Arnold Schering

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Arnold Schering (* 2. April 1877 in Breslau; † 7. März 1941 in Berlin) war ein deutscher Musikwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten]

Arnold Schering wuchs in Dresden als Sohn eines Kunstverlegers auf. Er besuchte das Annengymnasium und erlernte das Violinspiel. Ab 1896 studierte er an der Musikhochschule Berlin Violine bei Joseph Joachim. 1898 bis 1902 studierte er in Berlin und Leipzig Musikwissenschaft und wurde 1902 mit einer Dissertation über die Geschichte des Instrumentalkonzertes bei Antonio Vivaldi promoviert.[1] 1907 habilitierte er sich an der Universität Leipzig mit der Schrift Die Anfänge des Oratoriums, die er 1911 in erweiterter Form unter dem Titel Geschichte des Oratoriums publizierte. Nachdem er 1909 zunächst einen Lehrauftrag für Musikgeschichte am Leipziger Konservatorium erhalten hatte, wurde er 1915 an der Universität Leipzig a. o. Professor. 1920 wurde er als ordentlicher Professor an die Universität Halle berufen.[2]

1920 ging er davon aus, dass Johann Sebastian Bach in der Regel mit zwölf Sängern auskommen musste. Doch erst die Alte-Musik-Bewegung setzte das um.

1927 wurde Schering Vorsitzender der Händelgesellschaft. Seit 1928 lehrte er als Ordinarius für Musikgeschichte an der Universität Berlin.[2]

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten gehörte er dem Nationalsozialistischen Lehrerbund und dem Großen Rat der Reichsmusikkammer an.[1] Ferner war er bis 1936 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Musikwissenschaft[3] (bis 1933: Deutsche Musikgesellschaft), an deren Umgestaltung nach nationalsozialistischen Prinzipien er sich maßgeblich beteiligte. „Die Anstellung junger Nationalsozialisten wurde gefördert; Alfred Einstein (1880–1952) hingegen gezwungen, die Redaktion der Zeitschrift für Musikwissenschaft niederzulegen, die er seit deren erstem Erscheinen 1918 geleitet hatte. Dem ‚Führerprinzip‘ folgend, bestimmte Schering 1936 oder 1937 Ludwig Schiedermair (1876–1957) zu seinem Nachfolger als Präsident.“[4]

Im Januar 1934 hielt Schering einen Vortrag bei der Gesellschaft für deutsche Bildung über Das Germanische in der deutschen Musik. Im selben Jahr erschien sein Buch Beethoven in neuer Deutung,[1] in welchem er die Werke Beethovens Szenen aus Shakespeares und Schillers Dramen zuordnet,[5] wobei er die Behauptung aufstellte, dass diese Zuordnungen sowohl eindeutig als auch von Beethoven intendiert seien. Im selben Jahr schrieb er auch einen Beitrag in der Zeitschrift für Musikwissenschaft, in dem er Beethovens 5. Sinfonie im Sinne des NS-Regimes als „Symphonie der nationalen Erhebung“ deutete.[6] 1936 schließlich schrieb er in Beethoven und die Dichtung: „Wenn eine brutal-sinnliche, rassefremde Musik uns eine Zeitlang des unlösbaren Zusammenhangs von hoher Musik und hoher Dichtung zu entfremden gedroht, so möge es jetzt Beethoven sein, der diesen ideellen Bund aufs neue stiftet“.[7] Allerdings trafen seine Thesen zur neuen Beethoven-Deutung im nationalsozialistischen Musikschrifttum auf heftige Ablehnung.[8]

Im August 1940 wurde er krankheitsbedingt von seinen Verpflichtungen freigestellt.[1] Er starb im März des folgenden Jahres in Berlin und wurde auf dem Friedhof Heerstraße beigesetzt, die Grabstätte wurde jedoch aufgelöst.

Zu Scherings Schülern gehören u. a. Wolfgang Boetticher (1914–2002), Willibald Gurlitt (1889–1963), Helmuth Osthoff (1896–1983) und Hans Schnoor (1893–1976)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, CD-Rom-Lexikon, Kiel 2004, S. 6.084–6.086.
  2. a b Helmuth Osthoff: Schering, Arnold. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart Bd. 11, Bärenreiter-Verlag, Kassel 1986, S. 1678–1679, CD-Rom Ausgabe, S. 66.650–66.651.
  3. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 520.
  4. Zitat Bernhold Schmid: Schering, Arnold. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 696 f. (Digitalisat).
  5. Bernhold Schmid: Schering, Arnold. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 696 f. (Digitalisat).
  6. Zitat bei Fred K. Prieberg: Handbuch, S. 6.086.
  7. Zitat bei Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich, S. 520.
  8. Beitrag von Ludwig Schiedermair in Deutsche Musikkultur 1. Jg. Heft 6, 1937 sowie Entgegnung Scherings und erneute Entgegnungen Schiedermairs, Hans Pfitzners, Kurt Schuberts, Walter Abendroths, Frank Wohlfahrts in derselben Zeitschrift, 2. Jg., Heft 2, 1937.