Werfen

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Dieser Artikel behandelt die österreichische Gemeinde, den Ort ebenda siehe Werfen Markt, andere Bedeutungen siehe auch Werfen (Begriffsklärung).
Werfen
Wappen von Werfen
Werfen (Österreich)
Werfen
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Salzburg
Politischer Bezirk: St. Johann im Pongau
Kfz-Kennzeichen: JO
Hauptort: Werfen (Markt)
Fläche: 153,26 km²
Koordinaten: 47° 29′ N, 13° 11′ O47.47513.188888888889548Koordinaten: 47° 28′ 30″ N, 13° 11′ 20″ O
Höhe: 548 m ü. A.
Einwohner: 2.963 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 19 Einw. pro km²
Postleitzahl: 5450
Vorwahl: 06468
Gemeindekennziffer: 5 04 24
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Markt 24
5450 Werfen
Website: www.gemeindewerfen.at
Politik
Bürgermeister: Hannes Weitgasser (ÖVP)
Gemeinderat: (2014)
(19 Mitglieder)
ÖVP 9, SPÖ 7, FPÖ 3
Lage der Marktgemeinde Werfen im Bezirk St. Johann im Pongau
Bad Gastein Altenmarkt im Pongau Bad Hofgastein Bischofshofen Dorfgastein Eben im Pongau Filzmoos Flachau (Salzburg) Forstau Goldegg im Pongau Großarl Hüttau Hüttschlag Kleinarl Mühlbach am Hochkönig Pfarrwerfen Radstadt St. Johann im Pongau St. Martin am Tennengebirge Sankt Veit im Pongau Schwarzach im Pongau Untertauern Wagrain (Pongau) Werfen Werfenweng SalzburgLage der Gemeinde Werfen im Bezirk St. Johann im Pongau (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Markt Werfen von der Burg Hohenwerfen
Markt Werfen von der Burg Hohenwerfen
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Die Marktgemeinde Werfen mit 2963 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) liegt im Pongau, etwa 40 km südlich von Salzburg in Österreich.

Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist die größte Eishöhle der Welt, die Eisriesenwelt.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Salzachpongau zwischen Tennen-, Hagengebirge und Hochkönig im Salzachtal.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Schönau am Königssee (Lkr. BGL, BY, DE) Golling an der Salzach (Bez. Hallein/Tennengau) Scheffau am Tennengebirge (Bez. Hallein/Tennengau)
Nachbargemeinden Pfarrwerfen
Maria Alm am Steinernen Meer

(beide Bez. Zell am See/Pinzgau)

Mühlbach am Hochkönig Bischofshofen
Scheffau grenzt nur in einem Punkt an, in der Ofenrinne beim Hochtor
∗∗ Dienten grenzt ebenfalls nur in einem Punkt an, am Kummetstein beim Hochkönig

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst fünf Katastralgemeinde und sechs Ortschaften (wobei zu drei Ortschaften abweichende amtliche Angaben bestehen; in Klammern Einwohnerzahl der Ortschaften Stand 31. Oktober 2011):[1]

  • Werfen (KG Werfen Markt, Hauptort) – links an der Salzach (1493)
  • Imlau – südlich salzachaufwärts und links den Imlaubach hinein, gehört zur KG Reitsam (183)
  • Reitsam (auch KG) – südlich Imlau, bis an den Hochkönig hinauf und in das Blühnbachtal (184)
  • Scharten (auch KG) – links über Werfen bis in das Blühnbachtal (80, oder mitsamt Sulzau 178)[1]
  • Sulzau (auch KG) – die jeweils linke Seite des Salzach- und des Blühnbachtals am Hagengebirge (978 bzw. 98)[1]
  • Wimm (KG) – rechtsufrig Salzach-abwärts am Tennengebirge bis zum Beginn des Pass Lueg (104)[1]

Der Ort Tenneck – links der Salzach nördlich Werfen – wird zur Ortschaft Sulzau oder als eigene Ortschaft Wimm gerechnet.[1]

Zählsprengel sind Werfen, Tenneck, und Werfen-Umgebung für den Rest der Gemeinde.

Blick ins Salzachtal nach Norden, von Bischofshofen bis Hallein. Markt Werfen mit Festung untere Mitte

Geologie[Bearbeiten]

Nach dem Ort Werfen ist die Gesteinsformation der Werfener Schichten benannt (Typlokalität). Diese Schieferformation bildet die Basis der Kalkalpen, auf der diese nord- und südwärts vom Alpenhauptkamm abgeglitten sind. Die Werfener Schichten bauen die ganze Südabdachung des Tennengebirgs und auch den Südosten des Dachsteinstocks bis ans Fritztal auf, und ziehen sich westwärts ins Blühnbachtal wie auch südlich des Hochkönigs weiter (Werfen-St.-Martiner Schuppenzone), der Kalkstock des Hochkönigs bildet eine ausgeprägte Verwerfung der Schichten, die dadurch rund um Werfen in ihrer ganzen Vielfalt aufgeschlossen sind.

