Harran
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Harrans Lage in der Türkei
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Harran (akkad.: Harrânu, griech.: Karrhai, lat.: Carrhae, arab.: حران, hebr.: חרן, heutiger Name: Harran) war eine antike Stadt im nördlichen Mesopotamien, am heute türkischen Teil des Flusses Belich (Provinz Şanlıurfa). Ihre Überreste liegen im Zentrum der Harran-Ebene, nahe der Grenze zu Syrien, bei dem kleinen Dorf Harran, 44 km südöstlich von Şanlıurfa, das besonders für seine typischen, bienenstockförmigen Häuser bekannt ist.
Harran ist auch Namensgeber des gleichnamigen Landkreises.
In der Bibel (Gen 11,31 EU) erscheint Haran als der Ort, an dem sich die Familie des Terach niederließ, nachdem sie aus Ur ausgewandert war, und von dem aus der Erzvater Abraham weiter nach Kanaan zog (Gen 12,4 EU).
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Alter Orient
Der Ort war schon im 3. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Sein akkadischer Name Harrânu steht sowohl für „Reise“ als auch für „Karawane“. Harran fungierte denn auch spätestens seit der altbabylonischen Zeit als Reise- und Handelsstation zwischen Karkemisch am Euphrat und Ninive am Tigris. Nach Süden zweigte dort eine Straße nach Damaskus ab.
Die Ortschaft wird wahrscheinlich erstmals in Texten aus Ebla als Ha-ra-anki oder Har-ra-nuki erwähnt, und ist auch in den Mari-Briefen des Zimri-Lim greifbar. Seit Ende des 18. Jahrhunderts etablierten sich im nördlichen Mesopotamien die Hurriter aus dem nördlich angrenzenden Zagros und Taurusgebirge. Bereits in dieser Zeit wird der Tempel des Mondgottes Sin erwähnt. Dort befand sich der diesem Gott heilige Stein, der im Rahmen des Steinkultes verehrt wurde.
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts v. Chr. wurde Harran von den Hethitern unter Šuppiluliuma I. zerstört. Danach kam die Region jedoch unter die Kontrolle der Assyrer. Um 1300 v. Chr. errichtete Adad-nirari I. die siebentorigen Stadtmauern von Harran. Salmanassar III. erneuerte um 850 das Mondheiligtum und die Stadt wurde zu einem wichtigen Zentrum des assyrischen Reiches. Der letzte König der Assyrer, Assur-Uballit II., erhob Harran sogar kurzfristig zu seiner Residenzstadt, bevor sie 610 v. Chr. von den verbündeten Medern und Babyloniern unter Nabopolassar besetzt wurde.
Die Mutter des letzten babylonischen Königs Nabonid (555–539 v. Chr.) war eine Priesterin des Mondkultes in Harran. Nabonid selbst ließ das Mondheiligtum Ehulhul 542 v. Chr. wieder neu errichten.
[Bearbeiten] Antike
Harran wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. Teil des Achämenidenreichs. 331 v. Chr. wurde die Stadt von Alexander dem Großen eingenommen und kam danach unter die Herrschaft der Seleukiden. Am Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. wurde Harran parthisch und, nach Edessa, zur zweitwichtigsten Stadt im Kleinkönigreich Osrhoene. Besondere Berühmtheit erlangte der Ort im Jahr 53 v. Chr., als der Triumvir Crassus in der Schlacht bei Carrhae zusammen mit fast 20.000 römischen Soldaten den Tod im Kampf mit den Parthern fand. Plutarch bietet einen eindrucksvollen Bericht über diese Schlacht, die eine der schwersten Niederlagen der römischen Geschichte darstellte.
Unter Septimius Severus wurde der Ort am Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. Teil des Imperium Romanum. Kaiser Caracalla fand 217 in seiner Nähe den Tod, als er dem Heiligtum einen Besuch abstatten wollte und auf dem Weg ermordet wurde. Im Jahre 260 n. Chr. fand in der Nähe von Carrhae die Schlacht zwischen dem Sassanidenkönig Schapur I. und dem römischen Kaiser Valerian statt, bei der letzterer geschlagen und gefangen genommen wurde. Der palmyrenische König Odaenathus eroberte die Stadt im Jahre 264 zurück; als das Reich von Palmyra wenige Jahre später von Kaiser Aurelian zerschlagen wurde, fiel Carrhae wieder an das Römische Reich.
