Auguste-Viktoria-Hospital (Jerusalem)

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Das Auguste-Viktoria-Hospital in Jerusalem ist ein ursprünglich deutsches Hospiz und Krankenhaus der Kaiserin-Auguste-Victoria-Stiftung, das 1910 auf dem Ölberg eröffnet wurde. Seit 1950 wird es vom Lutherischen Weltbund getragen.

Geschichte[Bearbeiten]

Augusta-Victoria-Hospital mit Himmelfahrtkirche, 1921 unter britischer Flagge
Portal des Hospitals

Das Krankenhaus verdankt seine Entstehung einem Versprechen Kaiser Wilhelm II. auf seiner Palästinareise 1898 an die deutschen Bewohner Palästinas. 1903 gelang es dem deutschen Konsul in Jaffa Edmund Schmidt (1855–1916), einen Komplex von zunächst ca. 32 Morgen auf dem Ölberg in Jerusalem zu kaufen. Das Kuratorium der Auguste Victoria-Pfingsthaus-Stiftung zu Potsdam erklärte sich 1904 zur Übernahme der Trägerschaft bereit.

Nachdem die Witwe Laura Oelbermann, geb. Nickel, (1846–1929; 1918 von Kaiser Wilhelm II. für ihr soziales Engagement in den Adelsstand erhoben) aus Köln der Stiftung 1 Million Mark gespendet hatte, wurde 1906 der Firma Gause & Leibnitz die Bauausführung übertragen. Die Stiftungsurkunde der sogenannten Ölbergstiftung wurde am 27. Januar 1907 von Wilhelm II., seiner Frau Auguste Viktoria, sämtlichen Prinzen und der Prinzessin Viktoria Luise unterschrieben. Mit dem Ölberg-Kreuz wurde extra ein preußischer Orden für Männer und Frauen gestiftet, die sich um die Ölberg-Stiftung verdient gemacht hatten. Zur Grundsteinlegung am 31. März 1907 entsandte der Kaiser Ernst Dryander (1843–1922), Vizepräsident des altpreußischen Evangelischen Oberkirchenrats in Berlin.

Außer Kalk, Stein und Wasser wurden das gesamte Material für den Baukomplex, zu dem auch die evangelische Himmelfahrtkirche gehört, sowie die komplette Inneneinrichtung aus Europa beschafft. Am 9. April 1910 fand die Einweihung statt, bei der Prinz Eitel Friedrich von Preußen und seine Frau Sophie Charlotte von Oldenburg das Kaiserpaar vertraten.

Die Kaiserswerther Diakonisse Theodore Barkhausen (1869-1959), Tochter von Friedrich Wilhelm Barkhausen, leitete in der Zeit vor Ersten Weltkrieg bis zum israelischen Unabhängigkeitskrieg nach dem Zweiten Weltkrieg von hier aus und unter höchst wechselhaften politischen Rahmenbedingungen die Kaiserswerther Orientarbeit.[1]

1909/10 übernahm der Johanniterorden den Schutz der auf jetzt insgesamt 2,5 Millionen Mark veranschlagten Stiftung. Durch Landzukäufe war das Areal inzwischen auf ca. 80 Morgen erweitert worden.

Im Ersten Weltkrieg war im Auguste-Viktoria-Hospital ein deutsches Lazarett untergebracht, und es diente von 1915 bis 1917 als Hauptquartier für Cemal Pascha. Von Juni bis Dezember 1917 war hier das Oberkommando des deutschen Asien-Korps. In der Mandatszeit war das Gebäude 1920–1927 Sitz des britischen High-Commissioners Herbert Louis Samuel. 1927 wurde das Gebäude durch ein starkes Erdbeben beschädigt. 1928 tagte die Weltmissionskonferenz des Internationalen Missionsrates (eine Vorläuferin des Ökumenischen Rates der Kirchen) in den Räumen der Ölbergstiftung.

Ab 1937 wurde das Malaria-Hospiz vom Diakoniewerk Kaiserswerth zu einem Krankenhaus umgestaltet. Im Zweiten Weltkrieg war in dem Gebäude ab 1939 ein britisches Militärlazarett für die Arabische Legion untergebracht.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz nutzte das Krankenhaus nach dem Jüdisch-Arabischen Krieg von 1948 für palästinensische Flüchtlinge. 1950 wurde die Trägerschaft vom Lutherischen Weltbund übernommen – in langjähriger Zusammenarbeit mit dem „Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten“ (UNRWA).

Akutkrankenhaus[Bearbeiten]

Das heute Augusta Victoria Hospital (AVH) benannte Krankenhaus mit 164 Betten liegt in Ostjerusalem und versorgt überwiegend die palästinensische Bevölkerung. Rund 75 % der Patienten kommen aus dem Westjordanland bzw. dem Gazastreifen. Von der Ausstattung her entspricht es etwa einem Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit seinen Abteilungen für Innere Medizin, Allgemeine Chirurgie, Anästhesie und Notfallmedizin, HNO, Onkologie, Pädiatrie, Radiologie und Labormedizin. Das Akutkrankenhaus betreibt auch eine Ambulanz und Dialysestationen für Kinder und Erwachsene. Es fördert die Gesundheitsbildung mit Ernährungsberatung und Diabetes-Prophylaxe. Für junge Ärzte, Medizinstudenten und Pflegeberufe werden Praktika und Ausbildungsprogramme angeboten.

1950–1991 wurde die Pädiatrie bzw. das Krankenhaus von Dr. Amin Majaj (1921–1999) geleitet, der von 1950 bis 1964 stellvertretender Bürgermeister von Jerusalem, 1957 sowie 1964 jordanischer Gesundheitsminister, 1967–1988 Mitglied des jordanischen Parlamentes und 1977–1999 (von Israel nicht anerkannt) ehrenamtlicher Bürgermeister von Ostjerusalem war.

Seit 2001 ist Dr. Tawfiq Nasser (* 1964) der Leitende Direktor (Chief Executive Officer) des AVH.

Augusta Victoria Compound[Bearbeiten]

Im Gelände der Auguste-Victoria-Stiftung (Augusta Victoria Compound) besteht heute neben dem Krankenhaus das Evangelisches Pilger- und Begegnungszentrum der Himmelfahrtkirche mit einem öffentlichen Café. Es gibt einen Kindergarten und ein Gästehaus. Auch das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes hat dort seit 1982 seinen Sitz.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Augusta Victoria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • August Strobel: Die Hand des Herrn auf dem Berge. Texte zur Geschichte der Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung. Gesammelt und zusammengestellt aus Anlaß der Wiedereinweihung der Evangelischen Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg in Jerusalem am 24. Mai 1990, Fürth: Flacius-Verlag 1992 ISBN 3-924022-98-4
  • Jürgen Krüger: Die Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg in Jerusalem, Königstein i. Ts. 2010 (Die Blauen Bücher), ISBN 978-3-7845-0720-0

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biografie bei www.ekd.de

31.78672335.249362Koordinaten: 31° 47′ 12″ N, 35° 14′ 58″ O