Die Werfener Schichten sind eine teils extrem witterungsanfällige Gesteinszone, die besonders Richtung Mühlbach hinein hier zu großen baulichen Problemen führt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Salzachtal ist seit alters her eine der bedeutendsten Alpentransit-Routen, und der Pass Lueg seine natürliche Schlüsselstelle. Der Name Werfen (ältester urkundlicher Nachweis etwa um 1140 Perhtoldus prefectus de Werven)[2] steht wohl zu mittelhochdeutsch werve ‚Wirbel, Strudel‘.[3] Das Wort bezeichnete ursprünglich wohl den ganzen Talraum: Um 1075 entstand hier die Pfarre St. Cyriak als Mutterpfarre des Pongau (heute Pfarrwerfen) mit dem Pfarrdorf (Dorfwerfen), dem Bauerndorf (Dorf) und dem Talraum Weng (heute Werfenweng) oberhalb, sowie die Burg (Hohenwerfen). Um diesen entstand der Marktort, Werfen ist einer der ältesten Märkte im Salzburger Land. Er wurde schon 1425 mit den Marktprivilegien ausgestattet.[4] Die weltliche Verwaltung befand ab dem 12. Jahrhundert auf (Hohen-)Werfen, während die kirchliche Verwaltung bei der Pfarrei blieb, daher hat sich der Ortsname auf mehrere Gemeinden verteilt.

Werfen war das ganze spätere Mittelalter und die Neuzeit hindurch Sitz eines salzburgischen Pfleggerichtes (dessen Bezirk wurde erst 2002 aufgelöst). Während der Bauernkriege 1525/26 wurde Werfen kampflos von den Aufständischen eingenommen. 1731/32 kam es zu einer großen Protestantenvertreibung: Auf Grund ihrer Zugehörigkeit zum protestantischen Glauben wurden 20.000 Menschen per Dekret des Fürstbischofs des Landes verwiesen (Salzburger Exulanten). König Friedrich Wilhelm I. von Preußen wies den Flüchtigen in Ostpreußen neues Land zu. Nach Auflösung des geistlichen Fürstentums Salzburg kam Werfen mit dem größten Teil des salzburgischen Gebiets 1816 zu Österreich.

Wirtschaftlich wurde der Ort im 18. und 19. Jahrhundert auch vom Eisenwerk Sulzau-Werfen (Blahau, dann Konkordiahütte)[5] stark geprägt. In den 1870ern entstand am anderen Salzachufer die Kaiserin-Elisabeth-Bahn (Salzburg-Tiroler-Bahn).

Am 25. Juli 1928 wurde nach nur einjähriger Bauzeit auf dem 1630 m hohen Rettenbachriedel zum Gedenken an die Vorfahren die Ostpreußenhütte eingeweiht.[6] Die Festung wurde 1931 durch einen Großbrand teilweise zerstört, dann wieder aufgebaut und am 6. August 1938 der NSDAP übergeben, um unter Landrat Karl Springenschmied zur Gauschulungsburg umgewandelt zu werden. 1939 wurde der Ort Konkordiahütte in Tenneck umbenannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Festung bis 1987 von der österreichischen Bundesgendarmerie als Ausbildungsstätte genützt. In den 1960ern wurde die A 10 Tauernautobahn fertiggestellt.

Heute ist Werfen ein bekannter Sommertourismusort.

Politik[Bearbeiten]

Bis Ende 2002 gehörte die Gemeinde zum Gerichtsbezirk Werfen, seit 2003 ist sie Teil des Gerichtsbezirks Sankt Johann im Pongau.

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

9
7
3
Von 19 Sitzen entfallen auf:

Sitzverteilung seit der Gemeinderatswahl 2014 (2383 Wahlberechtigte, Wahlbeteiligung 74,6 %):[7]

Bürgermeister ist Hannes Weitgasser (ÖVP). Er entschied die Bürgermeisterwahl mit 55,5 % für sich (P. Mörwald, SPÖ, 44,5 %).[7]

Wappen[Bearbeiten]

Wappen at werfen.png

Das Wappen der Gemeinde ist beschrieben:

Im geteilten Schild oben in Gold die wachsende vorwärtsgekehrte Gestalt eines Pilgers mit rotem Kleide, schwarzem Mantel und ebensolchem barettartigem Hut, in der Rechten einen Pilgerstab haltend, die Linke in die Seite gestützt, unten in Blau ein aufrechter rechtsgewendeter schwarzer Hund.[4]

Werfen hatte schon 1425 Marktprivilegien und wurde auf den Landtafeln des Erzstiftes mit einem Wappen geführt.[4] Der Pilger ist noch im 19. Jahrhundert explizit als ein Heiliger Rochus genannt, der Hund ist dessen Heiligenattribut (als solches meist ein Brot bringend).[8]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Am 1. August 2009 wurde an der Salzach bei Werfen ein weiteres Laufwasserkraftwerk der Salzburg AG mit einer jährlichen Gesamterzeugung von 76,5 Mio. kWh eröffnet. Der Bau dauerte 3 Jahre und kostete ca. 63,5 Mio. Euro.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Häuser in Werfen
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Werfen

1969 wurde hier der Münzenschatz von Werfen gefunden, etwa tausend um 1535 vergrabene Gold- und Silbermünzen der frühen Neuzeit. Sie befinden sich heute im Salzburg Museum.[10]

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden hier berühmte Filme wie Agenten sterben einsam oder Teile von The Sound of Music gedreht. Auch weniger bekannte Filme wie Kinderarzt Dr. Fröhlich mit Roy Black oder Frankensteins Tante wurden hier produziert.

