Badnerlied

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Coat of arms of Baden.svg

Das Badnerlied ist die bis heute wohl populärste Regionalhymne Südwestdeutschlands (auch: „Die inoffizielle Landeshymne Badens“).

Entstehung[Bearbeiten]

Das Lied wurde vermutlich um 1865 aus einem heute weitgehend vergessenen Sachsenlied umgedichtet. Anhaltspunkte für die Datierung des Badnerlieds sind die Passagen über die Festung Rastatt, die um den Krieg von 1870/71 eine strategische Rolle spielte, und die Industrialisierung Mannheims, u.a. durch die 1865 gegründete Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF). Die Strophe Alt-Heidelberg, Du feine …. wurde aus dem Trompeter von Säckingen des badischen Schriftstellers Joseph Victor von Scheffel (geschrieben bereits 1852 oder 1854) hinzugefügt.[1]

Die früheste bekannte Druckfassung des Badnerlieds mit seinen fünf Grundstrophen findet sich in Marschlieder des 5. badischen Infanterieregiments Nr. 113 von Karl Pecher aus dem Jahr 1906. Eine noch ältere, aber knappere Version wurde im Frühjahr 2012 bei den Vorbereitungen für das 900-jährige Jubiläum des Landes Baden im Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt gefunden. In einem Liederheft für den Pioniertag im Juni 1896 in Heidelberg ist eine Version mit den heutigen Strophen 1,3 und 5 abgedruckt.[2][3][4]

Bedeutung[Bearbeiten]

In den 1920er Jahren gab es Überlegungen, das Lied zu einer offiziellen Landeshymne zu machen; sie wurden jedoch nicht zu Ende geführt. Eine Renaissance erfuhr das Lied in den 1950er Jahren trotz der Vereinigung der alten Länder zum Bundesland Baden-Württemberg.

Das Badnerlied wird bei vielen Anlässen gespielt, beispielsweise bei den Heimspielen badischer Fußballvereine wie dem Karlsruher SC, dem SC Freiburg und der TSG 1899 Hoffenheim, sowie auch bei Heimspielen des Handballclubs Rhein-Neckar Löwen und der Eissportvereine EHC Freiburg und den Baden Rhinos aus Hügelsheim. In einigen Teilen Badens genießt es bei offiziellen Festakten wie Einweihungen sogar einen quasioffiziellen Status. So wurde das Badnerlied auch gespielt, als beim Natogipfel 2009 in Kehl, Baden-Baden und Straßburg die Staats- und Regierungschefs der Natostaaten über die Passerelle des deux Rives Deutschland in Richtung Frankreich verließen.

Die Reihenfolge der Strophen unterscheidet sich dabei je nach geographischer Lage (Nord- oder Südbaden). So wird die mit In Karlsruh' steht die Residenz beginnende Strophe je nachdem mit der Strophe In Haslach gräbt man Silbererz vertauscht. Weiterhin gibt es auch kleine Variationen im Text. So wird an manchen Stellen häufig steht statt ist verwendet, beispielsweise bei In Rastatt ist die Festung, das dann In Rastatt steht die Festung lautet.

Es wurden und werden auch viele neue Strophen hinzugedichtet. Besonders beliebt sind idealisierende und einzelne Regionen oder Städte besingende Strophen, aber auch Schwaben verunglimpfende Textzeilen (statt „...frisch auf, frisch auf...“ „...der Schwob muss raus... [aus dem Badner Land]“).

Die Brauerei Rothaus hat eine eigene Fassung, bei der die Textzeile In Rastatt ist die Festung durch In Rothaus ist die Brauerei ersetzt worden ist. Diese Fassung wird teilweise bei Fußballspielen verwendet, die von dieser Brauerei gesponsert werden. Beim SC Freiburg konnte sich jedoch diese Fassung nicht durchsetzen, und auch beim KSC ist lediglich der Text auf der Videowand zu sehen, nicht jedoch im abgespielten Lied zu hören.

Bei einer nach den Landesteilen Baden und Württemberg getrennt ausgezählten Hitparade des Radiosenders SWR1 wurde das Badnerlied von den Badnern auf Platz 9 gewählt. Bei einer regionalen Auswertung stellte sich heraus, dass es bei den Konstanzern Platz 3 und in Mosbach sogar den ersten Platz erreicht hatte, wofür die Mosbacher vom Bund Freiheit statt Baden-Württemberg zum Badner des Jahres 2006 gekürt wurden.

Die kommerziellen Hörfunksender baden.fm und Radio Regenbogen spielen jede Nacht um null Uhr das Badnerlied.

Text[Bearbeiten]

Das schönste Land in Deutschlands Gau'n,
das ist mein Badner Land.
Es ist so herrlich anzuschaun
und ruht in Gottes Hand.
Refrain:
D'rum grüß ich dich mein Badnerland,
du edle Perl' im deutschen Land, deutschen Land.
frisch auf, frisch auf; frisch auf, frisch auf;
frisch auf, frisch auf mein Badnerland.
Zu Haslach gräbt man Silbererz,
Bei Freiburg wächst der Wein,
im Schwarzwald schöne Mädchen,
ein Badner möcht' ich sein.
D'rum grüß ich dich ...
In Karlsruh’ ist die Residenz,
in Mannheim die Fabrik.
In Rastatt ist die Festung
und das ist Badens Glück.
D'rum grüß ich dich ...
Alt-Heidelberg, du feine,
du Stadt an Ehren reich,
am Neckar und am Rheine,
kein' and're kommt dir gleich.
D'rum grüß ich dich ...
Der Bauer und der Edelmann,
das stolze Militär
die schau'n einander freundlich an,
und das ist Badens Ehr.

Sonstiges[Bearbeiten]

Anfang der 1930er Jahre komponierte Emil Dörle den Marsch Hoch Badnerland, dessen Schlusstrio das Badnerlied bildet und welcher heute zum Standardrepertoire vieler badischer Blaskapellen gehört.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Schüssele, Waltraud Linder-Beroud: Das Badnerlied. Geschichte und Geschichten. Silberburg-Verlag, Tübingen und Lahr/Schwarzwald 2012. ISBN 978-3-8425-1197-2.
  • Waltraud Linder-Beroud: Ein neues Land – ein neues Lied? In: Badische Heimat 82 (2002), S. 96−109.
  • Lutz Röhrich: „… und das ist Badens Glück“. Heimatlieder und Regionalhymnen im deutschen Südwesten. Auf der Suche nach Identität. In: Jahrbuch für Volksliedforschung, Jg. 35 (1990), S. 14−25.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Badisches Tagblatt, Populärer als „Yesterday“, 22. Mai 2012
  2. Früheste Druckfassung des Badnerliedes entdeckt, Wehrgeschichtliches Museum Rastatt: WGM aktuell
  3. Badisches Tagblatt, „Sensationsfund“ im WGM, 28. April 2012
  4. dpa: Badner Lied ist älter. In: badische-zeitung.de, Nachrichten, Südwest, 28. April 2012 (2. Mai 2012)