Alternative Zehn Gebote

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In Anlehnung an die biblischen Zehn Gebote wurden mehrere Alternative Zehn Gebote erstellt, über die kein Konsens besteht.

Beispiele für säkular-agnostische Alternativen[Bearbeiten]

Neue Zehn Gebote[Bearbeiten]

Die „Neuen Zehn Gebote“ von Ebon Musings[1], welche durch Richard Dawkins in Der Gotteswahn zitiert werden,[2] sind:

  1. Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu.
  2. Strebe immer danach, keinen Schaden anzurichten.
  3. Behandle deine Mitmenschen, andere Lebewesen und die Welt im Allgemeinen mit Liebe, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Respekt.
  4. Sieh über Böses nicht hinweg und scheue dich nicht, Gerechtigkeit walten zu lassen, aber sei immer bereit, schlechte Taten zu verzeihen, wenn sie freimütig eingestanden und ehrlich bereut werden.
  5. Führe dein Leben mit einem Gefühl von Freude und Staunen.
  6. Strebe stets danach, Neues zu lernen.
  7. Stelle alles auf den Prüfstand; miss deine Ideen immer an den Tatsachen und sei bereit, auch lieb gewordene Überzeugungen über Bord zu werfen, wenn sie sich nicht mit der Wirklichkeit vereinbaren lassen.
  8. Versuche nie, zu zensieren oder dich von Meinungsverschiedenheiten abzukapseln; respektiere immer das Recht der anderen, anderer Meinung zu sein als du.
  9. Bilde dir aufgrund deiner eigenen Vernunft und Erfahrung eine unabhängige Meinung; lass dich nicht blind von anderen führen.
  10. Stelle alles infrage.

Weitere Gebote, die Dawkins ergänzt:[2]

  1. Erfreue dich an deinem eigenen Sexualleben (solange es keinem anderen Schaden zufügt) und lass andere sich des ihren ebenfalls erfreuen, ganz gleich, welche Neigungen sie haben – die gehen dich nichts an.
  2. Diskriminiere oder unterdrücke nicht aufgrund von Geschlecht, Rasse oder (soweit möglich) biologischer Art.
  3. Indoktriniere deine Kinder nicht. Bring ihnen bei, selbstständig zu denken, Belege zu beurteilen und anderer Meinung zu sein als du.
  4. Beurteile die Zukunft nach einem Zeitmaßstab, der größer ist als dein eigener.

Georgia Guidestones[Bearbeiten]

Die Georgia Guidestones sind große Granitblöcke im US-Bundesstaat Georgia, in denen ein alternativer Satz von zehn Geboten in den Sprachen Englisch, Spanisch, Swahili, Hindi, Hebräisch, Arabisch, Chinesisch und Russisch eingemeißelt sind. Die Gebote sind:[3]

  1. Halte die Menschheit unter 500 Millionen in fortwährendem Gleichgewicht mit der Natur.
  2. Lenke die Fortpflanzung weise, um Tauglichkeit und Vielfalt zu verbessern.
  3. Vereine die Menschheit mit einer neuen, lebendigen Sprache.
  4. Beherrsche Leidenschaft – Glauben – Tradition und alles sonst mit gemäßigter Vernunft.
  5. Schütze die Menschen und Nationen durch gerechte Gesetze und angemessene Gerichte.
  6. Lass alle Nationen ihre eigenen Angelegenheiten selbst/intern regeln und internationale Streitfälle vor einem Weltgericht beilegen.
  7. Vermeide belanglose Gesetze und unnütze Beamte.
  8. Schaffe ein Gleichgewicht zwischen den persönlichen Rechten und den gesellschaftlichen/sozialen Pflichten.
  9. Würdige Wahrheit – Schönheit – Liebe im Streben nach Harmonie mit dem Unendlichen.
  10. Sei kein Krebsgeschwür für diese Erde – Lass der Natur Raum – Lass der Natur Raum.

