Basler Fasnacht

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Waggislarve
Basler Fasnacht 2013

Die Basler Fasnacht ist die grösste Fasnacht der Schweiz. Sie beginnt am Montag nach Aschermittwoch um 04.00 Uhr mit dem Morgestraich, dauert exakt 72 Stunden und endet am Donnerstagmorgen um 04.00 Uhr mit dem Endstraich. In dieser Zeit wird die Basler Innenstadt von den Fasnächtlern beherrscht, die in ihren Cliquen durch die Strassen, Kneipen und Geschäfte ziehen. Die Basler Fasnacht wird – nicht nur von Aktiven – auch als „die drey scheenschte Dääg“ (die drei schönsten Tage) bezeichnet.

Der Fasnachtstermin[Bearbeiten]

Die Fasnacht ist ein Fest vor Beginn der vierzig-tägigen vorösterlichen Fastenzeit. Der ursprüngliche christliche Brauch, an vierzig aufeinanderfolgenden Tagen vor dem Ostersonntag zu fasten, wurde bei der Synode von Benevent von 1091 geändert. Seitdem wurde das Fasten an Sonntagen unterbrochen. Weil aber weiterhin vierzig Tage gefastet werden sollte, verschob sich der Beginn des Fastens um die dazwischen liegende Zahl von Sonntagen auf den sechs Tage früheren Aschermittwoch.

In der im 16. Jahrhundert erfolgten Reformation wurde die Fastnacht abgeschafft, was sich aber in der reformierten Basler Kirche nicht durchsetzen konnte. Es wurde lediglich die alte Tradition des Fastens an vierzig aufeinanderfolgenden Tagen (Fasten auch an Sonntagen) wieder aufgenommen. Die Basler Fasnacht ist somit die einzige „protestantische Fasnacht“, und sie wird eine Woche später gefeiert als die „katholische Fasnacht“. Die vorstehende Begründung erscheint plausibel, sie wird aber bisher in keiner schriftlichen Quelle bewiesen.

Die weit verbreitete Meinung, der abweichende Fasnachtstermin hänge mit dem Wechsel vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender zusammen, ist falsch. Das ergibt sich schon allein daraus, dass beim Kalenderwechsel 10 Tage übersprungen wurden, was mit dem Fasnachtstermin nicht in Übereinstimmung zu bringen ist.

Zählt man im Kalender, ausgehend vom Karsamstag, der in Basel als „Ostersamstag“ bezeichnet wird, als letztem Fastentag, vierzig Tage zurück, so landet man beim Basler Fasnachtsdienstag als erstem Fastentag. Damit dauert die Basler Fasnacht also bis in die Fastenzeit hinein. Das ist aber kein Widerspruch, denn die heute aktuelle Form der Fasnacht, also die Dauer von 3 Tagen, ist mitnichten eine uralte Tradition, sondern hat sich erst in jüngerer Zeit entwickelt, als sich die Fasnacht schon längst von jedem religiösen Bezug gelöst und als eigenständiges Fest etabliert hatte. Reduziert man die Fasnacht auf den Morgestraich, dann stimmt das Datum.

Bis weit ins 16. Jahrhundert existierten beide Fasnachtstermine nebeneinander: Zum einen die Herren- oder Pfaffenfasnacht, die sich am Beschluss des Konzils von Benevent orientierte, wonach der Aschermittwoch der erste Fastentag war. Der Name deutet schon an, dass diese vor allem von den wohlhabenderen Kreisen begangen wurde. Zum anderen wurde vom gemeinen Volk weiterhin am ursprünglichen Datum die Bauernfasnacht (alemannisch Buurefasnacht) gefeiert. Die Basler Fasnacht findet also zum „Bauernfasnachtstermin“ statt.

