Anneliese Groscurth

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Anneliese Groscurth (* 1910; † 1996 in Berlin-Charlottenburg) war eine deutsche Ärztin und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus in der Gruppe „Europäische Union“.

Leben[Bearbeiten]

Anneliese Groscurth gehörte zusammen mit ihrem Ehemann Georg Groscurth sowie Robert Havemann, Herbert Richter und dem Ehepaar Paul und Margarete Rentsch zu den Initiatoren der Widerstandsgruppe Europäische Union.

Nach Kriegsende lebte Anneliese Groscurth mit den beiden gemeinsamen Söhnen Peter und Jan in Wehrda, kehrte aber wieder zurück ins Charlottenburger Westend und arbeitete als Ärztin im bezirklichen Gesundheitsamt. Am 28. April 1951 beteiligte sie sich an der Gründung eines Berliner Ausschusses für eine Volksbefragung in ganz Deutschland gegen die Remilitarisierung und für den Abschluss eines Friedensvertrages.[1] Am 9. Mai 1951 wurde sie aus politischen Gründen aus dem öffentlichen Dienst entlassen, weil sie sich gegen die Wiederbewaffnung engagierte. Sie wurde als Kommunistin diffamiert und ihr wurde der Reisepass entzogen, den sie erst in den 1960er Jahren zurückerhielt.

Als es 1951 während der Weltfestspiele der Jugend und Studenten zu Straßenschlachten der FDJ mit der West-Berliner Polizei kam,[2] gründete sie zur Untersuchung den Groscurth-Ausschuss.[3]

Durch eine nachhaltige Boykott-Kampagne der Berliner Boulevard-Presse, allen voran die von der US-Militäradministration gesponserte Tageszeitung Der Tagesspiegel, konnte sie auch mit der eigenen Praxis ihre Familie nicht mehr ernähren und sie übernahm eine Anstellung in der Poliklinik des Berliner Rundfunks. Die Witwenrente und die OdF-Hinterbliebenenrente wurde ihr ebenfalls entzogen. Auch die Zahlungen der Waisenrente für die beiden Söhne wurden eingestellt. Die gerichtlichen Auseinandersetzungen, die Anneliese Groscurth darum führen musste, kommentierte das LaZ-Magazin mit der Feststellung: „Die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit hat nach 1989 in Vergessenheit geraten lassen, dass es auch im Westen politisch motivierte Rechtsbeugung gab.“[4]

FDJ-Mitglieder berichteten dem Ausschuss 1951 über diese Vorfälle, im Foto auch Robert Havemann

Groscurth-Ausschuss[Bearbeiten]

Im Zusammenhang mit einem Polizeieinsatz gegen Teilnehmer der III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten am 15. August 1951, bei dem es zahlreiche Verletzte gab, wandte sich die Charlottenburger Amtsärztin Anneliese Groscurth mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit, die Vorfälle zu untersuchen. Am 28. August 1951 bildeten einige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens den „Groscurth-Ausschuss“, der in einer öffentlichen Verhandlung Ursachen und Zusammenhänge des Polizeieinsatzes klären sollte. In der Folgezeit übernahm der Ausschuss zusätzlich die Aufgaben der Rechtshilfe des Ausschusses der Nationalen Front des demokratischen Deutschland und konstituierte sich am 2. Oktober 1951 unter dem Namen Groscurth-Ausschuss zum Schutze der demokratischen Rechte und zur Verteidigung von Patrioten in Westberlin. Zu seiner Führung gehörte neben Anneliese Groscurth unter anderem der Rechtsanwalt Friedrich Karl Kaul. Rechtshilfe sollten vor allem West-Berliner erhalten, die von Polizeigewalt, politischer Maßregelung und Verfolgung oder von Berufsverboten betroffen waren, aber auch bei Agitationseinsätzen verhaftete SED- und FDJ-Mitglieder.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Seit dem 11. August 2006 gibt es in Berlin-Westend den Anneliese- und Georg-Groscurth-Platz[5] In der DDR erhielt sie 1954 den Vaterländischen Verdienstorden in Silber "als Zeichen der Anerkennung außerordentlicher Verdienste im Kampf für die Einheit Deutschlands".[6]

Publikationen[Bearbeiten]

  • Frontstadt - Terror in Westberlin, Hrsg. vom Groscurth-Ausschuss zum Schutze der Demokratischen Rechte und zur Verteidigung von Patrioten in Westberlin, DNB 990270203

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.sopos.org/aufsaetze/43305ac3f3af1/1.phtml
  2. Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/popup/popup_druckversion.html?guid=XZB13B. 2. Februar 2007.
  3. Andreas Ruhl: Stalin-Kult und Rotes Woodstock. Die Weltjugendfestspiele 1951 und 1973 in Ostberlin
  4. http://www.lernen-aus-der-geschichte.de/Lernen-und-Lehren/content/4138
  5. http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/bezirk/lexikon/groscurthplatz.html
  6. Neues Deutschland, 7. Oktober 1954, S. 4