Am 29. September 2006 fand in Werfen die Angelobung von über 500 Grundwehrdienern des Österreichischen Bundesheeres statt. Dies war der ET 09-06 sowie, erstmals gleichzeitig, die Angelobung von 9 Schützen der Salzburger Schützengilde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter:

  • Josef Struber (* 13. Februar 1773 in Stegenwald/Werfen; † 19. Juli 1845), Schützenhauptmann (später Major) und Gastwirt in Stegenwald; verteidigte 1809 erfolgreich den Pass Lueg gegen die französisch-bayrischen Truppen Napoleons
  • Ferdinand Sauter (* 1804 in Werfen † 1854 in Hernals b. Wien), Dichter und Sohn des erzbischöflichen Pflegers von Werfen
  • Albert Hochleitner (* 30. Januar 1893 in Blühnbach; † 8. Mai 1964 in Wien), ehem. Landeshauptmann von Salzburg
  • Cyriak Schwaighofer (* 7. April 1950 in Werfen), Politiker

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Werfen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Werfen – Reiseführer

Nachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Das Ortsverzeichnis der Statistik Austria gibt 2001 das Dorf Tenneck bei der Ortschaft 14070 Sulzau, entsprechend auch die Einwohnerzahlen der Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011 (pdf).
    Das Landesgeoinformationssystem SAGIS gibt 2014 aber die Ortschaft Wimm für die Orte Tenneck und Sulzerberg (Ortschaftspunkt nahe der Abzweigung der Blühnbachstraße von der B159). Ihre Grenzen entsprechen weitgehend dem Zählsprengel Tenneck.
    Das ursprüngliche Wimm heisst heute Landl, der Ort Wimm liegt beim Bahnhof Tenneck und hieß früher Loipfar, das alte Sulzau ist heute Obersulzau und gehört weitgehend zu Tenneck, während sich der heutige Ort Sulzau, der ursprünglich Brugg genannt wurde, nördlich gegen den Pass Lueg zu befindet.
    Die KG Sulzau umfasst die linke, die KG Wimm die rechte Salzachtalseite, letztere wird nach SAGIS komplett zur Ortschaft Scharten gerechnet.
  2. F. V. Zillner: Salzburger Geschlechterstudien. III. Die Werfener Burggrafen. In: Mitteilungen der Salzburger Gesellschaft for Landeskunde (MGSLK) 21 (1881), S. 24–79 (Fundstelle S. 36).
  3. Der Name "Werfen", gemeindewerfen.at > Wissenswertes, abgerufen 1. Mai 2014.
  4. a b c Wissenswertes: Wappen, gemeindewerfen.at, abgerufen 20. April 2014.
  5. a b Eisenwerk Sulzau-Werfen. In: Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki.
  6. alponline.com
  7. a b Gemeindeporträt Marktgemeinde Werfen – Statistik, salzburg.gv.at (pdf). abgerufen 20. April 2014.
  8.  Benedikt Pillwein (Hrsg.): Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogthums Oesterreich ob der Enns und des Herzogthums Salzburg. Mit einem Register, welches zugleich das topographische und genealogische Lexikon ist und der Kreiskarte versehen. Geographisch-historisch-statistisches Detail nach Distrikts-Kommissariaten. 1. Auflage. Fünfter Theil: Der Salzburgkreis, Joh. Christ. Quandt, Linz 1839, Pfleggericht Werfen: Markt Werfen: Das Wapen des Marktes …, S. 474  (Faks. Druckhaus Nonntal, Salzburg 1983, Google eBook). 2. Aufl. 1843 (Google eBook).
  9. Die Kirchen von Pfarrwerfen · Werfen · Werfenweng. Kirchenführer, o.n.A. Kapitel Pfarrkirche zum hl. Jakobus dem Älteren in Werfen. S. 16 ff (pdf, werfenweng.gv.at).
  10. Martin Hell: Der Topf mit dem Münzenschatz von Werfen. In: Salzburger Museum Carolino Augusteum: Jahresschrift Bd. 15, 1969, S. 73–77.
    Helmut Jungwirth: Der Münzfund von Werfen.. In: Salzburger Museum Carolino Augusteum Jahresschrift Bd. 22, 1976, S. 7–41.