Auch im übrigen alemannischen Raum haben sich bis heute viele Bräuche der Bauernfasnacht erhalten. Bis heute ist die Redewendung „Kunnsch hindedryy wie die alti Fasnacht!“ (du bist zu spät wie die alte Fasnacht) gebräuchlich.[1]

Der frühestmögliche Termin für den Morgestraich ist der 9. Februar, der spätestmögliche der 15. März.

Überblick[Bearbeiten]

Die Basler Fasnacht – im Folgenden einfach Fasnacht genannt – unterscheidet sich stark vom rheinischen „jecken“ Karneval. Dafür sorgt schon die strikte Trennung zwischen Aktiven und Zuschauern.

Jeder der ca. 18.000 aktiven Fasnächtler trägt ein Kostüm mit einer Larve (Maske). Darunter werden das Gesicht und der gesamte Körper verdeckt, der Träger des Kostüms ist nicht zu erkennen. Es gehört zum guten Ton, dass ein Fasnächtler sich nicht in der Öffentlichkeit erkennen lässt. Die Cliquen tragen, ausser beim Morgestraich und am Fasnachts-Dienstag, einheitliche Kostüme, die meist dem „Sujet“ (Thema) der Clique angepasst sind. Bei den Kostümen kennt die Fantasie keine Grenzen. Oft sind die Larven Personen des öffentlichen Lebens (Politikern und anderen Prominenten) nachempfunden, manchmal auch Comic-Figuren oder Tieren. Es gibt aber auch traditionelle Larven, etwa jene die an die französische Armee der Napoleonischen Kriege erinnern, Harlekine, Alte Tanten, oder die vor allem bei Einzelpersonen und Wagencliquen beliebten Waggis-Larven.

Am auffälligsten sind die Pfeifer- und Tambouren-Cliquen. Diese spielen bei ihrem Gang durch die Innenstadt Märsche, ihre Piccoloflöten werden vom Rhythmus ihrer Basler Trommeln begleitet. Die Basler Innenstadt wird somit in diesen drei Tagen zum Platz des grössten Pfeiferkonzerts der Welt. Eine Clique besteht meist aus einem Vortrab (Platzmacher), den Pfeifern, dem Tambourmajor und den Tambouren (Trommlern). Die Cliquen folgen dabei keinen bestimmten Routen (ausser am Cortège). Es kommt dabei immer mal vor, dass sich der Weg mehrerer Cliquen kreuzt. In dem Fall bleibt eine Clique einfach stehen und wartet, bis die andere passiert hat. Steht man als Zuschauer einer Clique im Weg, wird man vom Vortrab freundlich beiseitegeschoben.

Neben den pfeifenden Cliquen nehmen Guggenmusik-Gruppen mit Blechblasinstrumenten an der Fasnacht teil. Diese sind allerdings nicht beim Morgestraich anzutreffen, sondern nur bei den Cortèges am Montag und Mittwoch und an den Abenden, insbesondere am Dienstagabend bei den Gugge-Konzerten. Weiterhin ziehen viele Einzelpersonen und kleine Gruppen durch die Strassen. Sie werden als „Schyssdräggziigli“ bezeichnet und bewerfen beispielsweise als Waggis kostümiert „ahnungslose“ Zuschauer mit Konfetti (im Baseldeutsch Räppli genannt) beziehungsweise stopfen es diesen auch mal in die Jacke.

Die meisten Cliquen haben sich für die Fasnacht ein sogenanntes Sujet (französisch für „Thema“) vorgenommen, das während der Fasnacht präsentiert wird. Es handelt sich dabei um Themen der Zeitgeschichte, an denen in meist satirischer Form Kritik geübt wird. Die Sujets werden beim Morgestraich auf Laternen dargestellt. Beim Cortège sind auch die Kostüme, Larven und oftmals ein Requisit dem Thema angepasst. Praktisch alle Cliquen verteilen ausserdem passende Zeedel (Handzettel mit ironischen Versen).

