Staatsanleihe

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Staatsanleihen (oder Staatsobligationen) sind kurz-, mittel- oder langfristige Anleihen (Schuldverschreibungen), die von der öffentlichen Hand und anderen staatlichen Körperschaften ausgegeben werden. Der Staat oder andere staatliche Körperschaften sind Emittent der Staatsanleihen. Die Käufer dieser Papiere, die „dem Staat“ damit Geld verleihen, profitieren wiederum von den entstehenden Zinsen.

Einzelheiten[Bearbeiten]

Wie bei jeder anderen Anleihe, besteht bei Staatsanleihen ein Adressausfallrisiko, d. h. das Risiko, dass Zinsen und/oder Kapital nicht und/oder nicht fristgerecht und/oder nicht in voller Höhe (zurück)gezahlt werden können: Kommt es zu einem Staatsbankrott, entfallen die Zinszahlungen und/oder Kapitalrückzahlungen der Staatsanleihen. Dieses Risiko wird durch Ratingagenturen wie Standard & Poor’s, Moody’s oder Fitch bewertet. In Abhängigkeit von der Bonität eines Staates und dem Rating muss der betreffende Staat für seine Staatsanleihen einen Risikoaufschlag bezahlen. Das höchste Ausfallrisiko, aber auch die höchste Rendite für Anleger, bieten Staatsanleihen mit Junk-Bond-Status. Derzeit (Stand: Januar 2012) haben nach Einschätzung aller drei großen Ratingagenturen Dänemark, Deutschland, Finnland, Luxemburg, Kanada, die Niederlande, Norwegen, Schweden, die Schweiz und das Vereinigte Königreich die höchstmögliche Bonität.

Staatsanleihen werden in heimischer Währung oder als Fremdwährungsanleihe (typischerweise in „harten Währungen“, also zum Beispiel in US-Dollar) ausgegeben. Werden Staatsanleihen in einer Fremdwährung erworben, so müssen zusätzlich zur Rendite und zum Ausfallsrisiko auch noch die Währungsrisiken (und Währungschancen) beachtet werden.

Ist die Zeichnung von Staatsanleihen verpflichtend, so spricht man von einer Zwangsanleihe (ein Beispiel waren die Obligationen des Königreichs Westphalen).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Staatsanleihe ist keine Erfindung moderner demokratischer Volkswirtschaften. Erste Staatsanleihen wurden schon im 14. Jahrhundert in Italien ausgegeben.[1]

Anfang des 20. Jahrhunderts waren Staatsanleihen in vielen Staaten Europas ein wichtiges politisches Instrument. Das Deutsche Kaiserreich brachte im September 1914 eine Staatsanleihe auf, die den Ersten Weltkrieg finanziell überhaupt erst möglich machte, und die der Wirtschaftskolumnist Leo Jolles in einem Leitartikel damals ein „Milliardenopfer“ nannte:

„Der Niedergang der Industriesonne hatte den neuen Abschnitt in der Geschichte der deutschen Staatsanleihen vorbereitet. Der Aufstieg der gewerblichen Konjunktur, der im Frühjahr 1914 kommen sollte, blieb aus; und das Verhalten der Börse ließ keinen Zweifel, dass die Hoffnung auf neue Dividendensiege sich nicht erfüllen werde. […] Die Krönung dieser Entwicklungsepoche bildet das Ergebnis der Kriegsanleihen. […] Kein Wertobjekt kann so leicht zu Geld gemacht werden wie ein deutsches Staatspapier.“[2]

Deutsche Bundeswertpapiere[Bearbeiten]

Die Bundesrepublik Deutschland emittiert durch die Deutsche Finanzagentur folgende Wertpapiere:

a Werden seit dem 31. Dezember 2012 nicht mehr ausgegeben.[3]

Österreichische Staatsanleihe[Bearbeiten]

Anfang 2012 hat die ÖBFA erstmals eine Staatsanleihe in Höhe von zwei Milliarden Euro über 50 Jahre begeben. Es ist dies die längste bisherige Laufzeit und läuft gleichzeitig - aktuell bis 2062 - am längsten in der gesamten EURO-Zone.[4]

US-amerikanische Staatsanleihen[Bearbeiten]

T-Bills[Bearbeiten]

Unter „T-Bills“ oder „Treasury Bills“ versteht man kurzfristige amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 4 (~1 Monat), 13 (~1/4 Jahr), 26(~1/2 Jahr) und 52 Wochen (~1 Jahr).[5] Durch die hohe Liquidität in dieser Anleiheform zählen die T-Bills zu den wichtigsten Instrumenten im Geldmarkt. Bei der Berechnung der Verzinsung von T-Bills ist darauf zu achten, dass laut Bankenkonvention stets von 360 Tagen pro Jahr (und nicht von 365) ausgegangen wird. T-Bills sind Nullkuponanleihen, die durch Auktionen emittiert werden, bei denen der Disagio bestimmt wird.[5]

T-Note[Bearbeiten]

Ähnlich wie die T-Bills sind T-Notes amerikanische Staatsanleihen, die jedoch eine Laufzeit von bis zu 10 Jahren haben.

T-Bond[Bearbeiten]

Amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit zwischen 10 und 30 Jahren werden als „T-Bonds“ bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Uchatius: Es begann in Italien. Über die Erfindung der Staatsanleihe. In: Die Zeit, 25. August 2011, Seite 18.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Uchatius: Es begann in Italien. Über die Anfänge der Staatsanleihe In: Die Zeit, 25. August 2011, Seite 18.
  2. Leo Jolles „Der Sieg über die Milliarde“ in Die Woche, Ausgabe 39/1914, S. 1606.
  3. Privatkundengeschäft der Finanzagentur. Einstellung des Vertriebs von Privatkundenprodukten zum Jahresende 2012. In: Aktuelle Meldungen. Bundesrepublik Deutschland - Finanzagentur GmbH, 3. Januar 2013, abgerufen am 8. Februar 2013: „Abschaffung der reinen Privatkundenprodukte: Seit dem Jahresende 2012 legt der Bund keine neuen Ausgaben von Bundesschatzbriefen und Finanzierungsschätzen mehr auf. Ebenso wurde der Vertrieb der letzten Ausgaben der Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze sowie der Tagesanleihe zum 31. Dezember 2012 eingestellt.“
  4. Anleiheerfolg: Österreich sagt Februar-Auktion ab abgerufen am 20. Januar 2012
  5. a b Treasury Bills. In: TreasuryDirect. U.S. Department of the Treasury, Bureau of the Public Debt, 24. April 2009, abgerufen am 24. November 2009 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Staatsanleihe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen