Bela B.

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Bela B (2012)
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Bela B beim Nova Rock 2010

Bela B (* 14. Dezember 1962 in West-Berlin; bürgerlich Dirk Albert Felsenheimer, bis 2009 Eigenschreibweise mit Punkt: Bela B.) ist ein deutscher Schlagzeuger, Komponist, Sänger, Schauspieler und Synchronsprecher. Er ist vor allem als Mitglied der Punkrock-Band Die Ärzte bekannt.

Leben[Bearbeiten]

Dirk Felsenheimer wuchs in Berlin-Spandau mit seiner Zwillingsschwester Diana auf. Ihre Eltern trennten sich, als die Geschwister fünf Jahre alt waren.[1]

Zum Schlagzeugspielen kam Felsenheimer bereits in seiner Jugend, als er im Keller des Freundes seiner Schwester erste Versuche unternahm. Schon bald kaufte er sich ein eigenes Schlagzeug und sang zwischenzeitlich in einem Chor. Seine Eltern unterstützten ihn und er bekam einen eigenen Proberaum im Keller.

Er begann eine Ausbildung zum Polizisten, die er abbrach. Anschließend trat er bei Hertie eine Ausbildung zum Verkäufer an, die er nach zwei Wochen abbrach.[2] Danach absolvierte er eine dreijährige Ausbildung zum Schaufensterdekorateur in einem Modehaus.[1]

Seinen Künstlernamen lehnte er an den Dracula-Darsteller Bela Lugosi an, für den er sich seit seiner Kindheit begeisterte. Das „B“ ist die Abkürzung für „Barney Geröllheimer“, der Trickfilmfigur aus der Fernsehserie Familie Feuerstein und ein Spitzname, den Dirk Felsenheimer bereits in der Schulzeit erhielt.[3]

Bela B lebt mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Sohn in Hamburg.[3]

Musikkarriere[Bearbeiten]

Bereits am Ende seiner Schulzeit begeisterte sich Felsenheimer für Punk, schloss sich der Szene an und gründete seine erste Band Empire. Anschließend spielte er noch in den Bands Wild In the Streets und Kawumm und von 1979 bis 1982 zusammen mit Hussi Kutlucan, Bernd van Huizen, ab 1980 auch mit Jan Vetter alias Farin Urlaub, in der Punkband Soilent Grün, benannt nach dem Science-Fiction-Film Soylent Green.[1] Damit gelangen den jungen Musikern erste Erfolge. Folgerichtig erschien auch das erste Album Die Fleisch EP. Die Band gab 1982 im Berliner SO36 ihr Abschiedskonzert. Als Vorgruppe spielte damals ZK, die Vorgängerband der Toten Hosen.

Anschließend gründete Bela B. gemeinsam mit Farin Urlaub und Sahnie die Band Die Ärzte. Nach zwei erfolgreichen Alben trennten sich Bela B. und Farin Urlaub von Bassist Sahnie wegen persönlicher Differenzen. Das dritte Album wurde ohne ein drittes Mitglied aufgenommen. Anschließend wurde noch ein Album veröffentlicht. Dann folgten ein Livealbum und die Auflösung der Ärzte. 1988 lernte Bela B. Rodrigo González kennen. Mit ihm gründete er 1989 die Band S.U.M.P., die später in Depp Jones umbenannt wurde. In dieser Zeit erschien unter anderem die EP Get Wise, Get Ugly, Get S.U.M.P., die aus Coverversionen von bekannten Songs bestand. Die Band konnte jedoch nicht an die Erfolge von Die Ärzte anknüpfen. Nach zwei erfolglosen Alben kündigte die Plattenfirma den bestehenden Vertrag. Nach einem mehrseitigen Brief von Farin Urlaub an Bela B. ließ dieser sich überreden, Die Ärzte 1993 wiederzugründen. Rodrigo González wurde neuer Bassist.