Einige Bräuche und Höhepunkte der Fasnacht[Bearbeiten]

Morgestraich[Bearbeiten]

Morgestraich bei der Basler Fasnacht 2003

Der Morgestraich am Montagmorgen um 04.00 Uhr ist der Auftakt der Fasnacht. Zu diesem Zeitpunkt wird die Innenstadt praktisch vollständig verdunkelt und die Basler Stadtwerke schalten die Strassenbeleuchtung aus. Das einzige Licht kommt von den Laternen der Cliquen, die darauf ihre Sujets präsentieren. Vor den Cliquen wird eine grosse, bis zu 4 m hohe Zuglaterne getragen oder auf einem Wagen gezogen. Die Aktiven tragen zudem eine Kopflaterne. In einigen Cliquen sind diese einheitlich und dienen als Erkennungsmerkmal für die Zugehörigkeit zur Clique, da die Fasnächtler am Morgestraich traditionell keine einheitlichen Kostüme tragen. Diese offene Kleiderordnung wird Charivari genannt.

Auf das Kommando „Morgestraich, vorwärts, Marsch“ ihres Tambourmajors setzen sich die Cliquen in Bewegung. Alle Cliquen trommeln und pfeifen zuerst den gleichen Marsch, er trägt dabei den bezeichnenden Namen „Morgestraich“. Guggenmusiken spielen am Morgestraich keine.

Zum Morgestraich haben Restaurants und Wirtschaften in der Innenstadt geöffnet, viele davon bleiben die gesamten 72 Fasnachts-Stunden durchgehend offen. Tausende von Zuschauern geniessen die traditionellen Fasnachtsspeisen: Mehlsuppe und Zwiebelwähe oder Käsewähe (ein pikanter flacher Kuchen mit Käse, der meist warm gegessen wird).

Cortèges[Bearbeiten]

Cortège

Als Cortèges werden die Fasnachts-Umzüge bezeichnet, die am Montag- und Mittwochnachmittag durch die Innenstadt stattfinden. Die Umzüge laufen auf zwei festgelegten Routen, einer inneren und einer äusseren, die gegeneinander verlaufen. Die Umzüge laufen nicht, wie zum Beispiel die Rosenmontagszüge in Köln und Mainz, von A nach B, sondern zirkulieren, wobei jede Clique an einem anderen Ort auf der Route beginnt. Dabei hat jede Clique zwar einen festgelegten Abmarschpunkt und eine Abmarschzeit, legt aber Ort und Dauer ihrer Pausen spontan selbst fest. Damit gibt es also keine feste Reihenfolge der Cliquen, sondern diese ändert immer wieder und ist nicht vorhersehbar. Deshalb legen die Basler denn auch Wert darauf, dass es sich eben gerade nicht um einen Umzug handle. Dass die allgemein benutzte Bezeichnung „Cortège“ ein französisches Wort für Umzug ist, wird nicht als Widerspruch empfunden. Eine andere oft gehörte Bezeichnung ist „die Route laufen“.

Während der Umzüge zeigen auch die Wagencliquen ihre meist aufwändig dekorierten Fasnachtswagen, auf denen sie ihre Sujets umgesetzt haben. Von den Wagen werden Süssigkeiten und Obst an die Kinder verteilt und Blumen an Mädchen verschenkt. Wer allerdings keine „Blaggedde“ (Plakette) trägt, braucht gar nicht auf die Wagen loszulaufen, er wird höchstens eine Ladung „Räppli“ (Konfetti) erhalten.

Kinder- und Familienfasnacht[Bearbeiten]

Die Kinder- und Familienfasnacht findet am Dienstag statt. Auch hier gibt es wieder Umzüge durch die Stadt, allerdings zeigen sich nicht die Cliquen in Gruppen, sondern vor allem Familien mit ihren Kindern. Manchmal haben auch befreundete Familien gemeinsam einen Wagen hergerichtet. Wenn die Aktiven aus verschiedenen Cliquen kommen, sieht man die unterschiedlichsten Larven (Masken) auf einem Haufen.

