Kampfpanzer
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Kampfpanzer (auch Panzerkampfwagen), in der öffentlichen Wahrnehmung auch meist nur Panzer, ist der Haupttyp der Panzertruppe. Sie sind der am stärksten gepanzerte und am flexibelsten bewaffnete Typ aller Panzer und bilden am Anfang des 21. Jahrhundert noch immer das Rückgrat der Bodenstreitkräfte.
Typischerweise sind es gepanzerte Gleiskettenfahrzeuge mit einer Kanone als Hauptwaffe in einem rundum drehbaren Turm. Sie stellen einen möglichst optimalen Kompromiss aus Panzerung, Feuerkraft und Beweglichkeit dar. Ihre Aufgabe ist die Bekämpfung gegnerischer Panzer und befestigter Stellungen. Beim Kampf im urbanen Gebiet unterstützen sie auch häufig die Infanterie durch ihre Feuerkraft und ihren Panzerschutz. Ihre Besatzung besteht in der Regel aus vier Personen. In der Wanne sitzt oder liegt im allgemeinen der Fahrer. Im Turm befinden sich normalerweise der Kommandant, der Richtschütze und – falls der Panzer keine Ladeautomatik für die Kanone hat – ein Ladeschütze.
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[Bearbeiten] Geschichte
Die ersten Panzer, die im ersten Weltkrieg eingesetzt wurden, waren nahezu ausschließlich Kampfpanzer, allerdings noch ganz als Waffe zur Infanterieunterstützung ausgelegt. Eine stärkere Differenzierung der Panzertypen fand erst danach statt. Gleiskettenantrieb für die Geländegängigkeit und Panzerung zum Schutz waren die aus dem Erfahrungen des Krieges abgeleiteten Weiterentwicklungen. Zwischen den Weltkriegen wurde ein weiteres bis heute gültiges Konzept aufgestellt: der rundum drehbare Geschützturm. Multiturmpanzer setzten sich nicht durch.
Vor allem die im Zweiten Weltkrieg genannten mittleren Panzer T-34 (sowjetisch) und Panzerkampfwagen V Panther (deutsch) waren richtungsweisende Kampfpanzer. Der sowjetische T-34 hatte mit über 18 PS pro Tonne eine hervorragende Mobilität und durch günstige Neigung der Fahrzeugwände sehr gute Panzerwirkung bei relativ niedrigem Gewicht (26,5 t). Das Konzept wurde im deutschen Panther weiterentwickelt, der mit moderner Feuerleitung, elektrischer Turmmotorisierung, Drei-Mann-Turm usw. den Nachkriegsmodellen schon weitgehend entsprach.
Nach den zum Teil schlechten Erfahrungen mit den schweren deutschen Tigerpanzern erwies sich in den 50er-Jahren auch der britische Conqueror (der jedoch niemals in einem Krieg eingesetzt wurde) als taktisch eher problematisch. Schwere Panzer waren zu langsam und unbeweglich. Durch ihre Größe und das hohe Gewicht ließen sie sich nur schwer transportieren und viele Brücken waren ihrem Gewicht nicht gewachsen, was einen strategischen Nachteil darstellte. Im Notfall war das Abschleppen eines defekten Fahrzeugs häufig unmöglich.
Die im Koreakrieg sichtbar gewordene Überlegenheit mittelschwerer Panzer mit starker Feuerkraft im Bewegungskrieg führten zur Weiterentwicklung dieser Kampfpanzer. Hier zeichnete sich besonders der britische Centurion aus, der bis 1966 den Conqueror in der britischen Armee verdrängte. Er gilt als Prototyp des modernen Main Battle Tank. Dieser englische Begriff war bis dato allerdings noch nicht in Gebrauch, er kam erst mit dem Erfolg dieses Typs auf.
In dieser Zeit setzte sich das Konzept des „modernen Kampfpanzers“ durch, womit auch eine Reduzierung der Bandbreite an Kampfpanzermodellen einherging. Im englischen schlug sich dies im Ausdruck Main Battle Tank - MBT (wörtlich übersetzt: Hauptkampfpanzer) nieder. Der Begriff trägt dem Umstand Rechnung, dass die Trennung zwischen den Konzepten von leichten, mittleren und schweren Kampfpanzern zugunsten eines universellen Allzweckpanzers weitgehend entfällt.
