Bilanzsumme

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Bilanzsumme ist

  • die Summe der Aktiva oder die Summe der Passiva einer Bilanz,
  • eine Kennzahl, die einen Vergleich von Unternehmen der gleichen Branche erlaubt,
  • eine Bezugsgröße, um die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens zu beurteilen,
  • ein Wert für die Ermittlung der Eigenkapitalquote,
  • eine Kennzahl zur Einordnung eines Unternehmens in eine Größenklasse.

Bei der Bewertung von Finanzinstituten wird die Bilanzsumme anstelle von Umsatzzahlen favorisiert.[1][2][3]

Aktivtausch[Bearbeiten]

Aktivtausch ist ein Vorgang, bei dem Positionen innerhalb der Aktivseite einer Bilanz umgeschichtet werden, ohne dass sich dabei die Bilanzsumme verändert.

Beispiele

  • Barzahlung einer Forderung durch einen Kunden (Forderung gegen „Kasse“).
  • Abheben von Bargeld von einem Bankkonto
  • Kauf von Werkstoffen (Rohstoff, Hilfsstoff (Produktion) und Betriebsstoff) durch Barzahlung.
  • Verkauf von Schuldforderungen (Beispiel: Verkauft eine Geschäftsbank Staatsanleihe an die Zentralbank, erhält sie im Gegenzug Zentralbankgeld gutgeschrieben oder auch Kredithandel der Geschäftsbanken untereinander.)

Passivtausch[Bearbeiten]

Passivtausch ist ein Vorgang, bei dem Positionen innerhalb der Passivseite einer Bilanz umgeschichtet werden, ohne dass sich dabei die Bilanzsumme verändert.

Beispiele

Bilanzverlängerung[Bearbeiten]

Eine Bilanzverlängerung liegt vor, wenn sich Aktivseite und Passivseite einer Bilanz um die gleiche Summe erhöhen; die Bilanzsumme steigt. Eine Bilanzverlängerung wird auch als Aktiv-Passiv-Mehrung bezeichnet.

Beispiel

Ein Unternehmen finanziert eine Lagerhalle auf Kredit. Auf der Aktivseite erhöht der Bilanzposten "Betriebsgebäude/Lagerhalle" die Bilanzsumme, auf der Passivseite erhöht der Kredit den Bilanzposten „Verbindlichkeiten“ und damit ebenfalls die Bilanzsumme. Das Gesamtvermögen des Unternehmens ändert sich dadurch nicht.

Für eine kreditgebende Bank stellt die Kreditvergabe eine Bilanzverlängerung dar.[4] Der dem Kreditnehmer gutgeschriebene Geldbetrag erhöht den Passivsaldo der Bank (Verbindlichkeiten), die Schuld des Kreditnehmers erhöht den Aktivsaldo um denselben Betrag (Kreditforderungen). Sobald der Kreditnehmer über den gutgeschriebenen Kreditbetrag verfügt, (Barabhebung oder) durch Überweisung an eine andere Bank, wird die Bilanz der kreditgewährenden Bank verkürzt (minus Zentralbankguthaben [Aktiva]/minus Verbindlichkeiten [Passiva]). Ebenso verkürzt jede Kreditsummentilgung die jeweilige Bankbilanz (auch Zentralbankbilanz). Das Vermögen von Kreditnehmer und Kreditgeber bleibt dabei unverändert.

Bilanzverkürzung[Bearbeiten]

Eine Bilanzverkürzung liegt vor, wenn sich Aktivseite und Passivseite der Bilanz um die gleiche Summe verringern (beide Seiten werden „verkürzt“), die Bilanzsumme schrumpft. Dies geschieht, wenn Geldmittel der Aktivseite das Unternehmen verlassen, dafür die Lieferverbindlichkeiten um den gleichen Betrag abnehmen. Bilanzverkürzung wird auch als Aktiv-Passiv-Minderung bezeichnet.

Ebenso verhält es sich in der Bankbilanz bei Kreditsummentilgung[5] und insofern ist die Bilanzverkürzung auch als „Geldvernichtung“ im Gegensatz zu Giralgeldschöpfung (durch den Bankensektor) zu verstehen – das „Geldvolumen“ aus Kreditvergaben abzüglich Kreditsummentilgung resultiert also aus gesamtsektoraler Nettokreditaufnahme.

Bilanzsumme als Maßstab[Bearbeiten]

Die Bilanzsumme dient für die Einteilung der Größenklasse von Unternehmen nach § 267 und § 267a HGB. In anderen Gesetzen werden an die entsprechende Höhe der Bilanzsumme ebenso besondere Pflichten geknüpft. Nach der Höhe der Bilanzsumme werden Listen und Rangordnungen von Unternehmen und Banken erstellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Heymann, Norbert Horn: Handelsgesetzbuch (ohne Seerecht): Kommentar. Walter de Gruyter, 1999. google books
  • Hilmar J. Vollmuth: Bilanzen richtig lesen, besser verstehen, optimal gestalten: Bilanzanalyse und Bilanzkritik für die Praxis. Haufe Verlag DE, 2009, google books

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andreas Eiselt/Thomas Kaspereit: Nachhaltigkeitsberichterstattung als Instrument der Kapitalmarktkommunikation, in: Kapitalmarktorientierte Rechnungslegung (KoR) 2010, S. 379-384 (381).
  2. Kai Schumacher/Tobias Rauss: Bewertung von Banken – eine Fallstudie, in: Die Bank, Heft 01/2011, S. 44-51.
  3. kritisch dazu Sebastian Jost: Die „Bilanzsumme“ hat wenig Aussagekraft bei Welt online, abgerufen am 21. Juni 2011.
  4. Hans Gestrich: Kredit und Sparen. Jena 1944. S. 78:
    „Hat seinerzeit die Gewährung des Investitionskredits die Bankbilanz verlängert und dementsprechend die Liquidität der Bank gemindert, so wird nunmehr durch den Wertpapierankauf der Emissionskredit zurückgezahlt, die Bankbilanz verkürzt und die Liquidität der Bank erhöht.“
  5. Wilhelm Lautenbach: Zins, Kredit und Produktion. (Hrsg. Wolfgang Stützel) Tübingen 1952. S. 84: „Die Bankkredite nehmen ab, die Passiva der Bilanz vermindern sich um den gleichen Betrag, regelmäßig die Einlagen. Die Bilanz wird kürzer!“
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!