Von den Kindern, insbesondere von den Kleinen, wird allerdings noch nicht erwartet, dass sie sich vollständig in schweren Kostümen vermummen. Die häufigsten Verkleidungen neben den traditionellen Figuren sind Cowboys, Prinzessinen und neuerdings vor allem bei kleineren Kindern immer häufiger Tiere wie Dinosaurier.

Gugge-Konzerte[Bearbeiten]

Eine der beliebten Gugge-Gruppen

Am Dienstagabend gehört die Gegend um Marktplatz, Barfüsserplatz und Claraplatz den Guggenmusik-Gruppen, die mit ihren Blechblasinstrumenten für Stimmung sorgen. Die Pfeifer-Gruppen ziehen sich in der Zeit eher in die Seitengassen zurück.

Die Gruppen bleiben auf ihrem Marsch durch die Innenstadt immer wieder mal stehen, spielen für die anwesenden Zuschauer vier bis fünf Stücke und gehen dann weiter. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich die Gruppen auch mal in Cafés und Wirtschaften begeben und den dort versammelten Gästen ein Ständchen darbieten.

Laternenausstellung[Bearbeiten]

Laternenausstellung auf dem Münsterplatz
2003 war George W. Bush ein beliebtes Sujet auf den Laternen

Von Montagabend bis Mittwochmorgen sind auf dem Platz vor dem Basler Münster sämtliche Laternen – rund 200 – der Fasnachts-Cliquen ausgestellt. Besonders am Abend, wenn die Laternen beleuchtet sind, bietet der Münsterplatz ein beeindruckendes Bild. Die Ausstellung bietet den Besuchern und Zuschauern die Möglichkeit, sich in Ruhe die kunstvoll erstellten Zuglaternen anzusehen und die zum Teil sehr sarkastischen Verse zu studieren.

Wagen- und Requisitenausstellung[Bearbeiten]

Ebenfalls von Montagabend bis Mittwochmorgen findet auf dem Kasernenareal die Ausstellung von Wagen und Requisiten statt. Aufgrund des beschränkten Platzangebotes können lediglich 25 der 120 am Cortège teilnehmenden Wagen ausgestellt werden. Dazu kommen rund 40 Requisiten der verschiedensten Gruppierungen. Am Dienstagnachmittag können Kinder auf einem kleinen Waggis-Wagen eine kleine Fahrt unternehmen und sollen so an die Fasnachtsfigur „Waggis“ herangeführt werden.

Schnitzelbängg und Zeedel[Bearbeiten]

Der Schnitzelbank (auf Baseldeutsch: „dr Bangg“) knüpft von der Tradition her an die Bänkelsänger an. Die Schnitzelbanksänger machen sich auf ironisch- bis sarkastisch-witzige Weise, mit Baseldeutsch gesungenen Texten, teilweise instrumental begleitet, über Ereignisse des abgelaufenen Jahres lustig. Unterstützt wird ihr Beitrag meist durch Illustrationen, die als Schautafeln auf einem Helgen präsentiert werden.

Man kann den Schnitzelbank nur im weitesten Sinn als Basler Entsprechung zur Büttenrede auffassen; jener entsprechen eher die „Zeedel“, die Zettel mit den in Versform bearbeiteten Sujets, welche die Fasnachtscliquen am Cortège verteilen.

Die Schnitzelbanksänger treten regulär am Montag- und Mittwochabend in den Cafés und Wirtschaften auf. Viele hört man heute jedoch auch am Dienstag, allerdings dann nur in den Cliquen-Kellern, den paragastronomischen Lokalen der Fasnachtsgesellschaften.

