Banisteriopsis caapi

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Banisteriopsis caapi
Banisteriopsis caapi

Banisteriopsis caapi

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Malpighiengewächse (Malpighiaceae)
Gattung: Banisteriopsis
Art: Banisteriopsis caapi
Wissenschaftlicher Name
Banisteriopsis caapi
(Spr. ex Griseb.) Morton
Banisteriopsis caapi Blüten
Banisteriopsis caapi

Banisteriopsis caapi ist eine Lianen-Art aus der Familie der Malpighiengewächse (Malpighiaceae). Aus den Pflanzenteilen wird einer der beiden Hauptbestandteile von Ayahuasca, eines halluzinogenen Trunks aus mehreren pflanzlichen Komponenten, hergestellt. Die Liane B. caapi wird selbst auch Ayahuasca genannt, eine Quechua-Wort, welches „Liane der Geister, Liane der Seelen“ bedeutet.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Banisteriopsis caapi weist sehr lange, vielfach verzweigte, verholzte Stängel auf. Die bis zu 18 cm langen und bis zu 8 cm breiten Blätter sind im großen und ganzen oval geformt, laufen aber in einer dünnen Spitze aus. Ihre rund 13 mm großen Blüten bestehen aus vierblütigen Dolden mit je fünf weiß bis blassrosa gefärbten Kelchblättern. Die einzelne Pflanze blüht nur selten; wenn, dann zwischen Dezember und August mit Schwerpunkt im Januar. Die geflügelten Früchte bilden sich zwischen März und August aus.

Bezeichnungen[Bearbeiten]

Das Erscheinungsbild der Pflanze variiert stark, was sich auch in mehreren synonymen Bezeichnungen widerspiegelt: Banisteria caapi Spruce ex Grisebach, Banisteria quitensis Niedenzu, Banisteriopsis inebrians Morton und Banisteriopsis quitensis (Niedenzu) Morton.

Weitere, lokale Bezeichnungen sind wie folgt:[2]

  • Kolumbien: yagé, ayahuasca, yagé del monte, yagé sembrado
  • Ecuador: ayahuasca, natema, nepe
  • Peru: ayahuasca, ayahuasca amarilla, purga-huasca, ciele ayahuasca, ayahuasca negra, shuri-fisopa
  • Brasilien: caapí, yagé, cauupuri mariri, mão de onça, tiwaco-mariri

Varietäten[Bearbeiten]

Wissenschaftlich werden zwei Varietäten unterschieden:

  • Banisteriopsis caapi var. caupari mit knotigen Stängeln
  • Banisteriopsis caapi var. tukonaka mit glatten Stängeln

Die Siona-Indianer differenzieren je nach Farbe und Form der Blätter, der Stängel, des Wuchses sowie des Standortes über zehn Pflanzenformen. Die Andoques unterscheiden drei Arten aufgrund der Wirkung.

Verbreitung[Bearbeiten]

Banisteriopsis caapi ist im gesamten Amazonasgebiet verbreitet, so unter anderem in Peru, Bolivien, Brasilien und Venezuela sowie an der Pazifikküste Kolumbiens und Ecuadors. Da die Pflanze seit Jahrhunderten kultiviert wird, lässt sich ihre ursprüngliche Herkunft nicht mehr zuverlässig bestimmen.

Die kultivierten Pflanzen sind in der Regel unfruchtbar. Sie werden daher von den Indianern über Stecklinge vermehrt.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

In allen Pflanzenteilen finden sich β-Carboline der Harman-Alkaloid-Stoffgruppe. Die wichtigsten darunter sind Harmin (40–96 % Anteil am Gesamtalkaloidgehalt), Harmalin (0–17 % Anteil am Ges.alk.geh.) und Tetrahydroharmin (1–44 % Anteil am Ges.alk.geh.).[2]

Die größte Alkaloidkonzentration findet sich in den Wurzeln (0,64–1,95 % Alkaloidgehalt des Trockengewichts), gefolgt von den Stängeln/Stamm (0,11–0,83 % d. Trgw.), den Blättern (0,28–0,70 % d. Trgw.) und den Zweigen (0,14–0,37 % d. Trgw.).[2]

Inhaltsstoffe von B. caapi mit geringfügigen Mengenanteilen sind: Harmol, Harmalol, Harmin-N-oxid, Harminamid, Harminsäure, Harminsäuremethylester, Harmalinsäure, 6-Methoxytryptamin, Banistenosid A, Banistenosid B, Acetylnorharmin, Ketotetrahydronorharmin, Tetrahydronorharmin, Shihunin und Dihydroshihunin.[2][3][4][1]

Mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie wurden in den Stängeln/Stämmen 1,7–12,5 mg Totalalkaloide pro g Trockengewicht gemessen; davon waren 1,0–6,4 mg/g Harmin, 0,3–1,3 mg/g Tetrahydroharmin, 0,5–3,8 mg/g Harmalin, 0,01–1,2 mg/g Harmol und Spuren bis 0,4 mg/g Harmalol.[2]

Rechtslage[Bearbeiten]

Banisteriopsis caapi unterliegt in Deutschland weder dem Betäubungsmittelgesetz, noch dem Arzneimittelgesetz.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Banisteriopsis caapi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Dagmar Eigner, Dieter Scholz: Ayahuasca - Liane der Geister. In: Pharmazie in Unserer Zeit. 14, 1985, S. 65–76, doi:10.1002/pauz.19850140302.
  2. a b c d e R. Hänsel, K. Keller, H. Rimpler, G. Schneider (Hrsg.): Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis: Band 4: "Drogen A-D", S. 458, Springer Berlin 1992, ISBN 978-3-642-63468-0 doi:10.1007/978-3-642-58087-1_2
  3. Y. H. Wang, V. Samoylenko, B. L. Tekwani, I. A. Khan, L. S. Miller, N. D. Chaurasiya, M. M. Rahman, L. M. Tripathi, S. I. Khan, V. C. Joshi, F. T. Wigger, I. Muhammad: Composition, standardization and chemical profiling of Banisteriopsis caapi, a plant for the treatment of neurodegenerative disorders relevant to Parkinson's disease. In: Journal of ethnopharmacology. Band 128, Nummer 3, April 2010, S. 662–671, ISSN 1872-7573. doi:10.1016/j.jep.2010.02.013. PMID 20219660. PMC 2878139 (freier Volltext).
  4. J. C. Callaway, G. S. Brito, E. S. Neves: Phytochemical analyses of Banisteriopsis caapi and Psychotria viridis. In: Journal of psychoactive drugs. Band 37, Nummer 2, Juni 2005, S. 145–150, ISSN 0279-1072. PMID 16149327.
  5. Gericht gibt berauschende Kräutermischungen frei, „Demnach ist der Begriff des Arzneimittels in Art. 1 Nr. 2 Buchst. b der Richtlinie 2001/83 dahin auszulegen, dass er keine Stoffe erfasst, deren Wirkungen sich auf eine schlichte Beeinflussung der physiologischen Funktionen beschränken, ohne dass sie geeignet wären, der menschlichen Gesundheit unmittelbar oder mittelbar zuträglich zu sein.“[1]
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