Arlit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stadtgemeinde Arlit
Stadtgemeinde Arlit (Niger)
Stadtgemeinde Arlit
Stadtgemeinde Arlit
Koordinaten 18° 44′ N, 7° 23′ O18.7361111111117.3869444444444Koordinaten: 18° 44′ N, 7° 23′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Agadez
Departement Arlit
Höhe 421 m
Einwohner 79.725 (2012)
Politik
Bürgermeister Bachir Abdoulaziz (2004)
Partei PNDS-Tarayya

Arlit ist eine Stadtgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements Arlit in Niger. Die Stadt ist vor allem für den Uranabbau bekannt.

Geographie[Bearbeiten]

Arlit liegt im Norden des Landes in der Wüste Ténéré, rund 200 Kilometer südöstlich des Grenzortes Assamaka (Gemeinde Ingall) zu Algerien und rund 250 Kilometer nördlich der Stadt Agadez. Das Stadtgebiet ist in 15 Stadtviertel gegliedert: Administratif, Akokan Carré, Akokan Cité, Boukoki Est, Boukoki Sud, Boukoki Tamesna, Carré Nouveau Marché, Carré SNTN, Cité SOMAÏR, Madawela Compagnie, Tamesna, Sahel, Takriss, Wadata und Zongo.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Arlit wurde 1969 gegründet, um die in der Nähe befindlichen Uran-Vorkommen auszubeuten, die bis heute die wirtschaftliche Grundlage der Stadt bilden.[2] Sie wurde nach der nördlich der Siedlung gelegenen Wasserstelle Arrli benannt. Das Bergbauunternehmen SOMAÏR investierte bis 1976 etwa 7,84 Milliarden CFA-Franc in die Errichtung der Stadt.[3] Noch in den 1970er Jahren ließ das Bergbauunternehmen COMINAK seinen eigenen großen Stadtteil Akokan südwestlich des Zentrums anlegen.[4]

Abgeschiedenheit und Uranbergbau machen die Region interessant für islamistische Terroristen.[5] Am 16. September 2010 wurden in Arlit fünf für den Nuklear-Konzern Areva tätige Franzosen sowie ein Togolese und ein Madagasse mutmaßlich von Al-Qaida im Maghreb entführt.[6][7] Am 30. Oktober 2013 kamen sie frei und konnten nach Frankreich zurückkehren.[8]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 1977 hatte Arlit 10.386 Einwohner, bei der Volkszählung 1988 32.272 Einwohner und bei der Volkszählung 2001 67.398 Einwohner.[9] Bei der Volkszählung 2012 betrug die Einwohnerzahl 79.725. Arlit ist damit die nach Einwohnern zweitgrößte Stadt in der Region Agadez nach deren Hauptstadt Agadez.[10]

Politik[Bearbeiten]

Bei den Kommunalwahlen im Juli 2004 wurde Bachir Abdoulaziz (PNDS-Tarayya) zum Bürgermeister gewählt.[11] Am 15. April 2010 ernannte der Ministerrat Algabid Daouda zum Administrator (Administrateur Délégué) der Gemeinde.[12]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Uranmine bei Arlit

Die Förderung des Uranerzes liegt vor allem in der Hand des französischen Nuklear-Konzerns Areva, dem die Verschleierung einer erhöhten radioaktiven Belastung der Umgebung und der Bergarbeiter vorgeworfen wird.[13] Durch den Bergbau verfügt die Stadt trotz ihrer abgeschiedenen Lage über eine relativ gute Infrastruktur, beispielsweise über einen Flughafen. Arlit ist auch der Sitz eines Tribunal de Grande Instance, eines der landesweit zehn Zivilgerichte der ersten Instanz.[14]

Durch die asphaltierte Nationalstraße 25 nach Agadez liegt Arlit heute an der Hauptstrecke der sogenannten Hoggar-Piste, dem Verkehrsweg vom algerischen Tamanrasset durch die Sahara nach Niger. Von Norden aus gesehen endet hier die Sandpiste und geht in eine Asphaltstraße über. Dennoch wird die ausgebaute Strecke über Arlit auch heute noch von einem beachtlichen Teil der im Transsaharahandel von und nach Algerien kommenden und am Grenzort Assamaka abgefertigten LKWs gemieden. Insbesondere der Warenverkehr in die südwestlichen Regionen des Nigers sowie der Hauptstadt Niamey erfolgt oft weiterhin an Arlit vorbei über kürzere Pisten, die zum Teil den alten Karawanenwegen folgen. Landschaftlich geht auf der Strecke nach Agadez die hier noch völlig vegetationslose Wüste nach und nach in die zunächst noch spärlich bewachsene und später mit immer mehr Bäumen durchsetzte Sahelzone über.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Danièle Poitou: Arlit, ville pionnière de l’industrialisation nigérienne. In: L’Afrique et l’Asie modernes, Bd. 133 (1982), 2, ISSN 0399-0370, S. 29–47.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arlit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010.
  2.  Abdourahmane Idrissa, Samuel Decalo: Historical Dictionary of Niger. 4. Auflage. Scarecrow, Plymouth 2012, ISBN 978-0-8108-6094-0, S. 375.
  3.  Emmanuel Grégoire: Touaregs du Niger. Le destin d’un mythe. 2. Auflage. Karthala, Paris 2010, ISBN 978-2-8111-0352-1, S. 117–118.
  4.  Abdourahmane Idrissa, Samuel Decalo: Historical Dictionary of Niger. 4. Auflage. Scarecrow, Plymouth 2012, ISBN 978-0-8108-6094-0, S. 43.
  5. Alfred Hackensberger, Heise online: Al-Qaida und der Uran-Boom in Afrika, veröffentlicht am 25. September 2010, abgerufen am 12. Januar 2012.
  6. Offenbach-Post: Paris warnt vor neuer Terror-Gefahr, veröffentlicht am 17. September 2010, abgerufen am 12. Januar 2012.
  7. ABC: Secuestrados cinco franceses en el norte de Níger, veröffentlicht am 16. September 2010, abgerufen am 12. Januar 2012.
  8. Michaela Wiegel: Hohes Lösegeld für in Niger freigelassene Geiseln. faz.net, 30. Oktober 2013, abgerufen am 30. Oktober 2013
  9. bevölkerungsstatistik.de: Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deArlit, abgerufen am 5. Januar 2012.
  10. Présentation des résultats globaux définitifs du Quatrième (4ème) Recensement Général de la Population et de l’Habitat (RGP/H) de 2012. Institut National de la Statistique, 2014, abgerufen am 18. April 2014 (PDF-Datei, französisch).
  11. Maires du PNDS (PDF; 25 kB). Website des PNDS-Tarayya, abgerufen am 6. Oktober 2012.
  12. Conseil des ministres du Niger du 15 avril 2010. Website Temoust.org, veröffentlicht am 16. April 2010, abgerufen am 6. Oktober 2012.
  13. Uranabbau im Niger: Der Fluch des strahlenden Reichtums. In: Spiegel-Online, 28. Dezember 2013. Abgerufen am 28. Dezember 2013.
  14. Bachir Talfi: Note sur l’organisation judiciaire. Website des nigrischen Justizministeriums, abgerufen am 24. September 2012.