Gässle[Bearbeiten]

Platzkonzert einer Guggemusik

Neben den mehr oder weniger organisierten Anlässen wie Morgestraich, Cortèges (Umzüge) und Guggekonzerte existiert eine freie Form der Basler Fasnacht, das sogenannte „Gässle“. Diese Tätigkeit findet theoretisch während den ganzen 72 Stunden der Basler Fasnacht statt, ist aber während dem Morgestraich und den Cortèges sowie an den drei Fasnachtsvormittagen de facto inexistent (am Morgestraich sind die Cliquen bereits eingespannt und die Guggenmusiken nicht zugelassen, am Cortège sind praktisch alle Aktiven engagiert, an den Vormittagen wird ausgeruht oder gearbeitet). Die intensivste Zeit des Gässle ist daher an den drei Fasnachtsabenden und -nächten sowie den ganzen Dienstag (am Donnerstag bis punkt 04.00 Uhr). Beim Gässle sind die Cliquenformationen weitgehend aufgelöst, Fasnächtler verschiedener Cliquen, oder nicht einer Clique zugehörige Fasnächtler, treffen sich zu kleinsten, kleineren bis mittelgrossen Verbänden und ziehen trommelnd und pfeifend ohne festen Routenplan durch die Gassen der Innenstadt (daher Gässle). Die Guggenmusiken bleiben üblicherweise in ihrer Formation (aufgrund der unterschiedlichen Instrumente und Repertoires lassen sich schlecht ad hoc neue Verbände bilden) und ziehen musizierend durch die grösseren Strassen der Innenstadt. Ebenso bleiben die Stammcliquen während des Montag- und Mittwochabends in ihrer Formation. Zwar stimmen die Instrumente der Cliquen überein, jedoch gibt es im Repertoire sowie in der Interpretation der einzelnen Märschen Unterschiede. Von Beiz zu Beiz unterwegs sind ferner die Schnitzelbängge. Anzutreffen sind ferner auch parodierende Waggis, in der Regel mit einem grossen Sack Räppli (Konfetti) ausgerüstet.

Ändstraich[Bearbeiten]

Der „Ändstraich“ (Endstreich) ist das Ende der Basler Fasnacht. Dieser weitgehend unorganisierte Anlass findet in den letzten Minuten vor 04.00 Uhr am Donnerstagmorgen statt. Die Aktiven kehren vom Gässle im Verband ihrer Clique zurück, wobei jede Clique einen anderen Treffpunkt in der Innenstadt wählt. Ein letztes Mal wird im Verband oft in Kreisformation mit der Laterne (falls vorhanden) in der Mitte ein Marsch gepfiffen und getrommelt und „Frau Fasnacht“ verabschiedet.

Räppli (Konfetti) werfen[Bearbeiten]

Nach den Darstellungen lokaler Historiker ist das Werfen von Räppli ein typischer Basler Brauch, der sich von dort aus weiter verbreitet hat. Dies ist zwar nicht eindeutig belegbar, jedoch werden in Basel während der drei schönsten Tage deutlich mehr Räppli verbraucht als beispielsweise in Mainz oder Köln.

Als Konfetti (kleines Konfekt) wurden ursprünglich Zuckerkügelchen bezeichnet, die auf den Umzügen verteilt bzw. in die Menge geworfen wurden. Dies wurde jedoch im 19. Jahrhundert verboten. Bis zu diesem Verbot war statt der Konfetti auch die Verwendung von Spreu üblich. Als Ersatz dafür griff man auf Papierschnipsel zurück. Als Zuschauer muss man stets auf der Hut sein, dass man nicht von einem Fasnächtler mit Räppli überhäuft oder gar „ausgestopft“ (grosse Mengen Konfetti werden unter die Kleidung appliziert) wird. Es ist ungeschriebene Regel, dass aktiven Fasnächtlern (in Kostüm und Larve) keine Räppli angeworfen werden. Als beliebtes Ziel gelten allerdings Zuschauer, welche keine Plakette tragen.

