Bisphenol-A-diglycidylether

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Strukturformel
Strukturformel von Bisphenol-A-diglycidylether
Struktur ohne Darstellung der Stereochemie
Allgemeines
Name Bisphenol-A-diglycidylether
Andere Namen
  • 2,2-Bis(4-(glycidyloxy)phenyl)propan
  • Bis(4,4'-glycidyloxyphenyl)propan
  • 2,2-Bis(4-(2,3-epoxypropoxy)phenyl)propan
  • 4,4'-Methylendiphenyldiglycidylether
Summenformel C21H24O4
CAS-Nummer 1675-54-3
PubChem 2286
Kurzbeschreibung

Gelbliche, viskose Flüssigkeit mit schwachem, charakteristischem Geruch.[1]

Eigenschaften
Molare Masse 340,41 g·mol−1
Aggregatzustand

zähflüssig

Dichte

1,16 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

8-12 °C[1]

Löslichkeit

Praktisch unlöslich in Wasser (0,7 mg/l)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 315​‐​319​‐​317
P: 280​‐​305+351+338 [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3][2]
Reizend
Reizend
(Xi)
R- und S-Sätze R: 36​‐​38​‐​43
S: ?
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Bisphenol-A-diglycidylether (abgekürzt BADGE oder DGEBA) ist eine chemische Verbindung, die als Monomer zur Herstellung von Epoxidharzen und Phenolharzen genutzt wird. Es ist ein Derivat von Bisphenol A, das auf Grund seiner Fähigkeit zur Vernetzung ebenfalls zur Herstellung von Epoxidharzen genutzt wird.[4]

Synthese[Bearbeiten]

Bisphenol-A-diglycidylether wird aus Bisphenol A mit einem Überschuss an Epichlorhydrin hergestellt. In einer zweistufigen Reaktion wird zunächst Epichlorhydrin an Bisphenol A addiert und daraus anschließend mit einer stöchiometrischen Menge Natronlauge das Bis-Epoxid gebildet.

Synthese von Bisphenol-A-bisglycidylether.

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten]

Stereochemie[Bearbeiten]

Bisphenol-A-diglycidylether liegt in der Regel als Gemisch von Stereoisomeren vor.

(R,S)-Isomer
(R,R)-Isomer
(S,S)-Isomer

Die (R,R)-Form bildet dabei mit der (S,S)-Form ein Racemat, bei der (R,S)-Form handelt es sich um eine achirale meso-Form. Im Gemisch liegen alle drei stereoisomeren Formen vor.

Verwendung[Bearbeiten]

Der Aufbau vieler Standard-Epoxide basiert auf Diglycidylethern, darunter auch BADGE.[5] Epoxidharze sind empfindlich gegen hohe Temperaturen, Säurespuren und addieren leicht Thiole sowie Amine. Die häufigsten Härter für Epoxidharze sind Polyamine, Aminoamide und phenolische Verbindungen.[6]

Beschichtungen auf der Basis von BADGE-enthaltenden Epoxidharzen werden zur Innenauskleidung von Konservendosen und Schraubverschlüssen (Twist-off-Deckel) benutzt. BADGE könnte aus diesen Beschichtungen als unreagiertes Monomer in Lebensmittel übertreten.[7]

Toxikologie[Bearbeiten]

BADGE ist als eine Gruppe-3-Chemikalie der IARC gelistet, was bedeutet, dass es „nicht klassifizierbar hinsichtlich seiner Karzinogenität für den Menschen“ ist.[8] Seit den 1990ern kamen Bedenken hinsichtlich der Karzinogenität auf, vor allem weil BADGE wie erwähnt mit Nahrungsmittel in Kontakt tritt.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Eintrag zu CAS-Nr. 1675-54-3 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 11. Mai 2013 (JavaScript erforderlich).
  2. a b c Datenblatt Bisphenol-A-diglycidylether bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 8. Mai 2013 (PDF).
  3. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  4. a b Walfried Rauter, Gerald Dickinger, Rudolf Zihlarz, Josef Lintschinger: Determination of Bisphenol A diglycidyl ether (BADGE) and its hydrolysis products in canned oily foods from the Austrian market. In: Zeitschrift für Lebensmitteluntersuchung und -Forschung A. 208, Nr. 3, März 1999, S. 208-211. doi:10.1007/s002170050404.
  5. Umweltbundesamt: Leitlinie zur hygienischen Beurteilung von organischen Beschichtungen im Kontakt mit Trinkwasser (Beschichtungsleitlinie) (PDF; 241 kB) vom 30. November 2010, abgerufen am 31. Mai 2013.
  6.  Martin Forrest: Coatings and Inks for Food Contact Materials (= RAPRA review reports. Vol. 16, Nr. 6). iSmithers Rapra Publishing, 2005, ISBN 9781847350794, S. 8.
  7. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Hrsg., Amtliche Sammlung von Untersuchungsverfahren nach § 35 LMBG, Beuth: Berlin, (Loseblattsammlung); L 00.00-51; Methodensammlung BVL Online, Stand: 9. Dezember 2007.
  8. Group 3: Not classifiable as to carcinogenicity to humans, Internationale Agentur für Krebsforschung