Christopher Hitchens[Bearbeiten]

Christopher Hitchens definiert die folgenden zehn Gebote:[4]

  1. Verurteile nicht die Menschen auf der Grundlage ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihrer Farbe.
  2. Denke nicht einmal daran, Menschen als Privateigentum zu verwenden.
  3. Verachte diejenigen, die Gewalt oder die Androhung von Gewalt in sexuellen Beziehungen nutzen.
  4. Verdecke dein Gesicht und weine, wenn du es wagst, einem Kind zu schaden.
  5. Verurteile nicht die Menschen für ihre angeborene Natur.
    („Warum sollte Gott so viele Homosexuelle schaffen, nur um sie zu foltern und zu zerstören?“)
  6. Sei dir bewusst, dass du auch ein Tier bist und damit abhängig vom Netz der Natur. Versuche entsprechend zu denken und zu handeln.
  7. Glaube nicht, dass du einem Urteil entgehen kannst, indem du Leute mit Worten beraubst (indem du sie belügst) anstatt mit einem Messer.
  8. Schalte das verdammte Handy aus.
  9. Verurteile alle Dschihadisten und Kreuzzügler als das, was sie sind: kriminelle Psychopathen mit hässlichen Wahnvorstellungen und schrecklicher sexueller Unterdrückung.
  10. Lehne jeden Glauben ab, dessen Gebote einem der oben genannten widersprechen.

Die Zehn Angebote des evolutionären Humanismus[Bearbeiten]

Hauptartikel: Evolutionärer Humanismus

Die Zehn Angebote des evolutionären Humanismus erschienen zuerst im Buch Manifest des evolutionären Humanismus welches von Michael Schmidt-Salomon im Auftrag der Giordano-Bruno-Stiftung geschrieben wurde. In der zugehörigen Vorbemerkung heißt es:

„Die zehn ‚Angebote‘ wurden von keinem Gott erlassen und auch nicht in Stein gemeißelt. Keine ‚dunkle Wolke‘ soll uns auf der Suche nach angemessenen Leitlinien für unser Leben erschrecken, denn Furcht ist selten ein guter Ratgeber. Jedem Einzelnen ist es überlassen, diese Angebote angstfrei und rational zu überprüfen, sie anzunehmen, zu modifizieren oder gänzlich zu verwerfen.“[5]

Die Kurzfassung der Angebote lautet:[6]

  1. Diene weder fremden noch heimischen „Göttern“, sondern dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern!
  2. Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten!
  3. Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
  4. Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten – es sei denn, es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale der Humanität durchzusetzen!
  5. Befreie dich von der Unart des Moralisierens! Trage dazu bei, dass die katastrophalen Bedingungen aufgehoben werden, unter denen Menschen heute verkümmern, und du wirst erstaunt sein, von welch freundlicher, kreativer und liebenswerter Seite sich die vermeintliche „Bestie“ Homo sapiens zeigen kann.
  6. Immunisiere dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein Geschenk, das du nicht abweisen solltest.
  7. Sei dir deiner Sache nicht allzu sicher! Zweifle aber auch am Zweifel! Selbst wenn unser Wissen stets begrenzt und vorläufig ist, solltest du entschieden für das eintreten, von dem du überzeugt bist. Sei dabei aber jederzeit offen für bessere Argumente, denn nur so wird es dir gelingen, den schmalen Grat jenseits von Dogmatismus und Beliebigkeit zu meistern.
  8. Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst!
  9. Genieße dein Leben, denn dir ist höchstwahrscheinlich nur dieses eine gegeben!
  10. Stelle dein Leben in den Dienst einer „größeren Sache“, werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen woll(t)en! Eine solche Haltung ist nicht nur ethisch vernünftig, sondern auch das beste Rezept für eine sinnerfüllte Existenz.

Beispiele für religiös geprägte Alternativen[Bearbeiten]

Die 10 Gebote der Gelassenheit[Bearbeiten]

Die 10 Gebote der Gelassenheit sind das Angebot einer einfachen und unkomplizierten Lebensphilosophie. Auch wenn die letzte Maxime dieses Dekalog der Gelassenheit auf Gott Bezug nimmt, sind sie nicht spezifisch christlich und werden deswegen auch außerhalb verwendet, z. B. bei den Anonymen Alkoholikern. Als ihr Urheber gilt Papst Johannes XXIII.

  1. Leben: Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben – ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.
  2. Sorgfalt: Nur für heute werde ich größten Wert auf mein Auftreten legen und vornehm sein in meinem Verhalten: Ich werde niemanden kritisieren; ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern … nur mich selbst.
  3. Glück: Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin … nicht nur für die andere, sondern auch für diese Welt.
  4. Realismus: Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.
  5. Lesen: Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.
  6. Handeln: Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen - und ich werde es niemandem erzählen.
  7. Überwinden: Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt.
  8. Planen: Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.
  9. Mut: Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, und mich an allem freuen, was schön ist. Und ich werde an die Güte glauben.
  10. Vertrauen: Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

Die acht „Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest nicht …“[Bearbeiten]