In den Auseinandersetzungen im Nahen Osten, etwa 1967 auf ägyptischer Seite im Sechs-Tage-Krieg gegen Israel, zeigten die schweren Panzer wie die IS-3 und IS-3M im Kampfeinsatz ihre Unzulänglichkeiten, wobei diese Panzer freilich zu dieser Zeit schon technisch überholt waren. Ähnlich erging es dem letzten schweren, sowjetischen Panzer, dem T-10. Dieser geriet ab Ende der 1960er-Jahre gegenüber dem moderneren und leichteren T-64 sowohl technisch als auch von der Feuerkraft her völlig ins Hintertreffen und wurde um 1973 aus dem aktiven Einsatzbestand genommen.
Damit hatten sich die Main Battle Tanks in der Nachfolge der mittleren Panzer endgültig bei beiden Machtblöcken etabliert.
Den leichten Panzern blieb noch die Rolle der Aufklärung auf dem Gefechtsfeld. Sie wurden jedoch später durch Schützenpanzer und Panzerwagen ersetzt, die noch kostengünstiger waren. Diese besitzen heute eine Bewaffnung und Mobilität, die leichten Panzern von früher überlegen ist. Einer der letzten leichten Kampfpanzer ist der US-amerikanische Stingray, der von einigen Ländern in Asien (z. B. Thailand) eingesetzt wird. Neuentwicklungen erfolgen noch für Spezialaufgaben wie für Luftlandetruppen.
In den letzten 25 Jahren ist das Gewicht der Kampfpanzer bedingt durch immer stärkere Panzerungen und größere Kanonen enorm gestiegen und so mancher Panzer erreicht zum Teil schon etwa 70 Tonnen (z. B. M1A1HA Abrams). Das sind Gewichte, die ursprünglich typisch waren für schwere Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg, wie dem deutschen Königstiger oder dem britischen Conqueror der 50er-/60er-Jahre. Aus diesem Grund werden heute die modernen Kampfpanzer immer häufiger als schwere Kampfpanzer bezeichnet, obwohl sie entwicklungsgeschichtlich von den mittleren Panzern abstammen. Sie weisen dabei jedoch durch die entsprechend weiterentwickelte Antriebstechnologie nicht die Mängel der früheren schweren Panzer auf.
Mit dem Ende des kalten Krieges und der Wandlung des Schlachtfeldes von offenem, panzergünstigem Gelände zu Einsätzen in panzerungünstigem Gelände wurde die Daseinsberechtigung immer mehr in Frage gestellt und die Zahl der einsatzbereit gehaltenen Einheiten wurde wesentlich verringert. Setzen Staaten wie China, Indien oder Südkorea nach wie vor auf starke Panzerverbände, so ändern sich die Anforderungen der NATO-Staaten zu luftverladbaren, schnellen Einsatzverbänden mit entsprechenden Fahrzeugen. Aufgrund ihrer hohen Stoßkraft, Durchsetzungs-, Durchhalte- und Wirkfähigkeit, sind sie jedoch noch immer ein fester Bestandteil jeder Landstreitmacht im weiter gültigen Konzept „Gefecht der verbundenen Waffen“. So sind Kampfpanzer bei Friedensmissionen (Peace Support Operation) ein Druck- und Ordnungsmittel im Rahmen der Show of force, dem zeigen der militärischen Stärke gegenüber den Konfliktparteien. Beim Kampf in bebautem Gelände und dem Häuserkampf bietet er durch seine Panzerung und Bewaffnung Schutz sowie Feuerkraft für die Infanterie und begleitende Unterstützungseinheiten.
[Bearbeiten] Technik
[Bearbeiten] Mobilität
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde zwar auf Geländegängigkeit grundsätzlich Wert gelegt, jedoch wurden auch Panzertypen mit extrem verstärkter Panzerung auf Kosten der Mobilität eingeführt. Zum Teil lag dies an konzeptuellen Vorgaben (Infanteriepanzer) oft aber auch schlicht daran, dass entsprechend leistungsstarke Motoren nicht verfügbar waren (Tiger II). Bis in die Gegenwart besitzen Kampfpanzer nun eine hohe Mobilität. Das Verhältnis von Motorleistung und Masse liegt bei modernen Panzern über 20 PS/t. Automatische Schalt-/Lenkgetriebe mit hydraulischer Wandlung sind heute der Standard. Die Reichweite eines Kampfpanzers in leichtem Gelände liegt dabei heute meistens bei 400–500 km, zur Zeit des Zweiten Weltkriegs waren es oft nur 150 km. In manchen Fällen, wie etwa beim deutschen Leopard 2, liegt die erreichbare Geschwindigkeit auf Straßen in Bereichen, die früher nur von Radfahrzeugen erreicht wurden (über 70 km/h). Bei den Fahrleistungen im Gelände wird dabei heute die Grenze physischer Belastbarkeit der Besatzung bei Panzern mit Drehstabfederung erreicht.