Auf den Routen der Cortèges bedecken die Räppli am Abend den Boden zentimeterhoch. Es ist durchaus beeindruckend, dass jeweils am nächsten Morgen die Basler Stadtreinigung das Papier soweit eingekehrt und weggefahren hat, dass man es kaum noch sieht.

In Basel werden nur einfarbige Räppli in Säcken verkauft. Dies geschieht aus hygienischen Gründen, um das Aufheben der Räppli vom Boden, auf dem sich die Farben mischen, zu verhindern. Wer also in Basel gemischtfarbige Räppli wirft, hat sie vom Boden aufgehoben.

Im Gegensatz zu Basel gibt es bei der Luzerner Fasnacht zum Urknall einen grossen Konfettiregen, den sogenannten „Fötzeliräge“, bei welchem explodierende Säcke über der Menge Zeitungsschnipsel niederregnen lassen.

Das Publikum[Bearbeiten]

Anders als beim deutschen Karneval kommt dem Publikum – also sämtlichen Personen, die nicht mit Kostüm und Larve (Maske) voll kostümiert und üblicherweise einer Basler Fasnachtsgesellschaft angehören – eine äusserst passive Rolle zu. Geschminkte Gesichter, Verkleidungen und andere „lustige“ Accessoires sind stark verpönt. Typischerweise trägt das Publikum übliche Strassenkleidung und gibt die Zugehörigkeit zur Fasnacht nur durch das Tragen der offiziellen Fasnachtsplakette zu erkennen. An den beiden Cortèges (Umzügen) ist es dem Publikum gestattet, um Süssigkeiten, Orangen oder Blumen zu bitten und sich hierfür mehr oder weniger aufzudrängen (was jedoch auch zu einer Ladung Räppli führen kann). Während der Cortèges und dem Morgestraich hat sich das Publikum am Strassenrand aufzuhalten, in den übrigen Zeiten ist den frei umhermarschierenden Cliquen der Vortritt zu gewähren.

Die musikalischen und humoristischen Darbietungen werden in der Regel schweigend genossen, Unterstützungen durch Mitsingen oder rhythmisches Klatschen (abgesehen vom Applaus) finden nur ausnahmsweise statt. Das Fotografieren mit Blitzlicht am Morgestraich wird äusserst ungern gesehen, da dadurch die Atmosphäre erheblich gestört wird. Ausserdem ist es vor allem für die Aktiven äusserst lästig und unangenehm, durch die schmalen Sehschlitze der Larven vom Blitzlicht geblendet zu werden, zumal man in den verdunkelten Strassen ohnehin mit dem verdeckten Gesicht nicht viel erkennen kann.

Auch wenn während der Basler Fasnacht Alkohol konsumiert wird, gibt es keine feuchtfröhliche Stimmung. Der übermässige Genuss von Alkohol ist, insbesondere bei vielen „Aktiven“, verpönt.

Die Teilnahme an den offiziellen Fasnachtsanlässen wie Morgestraich, Cortèges und Guggekonzärt ist auf die offiziell angemeldeten Basler Fasnachtsgesellschaften beschränkt. Auswärtigen Gruppierungen – wie auch dem übrigen Publikum – ist die (aktive) Teilnahme untersagt, sie können jedoch, sofern sie die Mindestregeln der Basler Fasnacht (Vollkostüm mit Larve, als Musikinstrumente nur Basler Trommel, Piccolo oder Gugge; Fasnachtsplakette) beachten, auf eigene Initiative am „Gässle“ (individuelle Fasnacht) teilnehmen. Auswärtigen steht es zudem frei, in einer Basler Fasnachtsgesellschaft Mitglied zu werden; ein Grossteil ihrer Mitglieder stammt bereits heute nicht aus der Stadt Basel, sondern dem Umland.

