Analog-Stick

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ein Analog-Stick des Nintendo GameCube Gamepad in der zentrierten Standardposition

Ein Analog-Stick, manchmal auch Control-Stick genannt, ist ein Eingabegerät für einen Gamecontroller (oft Gamepad) für zweidimensionale Signale. Dieser lässt sich in mehrere Richtungen neigen. Ein Analog-Stick ist in der Funktionsweise der eines Joysticks sehr ähnlich.

Der Analog-Stick hat größtenteils das Steuerkreuz bei Computerspielen abgelöst, sowohl im Bekanntheitsgrad als auch in der Anzahl der Verwendungen.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Das Signal, das der Stick erzeugt, basiert auf der Position des Sticks in Abhängigkeit von der Standardposition. Während digitale Sticks wie zum Beispiel Steuerkreuze auf einzelnen elektrischen Signalen beim Betätigen basieren (dazu werden über interne Kontakte für die vier Richtungen hoch, runter, links und rechts kurze elektrische digitale Signale erzeugt), nutzen analoge Sticks kontinuierliche elektrische Spannungen, die durch einen Potentiometer geregelt werden. Je ein Potentiometer misst die Position links/rechts oder oben/unten. Durch eine Änderung der Lage des Analog-Sticks ändert sich so die Spannung. Anhand der beiden aktuellen Spannungen kann so die Position des Sticks festgestellt werden.

Verwendung in Computerspielen[Bearbeiten]

In einem Computerspiel wird ein Analog-Stick oft benützt um ein Spielobjekt zu bewegen, meistens die Spielfigur. Er wird auch zur Drehung der Kamera genutzt, üblicherweise um die Spielfigur herum. Der Analog-Stick kann eine Vielzahl von anderen Funktionen besitzen, abhängig vom Spiel. Viele moderne Analog-Sticks können auch wie andere Tasten auf dem Controller gedrückt werden.

Der Analog-Stick wird hauptsächlich in 3D-Spielen verwendet, wo mehr als acht Richtungen notwendig sind (acht Richtungen werden durch das Steuerkreuz ermöglicht). Ein Steuerkreuz in einem 3D-Spiel zu benutzen, schränkt die Fähigkeit zur Bewegung stark ein. In einem 3D-Plattformspiel wie zum Beispiel Super Mario 64 wäre es mit einem Steuerkreuz nur möglich nach vorne, links und vorne-links zu bewegen, aber nicht dazwischen. Manche frühen 3D-Spiele wie Resident Evil überwanden diese Einschränkung, indem links und rechts auf dem D-Pad zur Drehung der Spielfigur anstatt zur Bewegung genutzt wurde. Dies verursachte allerdings eigene Probleme, weil die Spielfigur nicht fähig war sich zu bewegen während der Drehung. Mit der Verbreitung des Analog-Sticks waren die genannten Probleme des Steuerkreuzes Vergangenheit.

Duale Analog-Sticks[Bearbeiten]

Der Sony PlayStation DualShock-Controller

Zwei Analog-Sticks ermöglichen weitere Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten als ein Stick. An vielen modernen Gamepads ist der erste linke Stick links über dem Steuerkreuz angebracht, während der zweite rechte Stick sich links unter den Tasten befindet. Gamepads mit dieser Anordnung sind beispielsweise das Nintendo GameCube-Gamepad, Xbox-Gamepad und das Xbox 360-Gamepad.

Manche Gamepads haben die zwei Analog-Sticks stattdessen in einer symmetrischen Anordnung mit dem Steuerkreuz an der linken oberen Seite und den Tasten an der rechten oberen Seite. Sonys PlayStation-Gamepads – der Dual Analog Controller, DualShock, DualShock 2, Sixaxis und DualShock 3 – benützen alle diese Anordnung. Der Classic Controller für die Wii macht ebenfalls Gebrauch von dieser Konstellation. Das ursprüngliche Wii U-Gamepad hatte zwei analoge „Circle Pads“ symmetrisch über dem Steuerkreuz und den Tasten positioniert, wurde aber neukonfiguriert und hat nun zwei klickbare Analog-Sticks.[1]

Bei Genres wie Action, Adventure, Plattformspiel und Third-Person-Shooter kontrolliert der linke Stick üblicherweise die Spielfigur, während der zweite Stick die Kamera kontrolliert. Der zweite Stick verringert das Problem vieler früherer Plattformspiele bei denen die Kamera notorisch schlecht positioniert war. Der rechte Stick ist auch für die meisten modernen First-Person Shooter wie Halo wichtig, wo dieser die Blickrichtung und das Zielen steuert, während der linke Stick die Bewegung der Spielfigur steuert. In Namcos Katamari Damacy und dessen Nachfolgern werden beide Analog-Sticks gleichzeitig dazu benutzt, die Spielfigur zu kontrollieren.

Sonys PSP wurde für den Mangel eines zweiten analogen „Knubbels“ kritisiert.[2] Eine Kritik die später auch Nintendos Nintendo 3DS traf. Nintendo hat inzwischen ein erwerbbares Add-on für den 3DS veröffentlicht, das unter anderem ein zweites analoges „Circle Pad“ bereitstellt. Der Nachfolger der Sony PSP, die PlayStation Vita, ist die erste Handheld-Konsole, die zwei Analog-Sticks besitzt.[3][4][5]

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Spielkonsole, die einen analogen Joystick hatte, war das 1292 Advanced Programmable Video System, veröffentlicht im Jahr 1976. Die 2 Sticks verwendeten je ein Paar von Potentiometern, waren aber nicht selbstzentrierend.

