Alte Tonhalle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gebäude der Alten Tonhalle
Fassade der Alten Tonhalle
Aufführung der VIII. Sinfonie von Mahler in der Alten Tonhalle von Düsseldorf.jpg
Tonhallen-Garten (Postkarte), vor 1906

Die Alte Tonhalle war ein städtisches Konzert- und Gesellschaftshaus in Düsseldorf.

Beschreibung[Bearbeiten]

Im Jahre 1818 erfolgte das erste Niederrheinische Musikfest im Geisler'schen Lokal, das ab 1830 zum Zentrum der Musikliebhaber wurde. Es war eine Gaststätte mit großem Saal und vorher als Beckers Gartenlokal bekannt. Bekannte Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Norbert Burgmüller und Robert Schumann musizierten dort. Im Jahre 1863 erwarb die Stadt das Lokal, das schon damals Tonhalle genannt wurde.

Die erste städtische Tonhalle wurde in zweijähriger Bauzeit erschaffen und im Jahre 1865 eröffnet. Sie befand sich am Flinger Steinweg, der heutigen Schadowstraße. Das Gebäude verfügte über einen großen Konzertsaal, den Kaisersaal, der 42,48 m lang und 24,20 m breit war. Mit zwei Galerien fasste dieser Raum 2820 Personen. Der Saal, den eine gute Akustik auszeichnete, wurde nach Kaiser Wilhelm I. benannt, zu dessen Ehren von den Rheinischen Provinzialständen anlässlich seiner Visite am 18. September 1884 in der Tonhalle ein Festessen gegeben wurde.

Im Jahre 1886 wurde ein Wettbewerb für einen Neubau ausgeschrieben, bei dem die Entwürfe der Architekten Hermann vom Endt und Bruno Schmitz im Stil der Neo-Renaissance ausgezeichnet wurden. Die Stadtbaumeister Eberhard Westhofen und Peiffhoven planten später auf der Grundlage dieser Neubaupläne eine Erweiterung, die von 1889 bis 1892 umgesetzt wurde. Der Kaisersaal und der Rittersaal blieben hierbei erhalten. 1901 wurden der Kaisersaal von dem Stadtbaurat Peiffhoven und dem Beigeordneten Johannes Radke mit neuer Stukkatur versehen. Den Rittersaal stattete in diesem Zuge die Firma Hemming & Witte mit Deckengemälden aus. Der Mittelteil der Hauptfassade zeigte vier Säulen, gekrönt von einem Dreiecksgiebel.

Der Gebäudekomplex war beim Ausbau bis an die Schadowstraße vorgezogen worden. Der Bau umfasste nun neben den übernommenen Konzertsälen auch neue Gesellschaftsräume, Ladenlokale und Restaurants. In dem Bau hielten die Düsseldorfer Karnevalsvereine ihre Sitzungen ab, der Künstlerverein Malkasten feierte hier seinen Maskenball. Neben den wöchentlichen Symphoniekonzerten, erfolgten dort auch Tagungen von Wirtschaftsverbänden, Vorträge, Wohltätigkeitsbasare und Karnevalsbälle. Auf einem „Kohlentag“, den die Montanindustrie 1871 in der Tonhalle abhielt, rief William Thomas Mulvany den „Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen“ ins Leben, womit ein Grundstein für die Entwicklung der wirtschaftlichen Interessenvertretung in Westdeutschland und für die Entwicklung Düsseldorfs zum „Schreibtisch des Ruhrgebiets“ gelegt wurde.[1]

Das Gebäude wurde 1942 durch Bomben beschädigt und später abgebrochen. An derselben Stelle befindet sich heute eine Niederlassung der Kaufhauskette Karstadt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf. Triltsch Verlag Düsseldorf, 9. Auflage 1983, S. 121

Literatur[Bearbeiten]

  • Architekten- und Ingenieur-Verein zu Düsseldorf (Hrsg.): Düsseldorf und seine Bauten. L. Schwann, Düsseldorf 1904, S. 287f.
  • Hugo Weidenhaupt: Mit Jansens Garten fing es an. Vom Ausflugslokal zur ersten Tonhalle. In: Hugo Weidenhaupt: Aus Düsseldorfs Vergangenheit, Düsseldorf 1988.
  • Boris Becker: Düsseldorf in frühen Photographien 1855-1914. Schirmer / Mosel, München 1990. Tafeln 114 und 115.
  • Michael Brockerhof: Düsseldorf wie es war. Droste-Verlag, Düsseldorf 2008, ISBN 978-3-7700-1277-0, S. 128f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alte Tonhalle, Düsseldorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.2272326.787083Koordinaten: 51° 13′ 38″ N, 6° 47′ 13″ O