Organisation und Finanzierung, Plakette[Bearbeiten]

Seit 1911 wird die Fasnacht vom Fasnachts-Comité organisiert, das in allen Fragen der Fasnacht als offizieller Ansprechpartner fungiert. Das Comité gibt auch die Fasnachts-Plaketten („Blaggedde“) heraus. Diese gibt es in vier Ausführungen zwischen CHF 8 und 100 (Kupfer: CHF 8, Silber: CHF 16, Gold: CHF 45, Bijou (Echtsilber mit Vergoldung): CHF 100). Der Reinerlös wird an die Fasnachtsgruppen weitergegeben. Es wird zwar von Besuchern nicht explizit verlangt, aber erwartet, dass sie eine Plakette kaufen, um die Finanzierung der Gruppen weiterhin sicherzustellen.

Fasnacht in Zahlen[Bearbeiten]

2004 waren beim Fasnachts-Comité über 480 Einheiten gemeldet, darunter 141 Cliquen, Stammvereine, Gruppen, 141 Wagencliquen und Chaisen (Kutschen), 61 Guggenmusik-Gruppen, 86 Pfeifer- und Tambouren-Gruppen sowie 55 Einzelmasken und kleine Grüppchen. Insgesamt nahmen somit mehr als 12.000 organisierte Fasnächtler teil, hinzu kamen noch etwa 6.000 „wilde“ Fasnächtler, die nicht in einer Clique oder Gruppe organisiert sind. Insgesamt 185 Zuglaternen wurden mitgetragen oder auf einem fahrbaren Gestell mitgezogen.

Vor und nach der Fasnacht[Bearbeiten]

Zahlreiche Aktivitäten finden vor der Fasnacht und nach der Fasnacht statt. Folgender Überblick fasst die wichtigsten wiederkehrenden Ereignisse zusammen.

Vorfasnachtsveranstaltungen[Bearbeiten]

Vorfasnachtsveranstaltungen sind oft Plattform für fasnachtsübergreifende Experimente, so zum Beispiel Fasnachts-Musicals oder Konzerte mit Fasnachts- und Nicht-Fasnachtsinstrumenten. Die folgende Auflistung zeigt die bekanntesten wiederkehrenden Veranstaltungen.

  • Fasnachtskiechli mit Almi & Salvi
  • Mimösli im Häbsetheater
  • Offizielles Preistrommeln und -pfeifen
  • Pfyfferli im Theater Fauteuil
  • Charivari im Volkshaus
  • Räppli-Serenade im Rheinpark (2005 wurde durch die organisierenden Vereine beschlossen, dass die Räppli-Serenade nicht mehr durchgeführt wird.)
  • Stubete im Restaurant 'Atlantis'
  • Kinder-Charivari im Theater Basel
  • Monster-Trommelkonzert „Drummeli“ im Musical Theater Basel
  • Fasnachtsbändeli (für Kinder und Familien), Theater Arlecchino
  • S Ridicule in der Helmut Förnbacher Theater Company im Badischen Bahnhof
  • Zofingerconzärtli der Studentenverbindung Zofingia
  • Wirrlete, Vorfasnachtssatire (alle zwei Jahre, seit 2006)

Laternen einpfeifen[Bearbeiten]

Das „Ladärne yypfyffe“ (Laternen einpfeifen) findet am Sonntagabend vor der Fasnacht statt. Dabei werden die (meist) noch verhüllten Laternen vom Atelier, wo sie gefertigt wurden, bei Fasnachtsbeginn an den Abmarschort in der Innerstadt getragen oder gezogen. Begleitet werden sie dabei von Pfeiferinnen und Pfeifern. Die Tambouren (Trommler) lassen an diesem Anlass ihre Trommeln zuhause.