Ihr Kettenantrieb ermöglicht Panzern trotz des enormen Gewichts ein schnelles Vorankommen im Gelände. Jedoch bilden morastige und bindige Böden mit hohem Feuchtigkeitsgehalt ein natürliches Hindernis, das schwer überwunden werden kann.
[Bearbeiten] Antrieb
Die ersten Panzer wurden von Benzin- oder Petroleummotoren als Reihen-, V- oder auch Sternmotor angetrieben. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs zeigte sich die Überlegenheit des Dieselmotors, bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dominierten aber aus verschiedenen Gründen noch Benzinmotoren. Heute ist der Dieselmotor der vorherrschende und am weitesten entwickelten Antriebstyp für Panzerfahrzeuge. Anfänglich war er bezogen auf sein Gewicht noch leistungsschwach, heute hat er sich zum aufgeladenen Hochleistungsdiesel gewandelt. Oft ist er als Vielstoffmotor ausgelegt um die Treibstoffversorgung zu vereinfachen.
Ein weiterer Antriebstyp ist die Gasturbine, wie sie beim amerikanischen M1 Abrams und dem sowjetischen T-80 Verwendung findet. Im Gegensatz zum Dieselmotor ist diese Antriebsform leichter bei gleicher Leistung. Dabei entsteht allerdings ein wesentlich höherer Luft- und Kraftstoffverbrauch, vor allem im Teillastbetrieb, was die Reichweite des Fahrzeugs einschränkt und logistische Probleme in der Treibstoffnachführung verursacht. Die Nachteile des hohen Treibstoffverbrauchs im Leerlauf und der nicht vorhandenen Stromversorgung ohne laufenden Motor versucht man mit zusätzlichen Stromaggregaten und hybridem Mischantrieb (Diesel und zusätzliche Gasturbine) beim Stridsvagn 103 zu beheben was jedoch bei Gesamtmassen von 50 bis 60 Tonnen eine untergeordnete Rolle spielt, das Problem des hohen Treibstoffverbrauchs im Teillastbetrieb bleibt bestehen.
Trotz ihrer Komplexität können die Triebwerke zum Teil in wenigen Minuten gewechselt werden. Dabei sind oft Motor, Schalt-Lenkgetriebe und Kühlanlage zu einem Block gebündelt.
[Bearbeiten] Bewaffnung
[Bearbeiten] Hauptwaffe
Die Hauptwaffen von Kampfpanzern sind Kanonen. In der Frühzeit würden Panzer zum Teil mit mehreren Kanonen ausgestattet, einige Sondermodelle wurden auch mit Flammenwerfern ausgerüstet. Panzerkanonen sind in der Regel anders als Artilleriekanonen nicht weit höhenrichtbar, da sie ihre Ziele normalerweise direkt − auf Sicht − beschießen.
In neueren Modellen kommen überwiegend Glattrohrkanonen mit Kalibern von 105 bis 125 mm zum Einsatz. Großbritannien setzt bei einigen Modellen aber immer noch vorwiegend auf Zugrohrkanonen. Obligatorisch ist eine Wärmeschutzhülle, die das Rohr gegen ungleichmäßige Erwärmung durch Außeneinflüsse schützt, was die Präzision verringern würde.
[Bearbeiten] Zielerfassung
In den ersten Panzern wurden Ziele noch rein optisch vom Schützen erfasst. Aufgrund des extremen Lärms in den Panzern des ersten Weltkrieges war eine Feuerleitung und Koordination der Waffen kaum möglich. Mit dem sich durchsetzenden Konzept des Turmpanzers etablierte sich auch die Zielvorgabe durch den Kommandanten und die Ausstattung mit verstärkenden Zieloptiken. Aber selbst im Zweiten Weltkrieg kamen noch Panzer mit einfachen optischen Visieren zum Einsatz. Eine Zielerfassung war darum bis zum Ende des Zweiten Weltkrieg nur bei ausreichender Beleuchtung möglich. Heute stehen eine Vielzahl von Hilfsmitteln bis hin zur computergestützten Zielauswahl und Geschützrichtung zur Verfügung.
Einrichtungen zur Zielerfassung sind dabei:
- Zieloptik
- Infrarot-Nachtsichtgeräte (teilweise mit Scheinwerfer)
- Laserentfernungsmesser
- Elektronisch nachgeführte Kanone, die gezieltes Feuer auch aus schneller Eigenbewegung ermöglicht
- Feuerleitrechner
- Videozielunterstützung
- Messvorrichtung, üblicherweise mit Kollimator nahe der Mündung, die Verwindungen in der Seelenachse des Rohres feststellt und dem Feuerleitrechner automatische Korrekturen ermöglicht.