Im Jahre 2006 veröffentlichte Bela B. sein erstes Soloalbum Bingo, produziert von Wayne Jackson und Olsen Involtini. Unter anderem arbeitete er für das Album mit Lee Hazlewood, Charlotte Roche und Lula zusammen. Zudem trat er mit seiner Band Bela B. y Los Helmstedt während einer Tournee und Festivals wie Rock im Park, Rock am Ring, MTV Campus Invasion und dem Gurtenfestival auf. Am 2. Oktober 2009 erschien sein zweites Soloalbum Code B Es enthält Gastauftritte von Chris Spedding, Marcel Eger, Emmanuelle Seigner und Alessandro Alessandroni. Auch diesmal ging er wieder mit Los Helmstedt auf Tour. Für den Kinofilm Teufelskicker sang Bela B den Titelsong Tag für Sieger, der am 12. März 2010 als Single erschien.[4]

Wie im Vorfeld auf seiner offiziellen Webseite angekündigt, erschien am 4. April 2014 das Album mit dem Titel Bye und bereits am 14. März die Vorabsingle Abserviert mit anschließender Bye now! Tour im Mai. Die zweite Single Immer so sein folgte am 25. Juli 2014.

Hobbys und andere Projekte[Bearbeiten]

Bela B bei einem Konzert 2013

Bela B. war Inhaber des Leipziger Comicverlags Extrem Erfolgreich Enterprises, der Horror-Comics herausgab, darunter deutsche Editionen von Independent-Serien wie Faust und Satanika. Auch Eigenproduktionen wie Schweinevogel und ein Comic zur Band Die Ärzte fanden sich im Verlagsprogramm. In einem Interview mit dem Berliner Stadtmagazin zitty gab Bela B. Anfang September 2006 die Aufgabe des Verlagsprojektes bekannt: „Der Verlag hat die letzten Jahre nur noch vor sich hingedümpelt. Wir haben 2005 das Buch Zehn kleine Grufties herausgebracht und drei andere Bücher. Das ist nicht viel für einen Verlag, und deshalb haben wir uns jetzt entschieden, EEE zuzumachen.[5] Als Autor schrieb er unter anderem in der Vampir-Anthologie Liber Vampirorum: Last Blood und für Comics seines Verlages.

Ein weiteres Hobby ist die Schauspielerei. Er ist bei der Agentur „Charade“ angemeldet und wirkte unter anderem bereits im Tatort und in mehreren Alarm-für-Cobra-11-Folgen sowie in dem Film Ein göttlicher Job mit. Im Jahr 2003 spielte er in dem Independent-Film Operation Dance Sensation von Thilo Gosejohann einen Medienwissenschaftler. Im Jahr 2004 wurde der Film Edelweißpiraten veröffentlicht, in dem Bela die Hauptrolle, den KZ-Häftling Hans Steinbrück, spielt. Außerdem wirkte er auch als eine der Hauptrollen im Film Richy Guitar mit. Als Synchronsprecher spricht er die Figur Clay in der MTV-Trickserie Free for all. Zusammen mit Thomas D von den Fantastischen Vier nahm er das Hörspiel Faust vs. Mephisto auf und weiterhin das Hörbuch Venus im Pelz mit der Schauspielerin Catherine Flemming. 2003 spielte Bela B. in dem Film Garden of Love unter der Regie von Olaf Ittenbach mit. Im Jahre 2005 übernahm Bela B. unter anderem eine Rolle in dem von der Filmakademie Baden-Württemberg hergestellten Kurzfilm KINGZ (Regie: Benni Diez und Marinko Spahić), sowie die Rolle des Ronnie in der Krimiparodie Salamander (von Barbara Gebler), und er sprach sämtliche Stimmen bei der deutschen Synchronisation des dänischen Films Terkel in Trouble. Außerdem ist er bekennender Fußballfan des FC St. Pauli. Er versucht, bei jedem Heimspiel am Millerntor anwesend zu sein. Bela gilt als Fan von Turbonegro; er gründete 1996 die Turbojugend St. Pauli als erstes Chapter der Vereinigung. Sportlich selbst aktiv ist er als Läufer.[6] 2007 erschien eine Biografie von Elvis Presley als Hörbuch, die von Bela B. gesprochen wurde.

