Biljana Plavšić

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Biljana Plavšić (1996)

Biljana Plavšić (serbisch-kyrillisch Биљана Плавшић; * 7. Juli 1930 in Tuzla, Königreich Jugoslawien) ist eine ehemalige Politikerin und verurteilte Kriegsverbrecherin in der Republika Srpska in Bosnien und Herzegowina.

Leben[Bearbeiten]

Biljana Plavšić studierte an der Universität Zagreb und war Professorin für Biologie (Schwerpunkt: Morphologie der Pflanzen) und Dekanin der Fakultät für Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Sarajevo. Sie wurde als Mitglied der im Juli 1990 gegründeten Serbischen Demokratischen Partei bei den ersten Mehrparteienwahlen als einzige Frau ins bosnische Republikspräsidium gewählt; dieses Amt hatte sie von November 1990 bis April 1992 inne.

Im weiteren Verlauf des Jahres 1992 wurde sie Vizepräsidentin der Republika Srpska und Mitglied des Oberkommandos der Streitkräfte der Republika Srpska. Nachdem der Präsident der Republika Srpska, Radovan Karadžić, 1996 auf internationalen Druck zurücktrat, wurde sie dessen Nachfolger. Sie ging zunehmend auf Distanz zu Karadžić, was zu einem Machtkampf führte. Plavšić verließ die damalige Hauptstadt der Republika Srpska, Pale (bei Sarajevo), und führte die Regierungsgeschäfte von Banja Luka aus. Sie wurde aus der Serbischen Demokratischen Partei ausgeschlossen und gründete daraufhin die Partei Srpski Narodni Savez (SNS, Serbischer Volksbund). Bei der Präsidentschaftswahl 1998 wurde Plavšić von Nikola Poplašen abgelöst.

Biljana Plavšić galt zunächst als radikale Nationalistin, machte während ihrer Amtszeit als Präsidentin jedoch den Weg für Reformen frei und nominierte den Sozialdemokraten Milorad Dodik als Ministerpräsidenten.

Vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Unterstützung der Planung und Ausführung von Vertreibungen) angeklagt, stellte sie sich im Januar 2001.[1] Die Haftstrafe von elf Jahren, zu der sie verurteilt wurde, saß sie seit 2003 im Frauengefängnis Hinseberg in der schwedischen Provinz Örebro ab. Laut einem Artikel der Frankfurter Rundschau wurde sie einerseits als Kriegsverbrecherin dargestellt, ihr andererseits jedoch ein guter Charakter bescheinigt und Strafmilderung in Aussicht gestellt, wenn sie gegen Slobodan Milošević aussage. In einem Gespräch mit Journalisten Anfang 2009 wurde jedoch deutlich, dass die Strafverkürzung das hauptsächliche Motiv für ihre Reue ("Das Wissen, dass ich für derartiges menschliches Leid und für die Verschmutzung des Charakters meines Volkes verantwortlich bin, wird immer mit mir sein") gewesen ist, was auch die Journalistin bestätigt: "Sie gab zu, dass sie Reue über ihre vergangenen Taten nur bekundet habe, weil sie eine kürzere Gefängnisstrafe erhalten wollte. Sie sagte mir, dass sie Muslime noch immer hasse [...]".[2]

Am 27. Oktober 2009 wurde Plavšić nach Verbüßung von zwei Dritteln ihr Strafe wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen. Den Beschluss zur Freilassung fasste die schwedische Regierung am 22. Oktober 2009, nachdem zwei Gnadengesuche zuvor abgelehnt worden waren. Entgegen der schwedischen Praxis wird Plavšić nicht für den verbleibenden Zeitraum der ursprünglichen Strafe überwacht werden.[3]

Schriften[Bearbeiten]

  • Svedočim. Knjiga pisana u zatvoru (Ich sage aus. Ein Buch geschrieben im Gefängnis. Autobiographie), 2004, ISBN 99938-753-1-7

Literatur[Bearbeiten]

  • Jugoslovenski savremeni. Ko je ko u Jugoslaviji? (Jugoslawische Zeitgenossen. Wer ist wer in Jugoslawien?), 1970
  • Carl Bildt: Peace journey: The struggle for peace in Bosnia, 1998 (ISBN 0-297-84131-9)
  • Biljana Plavšić, in: Internationales Biographisches Archiv 18/2003 vom 21. April 2003, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ICTY - Case Information Sheet (englisch; PDF; 212 kB)
  2. FAZ - Plavsic auf freiem Fuß, vom 27. Oktober 2009
  3. Dagens Nyheter: Krigförbrytaren Plavsic släpps