Anselm Casimir Wambolt von Umstadt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Erzbischof Anselm Casimir
"Anselmus Casimirus Ertzbischoff und Churfürst zu Maintz Ertz Cantzler des Hl. Röm Reichs" aus den Annales Ferdinandei, 1721 - 1726, des Franz Christoph von Khevenhüller
Wappen der Wamboldt von Umstadt in der Lindenanlage in Neuenstadt am Kocher

Anselm Casimir Wambolt von Umstadt (* 30. November 1579 in Speyer (?); † 9. Oktober 1647 in Frankfurt am Main) war von 1629 bis zu seinem Tode Kurfürst und Erzbischof von Mainz.

Leben[Bearbeiten]

Seine Eltern waren Eberhard Wambolt von Umstadt (16. Mai 1546 bis 11. Januar 1601) und Anna von Reiffenberg (gest. 13. November 1583, Grabmal in der Laurentiuskirche in Weinheim an der Bergstraße). Sein Vater war von 1573–1587 Beisitzer am Reichskammergericht in Speyer und seit 1588 Reichshofrat. Er trat 1581 vom Kalvinismus zum katholischen Glauben über. In erster Ehe war er mit Anna von Reiffenberg seit 1577 verheiratet, seit 1586 in zweiter Ehe mit Anna Amalie von Hattenstein.

Anselm Casimir Wambolt von Umstadt wurde wahrscheinlich in Speyer geboren. Seine schulische Ausbildung erhielt er bei Jesuiten in Speyer oder Prag.

1596 wurde er ins Mainzer Domstift aufgenommen und begann seine erste Residenz in Mainz. 1605 folgt die Aufnahme in das Domkapitel, 1629 die Wahl zum Domscholaster. 1610 wurde durch erzbischöfliche Provision in das Mainzer Ritterstift St. Alban aufgenommen. 1596–1597 studierte er als Alumne des Collegium Germanicum in Rom, 1597–1599 in Würzburg. 1599 begann er ein dreijähriges Philosophie- und Theologiestudium in der ewigen Stadt Rom. 1604 beendete er das Theologiestudium und kehrte nach Mainz zurück. Dort wurde er am 22. Mai 1605 zum Diakon geweiht. Danach folgte ein zweijähriges Jurastudium in Padua. Im Juni des Jahres 1608 wurde er vom Erzbischof Johann Schweikhard von Kronberg in den Hofrat berufen, im Januar des Jahres 1609 zum Hofratspräsidenten – dieses Amt behielt er bis 1618.

Der Erzbischof schickte Wambolt von Umstadt mehrmals für die Katholische Liga oder als Erzkanzler nach Salzburg (1609),1610 zur Rekatholisierung nach Eichsfeld, zum Kurfürstentag nach Nürnberg (1611), 1612 nach Prag, 1613 nach Fulda. Dadurch gewann er wohl viel Vertrauen und Lob im Domkapitel, so wählte es ihn 1619 zum Amtmann von Mombach. Er behielt dieses Amt bis 1629.

Weiterhin war er zwischen 1620 und 1624 und im Jahre 1627 in Abwesenheit der geistlichen Landesfürsten Statthalter, 1621 weltlicher Kommissar für den Kriegsfall. Von 1620 bis 1622 war er Rektor an der Mainzer Universität. Seiner recht schnellen Karriere stand allerdings ein gespanntes Verhältnis mit dem herrschenden Erzbischof gegenüber, dies sorgte dafür, dass er ab 1626 nicht mehr im Hofdienste war.

Am 6. Juli 1629 verstarb der Bischof und Wambolt von Umstadt gewann die Wahl am 6. August gegen viele namhafte Gegenkandidaten. Seine Wahl galt als Niederlage der Habsburgisch-kaiserlichen Bemühungen um das Amt. Die römische Kurie bestätigte die Wahl am 28. Januar 1630 und verlieh am 18. Februar 1630 dem neuen Erzbischof das Pallium. Der nächste politische Schritt Wambolts folgte auf dem Regensburger Kurfürstentag von 1630. Anselm Wambolt von Umstadt – der stark unter dem Einfluss des Dompropstes und Hofratspräsidenten Johann Reinhard von Metternich stand – wechselte auf einen klar prokaiserlichen Kurs in der Reichspolitik.

Nach dem Sieg über Tilly bei Breitenfeld rückte König Gustav Adolf gegen Mainz. Dieses eroberte er an Weihnachten 1631, doch Wambolt von Umstadt war schon mit einem Großteil des Adels und hohen Klerus vor den nahenden protestantischen Truppen nach Köln geflohen. Erst nach der Rückeroberung der Stadt und dem Abzug der 3.000 Mann starken schwedischen Besatzung im Dezember 1635 konnte er am 22. Juni 1636 wieder nach Mainz zurückkehren. Nach Erhalt der Priester- und Bischofsweihe im selben Jahr, krönte er am 22. Dezember 1636 in Regensburg den zum römisch-deutschen König gewählten Ferdinand III.

In seinem Erzstift setze er – soweit dies die Wirren des Krieges ermöglichten – eine äußerst strenge konfessionspolitische Linie durch. Hierbei wurden die protestantischen Neubürger, die sich während der Schwedenbesetzung in Mainz niederließen, zur Annahme des katholischen Glaubens gezwungen.

Reichspolitisch zeigte er ebenfalls eine starre Kompromisslosigkeit. Er wurde einer der glühendsten Verfechter der katholischen – habsburgischen Positionen beim Ringen um den Frieden. Sein Festhalten an der habsburgischen – spanischen Sichtweise trug dazu bei, dass sich ein schnelles Zusammenkommen des Westfälischen Friedens verzögerte. Bevor 1644 die französischen Truppen Mainz einnahmen, floh Wambolt von Umstadt erneut, diesmal ins nahegelegene Frankfurt. Obwohl er schon 1647 mit den Franzosen einen Friedens – und Neutralitätsvertrag schloss, konnte er seine Residenzstadt nicht mehr betreten.

Er verstarb am 9. Oktober 1647 in Frankfurt am Main.

Der wohl hochbegabte, wegen seiner außerordentlichem rhetorischen Begabung ehrfurchtsvoll Cicero germanicus genannte Anselm Wambolt von Umstadt war auch als trinkfest geschätzt und offenbar recht geschäftstüchtig. Er konnte während seines Pontifikates in der Religions- und Reichspolitik, trotz seiner genannten Fähigkeiten, nur recht wenig durchsetzen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Georg Friedrich von Greiffenclau Kurfürst-Erzbischof von Mainz
1629–1647
Johann Philipp von Schönborn