1982 veröffentlichte die Firma Atari ihren ersten Controller mit einem auf Potentiometern basierten analogen Joystick für ihre Atari 5200 Heimkonsole. Allerdings erwies sich das nicht selbstzentrierende Joystick-Design als plump und unzuverlässig. Während dieser Zeit führte General Consumer Electronics den Vectrex ein, ein auf Vektorgrafiken basiertes System, welcher einen selbstzentrierend Analog-Stick benutzte. Viele jahre lang ignorierten Konsolen die analoge Technik und nutzten stattdessen das digitale Steuerkreuz. Erst das Aufkommen von 3D-Grafiken und den Spielmechaniken die damit einherkamen führten zu einer weiten Verbreitung des Analog-Sticks.

Im Jahr 1985 führte Segas Third-Person Rail Shooter Spiel Space Harrier, veröffentlicht für Arcade-Systeme, einen echten analogen Flightstick ein. Es konnte Bewegungen in jede Richtung registrieren als auch den Grad des Drucks. Damit konnte die Spielfigur in verschiedenen Geschwindigkeiten bewegt werden, abhängig davon, wie stark der Joystick in eine bestimmte Richtung gedrückt wurde.[6]

Am 26. April 1996,[7] veröffentlichte Sony einen Potentiometer basierten analogen Joystick für den Einsatz in Flugsimulationsspielen. Der Sony Dual Analog Flightstick hatte zwei analoge Sticks und wurde in Spielen wie Descent genutzt, um einen größeren Grad der Bewegungsfreiheit zu ermöglichen als typische digitale Joysticks der damaligen Zeit.

Der Nintendo 64 Controller begründete den Trend der analogen Gamecontroller

Ursprünglich für den 21. April 1996 angekündigt, veröffentlichte Nintendo das Nintendo 64 samt Controller erst am 24. Juni 1996 und war damit das erste Standard-Gamepad für eine Konsole mit Analog-Stick.[8] Der neue Controller beinhaltete einen mit dem Daumen gesteuerten Control-Stick,[9] (der Stick arbeitet nach demselben Prinzip wie eine mechanische Computer-Maus), der unterschiedliche Level der Bewegung und nahezu 360 Grad-Kontrolle ermöglichte und die die Signale in viel präzisere Bewegungen übersetzte als es mit einem Steuerkreuz möglich wäre.

Am 5. Juli 1996 veröffentlichte Sega das Spiel Nights into Dreams… für ihre Saturn-Konsole in Japan, das im Paket mit dem Saturn 3D Control-Pad kam, welches ein analoges Pad besaß, um dem Spieler mehr Kontrolle über die flugbasierte Spielmechanik zu geben. Das analoge Pad war weniger kompliziert im Aufbau im Vergleich zu seinen Zeitgenossen, da es einen Hall-Sensor besaß, der als Basis des Dreamcast-Controller diente.[10]

Am 25. April 1997[7] veröffentlichte Sony einen ähnlichen analogen Stick, basierend auf derselben Potentiometertechnik, die auch im größeren Dual Analog Flightstick genutzt wurde. Der Sony Dual Analog Controller unterstützte Force-Feedback, drei analoge Modi (Flightstick, Vollanalog und Analog abgeschaltet), sowie zwei konkav geformte Daumensticks, während Nintendo und Segas Controller nur je einen Stick hatten.

Am 20. November 1997,[7] veröffentlichte die Firma Sony ihren dritten analogen Controller: der DualShock. Der Controller besaß Zwillingsticks ähnlich zum Dual Analog Controller, diese waren allerdings konvex geformt und gummiert anstatt aus Plastik und konkav geformt. Sony entfernte auch den dritten analogen (Flightstick) Modus und fügte zwei neue Tasten unter die Analog-Sticks hinzu, die durch Drücken der Sticks betätigt werden konnten.

1999 wurde Sonys Ape Escape das erste Computerspiel das zwei Analog-Sticks zum Spielen erforderte.

In den Spielkonsolen-Generationen die folgten, haben die meisten Spielkonsolen-Gamecontroller zwei analoge Sticks, mit Ausnahme der Dreamcast-Konsole. Andere Ausnahmen zu dieser Dual-Stick Regel sind Sonys PlayStation Portable und die Nintendo 3DS Handheld-Konsole (obwohl letztere durch eine optionale Hardware-Erweiterung mit einem zweiten Stick erweiterbar ist), die beide nur einen kleinen analogen „Knubbel“ besitzen. Sonys PlayStation Vita besitzt hingegen wieder zwei analoge Sticks.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wii U - Nintendo stellt »Hardcore«-Controller und Social-Network vor. In: GamePro. 4. Juni 2012, abgerufen am 29. November 2013.
  2. TGS 2004: Ape Escape Academics Hands-On. IGN. 24. September 2004. Abgerufen am 14. Dezember 2007.
  3. PlayStation Vita Impressions. GamerPops. 22. Februar 2012. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  4. by SinfulSoxfan84: Resistance: Burning Skies Review - Blog by Jamiemad66. IGN. 10. Juni 2012. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  5. Gamechanger or Game Ender?. Broowaha. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  6. Space Harrier Retrospective, IGN.
  7. a b c SCPH. In: maru-chang.org. Abgerufen am 29. November 2013 (englisch).
  8. Coverage of the Nintendo Ultra 64 Debut from. Game Zero. 21. April 1996. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  9. Controller's History Dynamite from. 1UP.com. Abgerufen am 15. Oktober 2012.
  10. Sega Saturn 3D Pad - What's inside?. NFG. 20. Oktober 2008. Abgerufen am 14. September 2011.