Hauptartikel: Pastafarianismus

Die Spaßreligion Pastafarianismus, welche das Fliegende Spaghettimonster verehrt und den US-amerikanischen Physiker Bobby Henderson als „Propheten“ hat, kennt folgende 8 Gebote:

  1. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest dich nicht wie ein oberheiliger Heuchler aufspielen, wenn du meine nudlige Güte beschreibst. Wenn irgendwelche Leute nicht an mich glauben, ist das echt okay. Ich bin nicht so eitel. Außerdem: Es geht nicht um diese, also weich nicht vom Thema ab.
  2. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest nicht meine Existenz als Mittel benutzen, zu unterdrücken, jemanden zu deckeln, zu bestrafen, fertigzumachen und/oder du weißt schon. Ich verlange keine und benötige keine Opfer. Und Reinheit ist was für Trinkwasser, nicht für Menschen.
  3. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest nicht Leute wegen ihres Aussehens beurteilen oder was für Klamotten sie anziehen oder wie sie reden oder wie auch immer – sei einfach nett, okay? Oh, und kriegt das mal in eure Dickschädel: Frau = Person. Mann = Person. Klar? Klar. Eine ist nicht besser als der andere, solange wir nicht über Mode reden. Tut mir leid, aber ich hab’ das den Frauen überlassen und einigen Kerlen, die den Unterschied zwischen dunkeltürkis und scharlachrot kennen.
  4. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest nichts tun, das Dir selbst oder Deinem bereitwilligen, volljährigen und geistig gesunden Partner peinlich sein müsste. Wem das nicht passt, der kann mich mal – ich glaube, die Formulierung lautet: am A**** lecken. Wem das auch nicht passt, der sollte am besten die Glotze ausmachen und zur Abwechslung ein Stück spazieren gehen.
  5. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest Dir die verklemmten, frauenfeindlichen Vorstellungen anderer nicht auf nüchternen Magen anhören. Esst etwas, dann macht euch über die Idioten her.
  6. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest nicht Multimillionendollar-Kirchen, Moscheen, Tempel, Schreine für Meine Nudlige Güte erbauen. Das Geld kann man nun wirklich sinnvoller anlegen. Sucht euch etwas aus:
    • Armut zu beenden
    • Krankheiten zu heilen.
    • in Frieden leben, mit Leidenschaft lieben und die Kosten von Kabelfernsehen senken.
    Mag ja sein, dass ich ein komplexes, allwissendes Kohlenwasserstoffwesen bin, aber ich mag die einfachen Dinge im Leben. Ich muss es wissen, ich bin der Schöpfer.
  7. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest nicht rumgehen und Leuten erzählen, ich würde zu dir sprechen. Du bist nicht SO interessant. Nimm dich mal zurück. Und ich sagte dir bereits, dass du deine Mitmenschen lieben sollst, kannst du keinen Hinweis erkennen?
  8. Mir wär’s wirklich lieber, Du würdest andere nicht so behandeln, wie du nicht selbst gern behandelt werden möchtest, es sei denn, du bist mit Sachen zugange, in denen, ähm, eine Menge Leder, Gleitcreme und Las Vegas eine Rolle spielen. Sollte die andere Person auch darauf abfahren, dann macht es, siehe auch Punkt 4, macht Fotos und bei der Liebe Mikes, benutzt KONDOME! Hätte ich nicht gewollt, dass es sich gut anfühlt, dann hätte ich Stacheln oder so drangebastelt.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ebon Musings: The New Ten Commandments. In: The Atheism Pages. Abgerufen am 16. März 2011 (HTML, englisch).
  2. a b  Richard Dawkins: Der Gotteswahn. Ullstein Taschenbuch, 2008 (Originaltitel: The God Delusion, übersetzt von Sebastian Vogel), ISBN 978-3-548-37232-7, Kapitel 10, S. 592.
  3. Georgia Guidestones in der englischsprachigen Wikipedia, März 2011
  4. Luke Muehlhauser: Christopher Hitchens on the Ten Commandments. In: Common Sense Atheism. 8. März 2010, abgerufen am 16. März 2011 (HTML).
  5.  Michael Schmidt-Salomon: Manifest des evolutionären Humanismus. Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur. 2. korrigierte und erweiterte Auflage. Alibri, Aschaffenburg 2006, ISBN 3-86569-011-4, Anhang, S. 154.
  6. Michael Schmidt-Salomon: 10 Angebote. Abgerufen am 23. August 2011.