Anders als das benachbarte Edessa, das sehr früh zu einem Zentrum des Christentums wurde, blieb Carrhae in der Spätantike lange Zeit ein Hort der alten Religion. Tatsächlich verehrten dort die römischen Kaiser noch bis ins 4. Jahrhundert die Mondgöttin Selene, als letzter Julian Apostata. Als die christliche Pilgerin Aetheria 385 Harran besuchte, traf sie dort, bis auf einige wenige Geistliche und Mönche, nur Heiden an. Während das Römische Reich schon weitgehend christianisiert war, herrschte im Sassanidenreich der Zoroastrismus als Staatsreligion.
Noch im 6. Jahrhundert gibt Prokopios von Caesarea an, dass in der Stadt, die die Christen vielfach Hellenopolis („Stadt der Hellenen/Heiden“) nannten, noch zahlreiche Altgläubige lebten. Nach einer umstrittenen Theorie war Carrhae der Ort, an dem der bedeutende heidnische Neuplatoniker Simplikios nach 532 eine Philosophenschule einrichtete, die vielleicht noch im 7. Jahrhundert Bestand hatte.
[Bearbeiten] Mittelalter
Nachdem der Kalif Omar 637 Jerusalem und Edessa erobert hatte, ergaben sich die Harraner zwei Jahre später. Der letzte Umayyaden-Kalif Marwan II. erhob Harran um 745 sogar zu seiner Residenz. In das 8. Jahrhundert fällt auch der Bau der ersten Moschee. Aus der neuplatonischen Akademie entwickelte sich möglicherweise die Madrasa, die als die älteste Universität der islamischen Welt gilt. Auch wenn ihr Ruf bald von anderen Schulen (besonders in Bagdad) überstrahlt wurde, galt sie lange als das Zentrum für Astronomie und Alchemie. So soll Harran, in der arabischen Tradition, die Heimat des Dschābir ibn Hayyān (Geber) gewesen sein, bei dem es sich aber möglicherweise nur um das Gruppen-Pseudonym für die Schriften einer hermetisch-alchemistischen Schule handelt.
Um 830 drängte der Abbassiden-Kalif Al-Ma'mun die nicht der islamischen Religion angehörigen Bewohner von Harran zur Konversion zum Islam, oder zu einer anderen, im Koran erwähnten Buchreligion. Daraufhin nahmen manche von ihnen den Namen Sabier an und konnten so ihren alten Gestirnkult weiter ausüben. Nach Rückeroberung von Edessa durch die Byzantiner legten die Fatimiden unter Kalif Az-Zahir 1032 in Harran eine Festung an, unter deren Mauern das altbabylonische Mondheiligtum Ehulhul verschwand.
Im Laufe des Ersten Kreuzzuges eroberten die Kreuzfahrer Harran, erlitten 1104 jedoch in der Schlacht von Harran die erste entscheidende Niederlage gegen die Seldschuken. Der Verlust der Schlacht läutete gleichzeitig das Ende der Kreuzfahrerstaaten ein (Fall der Grafschaft Edessa 1146). 1187 besserte Sultan Saladin die Moschee in Harran aus. 1260 zerstörten die Mongolen den letzten Tempel der Sabier in Harran.
[Bearbeiten] Bedeutende Persönlichkeiten
- Adad-happe. Mutter des Nabonid und Hohepriesterin des Sin
- Nabonid, letzter König des neubabylonischen Reiches
- Magnus von Karrhai, römischer Historiker des 4. Jahrhunderts
- Thabit Ibn Qurra (836–901), Mathematiker und Astronom
- Al-Battani (850/869-929), bedeutendster arabischer Astronom des frühen Mittelalters
- Ibn Taimiya (1263–1328), bedeutender islamischer Gelehrter
[Bearbeiten] Literatur
- Tamara Green: The City of the Moon God. The Religious Traditions of Harran. Leiden 1992, ISBN 9004095136.
[Bearbeiten] Weblinks
- Jona Lendering: Artikel bei Livius.org (englisch)
- Der vollständige Reisebericht der Egeria, in Englisch
Koordinaten: 36° 51′ n. Br., 39° 13′ ö. L.