Im Jahre 2006 spielte Bela B. für den Film Vineta von Franziska Stünkel zusammen mit der Popgruppe Wir sind Helden deren Lied Bist du nicht müde neu ein. Hierzu hatte er das Original-Lied gemeinsam mit der Band umgetextet. Außerdem spielt er in dem Film eine kleine Gastrolle als Wachmann Herrhaus.

Bela B ist Mitglied der globalisierungskritischen Bewegung attac und unterstützt die Trinkwasserorganisation Viva con Agua.

2004 ließ Bela B. sich mit Franka Potente und Catherine Flemming für Plakate der Tierrechtsorganisation PeTA fotografieren, um damit gegen das Tragen von Pelzen zu demonstrieren.[7] Außerdem unterstützt er die von der Berliner Punkrockband ZSK ins Leben gerufene Initiative „Kein Bock auf Nazis“. Ein dafür produzierter Song von 2006 („Deutsche, kauft nicht bei Nazis!“) wurde als kostenloser Download veröffentlicht.[8][9] Auch die 2000 vom Stern und der Amadeu Antonio Stiftung geschaffene Kampagne Mut gegen rechte Gewalt unterstützt er.[10]

Für die Zeitung Die Welt interviewte Bela B. 2007 seinen Lieblingsregisseur Quentin Tarantino anlässlich dessen neuen Films Death Proof – Todsicher. Bela B. hatte 2009 in Tarantinos Inglourious Basterds einen Cameo-Auftritt.[11] In der Horrorfilmproduktion des Privatsenders ProSieben Gonger aus dem Jahre 2008 spielt Bela B. den Kriminalkommissar Petersen, weiter spielt er 2012 in Alexander Marcus’ Kinofilm Glanz und Gloria einen geheimnisvollen Gurtmacher.[12]

Ende 2013 veröffentlichte Bela B die exklusive 7″-Vinyl-Single „Peng!“, die ausschließlich bei teilnehmenden Händlern erhältlich war.[13]

Seit 2013 ist Bela B als „Blechmann“ in der Inszenierung Der Zauberer von Oz in der Augsburger Puppenkiste zu hören.[14]

Musikstil und Spieltechnik[Bearbeiten]

Bela B. live in München (2006)

Bela B hat nach seiner eigenen Darstellung eine hohe Affinität zum Horror-Genre, was auch in verschiedenen seiner Songs (Dein Vampyr, Mysteryland, Der Graf, Die Nacht, Wir werden schön, Der Vampir mit dem Colt, Monsterparty, Anti-Zombie) Niederschlag gefunden hat. Zu dem Song Licht am Ende des Sarges gibt er an, dass ihm dieses dunkle Image eigentlich auf den Geist gehe, aber der Song sei ironisch gemeint.

Nachdem er 1983 die Stray Cats mit Schlagzeuger Slim Jim Phantom gesehen hat, bevorzugt es Bela B bei Livekonzerten ebenfalls, stehend Schlagzeug zu spielen.[15]

Diskografie[Bearbeiten]

Chartplatzierungen
(vorläufig)
Erklärung der Daten
Alben[16]
Bingo
  DE 2 26.05.2006 (20 Wo.)
  AT 5 26.05.2006 (14 Wo.)
  CH 40 28.05.2006 (5 Wo.)
Code B
  DE 5 16.10.2009 (6 Wo.)
  AT 7 16.10.2009 (5 Wo.)
  CH 40 18.10.2009 (3 Wo.)
Bye (mit Smokestack Lightnin')
  DE 5 18.04.2014 (… Wo.)
  AT 19 18.04.2014 (… Wo.)
  CH 39 13.04.2014 (… Wo.)
Singles[16]
This Girl Was Made For Loving You (als Heike & Dirk)
  DE 63 25.08.1997 (5 Wo.)
Candy (mit Killer Barbies)
  DE 58 14.10.2002 (9 Wo.)
Tag mit Schutzumschlag
  DE 13 27.04.2006 (9 Wo.)
  AT 21 27.04.2006 (7 Wo.)
1., 2., 3. … (mit Charlotte Roche)
  DE 16 03.08.2006 (9 Wo.)
  AT 37 03.08.2006 (11 Wo.)
  CH 95 13.08.2006 (1 Wo.)
Sie hat was vermisst
  DE 47 17.11.2006 (4 Wo.)
Gitarre runter
  DE 62 31.08.2007 (3 Wo.)
Hölle (mit K.I.Z.)
  DE 39 20.06.2008 (8 Wo.)
Altes Arschloch Liebe
  DE 41 02.10.2009 (5 Wo.)
  AT 54 02.10.2009 (1 Wo.)
Schwarz/weiß (mit Marcel Eger)
  DE 83 04.12.2009 (1 Wo.)
Tag für Sieger
  DE 72 26.03.2010 (1 Wo.)
Abserviert (mit Smokestack Lightnin')
  DE 74 28.03.2014 (… Wo.)
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Alben[Bearbeiten]

