Ambiguitätstoleranz

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Ambiguitätstoleranz ist die Fähigkeit, Ambiguitäten, also Widersprüchlichkeiten (v. lat. ambiguitas „Zweideutigkeit“, „Doppelsinn“), kulturell bedingte Unterschiede oder mehrdeutige Informationen, die schwer verständlich oder sogar inakzeptabel erscheinen, wahrzunehmen und nicht negativ oder (häufig bei kulturell bedingten Unterschieden) vorbehaltlos positiv zu bewerten. Der Begriff spielt in unterschiedlichen psychologischen und pädagogischen Theorien eine wichtige Rolle, insbesondere bei der Persönlichkeitsentwicklung und dem sozialen Lernen. Auch ist sie eine Voraussetzung für die interkulturelle Kompetenz eines Menschen.

Im Rollenkonzept bezieht sich Ambiguitätstoleranz auf das Verhältnis von gegenseitigen Rollenerwartungen und wechselseitiger Bedürfnisbefriedigung. Ambiguitätstoleranz liegt dann vor, wenn jemand ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Rollenerwartung und Rollenentwurf gefunden hat und somit Rollenkonflikte tolerieren kann. Das setzt jedoch nicht voraus, dass alle Widersprüche aufgelöst wurden (dann wäre ja keine Ambiguitätstoleranz mehr erforderlich).

Die Ambiguitätstoleranz eines Menschen korelliert Studien zufolge nicht mit seinem formalen Bildungsniveau.

Ist bei einem Menschen die Ambiguitätstoleranz deutlich geschwächt bis nicht vorhanden, spricht man vom so genannten Ambiguitätstoleranz-Defizit-Syndrom (ATDS). Dies betrifft beispielsweise Menschen die, wenn Reize (Sinne und Empfindungen) nicht richtig gedeutet und durch adäquate Reaktionen beantwortet werden können, unreflektierte Ideen ohne Umsicht und geordnete Planung vorschnell in die Tat umsetzen.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Jack Reis: Ambiguitätstoleranz. Beiträge zur Entwicklung eines Persönlichkeitskonstruktes. Heidelberg, 1997.
  • Lothar Krappmann: Soziologische Dimensionen der Identität. Strukturelle Bedingungen für die Teilnahme an Interaktionsprozessen. Stuttgart, 1969.
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