Bobo (Gesellschaft)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Bobo ist ein Neologismus, zusammengesetzt aus den Wörtern bourgeois und bohemian und bezeichnet ursprünglich die US-amerikanische Oberschicht am Ende der 1990er Jahre, die "Konservativen in Jeans"[1] und "Kapitalisten der Gegenkultur".[2]

Der Begriff "Bobo" wurde geprägt durch das im Jahr 2000 erschienene populärwissenschaftliche Buch Bobos in Paradise von dem Kolumnisten der New York Times David Brooks, der sich selbst als Bobo bezeichnet.

„"Bobos", das ist der Name, den David Brooks der neuen Elite des Informationszeitalters gegeben hat. Der Lebensstil der Bobos führt zusammen, was bisher als unvereinbar galt: Reichtum und Rebellion, beruflicher Erfolg und eine nonkonformistische Haltung, das Denken der Hippies und der unternehmerische Geist der Yuppies. Der "bourgeoise Bohemien" ist ein neuer Typus, der idealistisch lebt, einen sanften Materialismus pflegt, korrekt und kreativ zugleich ist und unser gesellschaftliches, kulturelles und politisches Leben zunehmend prägt. Brooks zeichnet ein witziges und genaues Bild von der Macht und den Marotten der neuen Oberschicht.“

David Brooks: Die Bobos. Der Lebensstil der neuen Elite., Klappentext

In Wien gelten vor allem die Umgebung um den Naschmarkt und das Museumsquartier, auch gerne als "Boboville" [3] bezeichnet, sowie Teile der inneren westlichen Bezirke und das Karmeliterviertel im 2. Bezirk als "Bobo"-Bezirke.[4] In Berlin sind es vor allem Prenzlauer Berg, Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg. Hier werden die Bobos von Einheimischen meist "Schwaben" genannt.

Die Lebensweise der Bobos wird zunehmend kritisiert. Ihre scheinbare Teilnahme am Leben der kopierten Szenen und Subkulturen führt durch ihre erheblich höhere Kaufkraft zum raschen Anstieg der Mieten und damit zur Verdrängung der ursprünglichen Bewohner. Die Bobos wirken somit als Speerspitze einer beschleunigten Gentrifizierung. Neben der, an sich positiv zu bewertenden, Aufwertung der Wohnsubstanz kommt es oft zur Bildung von wohlhabenden, soziologisch homogenen Stadtvierteln, aus denen die für das Viertel typische Lebensweisen völlig verschwunden sind. In Wien zeigt sich dies deutlich am Stadtviertel um den Spittelberg. Guillaume Paoli schreibt darüber etwa: „Für ein Stadtviertel ist ein Boboschwarm so verheerend wie für exotische Länder ein Touristeneinfall.”[5]

Der Chanteur Renaud stellt mit "Les Bobos" (Rouge Sang, 2006) ein Portrait dieser sozialen Schicht dar.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Tobias Dürr, Die Zeit: Hellsichtige Momentaufnahme, 18/2001
  2. Angela Hohmann, taz: Die Revolte als Pose, 30.06.2001
  3. Andrea Maria Dusl erwähnt den Ausdruck "Boboville" erstmals in einer Zeichnung für Falter 51/52/2005
  4. derstandard.at: "Alles im grünen Bereich" - Lokalaugenschein in den Bezirken 6, 7 und 8, den grünen Hochburgen Wiens, 2. Oktober 2006 / Printausgabe: 3. Oktober 2006
  5. Willkommen in Bobocity, Guillaume Paoli in Scheinschlag - Berliner Stadtzeitung

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Infos zum Buch

  • Brooks, David (2001): Die Bobos. Der Lebensstil der neuen Elite, Ullstein: München. ISBN 3550071507
  • Brooks, David (2002): Die Bobos. Der Lebensstil der neuen Elite, Econ Taschenbuch: München. ISBN 3548750788
  • Brooks, David (2001): Bobos In Paradise - The New Upper Class And How They Got There, Simon & Schuster ISBN 0684853787
Persönliche Werkzeuge
Andere Sprachen