Laternen verabschieden[Bearbeiten]

Stimmungsvolle Laternen-Verabschiedung

Das „Ladärne verabschiide“ (Laternen verabschieden) findet in der Nacht auf Donnerstag der Fasnacht statt. Dabei wird ein cliquenspezifisches Ritual durchgespielt. Meistens bildet die ganze Clique einen Kreis um ihre Ladärne (Laterne) und intoniert den Wettsteinmarsch, die Tagwacht, die Retraite, den Basler Marsch, „Le lancier“ oder eine andere Komposition. Während des Vortrags werden die Lichter im Laterneninneren langsam gelöscht. Meistens findet dieses Ritual um Punkt 04.00 Uhr zum Abschluss der Fasnacht statt, manchmal aber auch früher im Laufe des Abends, und das normalerweise vor dem jeweiligen Stammlokal.

Kehrausball[Bearbeiten]

Am Samstag nach der Fasnacht finden verschiedene Maskenbälle statt, die allgemein unter dem Namen Kehrausball (Kurz und baslerisch: Kehruus) bekannt sind. Zudem veranstalten viele Cliquen einen cliqueninternen Kehrausball in ihren Cliquenkellern.

Bummelsonntage[Bearbeiten]

Nach der Fasnacht begeben sich alle Cliquen (und auch Guggenmusiken) an einem der drei folgenden Sonntage auf den sogenannten Bummel. Dieser Bummel ist der Abschluss des Fasnachtsjahres und wird meist in Form einer kleinen Reise und eines Restaurantbesuchs durchgeführt. Abends, nach der Rückkehr nach Basel, ziehen die Fasnächtler in Strassenkleidern (unmaskiert und unverkleidet) durch die Basler Innenstadt, speziell immer auch die ganze Freie Strasse hinunter (die wichtigste Strasse der Innenstadt).

Kurioses[Bearbeiten]

  • Aufgrund einer falsch gestellten Uhr bei den Basler Stadtwerken wurde die Strassenbeleuchtung 2002 schon um 03.59 Uhr gelöscht.
  • In der Nacht vor dem Morgestraich 2006 fielen binnen weniger Stunden 50 cm Neuschnee, und es bedurfte grosser Anstrengungen, Basel innerhalb weniger Stunden fasnachtstauglich zu machen. Nie fand eine Fasnacht mit mehr Schnee – geschweige denn Neuschnee – statt. 50 cm ist im übrigen die dritthöchste je gemessene Schneemenge und die bisher höchste Neuschneemenge innerhalb 24 Stunden in Basel.
  • Es gab auch immer wieder Zensur. So mussten während des Zweiten Weltkriegs gewisse Laternen geändert werden, da diese zu provokativ waren. Beispielsweise musste 1939 die Laterne der Schnurebegge, welche Hitler und Mussolini zeigte, übermalt werden.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Koelner: Die Basler Fasnacht. Basel 1913.
  • Alexander Orloff: Karneval Mythos und Kult. Perlinger Verlag, Wörgl, Austria 1980, ISBN 3-85399-011-8 (mit umfassenden Informationen zu Mythos, Geschichte, Traditionen, unterschiedlichen Ausprägungen des Karnevals).
  • Eugen A. Meier (Hrsg): Die Basler Fasnacht. Geschichte und Gegenwart einer lebendigen Tradition. Fasnachts-Comité, Basel 1985, ISBN 3-9060-7200-1 (formal falsche ISBN).
  • Katja Zimmer: «in Bökenwise» und «in tüfels hüten». Fasnacht im mittelalterlichen Basel. Basel 2004, ISBN 978-3-7965-2092-1 (= Neujahrsblatt der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige, NjBl 183).
  • Fasnacht – Mythos und Missverständnis. Essay. In: Kultur- und Freizeitmagazin der Basler Zeitung vom 9. Februar 2008.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Basler Fasnacht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lutz Röhrich: Das grosse Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg i. B. 1991, Bd. 1, S. 416f.
  2. Dominik Heitz: Provokation und Zensur an der Fasnacht. In: Basler Zeitung. online 12. März 2011.
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Dieser Artikel wurde am 3. Oktober 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.