Bet-El

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Dieser Artikel behandelt den biblischen Ort Bet-El. Für die neuzeitliche israelische Siedlung siehe Bet El, weitere Verwendungen unter Bethel.

Bet-El (hebräisch „Haus des El“ oder „Haus Gottes“; aufgrund der Übersetzungstradition auch Bethel genannt) ist ein in der Bibel erwähnter Ort, 17 km nördlich von Jerusalem und 16 km südlich von Silo in Israel bzw. dem Westjordanland.

In der Bibel wird Bet-El mehrmals und teilweise widersprüchlich erwähnt:
Hier soll Jakob auf der Flucht vor Esau im Traum die Himmelsleiter erschienen sein, woraufhin er erschrak und sprach:

„Wie erschreckend ist dieser Ort! Er ist nichts anderes als Gottes Haus und als das Tor zum Himmel.“
Dann gab er dem Ort den Namen Bet-El (Gotteshaus). Früher hieß die Stadt Lus. (Genesis 28,10–22 EU)

Dieses angebliche Ereignis wird in der Bibel bei (Genesis 35,1-15 EU) in der Aussage ähnlich wiederholt.

Derselbe Ort mit dem Namen Bet-El taucht aber schon vorher in der Bibel im Zusammenhang mit Abraham auf, dem zufolge es widersprüchlich ist, dass angeblich Jakob, der erst viel später gelebt hat, der Ortschaft diesen Namen gegeben haben soll. (Genesis 12,1-9 EU)

Weiterhin wird Bet-El durch folgende Bibel-Passage lokalisiert:

Silo, das nördlich von Bet-El liegt, östlich von der Straße, die hinaufführt von Bethel nach Sichem, und südlich von Lebona. (Ri 21,19 EU)

Während der israelitischen Epoche wurde er ein bedeutendes religiöses Zentrum und konkurrierte zeitweilig mit Jerusalem um Ansehen. Der erste König des Nordreichs Israel, Jerobeam I., lässt in Bethel, wie auch in Dan ein Goldenes Kalb aufstellen, um ein Gegenstück zum Zentralheiligtum, dem Tempel im Südreich, zu bieten. Jerobeam I. wird deshalb von den deuteronomistischen Geschichtsschreibern scharf verurteilt, die den Jerusalemer Tempel als einzig legitimes Heiligtum JHWHs betrachten.

Der Ort findet sich heute nahe dem palästinensischen Dorf Beitin im Westjordanland. Es wird vermutet, dass der Name Beitin die arabische Form des ehemaligen Betel ist. In der Nähe gibt es noch die jüdische Siedlung Bet El, die aber erst nach dem Sechstagekrieg im Jahre 1967 von Israel dort errichtet wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • James Leon Kelso: Bethel. In: New Encyclopedia of Archaeological Excavation in the Holy Land. Band 1, Jerusalem 1993, S. 192–194.
  • Ernst Axel Knauf: Bethel. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 1, Mohr-Siebeck, Tübingen 1998, Sp. 1375–1376.
  • Henrik Pfeiffer: Das Heiligtum von Bethel im Spiegel des Hoseabuches. Göttingen 1999, ISBN 3-525-53867-7 (= Forschungen zur Religion und Literatur des AT und NT 183).
  • Klaus Koenen: Bethel. Geschichte, Kult und Theologie. Göttingen/Fribourg 2003, ISBN 978-3-7278-1432-7 (Orbis Biblicus et Orientalis, 192).
  • Melanie Köhlmoos: Bet-El – Erinnerungen an eine Stadt. Perspektiven der alttestamentlichen Bet-El-Überlieferung. Tübingen 2006, ISBN 978-3-16-148774-3 (= Forschungen zum Alten Testament, 49).

Weblinks[Bearbeiten]

31.94235.222Koordinaten: 31° 57′ N, 35° 13′ O