Singles[Bearbeiten]

Hörspiele und -bücher[Bearbeiten]

  • 1992: Die Nixe / The Mermaid (von und mit Christa Fast)
  • 2002: Die Brautprinzessin
  • 2003: The KLF der schnelle Weg zum Nr. 1 Hit
  • 2004: Gabriel Burns – Folge 6, „Die Totenmaschine“ (als Barkeeper)
  • 2004: Thomas D vs. Bela B – Faust vs. Mephisto
  • 2005: Venus im Pelz
  • 2005: Böse Nacht Geschichten
  • 2006: Captain Berlin vs. Dracula (von Jörg Buttgereit)
  • 2006: Vampira-Hörspiel-Reihe von Lübbe-Audio
  • 2007: Last Train to Memphis (Elvis-Presley-Biographie – 1. Teil)
  • 2007: Careless Love (Elvis-Presley-Biographie – 2. Teil)
  • 2009: Kill Your Friends (von John Niven)
  • 2011: Exit Mundi – die besten Weltuntergänge (von Maarten Keulemans und A.W. Bruna Uitgevers)

Filmografie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bela B. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Bela B. – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Bela B. Felsenheimer In: Munziger Archiv abgerufen am 29. Juli 2013
  2. Nadine Lischick: Arztgeheimnisse Bei: musicsupporter.de vom 30. Juni 2010
  3. a b Nibo: Punkrocken, bis der Arzt kommt: Zum 50. Geburtstag von Bela B Bei: t-online.de vom 13. Dezember 2012
  4. Teufelskicker – Das ist das Making of (2010). Bei: IMDb abgerufen am 29. Juli 2013
  5. Interview mit Bela B. In: zitty vom 3. September 2006.
  6. Bela B. - ein Star beim Lümmellauf. In: Hamburger Abendblatt vom 20. Januar 2004
  7. Artikel auf der offiziellen Homepage von PeTA
  8. Kein Bock auf Nazis - Bela B. veröffentlicht MP3 Single "Kauft nicht bei Nazis". Tonspion, 5. Mai 2006, abgerufen am 23. August 2014.
  9. Deutsche, kauft nicht bei Nazis! (MP3). BPX 1992, abgerufen am 23. August 2014 (MP3; 3,16 MB).
  10. Gegen rechte Gewalt Burkhard Schröder, Tagesspiegel vom 30. April 2003
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPC Action: Inglourious Basterds: Tarantinos Meisterwerk über Nazis und deren Jäger. Abgerufen am 26. August 2009.
  12. imdb: Glanz & Gloria Abgerufen am 18. Juni 2013
  13. plattenladenwoche.de: Exklusiv: Bela B – Peng (7″-Single)
  14. Augsburger Allgemeine: Ein Stoff für die Kiste Abgerufen am 20. Januar 2014
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Format20 Minuten Online: Interview anlässlich eines Solo-Auftritts in der Schweiz. Abgerufen am 14. Dezember 2010.
  16. a b Chartquellen: Deutschland - Österreich - Schweiz
  17. Genschman. die-beste-band-der-welt.de. Abgerufen am 13. November 2011.