[Bearbeiten] Sekundärwaffen
- Maschinengewehre
- bei älteren Modellen im Bug der Wanne
- koaxial zur Kanone im Turm,
- auf dem Turmdach (Fliegerabwehr-MG).
- Nebelwerfer
[Bearbeiten] Munitionsarten
Prinzipiell könnten Panzerkanonen jede Art von Artilleriemunition verschießen. Aufgrund ihres Einsatzprofiles werden viele Munitionsarten jedoch von Panzern kaum mitgeführt. Ursprünglich standen Panzern nur Wuchtgeschosse und Sprenggranaten zur Verfügung. Als spezielle Munition zur Panzerbekämpfung wurden außerdem Hohlladungsgeschosse und Quetschkopfgeschosse eingeführt, wobei letztere mittlerweile gegen moderne Panzerungen wirkungslos geworden sind.
[Bearbeiten] Schutzeinrichtungen
Seit den 1970er Jahren verfügen Kampfpanzer normalerweise über Sandwichpanzerungen aus Metall und Keramiken, deren genaue Zusammensetzung geheim ist. Teilweise kommen Reaktivpanzerungen zur Verstärkung von Schwachstellen zum Einsatz. Neuere Modelle verfügen teilweise über eine zusätzliche Außenpanzerung aus Hartmetall wie z. B. abgereichertem Uran (M1 A2 HA), um die Widerstandsfähigkeit gegen Wuchtgeschosse zu erhöhen. Zunehmend Verbreitung findet eine modular aufmontierte Panzerung, die Reparaturen, Wartung und vor allem die spätere Anpassung des Schutzstandards durch Materialienaustausch oder Verstärkung erleichtert und abstandsaktive Schutzmaßnahmen. Moderne Kampfpanzer verfügen über einen Schutz gegen Munitionsexplosionen, indem die Munitionslager zum Besatzungsraum durch gepanzerte Türen abgeschottet sind und entstehende Explosionsenenergie durch Sollbruchstellen nach außen abgeleitet würde. Eine wichtige Komponente moderner Kampfpanzer ist auch der Schutz der Besatzung gegen die Wirkung von ABC-Waffen, für den der Besatzungsraum abgedichtet wird und unter Überdruck gesetzt wird. Die Versorgung mit komprimierter Frischluft erfolgt durch integrierte Filteranlagen im Panzer.
[Bearbeiten] Aktuelle Modelle
Folgende Kampfpanzer entsprechen zur Zeit weitgehend dem Stand der Technik: Der deutsche Leopard 2, der US-amerikanische M1 Abrams, der iranische Zulfiquar, der britische Challenger 2, der französische Leclerc, die südkoreanischen Modelle K1 und K2, der italienische Ariete, der russische T-90, der pakistanische Al-Khalid, der israelische Merkava Mk4, der japanische Typ 90, der chinesische MBT 2000 und Typ 99.
Die weltweit noch immer am weitesten verbreiteten Kampfpanzer sind die älteren sowjetisch/russischen Typen, wie T-54, T-55 und T-62 bzw. ihre Kopien aus der VR China Typ 59, Typ 62, Typ 63 und Typ 69. Diese Panzermodelle sind wegen ihrer nur aus Stahl bestehenden Panzerung trotz häufig vorgenommener Kampfwertsteigerungen gegen modernere Fahrzeuge nicht mehr konkurrenzfähig. In Entwicklungsländern bzw. der sog. dritten Welt stellen sie mangels besserer Fahrzeuge immer noch die wichtigsten Kampfpanzer im Einsatz.
Die auf westlicher Seite noch vertretenen älteren Leopard 1 aus Deutschland, sowie der französische AMX-30 (welcher bewusst für hohe Mobilität entwickelt wurde), sind mit ihren 36 t (AMX-30) bzw. 45 t (Leopard 1) relativ leicht. Sie entsprechen zwar ohne weiteres der Konstruktionsphilosophie der modernen Panzer, stellen aber aufgrund ihrer ebenfalls nicht mehr konkurrenzfähigen Panzerung und Feuerkraft nicht mehr den wichtigsten Panzer ihres Landes dar und sind z. T. in ihrem Ursprungsland bereits komplett ausgemustert (Leopard 1 im Jahre 2003).
Der argentinische TAM ist der Versuch, einen leichteren Panzer für die Rolle des Kampfpanzers zu schaffen. Dieser kommt den Leistungen älterer Versionen moderner Kampfpanzer nahe, kann sich aber keinesfalls mit den größeren und stärkeren Modellen messen.
[Bearbeiten] Literatur
- Alan K. Russel: Moderne Kampfpanzer, Waffen und Gerät Band 3, Motorbuch Verlag, ISBN 3-613-01792-X

