name Antirrhinum alpinum.

Linaria alpina zerfällt in mehrere Unterarten:

  • Gewöhnliches Alpen-Leinkraut (Linaria alpina subsp. alpina): Die niederliegende Pflanze wird drei bis zehn Zentimeter hoch. Ihre Kronzipfel sind verkehrt-eilanzettlich, die Kronoberlippe ist ein- bis zweimal solange wie breit und der Sporn unterseits abgeflacht.
  • Aufrechtes Alpen-Leinkraut (Linaria alpina subsp. petraea): Die bogig aufsteigende Pflanze wird zehn bis 20 Zentimeter hoch. Ihre Kronzipfel sind halblanzettlich, die Zipfel der Kronoberlippe zwei bis dreimal so lang wie breit und der Sporn zylindrisch.
  • Linaria alpina subsp. filicaulis ist ein Endemit des Kantabrischen Gebirges.

Vorkommen[Bearbeiten]

Alpen-Leinkraut am Standort in den Schweizer Nordalpen

Das Alpen-Leinkraut ist in den Gebirgen Süd- und Mitteleuropas zu finden. Teils wird es auch in Tallagen geschwemmt und siedelt sich dann an Kiesbänken an. So dringt es als Alpenschwemmling zum Beispiel im Rheingeschiebe bis an den Bodensee vor. Im Einzelnen ist es von Gebirgen der Iberischen Halbinsel über die Alpen und des Jura bis in den Apennin, in westliche Berggebiete der Balkanhalbinsel und die Hohe Tatra verbreitet. Es kommt von Tallagen bis in Lagen von 4200 m Höhe über dem Meeresspiegel vor.

Als Standort werden Schotter, Schutt und Geröll, vorzugsweise auf Kalk, gelegentlich aber auch auf sauren Böden bevorzugt.

Ökologie[Bearbeiten]

Es handelt sich bei dieser Pflanzenart um eine typische Schuttpflanze der Steinschutt- und Geröllfluren (Klassen-Charakterart des Thlaspietea rotundifolii), die nirgends in Rasenbestände eindringt. Von einem unterirdischen Rhizom gehen bis zu 60 unbewurzelte Ausläufer aus, die in der Regel dem Feinschutt lose aufliegen und deren Enden bogig aufsteigen.

Blütenökologie[Bearbeiten]

Die Bestäubung kann nur durch schwere Insekten erfolgen, welche die nötige Kraft haben, die maskierten Blüten zu öffnen. Da sich der Nektar im langen Sporn befindet, brauchen diese auch noch einen langen Rüssel, so dass nur langrüsslige Hummeln, insbesondere Erdhummeln, als Bestäuber in Frage kommen.

Verwendung[Bearbeiten]

Die Art wird mitunter in Steingärten verwendet.

Trivialnamen[Bearbeiten]

Für das Alpen-Leinkraut sind oder waren, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen Unser Frauen Haar (Hundstein in Saalfelden), Blau Johannesblüh (Fusch im Pinzgau), Kalbernase (Graubünden) und Goldenes Verschreikraut (Werfen, Pongau, Lungau) gebräuchlich.[4]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alpen-Leinkraut (Linaria alpina) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c Manuel Werner: Welche Alpenblume ist das?. Kosmos-Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12576-2, S. 84
  2. Edith R. Saunders: On the relation of Linaria alpina type to its varieties concolor and rosea. - New Phytologist. Volume 11, Issue 5-6, S. 167 ff.
  3. Edith R. Saunders: On the relation of Linaria alpina type to its varieties concolor and rosea. - New Phytologist. Volume 11, Issue 5-6, S. 168.
  4. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 34, online.