Arno Widmann

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Arno Widmann (* 1946 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Arno Widmann studierte Philosophie an der Universität Frankfurt. 1979 war er Mitbegründer der tageszeitung (taz). Dort arbeitete er als Literatur- und zeitweilig auch als Chefredakteur. Später wurde er stellvertretender Chefredakteur der deutschen Vogue. Es folgten Posten als Feuilletonchef der Zeit und als Leitender Redakteur der Berliner Zeitung; dort betreute er vor allem die Meinungsseite. 2007 wurde er Feuilletonchef der Frankfurter Rundschau.[1] Seit 2010 ist Widmann Mitglied der DuMont Redaktionsgemeinschaft.[2]

2002 erschien im Folio Verlag Widmanns Debütroman Sprenger.

taz-Interview zur angeblichen AIDS-Herkunft[Bearbeiten]

Bekannt wurde Widmann als er im Februar 1987 in der taz ein vom DDR-Schriftsteller Stefan Heym mit dem Ost-Berliner Professor Jakob Segal (dem ehemaligen Leiter des Instituts für allgemeine Biologie an der Humboldt-Universität zu Berlin) geführtes Interview unter dem Titel "Aids - man-made in USA" veröffentlichte. Das Interview sollte Segals These verbreiten, dass das HI-Virus in einem US-amerikanischen Militärlabor entwickelt worden und dort 1979 entwichen sei.

Der Abdruck verschaffte dieser schon vorher kolportierten Verschwörungstheorie eine hohe Aufmerksamkeit in der Bundesrepublik. Widmann veröffentlichte dieses Interview obwohl ihm bekannt gewesen sein solle, das Der Spiegel und Die Zeit es bereits abgelehnt hatten und zudem viele 1987 bereits bekannte Fakten über AIDS dem Inhalt des Interviews widersprachen.

Wie sich später herausstellte waren Segals Stellungnahmen und Theorien zu AIDS/HIV Teil einer mehrjährigen Desinformationskampagne des sowjetischen Geheimdienstes KGB um den 'Klassenfeind USA' weltweit zu diskreditieren. Widmann und offenbar auch Heym waren unwissend zu Instrumenten Segals und des KGBs geworden. Der pensionierte Segal hatte aufgrund seiner Thesen sogar schon Veröffentlichungsverbot in der DDR erhalten, da Staat und Forschung klar war, dass seine Thesen wissenschaftlich nicht haltbar waren. Den DDR-Staatsorganen war die KGB-Kampagne anscheinend nicht bekannt, aber das Veröffentlichungsverbot motivierte wiederum den streitbaren Heym zu seinem Interview. Michail Gorbatschow befahl später die Einstellung der KGB-Kampagne und entschuldigte sich bei den Amerikanern für diese. Segal vertrat bis zu seinem Tode seine Theorien weiter.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frankfurter Rundschau - Impressum (Version vom 21. Juli 2007 im Internet Archive)
  2. Arno Widmann, dumont-redaktionsgemeinschaft.de, abgerufen am 26. November 2014.
  3. Aids-Verschwörung: Das Propaganda-Virus des KGB, Der Spiegel vom 22. Juni 2012, abgerufen am 5. Dezember 2014